Gemeine Stechmücke

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Gemeine Stechmücke

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
Unterordnung: Mücken (Nematocera)
Familie: Stechmücken (Culicidae)
Gattung: Culex
Art: Gemeine Stechmücke
Wissenschaftlicher Name
Culex pipiens
Linnaeus, 1758

Die Gemeine Stechmücke (Culex pipiens) zählt innerhalb der Familie der Stechmücken (Culicidae) zur Gattung Culex. Sie wurde erstmals im Jahre 1758 von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné beschrieben.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Gemeine Stechmücke erreicht eine Körperlänge von sechs bis acht Millimetern. Die Beine sind sehr lang, die Flügel sind schmal und inetwa genauso lang oder etwas kürzer als der beschuppte Hinterleib (Abdomen). Die Antennen der Männchen sind gefiedert und die Unterkiefertaster sind ungefähr so lang, wie sein Saugrüssel, die Antennen der Weibchen sind gerade und die Unterkiefertaster kurz. Die Grundfärbung ist grau, wobei auf dem Rücken des Hinterleibes und des Bruststückes eine schwarze Zeichnung erkennbar ist. Nach dem Blutsaugen, was nur die Weibchen tun, schwillt der normalerweise schlanke Hinterleib an und färbt sich rot. Das Weibchen weist stechend-saugende Mundwerkzeuge auf. Der Brustkorb (Thorax) ist im Vergleich zum kleinen Kopf und schmalen Hinterleib sehr bullig.

Lebensweise, Ernährung und Fortpflanzung

Männliche Stechmücken ernähren sich ausschließlich von Pflanzennektar, Pflanzensäften und Wasser, Weibchen nehmen neben dieser Nahrung zusätzlich Blut auf. Die Stechmücken sind oftmals in Schwärmen anzutreffen und sowohl am Tage, als auch in der Nacht aktiv.

Potentielles Brutgewässer der Gemeinen Stechmücke
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Potentielles Brutgewässer der Gemeinen Stechmücke

Zur Paarung findet sich ein Paar in einem Schwarm anhand eines bestimmten Sinnesorganes, welches den tieferen Flugton eines Weibchens um 350 Hertz wahrnimmt. Nach der Paarung werden Proteine für die Bildung und Reifung der Eier benötigt, die nur über das Blut von Säugetieren (Mammalia) und Vögeln (Aves) zu erhalten sind. Aus diesem Grund werden weibliche Stechmücken sprichwörtlich zum Vampir und saugen das benötigte Blut. Die 200 bis 400 Eier eines Weibchens werden in Form kleiner Schiffchen auf der Wasseroberfläche einer Pfütze, eines Teiches, einer Regentonne, eines Sees oder auf einem anderen stillen Gewässer abgelegt. Die etwa einen Zentimeter messenden Larven schlüpfen kurz darauf aus den Eiern, sie atmen über ein Atemrohr, was über die Wasseroberfläche gehalten wird und Luft in die Tracheen leitet. Die Larven haben einen langen Hinterleib (Abdomen), massigen Brustkorb (Thorax) und kleinen Kopf (Caput). Bei Gefahr flüchten sie schnell tief in das Brutgewässer, sofern es eine entsprechende Tiefe bietet, um sich sehr bald schon wieder mit kräftigen Hinterleibsschlägen an die Wasseroberfläche zu arbeiten. Ihre Nahrung, bestehend aus Algen, strudeln sie mithilfe der Borsten ihrer Mundwerkzeuge herbei. Im Laufe der Zeit wachsen die Larven, die Haut aus Chitin ist nicht fähig zu wachsen und wird regelmäßig abgestreift und durch einen zum Zeitpunkt des Abstreifens bereits bestehenden neuen Chitinpanzer ersetzt. Insgesamt häutet sich eine Larve vier mal, dann verpuppt sie sich. Die Puppen atmen durch zwei Atemhörner und können sich ebenfalls auf und ab sowie hin und her fortbewegen, jedoch keine Nahrung mehr aufnehmen. Die Puppe ist von einer speziellen Hülle umgeben. Unter dieser entwickeln sich die Flügel, Beine und die Geschlechtsorgane, außerdem wird die Körperform und Färbung verändert und die Mundwerkzeuge werden entsprechend umgewandelt. Nach wenigen Tagen ist die Umwandlung, im Falle der Gemeinen Stechmücke eine vollkommene Metamorphose, in der Puppe abgeschlossen und aus den Eiern haben sich kleine Stechmücken entwickelt, die nun nach dem Befreien aus der Puppenhülle das Wasser verlassen.

