Gelbbauchunke

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Gelbbauchunke

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Urtümliche Froschlurche (Archeobatrachia)
Familie: Unken (Bombinatoridae)
Gattung: Unken (Bombina)
Art: Gelbbauchunke
Wissenschaftlicher Name
Bombina variegata
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Gelbbauchunke (Bombina variegata), auch unter der Bezeichnung Bergunke bekannt, zählt innerhalb der Familie Unken (Bombinatoridae) zur Gattung der Unken (Bombina). Im Englischen wird die Gelbbauchunke yellow–bellied toad genannt.

Die Gelbbauchunke wurde von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) in Kooperation mit dem Naturschutzbund (NABU) zum Wildtier des Jahres 1997 und zum Lurch des Jahres 2014 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Gelbbauchunke zählt zu den kleineren Unken. Das Männchen erreicht eine Körperlänge von etwa 35,0 Millimeter, während das Weibchen eine Körperlänge von etwa 55,0 Millimeter erreicht. Das Gewicht beträgt etwa bis zu 6,0 Gramm. Der Körper der Gelbbauchunke erscheint etwas plump. Der Kopf weist eine rundliche Form auf. Die Oberseite variiert je nach Lebensraum zwischen hellbraun und braun, olivgrün und grau. Die Haut ist reichlich mit harten und stacheligen Warzen bedeckt. An den Seiten sind die Warzen etwas kleiner als auf dem Rücken. Bauchseite ist glatt und ist mit leuchtend gelben bis orangefarbenen Flecken bedeckt. Sowohl die Vorderbeine als auch die Hinterbeine sind dunkel gebändert. Die vier Zehen der Vorderfüsse sind frei, die der Hinterfüsse sind durch eine kurze Schwimmhaut verbunden. Die Spitzen der Finger sind leuchtend gefärbt. Das Männchen der Gelbbauchunke besitzt im Gegensatz zum Männchen der Rotbauchunke (Bombina bombina) keine Schallblase. Des Weiteren hat die Gelbbauchunke keine sichtbaren paratoiden Drüsen hinter den Augen. Jedoch weist sie eine dichte Ansammlung von Hautdrüsen auf. Diese haben die Aufgabe, die Haut feucht zu halten, aber sie erzeugen auch ein starkes Gift. Bemerkenswert sind die Stacheln auf den Hautdrüsen, wodurch sich die Haut der Gelbbauchunke sehr rauh anfühlt. Die Gelbbauchunke hat kein sichtbares Trommelfell. Die Augen sind etwas an der Oberseite des Kopfes positioniert. Die Iris ist braun gefärbt und glänzt etwas golden.

Lebensweise

Gelbbauchunke
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Gelbbauchunke

Laut der Roten Liste der IUCN ist die Gelbbauchunke über weite Teile Mittel- und Südeuropas verbreitet. Das Verbreitungsgebiet befindet sich in der Regel in Zentral-Frankreich, Zentral-Deutschland und im Norden und im Westen der Schweiz, im Nordosten Italiens, im Balkan sowie in den Karpaten. Isolierte Populationen leben in Ungarn und im nördlichen Deutschland. Im Nordwesten von Frankreich sind die Lebensräume stark fragmentiert. In Belgien ist die Gelbbauchunke vermutlich ausgestorben und einige Populationen sind im Süden von Frankreich verschwunden. Es gbit nur eine verbleibende Population in Luxembourg und das gleiche gilt für die Niederlande. Das Vorhandensein von isolierten Populationen im Südwesten von Frankreich (Medox und Landes) verlangt eine Bestätigung. Die Gelbbauchunke wurde in Grossbritannien eingeführt, aber es ist nicht bekannt, ob die Gelbbauchunke dort immer noch vorkommt. Die Gelbbauchunke kann auch in Höhen von 100 bis 2.100 über dem Meeresspiegel leben. Die Reichweite seiner Verbreitung in den westlichen und nordwestlichen Teilen ist stärker zersplittert als auf den Karten angezeigt wird.

Die Gelbbauchunke findet man in Nadel-, Laub- und Michwälder sowie im Buschland, auf Wiesen und in Auen. In niedrigen Ebenen hält sich die Gelbbauchunke überwiegend in Laubwäldern auf und in höheren Lagen trifft man sie öfter in Nadelwäldern und auf Lichtungen im Hochland an. Die Gelbbauchunke nutzt viele Arten von Feuchtgebieten, darunter zählen unter anderem Seen, Teiche, Sümpfe, Flüsse, Strom-Pools, Quellen, einschließlich Mineral und Thermalquellen, Pfützen, Stauseen, Kies- und Tongruben, Gräben und sogar mit Wasser gefüllte Spurrinnen. Die Brutgebiete befinden sich in der Regel in temporären Pools oder in der Nähe von Wäldern. Die Gelbbauchunke kann leichte Wasserverschmutzung tolerieren. Aufgrund des vegetationsarmen Lebensraumes haben Gelbbauchunken kaum Feinde. Molche und Ringelnattern sorgen hier und da für Verluste unter den adulten Tieren. Durch Vernichtung der Lebensräume, insbesondere der Auen, ist die Gelbauchunke mittlerweile selten geworden und steht auf der Roten Liste der Geschützten Tierarten.

