Gebirgs-Schaufelfuß

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Gebirgs-Schaufelfuß

Systematik
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Nacktlurche (Lissamphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Mittlere Froschlurche (Mesobatrachia)
Überfamilie: Krötenfrösche (Pelobatoidea)
Familie: Amerikanische Schaufelfußkröten (Scaphiopodidae)
Gattung: Spea
Art: Gebirgs-Schaufelfuß
Wissenschaftlicher Name
Spea multiplicata
Cope, 1863

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Gebirgs-Schaufelfuß (Spea multiplicata) zählt innerhalb der Familie der Amerikanischen Schaufelfußkröten (Scaphiopodidae) zur Gattung Spea. Im Englischen wird diese Kröte New Mexico Spadefoot Toad genannt.

Bis vor drei Jahrzehnten wurde der Gebirgs-Schaufelfuß als Unterart des Westlichen Schaufelfußes (Spea hammondii) angesehen. Aufgrund genetischer und morphologischer Unterschiede wurde der Gebirgs-Schaufelfuß in eine eigene Art geführt. Heute führt man beide Arten als getrennte Arten ledglich in einer gemeinsamen Untergattung.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Gebirgs-Schaufelfuß erreicht eine Körperlänge von 3,7 bis 6,4 Zentimeter sowie ein Gewicht von bis zu 30 Gramm. Männchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Weibchen. Der Körper wirkt wie bei alle Kröten ausgesprochen plump und weist eine helle, graubraune Grundfärbung auf. Dorsal zeigen sich unregelmäßig große Flecken, die eine dunkelbraune, rötliche und orangene Färbung aufweisen. Die ventrale Hautoberfläche ist dagegen heller etwas gefärbt und es fehlen die farbigen Sprenkel. Die relativ glatte und feuchte Haut ist mit einer Vielzahl kleiner Warzen bedeckt, über die ein streng riechendes Sekret abgesondert wird. Das Sekret dient zum Schutz vor Austrocknung und vor Parasiten sowie der Abwehr von Fleischfressern. An den Füßen der Beine befinden sich vollständige Schwimmhäute und die Unterseite der Hinterglieder sind mit scharfen dunklen Hornschaufeln versehen. Die Hornschaufeln dienen zum Graben der Erdhöhlen. Die großen Augen befinden sich seitlich am Kopf und treten sichtbar aus den Augenhöhlen hervor. Die Pupillen der Augen sind im hellen Licht vertikal geschlitzt. Die Schnauze ist sehr kurz und fällt nach vorne stark ab.

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Lebensweise

Der Gebirgs-Schaufelfuß ist eine ausgesprochen nachtaktive Amphibie. Dies gilt jedoch nur für die adulten Tiere, die Larven führen eine überwiegend tagaktive Lebensweise. Die meiste Zeit des Lebens verbringen die adulten Tiere unter der Erde in Erdhöhlen. Dies gilt zum einen für die kalte Jahreszeit und auch für die Trockenzeit. Über längere Zeit verlassen sie die Erdhöhlen nur während der Paarungszeit und natürlich während der Nahrungssuche. Gebirgs-Schaufelfüße leben außerhalb der Paarungszeit einzelgängerisch, legen dabei aber kein territoriales Verhalten an den Tag. Das Leben in Erdhöhlen macht für den Gebirgs-Schaufelfuß durchaus Sinn, denn so vermeidet er die Austrocknung der sehr empfindlichen Haut. Im Grunde verlässt ein Gebirgs-Schaufelfuß seine Erdhöhle nur während der Regenzeit. In reinen Wüstenregionen verbringt er so bis zu 10 Monaten unter der Erde. Je nach Verbreitungsgebiet und klimatischen Umweltbedingungen reicht eine Erdhöhle bis in Tiefen von gut 90 Zentimetern. Während der Verweilzeit in der Erdhöhle nehmen die Tiere Feuchtigkeit über die Haut aus der umgebenen Erde auf. So sind sie nicht auf Trinkwasser angewiesen. Während der Paarungszeit kommt es zur Migration zu den Fortpflanzungsgewässern. Diese Wanderungen erfolgen ausschließlich in der Nacht. In Regionen, wo sich das Verbreitungsgebiet des Gebirgs-Schaufelfuß mit dem Flachland-Schaufelfuß (Spea bombifrons) überschneidet, kann es zur Hybridisierung beider Arten kommen. Männchliche Nachkommen sind jedoch steril und können sich nicht fortpflanzen. Weibliche Nachkommen können sich zwar fortpflanzen, jedoch produzieren sie meist nur die Hälfte der sonst üblichen Eier.

