Flusswels

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Flusswels

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Zwischenklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Ostariophysi
Ordnung: Welse (Siluriformes)
Familie: Echte Welse (Siluridae)
Gattung: Welse (Silurus)
Art: Flusswels
Wissenschaftlicher Name
Silurus glanis
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Flusswels (Silurus glanis), auch einfach nur Wels genannt, ist ein Süßwasserfisch und zählt innerhalb der Ordnung der Welsartigen (Siluriformes) zur Familie der Echten Welse (Siluridae). Im Englischen wird er European catfish genannt. Erstmals beschrieben wurde der Wels im Jahre 1758 von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Körper der Flusswelse ist langestreckt und völlig schuppenlos. Die Grundfärbung liegt bei schwarz bis grau, der Bauch ist etwas heller. Ein Muster fehlt manchmal, zumeist ist er auf dem Rücken schwarz bis dunkelgrau gefleckt, gestreift oder marmoriert. Hinter dem Kopf liegt eine kleine Rückenflosse, Fettflosse und eine zweite Rückenflosse fehlen. Die transparenten, paarigen Brustflossen liegen seitlich hinter den Kiemen, die rundlichen Bauchflossen sind ebenfalls paarig und liegen, nach links und rechts abgespreizt, am Bauch. Die längliche Afterflosse zieht sich hinter den Bauchflossen bis zum After des Fisches, die Schwanzflosse ist relativ klein, abgerundet und nicht gegabelt. Der Wels hat ein breites Maul mit vielen, kleinen und spitzen Zähnen und sechs Bartfäden, zwei lange auf dem Oberkiefer und vier kürzere auf dem Unterkiefer. Oft wird angegeben, dass Welse mehrere hundert Jahre alt werden können, diese Angaben gehören jedoch in die Phantasie der Angler. Ihre Lebenserwartung liegt bei maximal 60, vielleicht sogar 80 Jahren, was dennoch ein sehr hohes Alter für Fische ist. Der englische Name Catfish, also Katzenfisch, rührt daher, dass die Augen bei Lichteinfall wie Katzenaugen leuchten und das Licht reflektieren.

Der Flusswels ist, zusammen mit dem Europäischen Hausen (Huso huso), der größte, reine Süßwasserfisch Europas. Es gibt dokumentierte Berichte von einzelnen Exemplaren mit rund 300 cm Länge und über 200 kg Gewicht. Dies ist jedoch die absolute Ausnahme. Man kann in der Regel mit einer Maximallänge von 200 cm und einem Maximalgewicht um 90 kg rechnen. Die Durchschnittsmaße liegen bei 150 cm Länge und um die 50 kg.

Lebensweise

Der Wels ist ein nacht- und dämmerungsaktiver Raubfisch, welcher sich tagsüber auf dem Gewässergrund zwischen Felsen und der Bodenvegetation versteckt hält. Außerhalb der Paarungszeit leben Welse zwar als Einzelgänger, doch vor allem zur Winterruhe begeben sich häufig mehrere Welse in einen für sie passenden Bereich des Gewässers.

Verbreitung und Lebensraum

Lebensraum
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Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet der Europäischen Welse erstreckt sich von Holland im Westen bis zum Aralsee im Osten und von den Alpen im Süden bis ins südliche Schweden und Norwegen im Norden. In Südeuropa fehlen sie weitestgehend und dort, wo sie vorkommen, wurden die Europäischen Welse eingeschleppt.

Sie bevorzugen tiefere, ruhige Fließgewässer und große Seen mit gemäßigten Temperaturen zwischen 5° und 10°C im Winter bis 25°C im Sommer. In Deutschland sind die größten Bestände des Wels angeblich in der Donau und in einigen Seen Süddeutschlands zu finden. Tagsüber verbirgt er sich am Grund des Gewässers, zum Teil im Schlamm vergraben, zwischen Pflanzen, Wurzeln oder unter umgestürzten Bäumen und unterspülten Flussuferhängen versteckt sowie hinter Felsen und Steinen verborgen.


Ernährung und Prädatoren

Der Wels frißt so gut wie alles, was er hinunterschlingen kann. Aufgespürt wird die Beute mit den Bartfäden, welche die elektrische Spannung der Nerven und Muskeln von Tieren sehr genau wahrnehmen. Meist stehen Fische wie Rotfedern (Scardinius erythrophthalamus) und Döbel (Leuciscus cephalus) oder kleine bis große Krebse (Malacostraca), Frösche (Anura) und Schnecken (Gastropoda) auf der Speisekarte. Auch ist belegt, dass regelmäßig Wasservögel wie juvenile (noch nicht geschlechtsreife) Haubentaucher (Podiceps cristatus) sowie kleine und große Enten wie Stockenten (Anas platyrhynchos) gefressen werden. Selbst Bisamratten (Ondatra zibethicus) und kleinere Fischotter (Lutra lutra) werden durchaus verschlungen.
Ein kleiner Happen
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Ein kleiner Happen
Oft werden Welse als gefährliche Tiere dahingestellt und gesagt, dass sie Kinder beißen und verletzen würden, was allerdings nicht wahr ist. Jungtiere fressen Kleintiere wie Bachflohkrebse (Gammarus pulex) und kleinere, nicht zu schnelle Fische wie Schmerlen (Cobitidae). Ausgewachsene Welse haben keine natürlichen Feinde. Jungtiere sind vor allem durch Barsche (Perciformes) und Hechte (Esox) sowie größere Artgenossen bedroht. Zeigen sie sich am Tage in flachen Gewässern, kommen auch fischfressende Vögel wie der Graureiher (Ardea cinerea) an die jungen Welse heran.

Fortpflanzung

Das Ableichen der bis zu 200.000 Eier erfolgt zwischen Mai und Juli, nur bei Wassertemperaturen über 18°C. Hierzu gräbt das Männchen eine Grube in den Boden zwischen dichter Pflanzenvegetation, in welche das Weibchen dann die Eier ablegt, die dann von dem Männchen befruchtet werden. Dazu deponiert er seinen Hinterleib über dem Laich und sprüht eine Spermawolke über die Eier. Die Spermazellen dringen dann in die Eier ein und befruchten sie so. Bis zum Schlupf bewacht das Männchen die Eier und fächelt ihnen frisches Wasser zu. Die Jungfische sind nur wenige Zentimeter groß, nach etwa einem Jahr können sie bereits eine Länge um einen Meter erreicht haben, um so älter sie werden, desto langsamer wachsen die Welse.

Ökologie und Bedrohung

Allgemein ist der Wels nicht bedroht und wird als geachteter Speisefisch gehandelt und als repektabler Angelfisch geschätzt. Aufgrund des besseren Geschmacks und der günstigeren Haltbarkeit kommen nur junge, etwa 90 bis 120 cm lange Welse in den Handel. In Osteuropa sind die Bestände zwar nicht bedroht, aber durch Gewässerverschmutzung und Raubbau abnehmend. Die Bestände aus nördlicheren Gegenden Deutschlands sind ebenfalls zurückgegangen, aber es gibt dennoch zahlreiche von Welsen bewohnte Gewässer.

Anhang

Literatur

  • Stichmann, Wilfried & Erich Kretzschmar: Der neue Kosmos-Tierführer. Kosmos, Stuttgart 2003. ISBN 3-440-09575-4

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