Gelbspötter

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Gelbspötter
Russia, Moscow

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Grasmückenartige (Sylviidae)
Unterfamilie: Acrocephalinae
Gattung: Spötter (Hippolais)
Art: Gelbspötter
Wissenschaftlicher Name
Hippolais icterina
Vieillot, 1817

IUCN-Status
Near Threatened (LC) - IUCN

Der Gelbspötter (Hippolais icterina) zählt innerhalb der Familie der Grasmückenartige (Sylviidae) zur Gattung Spötter (Hippolais).

Der Gelbspötter ähnelt in Größe und Aussehen sehr stark dem Olivenspötter (Hippolais olivetorum). Zwischen beiden Arten besteht höchste Verwechslungsgefahr und man kann sie nur an der andersartigen Stimme unterscheiden.

Ähnliche Arten sind der Orpheusspötter (Hippolais polyglotta) und der Blassspötter (Hippolais pallida), die vorwiegend Brüter des Südens sind. Neuerdings brütet der Orpheusspötter (Hippolais polyglotta) auch im äußersten Westen Deutschlands und der Blassspötter (Hippolais pallida) ist ein Brüter in Südspanien, Nordafrika, Griechenland und Kleinasien. Der Olivenspötter (Hippolais olivetorum) brütet häufig im westlichen Kleinasien.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Gelbspötter ist kleiner als ein Haussperling (Passer domesticus) und erreicht eine Körperlänge von etwa 13 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 22 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 10 bis 15 Gramm. In ihrem Äußeren unterscheiden sich das Männchen und das Weibchen nicht. Beide weisen eine grünlichgraue bis olivgrüne Oberseite auf. Durch die hellen Säume der inneren Armschwingen auf dem geschlossenen Flügel zeigt sich eine hellere Stelle. Die Unterseite ist meist gelblich. Markanteste Merkmale bei beiden Geschlechtern ist der gelbliche Überaugenstreif und die olivgrünlich gefärbten Wangen. Die Extremitäten sind bläulichgrau bis schwarz geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorn. Der Schnabel ist im Vergleich zu den Laubsängern (Phylloscopus) sehr kräftig ausgebildet und weist eine orangefarbene Tönung auf. Insgesamt läßt der Gelbspötter im Aussehen auch an einen Fitis (Phylloscopus trochilus) denken, der allerdings im Verhältnis zum Gelbspötter wesentlich größer ist.

Weitere Unterscheidungsmerkmale sind die Flügel, die deutlich gelbe Säume im Gegensatz zum Orpheusspötter (Hippolais polyglotta) aufweisen und viel länger wirken als bei dem Orpheusspötter (Hippolais polyglotta). Der Gelbspötter weist durch seine längeren Flügel einen kräftigeren Flug auf als der Orpheusspötter (Hippolais polyglotta). Wird der Gelbspötter gestört, dann ertönt ein harter Ruf wie etwa "tete", oft auch als "tetehui" erweitert. Der Gesang ist ein fortlaufendes Schwätzen mit schneidenden, rauhen und kratzigen Tönen, oft sehr laut, dazwischen sind Pfeiflaute eingeschaltet. Motive werden häufig mehrmals wiederholt. Der Gelbspötter bewegt sich langsamer als die kleinen, etwas nervös wirkenden Laubsänger (Phylloscopus) durch das Geäst. Der Gelbspötter kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von etwa sechs Jahren erreichen.

Unterarten

Verbreitung

Bevorzugter Nistplatz Fliederbüsche
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Bevorzugter Nistplatz Fliederbüsche

Der Gelbspötter ist ein Brüter in Europa von Frankreich bis Westsibirien, im Norden bis ins südliche Fennoskandinavien, im Süden Verbreitungsgrenze etwa die Alpen und die nördlichen Balkanländer bzw. das Schwarze Meer. Bei uns in Deutschland ist er ein weit verbreiteter Brüter im Tiefland. Des weiteren ist der Gelbspötter ein Langstreckenzieher von Ende April/Anfang Mai bis September. Sein Winterquartier befindet sich im tropischen Afrika und zieht im August nachts im Familienverband oder in kleinen Flügen ins Winterquartier. Ende April/Anfang Mai kehrt er zurück. In Süd- und Südwesteuropa wird der Gelbspötter durch den Orpheusspötter (Hippolais polyglotta) vertreten, den man im Feld nur an der andersartigen Stimme unterscheiden kann. Die beiden so ähnlichen Arten kommen nicht nebeneinander vor. Der Gelbspötter benötigt in seinem Lebensraum Büsche und höhere Bäume in Wassernähe. Besonders für ihn geeignet sind daher Auwälder, Parkanlagen mit Bächen und Weihern, lichte Laubwälder in gewässerreichen Niederungen. Vielenorts ist diese Vogelart heute ein Kulturfolger. Der Gelbspötter besiedelt alljährlich Gärten und Friedhöfe, besonders wenn viele Fliederbüsche vorhanden sind.

