Gemeine Schließmundschnecke

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Gemeine Schließmundschnecke

Systematik
Klasse: Schnecken (Gastropoda)
Ordnung: Lungenschnecken (Pulmonata)
Unterordnung: Landlungenschnecken (Stylommatophora)
Überfamilie: Clausilioidea
Familie: Schließmundschnecken (Clausiliidae)
Unterfamilie: Baleinae
Gattung: Alinda
Familie: Gemeine Schließmundschnecke
Wissenschaftlicher Name
Alinda biplicata
(Montagu, 1803)

Die Gemeine Schließmundschnecke (Alinda biplicata), auch unter den Synonymen Balea biplicata und Clausilia similis bekannt, zählt innerhalb der Familie der Schließmundschnecken (Clausiliidae) zur Gattung Alinda. Im Englischen wird die Gemeine Schließmundschnecke Two lipped door snail oder Common Door Snail genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Die Deutsche Malakozoologische Gesellschaft wählte in Kooperation mit dem NABU am 16.12.2009 die Gemeine Schließmundschnecke (Alinda biplicata) zum Weichtier des Jahres 2010. Die Gemeine Schließmundschnecke gehört bisher in Deutschland nicht zu den gefährdeten Schnecken und ist häufig anzutreffen. Der Schutz ihrer Lebensräume nützt jedoch auch vielen anderen mit ihr zusammenlebenden Tierarten.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Im Allgemeinen ist das Gehäuse der Arten aus der Familie der Schließmundschnecken (Clausiliidae) linksgewunden, mit einem Nabelritz, spindelförmig, schlank, selten bauchig und nach obenhin verschmälert meist mit einer stumpfen Spitze versehen. Die Umgänge sind zahlreich bis 14 und sind durch eine seichte Naht verbunden. Die Mündung ist höher als breit, zuweilen sehr verengt, insbesondere am Schlund deutlich ausgeprägt. An der rechten Seite der Mündung sind zwei Falten vorhanden, die jedoch zuweilen verkümmert erscheinen. Am Gaumen befindet sich eine Längsfalte sowie Schwielen und Wülste. Der Mundsaum ist zusammenhängend oder verbunden, selten ist er getrennt und oft weit hervortretend, zurückgebogen, scharf, einfach, selten gelippt. Der Nacken ist meist stark gestreift und das Gehäuse erscheint an der Oberfläche entweder glatt oder gerippt oder die Naht ist mit kleinen Warzen besetzt. <1>

Anatomie der Gemeinen Schließmundschnecke
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Anatomie der Gemeinen Schließmundschnecke

Bei dieser Art beträgt die Höhe des Gehäuses etwa 15 bis 18 Millimeter und die Breite etwa 3,8 bis 4,5 Millimeter. Das Gehäuse ist geritzt, spindelförmig, schlank, selten etwas bauchig, ziemlich stark, wenig durchsichtig und weist eine schlank ausgezogene Spitze auf. Die Farbe ist gelblich-hornbraun oder rötlich-hornbraun, wenig glänzend und dicht rippenstreifig. An der Naht zeigen sich weißliche Fleckchen, indem in den Zwischenräumen stets 3 bis 4 Streifen im ersten Viertel der Länge weißlich sind. Die 11 bis 13 ziemlich gewölbten Umgänge sind durch eine seichte, feine Naht vereinigt. Die Mündung ist länglich birnenförmig, schmal und an der Basis mit einer Rinne versehen, die dem Kamm des Nackens entspricht. Am Gaumen eine längslaufende weiße Falte. Der Mundsaum ist zusammenhängend, gelöst vortretend, zurückgebogen, weißlich und ist entweder mit einer einfachen oder mit einer schwachen, selten bedeutenderen Lippe belegt. Die obere Lamelle ist hervortretend, zusammengedrückt und stark ausgedrückt. Die untere Lippe ist weit nach hinten stehend und wirkt nicht sehr erhaben. Interlamellar nackt oder seltener mit 1 bis 3 Fältchen belegt. Der Nacken ist eingedrückt, dann weiter unten etwas wulstig und ganz unten mit einem deutlich ausgedrückten Kamm oder Kiel ausgestattet, der sich hinter dem Spindelrand um die Nabelgegend herumgelegt ist. Das Tier selbst weist eine graugelbliche, hellgraue bis schwarzgraue Färbung auf. Die Färbung variiert sehr stark. Es finden sich bei dieser Art nicht selten auffallende Abweichungen in ihrer Gestalt und Größe, uns selbst in den Mundteilen. Jedoch bleiben die wichtigsten Art-Merkmale, die vornehmlich in der Mündung und am Peristom liegen, stets unverändert. <2>

Lebensweise

Die Gemeine Schließmundschnecke hält sich überwiegend an alten Mauern, unter der Bodendecke von Gebüschen, Hecken und dergleichen sowie an bemoosten Stellen auf. Bei uns in Deutschland bewohnt die Gemeine Schließmundschnecke schattige und feuchte Lebensräume. Sie ist wie die meisten Schnecken bei Wärme und Feuchtigkeit aktiv und klettert zum Beispiel an Stämmen, vor allem auch an Felsen und Mauern. Die Gemeine Schließmundschnecke bevorzugt Standorte mit kalkhaltigen Böden.

Verbreitung

Die Gemeine Schließmundschnecke kommt in Mittel- und in Südost-Europa vor. Des Weiteren ist sie im Süden Skandinavien, im Südosten von Polen, in den westlichen Karpaten, im Osten der Slowakei, in Bulgarien, im Norden von Griechenland, in Südtirol, in der nördlichen Schweiz, vereinzelt auch im Nordosten von Frankreich sowie in den Niederlanden und in England zu finden. Die Gemeine Schließmundschnecke lebt vorwiegend in Wäldern unter Krautvegetation, unter Laub oder zwischen Felsen. Seltener hält sie sich in trockenen Lebensräumen auf. In der Schweiz kommt bis in Höhen bis zu 800 Metern vor und in Österreich und in Bulgarien bis zu 2.300 Metern. Im Süden von England findet man die Gemeine Schließmundschnecke an den Ufern der Themse, meist mit menschlichen Müll verbunden und wurde ebenfalls erfolgreich in Gärten eingeführt.

Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum)
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Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum)

Ernährung

Die Gemeine Schließmundschnecke ernährt sich von Algen, Bakterienrasen, Pilzen und von verschiedenen welken oder faulenden Pflanzenteilen. Selten verspeist die Gemeine Schließmundschnecke frische Blätter, einige der wenigen Pflanzen, die auch frisch zu sich genommen werden ist die Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum).

Fortpflanzung

Gemeine Schließmundschnecken sind Zwitter. Sie produzieren in einem Organ, der Zwitterdrüse in der Spitze ihres Gehäuses, sowohl Ei-, als auch Samenzellen. Alle anderen Organismen, die üblicherweise als Zwitterwesen bezeichnet werden, sind Hermaphroditen, d. h. sie produzieren in zwei Organen, den Keimdrüsen, Ei- und Samenzellen getrennt voneinander. Die Geschlechtsöffnung liegt oberhalb des Mundes. Die gesamte Kopulation bei der Gemeinen Schließmundschnecke beträgt etwa ein bis zwei Stunden. Die Begattung kann wechselseitig sein, indem jeder Partner dem anderen Samenzellen zur Befruchtung der Eier überträgt. Meist fungiert aber ein Partner als Männchen, der andere als Weibchen. In dem Fall gibt nur das Männchen die Samenzellen ab. Zu einem späteren Zeitpunkt können die Geschlechterrollen getauscht werden. Die Reproduktionsphase findet im gesamten Sommerhalbjahr statt und erstreckt sich bis in den Monat Oktober hinein. Die Gemeine Schließmundschnecke legt keine Eier, sondern gebärt zwischen einem und elf lebende Jungschnecken. Nur in seltenen Fällen werden weit entwickelte Eier kurz vor dem Schlupf abgelegt. Die Jungschnecken werden mit einem Gehäuse von 2,5 Umgängen bei einer Höhe von 1,3 bis 1,8 Millimeter und einer Breite von etwa 0,9 Millimeter geboren. Das spitz-kegelige Gehäuse der Jungschnecken ist allerdings noch ganz glatt und erst später bildet sich bei den Jungschnecken das typisch gerippte Gehäuse. Die Jungschnecken wachsen ziemlich schnell und verbleiben etwa zwei bis drei Tage am Boden, danach klettern die Jungschnecken bereits an Stämmen oder Mauern nach oben. Bis die Jungschnecken die Gehäusehöhe endgültig erreicht haben, vergehen etwa acht bis zehn Monate. Während dieser Zeit bilden sich der verdickte Mündungsrand und der Verschlußapparat weiter aus. Nach Abschluß der Gehäuse-Entwicklung sind die Jungschnecken geschlechtsreif und wachsen nicht mehr weiter. Die Gemeine Schließmundschnecke kann mehrere Jahre leben.

Gefährdung und Schutz

Die Gemeine Schließmundschnecke ist im südlichen Bulgarien eine der häufigsten Arten aus der Familie der Schließmundschnecken (Clausiliidae). Offenbar wurde die Gemeine Schließmundschnecke vor einigen 100 Jahren bis in den Süden von England in der Nähe von London eingeführt und erreichte viele Orte zwischen der Region Londons und dem östlichen Cornwall. Jedoch sind die Lebensräume am Fluss größtenteils zerstört und nur wenige Populationen haben in der Nähe von London überlebt, offensichtlich immer noch rückläufig. Verwundbar ist die Gemeine Schließmundschnecke im Vorarlberg, in der Schweiz weniger bedenklich und selten ist sie in England anzutreffen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] Jahrbuch des naturhistorischen Landesmuseums von Kärnten. Herausgegeben von J. L. Canaval. Museums-Custos. Klagenfurt. Gedruckt bei Ferdinand von Kleinmayr. 1852.
  • [2] Iconographie der Land- und Süsswasser-Mollusken mit vorzüglicher Berücksichtigung der europäischen noch nicht abgebildeten Arten. Von Prof. E. A. Rossmässler. I. Heft. Mit 5 colorierten lithographierten Tafeln. Dresden und Leipzig. Arnoldische Buchhandlung. 1835.
  • Michael P. Kerney, Robert A. D. Cameron, Dr. Dr. Jürgen H. Jungbluth: Die Landschnecken Nord- und Mitteleuropas. Ein Bestimmungsbuch für Biologen und Naturfreunde. Hamburg und Berlin, Verlag Paul Parey, 1983 ISBN 3-490-17918-8
  • Dr. Václav Pfleger: Schnecken und Muscheln Europas. Land- und Süßwasserarten. Kosmos Gesellschaft der Naturfreunde Franckh'sche Verlagshandlung Stuttgart 1984 ISBN 3-440-05261-3
  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Rupert Riedl, Prof. Dr Erich Thenius: Weichtiere Stachelhäuter. Dritter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, Oktober 1993 ISBN 3-423-05970-2
  • Rosina Fechter/Gerhard Falkner: Weichtiere. Europäische Meeres- und Binnenmollusken. Herausgegeben von Gunter Steinbach, Illustriert von Fritz Wendler. 1990 Mosaik Verlag GmbH, München 54321, Gesamtherstellung Mohndruck Graphische Betriebe GmbH, Gütersloh. Printed in Germany. ISBN 3-570-03414-3
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