Unterarten

Gelbbauchunke
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Gelbbauchunke
  • Bombina variegata variegata - (Linnaeus, 1758)
  • Bombina variegata csikii - Mertens & Müller, 1928
  • Bombina variegata kolombatovici - Bedriaga, 1891
  • Bombina variegata scabra - Kuester, 1843

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Gelbbauchunke in folgenden Ländern vor: Albanien, Österreich, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Italien, Liechtenstein, Luxemburg, Mazedonien, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Montenegro, Niederlande, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Schweiz, und Ukraine. Regional ausgestorben ist die Gelbbauchunke in Belgien und eingeführt wurde in Grossbritannien. Die Gelbbauchunke ist ein Bewohner des Berg- und Hügellandes, in den Mittelgebirgen Mittel- und Süddeutschlands. Sie bevorzugt vegetationsarme Kleingewässer wie Bäche, Fluss- und Bachauen. Sie hat zwar eine enge Gewässerbindung, ist aber auch an Land, insbesondere unter Steinen und totem Holz zu finden.

Ernährung

Gelbbauchunken sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und gehen auf die Jagd nach Insekten (Insecta) und deren Larven, wie zum Beispiel Käfer, Ameisen und Zweiflügler. Des Weiteren zählen zum Nahrungsspektrum auch Würmer und Schnecken. Zu den natürlichen Feinden der Gelbbauchunke zählen Rückenschwimmer, Ruderwanzen, die Larven der Großlibellen, Molche und Stichlinge. Auch Vögel wie die Elstern und Amseln machen gerne Jagd auf Jung- und Alttiere.

Fortpflanzung

Gelbbauchunken
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Gelbbauchunken

Die Balz der Gelbbauchunke ist nachts und tagsüber, aber am besten in den Abendstunden bei Lufttemperaturen von 10 bis 30 Grad Celsius zu verfolgen. Während des Rufens blähen sich die Männchen weit auf, um so ihren gesamten Körper als Resonanzraum zu nutzen. Der Ruf, meist im Chor zu hören, ist ein weicher, dumpfer, aber melodiöser Klang. Er dient wohl im Gegensatz zum Ruf anderer Lurcharten nicht nur dem Anlocken der Weibchen, sondern auch zur Abgrenzung der Reviere. Bei Vorliegen geeigneter Laichbedingungen steigt die Fortpflanzungsbereitschaft schlagartig an, deutlich wird dies an der gesteigerten Rufaktivität. Teilweise werden neu entstandene Gewässer den ständig vorhandenen Gewässern vorgezogen. Große Populationsteile können so gemeinsam in kurzer Zeit umsiedeln. Eine Strategie, die eine Ausbreitung im dynamischen, ständigen Änderungen unterliegenden Lebensraum fördert. Durch eine im Jahr langandauernde Laichbereitschaft kann so ein- und dasselbe Weibchen in mehreren Gewässern ablaichen. Das Risiko der hohen Nachkommensverluste, zum Beispiel bei austrocknenden Gewässern bzw. Überflutungen, wird so deutlich gemindert. Aber auch die Männchen zeigen ein Verhalten, das eine möglichst vollständige Inanspruchnahme des gesamten Lebensraumes fördert. Sie zeigen Territorialverhalten und halten Geschlechtsgenossen im Gewässer auf etwa 1 bis 1,5 Meter Abstand. Durch Rufen und Imponiergehabe grenzen sie jedem Konkurrenten gegenüber ihr Revier deutlich ab und führen sogar Revierkämpfe durch. Durch dieses Verhalten wird der Laich in einem möglichst großen Gebiet verteilt, was bei ungünstigen natürlichen Umweltbedingungen zu einer Risikominderung führt. Das Weibchen setzt mehrere kleine Klumpen von 50 bis 100 Eiern an Wasserpflanzen oder am Gewässergrund ab. Die Zahl der Eier liegt pro Weibchen und Saison nicht höher als 600. Die Eier sind auf der Oberseite hell- bis mittelbraun, an der Unterseite hellbraun und messen im Durchmesser 1,5 bis 2,0 Millimeter. Die Laichzeit reicht von Mai bis Juni. Die geschlüpften Larven, die ein abgerundetes Schwanzende besitzen und deren oberer Flossensaum ungefähr bis zur Rumpfmitte reicht, haben eine Größe von etwa 55,0 Millimeter.