Verbreitung

Der Gebirgs-Schaufelfuß ist im südwestlichen Nordamerika verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über das westliche und nördliche Texas, New Mexiko, Arizona, das südöstliche Utah sowie über das südliche Colorado. Weiter südlich reicht das Verbreitungsgebiet bis ins nördliche Mexiko. Der Gebirgs-Schaufelfuß bewohnt sowohl die Ebene als auch Mittelgebirgslagen bis in Höhen von rund 3.000 Metern. Bevorzugter Lebensraum sind Habitate mit lockerem Boden, in dem sich der Gebirgs-Schaufelfuß während der kalten Jahreszeit zwecks Winterruhe eingraben kann. Offene Landschaften wie Halbwüsten, die Ränder lichter Nadelwälder, Savannen und Heide sowie Gras- und Buschland gehören zu den bevorzugten Lebensräumen. In Mexiko wird auch die Sonora und die Wüste von Chihuahua besiedelt. In der Nähe des Menschen ist der Gebirgs-Schaufelfuß auch an den Rändern landwirtschaftlicher Flächen anzutreffen.

Prädatoren

Bild:Tigersalamander-0952.jpg Zu den natürlichen Fleischfressern der adulten Gebirgs-Schaufelfüße zählen insbesondere Schlangen (Serpentes), Eulen (Strigiformes), Bootsschwänze (Quiscalus) , Fleckenskunks (Spilogale), Nagetiere (Rodentia) und Greifvögel (Falconiformes). Unter den Schlangen stellen dem Gebirgs-Schaufelfuß vor allem Klapperschlangen (Crotalus) nach. Insgesamt trachten jedoch nur wenige Fleischfresser nach dem Leben eines Gebirgs-Schaufelfußes, da er über Hautdrüsen ein giftiges Sekret absondert und dieses von den meisten Fleischfressern verschmäht wird. Darüber hinaus vertrauen Gebirgs-Schaufelfüße auf ihre hervorragende Tarnung und der Tatsache, dass sie überwiegend unter der Erde leben und so kaum auszumachen sind. Larven werden vor allem von Fischen (Pisces) und Krebstieren (Crustacea) gefressen. Aber auch Wasserkäfer (Hydrophilidae), Tigersalamander (Ambystoma tigrinum), Klappschildkröten (Kinosternon) und Amerikanische Ochsenfrösche (Rana catesbeiana) gehören zu den natürlichen Feinden der Larven. Unter den Parasiten hat der Gebirgs-Schaufelfuß, insbesondere unter Saugwürmern (Trematoda) zu leiden, die ihm erhebliche gesundheitliche Probleme bescheren können.

Ernährung

Beliebter Snack: Tauwurm (Lumbricus terrestris)
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Beliebter Snack: Tauwurm (Lumbricus terrestris)

Adulte Gebirgs-Schaufelfüße ernähren sich als Fleischfresser hauptsächlich von Insekten (Insecta), deren Larven und anderen kleinen Gliederfüßern (Arthropoda). Zur bevorzugten Nahrung gehören daher Laufkäfer (Carabidae), Rüsselkäfer (Curculionidae), Spinnentiere (Arachnida), Schnabelkerfe (Hemiptera), Termiten (Isoptera), Ameisen (Formicidae), kleineren Amphibien (Amphibia) und Würmern wie dem Tauwurm (Lumbricus terrestris). Die Kaulquappen fressen neben totem organischem Material (Detritus) auch kleinere im Wasser lebende Gliederfüßer und Insektenlarven. Bei Nahrungsmangel kann es unter den Kaulquappen auch zum Kannibalismus kommen. Auf Nahrungssuche gehen adulte Gebirgs-Schaufelfüße fast ausschließlich in der Nacht, Larven während des Tages.

Fortpflanzung

Der Gebirgs-Schaufelfuß erreicht die Geschlechtsreife mit rund zwei bis drei Jahren. Die Paarungszeit beginnt je nach Verbreitungsgebiet im späten Frühjahr und kann sich bis in den August erstrecken. Dies entspricht nicht nur dem Frühjahr, sondern auch der Regenzeit. Die Hauptfortpflanzungszeit erstreckt sich über den Juli. Zu Beginn der Paarungszeit beginnen die Wanderungen in entsprechende Laichgewässer. Meist nach den ersten ergiebigen Regenfällen und Wassertemperaturen von über 10 Grad Celsius beginnt in den Laichgewässern die Balz. Als Fortpflanzungsgewässer kommen neben kleinen Teichen und temporären Wasserlachen ähnliche Kleinstgewässer wie Wassergräben in Frage.

