Gehöckerte Krabbenspinne

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Gehöckerte Krabbenspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Aranea)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Krabbenspinnen (Thomisidae)
Gattung: Thomisus
Art: Gehöckerte Krabbenspinne
Wissenschaftlicher Name
Thomisus onustus
Walckenaer, 1806

Die Gehöckerte Krabbenspinne (Thomisus onustus) zählt innerhalb der Familie der Krabbenspinnen (Thomisidae) zur Gattung Thomisus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Geschlechter der Gehöckerten Krabbenspinne weisen im Gegensatz zu anderen Krabbenspinnen (Thomisidae) einen extremen Größenunterschied auf. Grundsätzlich bleibt ein Männchen deutlich kleiner als ein Weibchen. Ein Weibchen erreicht eine Körperlänge von 7 bis 10 Millimeter, ein Männchen hingegen nur eine Körperlänge von 2 bis 4 Millimeter. Markantes Merkmal beider Geschlechter sind die winklig hochgezogenen hinteren Ecken des Hinterkörpers (Opisthosoma). Ähnliche Höcker zeigen sich im Kopfbereich an den Seiten der Stirn. Beide Höcker sind durch eine scharfe Kante mehr oder weniger verbunden. Im Bereich der vorderen Kante liegen insgesamt vier Seitenaugen. Sowohl der Vorder- als auch der Hinterkörper weisen eine deutliche dorsale Abflachung auf. Neben dem Dimorphismus in der Größe zeigt sich auch ein Unterschied in der Färbung. Beim Männchen ist der Vorderkörper (Prosoma) gelblichbraun bis dunkelbraun gefärbt, der Opisthosoma zeigt eine gelblichgrüne bis leicht bräunliche Färbung. Die beiden vorderen Beinpaare weisen im Bereich der Hüfte (Hüfte) eine helle Färbung auf, ab der Schiene (Tibia) oder der Kniescheibe (Patella) zeigt sich eine schwarzbraune Bänderung oder Ringelung. Das Weibchen ist deutlich variabler gefärbt. So können durchaus Tiere mit einer weißlichen, gelblichen oder sogar leicht rosafarbenen Grundfärbung auftreten. In der Regel entsprechen die beiden vorderen Beinpaare der restlichen Körperfärbung. Mitunter tritt aber auch hier eine dunkle Bänderung auf. Das Prosoma trägt wie bei allen Spinnentieren sechs Beinpaare. Die hinteren beiden Beinpaare sind deutlich kürzer und weniger kräftig als die vorderen beiden Beinpaare.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gehöckerten Krabbenspinne erstreckt sich über weite Teile Europas, insbesondere Mitteleuropas. Im Norden tritt die Gehöckerte Krabbenspinne jedoch deutlich seltener auf. Die Spinnen kommen dabei ausschließlich in der Ebene vor, Höhenlagen werden nicht besiedelt. Aride und halbaride Habitate werden bevorzugt bewohnt. Die Ränder von lichten Wäldern, Wegränder, Ruderalflure und Trockenrasen gehören zu den natürlichen Lebensräumen. Hier sind die Gehöckerten Krabbenspinnen vorzugsweise auf dem Laub von niedrigen Bäumen oder Sträuchern, meist jedoch auf blütentragenden Pflanzen anzutreffen. Hier sind sie aufgrund der Tarnfärbung für Beutetiere und Fleischfresser kaum auszumachen.

Prädatoren

Zu den natürlichen Prädatoren gehören vor allem zahlreiche Singvögel (Passeri), Wegwespen (Pompilidae), Grabwespen (Sphecidae) oder auch Schlupfwespen (Ichneumonidae). Aufgrund der raffinierten Tarnung sind Gehöckerte Krabbenspinnen zumeist vor Fleischfressern in Sicherheit.

Ernährung

Die Gehöckerte Krabbenspinne ernährt sich als Lauerjäger räuberisch von Insekten (Insecta) wie beispielsweise Schmetterlinge (Lepidoptera) oder Schwebfliegen (Syrphidae), gelegentlich auch von kleineren Spinnentieren (Arachnida). Sie bauen kein Netz, sondern überwältigen ihre Beute, die sie bereits über eine beachtliche Entfernung ausmachen können. Die Beute wird durch einen Biss ins Genick mit einhergehender Injizierung von Gift und Verdauungsenzymen getötet und später ausgesaugt. Beliebte Ansitze sind blühende Pflanzen. Hier liegen sie meist regungslos auf der Lauer.

Fortpflanzung

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Die Paarungszeit beginnt meist gegen Ende Mai oder im Juni und kann sich lokal bis in den Juli hinein erstrecken. Zu diesem Zeitpunkt ist bereits die Imaginalhäutung erfolgt. Unter den Männchen kommt es während der Paarungszeit zu Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit einem Weibchen. Mit gespreizten Vorderbeinen stehen sich die Männchen gegenüber und vollführen tänzelnde Kämpfe, bei denen sie immer wieder mit den Köpfen zusammenstoßen und zurückweichen. Ein paarungsbereites Weibchen seilt sich an einem Faden herab. Anders als bei vielen anderen Spinnenarten, lebt das Männchen der Grünen Krabbenspinne nicht ganz so gefährlich. Das Männchen begibt sich von vorne auf den Oberkörper des Weibchens. Das Männchen führt nun seine Begattungsorgane, die sogenannten Bulben, seitlich in die Geschlechtsöffnung des Weibchens ein. Es erfolgt somit eine innere Befruchtung. Unmittelbar nach der Kopulation trennen sich die Geschlechter. Nach der erfolgreichen Begattung legt das Weibchen ihre Eier in einen aus Seide gesponnenen Kokon an geschützter Stelle ab. Bis zum Schlupf der Spiderlinge bewacht das Weibchen den Kokon. Während dieser Zeit nimmt sie auch keine Nahrung zu sich. Ist die Schlupfzeit erreicht, so öffnet sie den Kokon und entlässt die Jungspinnen der mütterlichen Fürsorge.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
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