Gefährdung und Schutz

Gelbbauchunke in Kahnstellung (typische Abwehrstellung)
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Gelbbauchunke in Kahnstellung (typische Abwehrstellung)

Laut der Roten Liste der IUCN gehört die Gelbbauchunke heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Sie ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt die Gelbbauchunke selten oder nur spärlich vor. Auch wenn die Gelbbauchunke noch zu den bedrohten Arten zählt, ist sie doch vom lokalen Aussterben bedroht und weist eine sinkende Populationszahl in den westlichen und nordwestlichen Teilen seines Verbreitungsgebietes auf, dies trifft vor allem in der südlichen Schweiz, im nordwestlichen und südlichen Frankreich sowie in Deutschland zu. Doch in den Karpaten, in Polen sowie in Slowenien ist die Gelbbauchunke noch in den geeigneten Lebensräumen weit verbreitet. Auf globaler Ebene erscheint die Gelbbauchunke nicht wesentlich gefährdet zu sein. Jedoch sind die einzelnen Populationen der Gelbbauchunke lokal durch Verlust von geeignetem Lebensraum durch Verstädterung, Straßenbau, Industrie (einschließlich der Öl-Förderung und Transport) sowie durch Einleitung von Schadstoffen in Feuchtgebieten bedroht. Darüber hinaus wird berichtet, dass die Gelbbauchunke als Köder in bestimmten Regionen von den Fischern gesammelt und dass sie gelegentlich in großer Zahl sowohl für den Tierhandel gesammelt als auch für wissenschaftliche Zwecke eingesetzt wird.

Die Auswirkungen der Sammlung bedarf weitere Forschungen. Einige künstliche Lebensräume, in denen die Gelbbauchunke vorkommt, zum Beispiel Kies- und Tongruben, werden durch Sukzession bedroht. Die Hybridisierung mit der Rotbauchunke (Bombina bombina) könnte auch als eine Bedrohung angesehen werden, zumindest in einigen Bereichen. Mosaik-Hybridisierungen in Siebenbprgen haben ebenfalls zum Verlust der reinen Populationen geführt. Des Weiteren wird die Gelbbauchunke im Anhang II der Berner Konvention und in den Anhängen II und IV der Richtlinie aufgeführter natürlicher Lebensräume geführt. Die Gelbbauchunke ist nach den einzelstaatlichen Rechtsvorschriften in vielen Bereichen geschützt und lebt auch in vielen Schutzgebieten. Ein entsprechendes Habitat-Management ist notwendig, um die Feuchtgebiete zu erhalten. Die Re-Einführungen der Gelbbauchunke könnte in Teilen des Bereichs erforderlich sein. Des Weiteren besteht ein Bedarf, die Populations-Veränderungen zu überwachen, insbesondere die Hybridisierung zwischen Gelbbauchunke und der Rotbauchunke (Bombina bombina).

Weitere Synonyme

Gelbbauchunke - Larve
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Gelbbauchunke - Larve
  • Rana variegata - Linnaeus, 1758
  • Bufo salsus - Schrank in Schrank & Moll, 1785
  • Rana sonans - Lacépède, 1788
  • Bombinator brevipes - Blasius, 1839
  • Bombinator scaber - Küster, 1843
  • Bombina maculatus - Gistel, 1868
  • Bombinator pachypus var. Kolombatovici - Bedriaga, 1890
  • Bombinator pachypus var. nigriventris - Dürigen, 1897
  • Bombina salsa var. csikii - Fejérváry, 1922
  • Bombina variegata gracilis - Bolkay, 1929
  • Bufo salsus - Schrank in Schrank & Moll, 1785
  • Rana sonans - Lacépède, 1788
  • Rana salsa - Gmelin, 1789
  • Bombina igneus var. brevipes - Koch, 1872
  • Bombinator pachypus var. brevipes - Boulenger, 1896
  • Bombinator variegata - Poche, 1912
  • Bombina salsa - Nikolskii, 1918
  • Bombina salsa var. csikii - Fejérváry, 1922
  • Bombina variegata - Mertens, 1928
  • Bombina variegata variegata - Mertens & Müller, 1928
  • Bombina variegata csikii - Mertens & Müller, 1928
  • Bombina variegata kolombatovici - Mertens & Müller, 1928
  • Bombina variegata gracilis - Bolkay, 1929
  • Bombina variegata scabra - Müller, 1940
  • Bombina (Bombina) variegata - Tian & Hu, 1985
Gelbbauchunke - Bauchseite
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Gelbbauchunke - Bauchseite

Anhang

Literatur und Quellen

  • Dr. Wolf-Eberhard Engelmann, Jürgen Fritzsche, Dr. sc. Rainer Günther und Dipl.-Biol. Fritz Jürgen Obst: Lurche und Kriechtiere Europas. Neumann Verlag Radebeul 1993. ISBN 3-7402-0094-4
  • Dr. Josef Blab und Hannelore Vogel: Amphibien und Reptilien erkennen und schützen. Alle mitteleuropäischen Arten, Biologie, Bestand, Schutzmaßnahmen. BLV Verlagsgesellschaft mbH München Wien Zürich 1996. ISBN 3-405-14936-3
  • Andreas Nöllert und Christel Nöllert: Die Amphibien Europas. Bestimmung - Gefährdung - Schutz. Kosmos Naturführer, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH Stuttgart 1992. ISBN 3-440-06340-2
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3

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