Gelbliche Klappschildkröte

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Gelbliche Klappschildkröte

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Schlammschildkröten (Kinosternidae)
Gattung: Klappschildkröten (Kinosternon)
Art: Gelbliche Klappschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Kinosternon flavescens
(Agassiz, 1857)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Gelbliche Klappschildkröte (Kinosternon flavescens) zählt innerhalb der Familie der Schlammschildkröten (Kinosternidae) zur Gattung der Klappschildkröten (Kinosternon). Im Englischen wird die Gelbliche Klappschildkröte yellow mud turtle genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Gelbliche Klappschildkröte ist ein eher kleiner Vertreter der Schlammschildkröten (Kinosternidae) und erreicht eine Carapaxlänge von 12 bis 15 Zentimeter. Männchen und Weibchen lassen sich leicht an der Länge und Dicke des Schwanzes erkennen, wobei das Männchen einen wesentlich dickeren und längeren Schwanz als das Weibchen besitzt. Der Carapax ist oval geformt, leicht gewölbt und weist eine olivgrüne bis olivbraune, gelegentlich auch eine dunkelbraune bis schwarzbraune Färbung auf. Markierungen sind auf dem Carapax keine zu erkennen. Der Plastron ist gelblich gefärbt und zeigt dunkelbraune Streifen. Die sichtbare Haut ist dunkel olivbraun bis schwärzlich gefärbt. Der Kehlbereich und die Extremitäten sind insgesamt etwas heller gefärbt.

Lebensweise

Gelbliche Klappschildkröten haben von allen nordamerikanischen Schildkröten die kürzeste Aktivitätsphase. Sie erstreckt sich von Mitte April bis Ende September, spätestens jedoch bis Mitte Oktober. In nördlichen Regionen wie Iowa und Illinois endet die aktive Phase bereits Ende Juli oder Anfang August. Die meiste Zeit halten sich Gelbliche Klappschildkröten im Wasser oder in unmittelbarer Nähe zum Wasser auf. Nur im Hochsommer sind sie auch über längere Zeit an Land zu beobachten. Während der kalten Jahreszeit halten sich die Tiere im Hohlräumen von morschem Holz oder Erdbauten von Nagertieren wie Bisamratten (Ondatra zibethicus) auf. Gelbliche Klappschildkröten sind in der Lage, bis zu zwei Jahren in den Winterquartieren zu verweilen, wenn die klimatischen Bedingungen nicht passen.

Unterarten

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gelblichen Klappschildkröte erstreckt sich vom Nordosten bis in den Südwesten der USA und über weite Teile Mexikos. In den USA werden vor allem die Bundesstaaten Iowa, Illinois, Missouri, Nebraska, Kansas, Oklahoma, Arkansas, Arizona, Texas und New Mexiko. In Mexiko werden die nördlichen und die östlichen Bundesstaaten besiedelt. Zu den bevorzugten Lebensräumen zählen langsam fließende Gewässer wie Flüsse, Bäche und Altarme. Aber auch Stauseen, Seen und Teiche sowie wasserreiche Sumpfgebiete und Entwässerungsgräben werden gerne besiedelt. Feuchte Lebensräume werden bevorzugt, jedoch sind Gelbliche Klappschildkröten auch in halbariden Lebensräumen anzutreffen. Das können beispielsweise die Ränder von Wäldern oder Wiesen und Weiden sein. Ein Gewässer befindet sich jedoch immer in der Nähe.

Prädatoren

Junge Schildkröten werden vor allem von größeren Raubfischen (Pisces) und im Wasser lebende Schlangen (Serpentes) gefressen. An Land gelten vor allem Rotfüchse (Vulpes vulpes), Graufüchse (Urocyon cinereoargenteus), Nordamerikanische Waschbären (Procyon lotor) und Kojote (Canis latrans) als natürliche Fleischfresser.

Ernährung

Beliebter Snack: der Larven der Texaskröte (Bufo speciosus)
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Beliebter Snack: der Larven der Texaskröte (Bufo speciosus)

Die Gelbliche Klappschildkröte ernährt sich sowohl von tierischer als auch von pflanzlicher Kost. Neben Wasserpflanzen werden vor allem allerlei wirbellose Tiere, kleine Fische (Pisces), Kaulquappen und Larven vom Amphibien (Amphibia), Krebstiere (Crustacea), Regenwürmer (Lumbricidae), Schnecken (Gastropoda), Insekten (Insecta) und deren Larven gefressen. Hier und da wird aber auch Aas keineswegs verschmäht. Nahrung wird jedoch nur über einen Zeitraum von gut zwei Monaten gefressen. Die restlichen 10 Monate fastet die Gelbliche Klappschildkröte. Nahrung wird überwiegend im Wasser zu sich genommen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird etwa mit einer Carapaxlänge von 10 bis 12 Zentimeter erreicht. In den meisten Verbreitungsgebieten beginnt die Paarungszeit im zeitigen Mai und endet gegen Juni oder Anfang Juli. Während der Paarungszeit sind Männchen gegenüber den Weibchen ausgesprochen aufdringlich und rabiat. Die Kopulation (Paarung) dauert dabei nur wenige Minuten. Kurz vor der Eiablage suchen die Weibchen einen ausreichend besonnten Eiablageplatz und graben hier mit den Vorder- und Hinterbeinen eine Grube, die eine Tiefe von durchschnittlich 20 Zentimeter aufweist. Sandiger Boden wird eindeutig bevorzugt. Ein Gelege umfasst zwischen zwei und acht, selten bis neun Eier, die eine Größe von etwa 1,5 bis 2,5 Zentimeter aufweisen. Die Eiablage beginnt zumeist Anfang August. Je nach Umgebungstemperatur erstreckt sich die Inkubation über 95 bis 120 Tage. Die Schlüpflinge weisen eine Länge von 2,0 bis 2,5 Zentimeter auf. Je nach Verbreitungsgebiet überwintern die Jungschildkröten in den Nestern und tauchen erstmals im Frühjahr des Folgejahres auf.

Gefährdung und Schutz

Auch wenn das Verbreitungsgebiet sehr groß ist, so ist die Gelbliche Klappschildkröte nur selten anzutreffen und die einzelnen Populationen liegen zum Teil weit auseinander. Laut der Roten Liste der IUCN gehört die Gelbliche Klappschildkröte heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Die Gelbliche Klappschildkröte ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt die Gelbliche Klappschildkröte selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird die Gelbliche Klappschildkröte als least concern (nicht gefährdet) geführt. Auch wenn die Gelbliche Klappschildkröte in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt wird, stehen die Tiere weiten Teilen der Verbreitungsgebiete jedoch aufgrund einer zum Teil dramatischen Gefährdungssituation unter Schutz. Die Schlupfrate bzw. die Überlebensrate der Schlüpflinge ist mit 20 Prozent relativ gering. Zum einen liegt das an der Plünderung der Gelege durch Fleischfresser, an den vielen unbefruchteten Eiern und an dem Absammeln der Schlüpflinge für den illegalen Haustierhandel. Viele Schlüpflinge kommen auch während des ersten Winters ums Leben.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Maik Schilde: Schlammschildkröten. Natur und Tier-Verlag (2001) ISBN 3931587592

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