Die Balz ist geprägt durch lautstarke Ausrufe der Männchen, mit denen sie paarungsbereite Weibchen anlocken wollen. Die Ausrufe sind ausgesprochen laut und in der Nacht über einige Kilometer weit zu hören. Das Weibchen sucht das Wasser auf und wird von dem Männchen im Zuge der Paarung in einem sogenannten Prozeßamplexus umklammert. Wenn das Weibchen die Eier ablegt, entlädt das Männchen seinen Samen mit den darin befindlichen Samenzellen über den Eiern, um sie zu befruchten. Es findet also eine äußere Befruchtung statt. Das Weibchen legt je nach Alter in mehreren Schüben bis jeweils 200 Eier je Schub. Insgesamt legt sie rund 1.000 Eier. Die Eier sind mit einer geleeartigen Schicht umgeben, die sich nach der Ablage und der Befruchtung mit Wasser vollsaugen und deutlich sichtbar anschwellen. Die Eier, die in großen Mengen gelegt werden, haften in Klumpen an Pflanzenteilen oder an verrottenden Baumstämmen, die ins Wasser ragen. Je nach Umgebungstemperatur dauert die Inkubationszeit der Eier etwa 36 bis 48 Stunden.

Nach dem Schlupf entwickeln sich die Kaulquappen sehr schnell. Sie zehren noch einige Tage von ihrem Dottervorrat bis sich die Mundwerkzeuge ausgebildet haben. Dann beginnen sie alles zu fressen, was sich ihnen in den nährstoffarmen Regentümpeln oder Wasserlachen anbietet. Die Kaulquappen fressen als Allesfresser neben Algen und totem organischem Material (Detritus) auch kleinere, im Wasser lebende Gliederfüßer und Insektenlarven. Darüber hinaus fressen sie auch kleine Krebstiere der Gattungen Streptocephalus und Thamnocephalus. Die larvale Phase ist deutlich schneller abgeschlossen, wenn die Kaulquappen mehr tierische Kost zu sich nehmen. Dementsprechend langsamer wachsen sie, wenn sie überwiegend Algen oder Detritus fressen. Bei Nahrungsmangel kommt es auch vor, dass die Kaulquappen zu Kannibalen werden. Nachdem die Metamorphose der Kaulquappen beendet ist, die je nach Temperatur rund 50 bis 60 Tage beträgt, geht der voll entwickelte Gebirgs-Schaufelfuß an Land. Die ersten Tage bleiben die Jungkröten noch in der Nähe des Gewässers, ehe sie sich einen Unterschlupf suchen bzw. graben. Die Lebenserwartung des Gebirgs-Schaufelfußes ist unbekannt. Nach Schätzungen von Forschern soll die Lebenserwartung bei 10 bis 13 Jahren liegen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Gebirgs-Schaufelfuß ist in seinem Lebensraum ein durchaus nützliches Tier. Er ist Teil einer geschlossenen Nahrungskette und hält vor allem die Populationen von Insekten, Larven und kleinen wirbellosen Tieren in Schach. Gleichzeitig dient er einigen fleischfressenden Tieren als Nahrungsgrundlage. Dies gilt sowohl für das Leben an Land als auch im Wasser. Die Laichgewässer werden üblicherweise von mehreren Amphibienarten bewohnt, die in einer Art Koexistenz miteinander leben und die vorhandenen, limitierten Ressourcen gemeinsam nutzen. Dazugehören beispielsweise der New Mexico-Schaufelfuß (Spea intermontana) und der Flachland-Schaufelfuß (Spea bombifrons).

Gebirgs-Schaufelfüße gehören heute noch nicht zu den gefährdeten Amphibienarten. Durch weitreichende Projekte zum Schutze der Art ist gebietsweise sogar ein Anwachsen der Populationen zu beobachten. Nur in Colorado gilt die Art als bedroht und steht unter Schutz. Zu den Hauptgefährdungsfaktoren gehört die Trockenlegung von Lebensräumen durch Absenkung des Grundwasserspiegels sowie die allgemeine Umweltverschmutzung und die Wasserverschmutzung, die insbesondere durch massiven Pestizid-Einsatz zustande kommt. Ein weiterer Gefährdungsfaktor ist der Besatz von Laichgewässern mit Raubfischen. In diesen Fällen wird vor allem der Laich oder die Kaulquappen gefressen. Auch die Zersiedelung respektive die Habitatfragmentierung durch exzessive Bebauung und intensivierte Landwirtschaft mit einhergehenden chemischen Düngern können zum Rückgang der Populationen beitragen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Tierleben. Bd. 4 bis 6. Fische, Lurche, Kriechtiere.. DTV Deutscher Taschenbuch (Januar 1986) ISBN 3423032049

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