Ernährung

Der Gelbspötter sammelt Insekten (Insecta) aller Entwicklungsstadien von Zweigen und Blättern ab. Wenn die Beeren reif sind, dann nascht der Gelbspötter auch davon. Aber er verbraucht auch Spinnentiere (Arachnida), kleine Schnecken (Gastropoda) und Früchte. Das Männchen singt während der Nahrungssuche.

Fortpflanzung

Das Paar baut gemeinsam an einem napfförmigen, aus Halmen und Gräsern dicht verfilzten und außen mit weißer Birkenrinde und weißen Papierschnitzeln verkleideten Nest. Das Nest steht meist nicht mehr als drei Meter über dem Boden in Büschen oder in kleinen Bäumen in einer Astgabel. Der eigentliche Legebeginn ist Ende Mai/Anfang Juni. Während dieser Zeit kommt es zu einer Jahresbrut, möglich sind auch zwei Jahresbruten, was aber sehr selten ist.
Gelbspötter - Russia, Moscow
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Gelbspötter - Russia, Moscow
Das Weibchen legt drei bis sechs Eier, die eine blassrosa bis violette Färbung aufweisen und mit wenigen dunklen Punkten oder schwarzen Flecken besetzt sind. Die Größe der Eier beträgt etwa 18,0 mal 13,5 Millimeter. Das Wärmen der Eier beginnt erst, wenn das Gelege vollzählig ist. Beide Partner wechseln sich beim Wärmen der Eier ab. Allerdings liegt die Hauptlast bei dem Weibchen. Die Inkubationszeit beträgt etwa 13 bis 14 Tage. Die Küken werden nach dem Schlupf 13 bis 15 Tage lang im Nest von dem Männchen und von dem Weibchen reichlich mit Nahrung in Form von Insekten (Insecta) versorgt. Die Küken sind reine Nesthocker und verlassen das Nest erst im Alter von zwei Wochen. Die Lebenserwartung des Gelbspötters beträgt unter günstigen Umständen in der Natur etwa sechs Jahre.

Der Gelbspötter zählt zu den am spätesten eintreffenden Zugvögeln der typischen Gartenvogelwelt. Beobachtungen vor Anfang Mai sind nicht häufig. In Norddeutschland fallen die mittleren Erstankunftsdaten vieler Jahre meist erst in die Zeit um den 10. Mai. Die Weibchen erscheinen in der Regel sechs bis acht Tage später als die ersten Männchen. Letztere haben zu diesem Zeitpunkt meist schon mit einer vorläufigen Abgrenzung der Reviere begonnen. Die Wahl des eigentlichen Nistplatzes aber findet erst nach Ankunft der Weibchen statt, die ganz offenbar die Entscheidung über den zukünftigen Nestplatz fällen. Nach eingehenden Beobachtungen fliegt dabei das Weibchen von Busch zu Busch, mustert von innen heraus durch das Gezweig hüpfend seine Eignung. Einer der so gemusterten Büsche wird schließlich in immer kürzeren Abständen angeflogen, bis die Wahl getroffen ist. Zwei bis drei Tage können bis zur Entscheidung über den endgültigen Nestplatz vergehen. Offenbar genügen ganz verschiedene Buscharten den Ansprüchen des Gelbspötters. Allerdings brütet er in der Regel nicht in einzelnen Büschen, sondern meist am Rand größerer Buschgruppen. Besonders bevorzugt werden dabei Fliederbüsche, aber auch Holundersträucher scheinen den Ansprüchen der Art in manchen Gegenden entgegenzukommen. Des weiteren eignen sich auch Jasmin, buschförmige Weiden oder Pfeifenstrauch und Büsche oder Bäume, die mit Rankenpflanzen wie zum Beispiel wilder Hopfen, Waldrebe oder Waldgeistblatt überwuchert sind. Der Nestbau dauert ebenfalls mehrere Tage. So sind also meist nicht vor dem 25. bis 30. Mai die ersten Eier zu erwarten und die Jungen werden in der Regel erst Ende Juni/Anfang Juli flügge.

Gefährdung und Schutz

Der Bestand ist an der Südwestgrenze und im Nordosten Frankreichs abnehmend. Die Ursachen des Rückgangs sind noch nicht ganz erforscht. Der Gelbspötter wird in der Roten Liste der IUCN als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Literatur und Quellen

  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Dr. Einhard Bezzel: BLV Handbuch Vögel. BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München 1995.ISBN 3-405-14736-0
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307

Links

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