Blutsauger und Krankheitsüberträger

Die Gemeine Stechmücke ist wohl jedem als "lästiges Biest" bekannt. Sie, genauer die Weibchen der Art saugen Blut von Säugetieren (Mammalia) und Vögeln (Aves), welches für die Produktion der Eier verwendet wird. Um die entsprechenden Opfer zu finden, orientieren sie sich deren Körpergeruch sowie am erhöhten Kohlenstoffdioxidausstoß ihrer Atemluft. Beim Stich werden die Enden der Unterlippe der Mücke auf die Haut gesetzt. Da bei dem Blutsaugen der Stech- bzw. Saugrüssel des Mückenweibchens Speichel in die Wunde und somit in die Blutbahn abgibt, ist eine Infektion mit Krankheitserregern nicht ausgeschlossen. Der Speichel dient in erster Linie zum Unterdrücken der Blutgerinnung. Die Gemeine Stechmücke und einige andere Culex-Arten übertragen beispielsweise das Sindbis-Virus, welches in Ägypten im Dorf Sindbis, woher auch der Name stammt, entdeckt wurde und als Reisevirus auch in Europa anzutreffen ist. Es löst eine zumeist harmlos verlaufende Fieberkrankheit aus, die im schlimmsten Fall allerdings auch zu einer Hirnhautentzündung führen kann, welche bei zu später Erkennung lebensbedrohliche oder gar tödliche Symptome hervorrufen kann. Auch können entzündungshervorufende Bakterien durch die Stechmücke in Stichwunden gelangen.
Gemeine Stechmücke, Männchen
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Gemeine Stechmücke, Männchen
Grundsätzlich gefährliche Krankheiten sind bei der Gemeinen Stechmücke jedoch nicht zu erwarten, zumindest nicht in Mitteleuropa. Gefährlicher sind unter anderem viele tropische Arten der Gattung Anopheles, die malariaerregende Plasmoiden übertragen können.

Verbreitung

Die Gemeine Stechmücke findet ausgenommen des Nord- und Südpolars weltweit Verbreitung, wobei bei uns nur die Weibchen, welche den Winter in kühlen Räumen überleben, das ganze Jahr über anzutreffen sind, die Männchen sterben im Herbst. Es gibt keinerlei spezielle Lebensräume, die von der Gemeinen Stechmücke bevorzugt werden. Als einzige Faktoren für die Fortpflanzung kommt das Vorhandensein von Wasser zur Eiablage sowie Säugetiere und bzw. oder Vögel als Blutlieferanten in Frage.

Ökologie

Die Gemeine Stechmücke ist ein von den meisten Menschen verachtetes Tier, wobei oftmals auch nicht mit Unrecht. Dennoch muss man auch die Vorteile und das Gute in einem Tier sehen können. So dienen Mücken wie die Gemeine Stechmücke vielen Tieren, besonders hervorzuheben den seltenen und geschützten einheimischen Fledermäusen (Microchiroptera) oder seltenen Kriechtieren (Reptilia) und Lurchen (Amphibia) als Nahrung, einigen zusammen mit anderen Mücken sogar als Grundnahrung.

Die Gemeine Stechmücke ist nicht geschützt und benötigt auch noch keinen Schutz. Aufgrund der Tatsache, dass sie sich sogar mit Pfützen oder Ähnlichem zur Eiablage zufrieden gibt und es Menschen genug auf der Welt gibt und dort, wo es keine Menschen gibt in der Regel andere Säugetiere oder Vögel aufzufinden sind, wird die Gemeine Stechmücke wahrscheinlich auch in Zukunft keinen Schutz benötigen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann: Der große Kosmos Tierführer - 1.000 Arten Mitteleuropas, Franckh Kosmos Verlag, ISBN 3-440-10093-6
  • Eisenreich, Handel und Zimmer: Tiere und Pflanzen, BLV Verlagsgesellschaft mbH, ISBN 3-405-16740-X
  • Brigitta Sombecki-Hansen und Udo Beckmann: Einblicke Biologie, Ernst Klett Verlag, ISBN 3-12-030720-3
  • Stichmann, Wilfried & Erich Kretzschmar: Der neue Kosmos-Tierführer, Kosmos, Stuttgart 2003. ISBN 3-440-09575-4
  • H. Böttgenbach und andere: Bio 2|3, Westermann Verlag, ISBN 3-14-150702-3
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