Flughunde

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Flughunde
Indischer Riesenflughund (Pteropus giganteus)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Flughunde (Megachiroptera)
Familie: Flughunde
Wissenschaftlicher Name
Pteropodidae
Gray, 1821

Flughunde zählen innerhalb der Ordnung der Fledertiere (Chiroptera) zur Unterordung der Flughunde (Megachiroptera). In der Familie werden in 43 Gattungen 187 Arten geführt (IUCN, 2012). Flughunde bilden neben den Fledermäusen (Microchiroptera) die zweite Gruppe innerhalb der Fledertiere.

Die Vertreter der Familie der Flughunde sind in den Tropen und Subtropen der Alten Welt verbreitet. Die Arten sind über Afrika, dem südlichen Asien und Australien verbreitet. 5 Gattungen mit insgesamt 8 Arten sind davon in Australien beheimatet.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Das äußere Ohr der Flughunde ist einfach gebaut. Es fehlt ein Tragus und der Rand der Ohrmuschel bildet einen ununterbrochenen Ring um den Gehörgang. Die Augen sind groß, die Chorioidea (Aderhaut) und die äußere Schicht der Retina sind kegelartig geformt. Ein Nasenblatt fehlt allen Arten. Der zweite Finger hat drei knöcherne Phalangen (Fingerknochen), von denen die letzte sehr oder nur rudimentär vorhanden sind. Dieser letzte Fingerknochen trägt meist eine kleine Kralle. Mit Ausnahme der Arten der Gattung Notopteris ist der Schwanz bei den meisten Arten eher klein bis mittellang, zuweilen auch nicht vorhanden. Die Interfemoral-Haut (Flughaut zwischen den Oberschenkeln) fehlt bei einigen Arten oder ist nur unzureichend entwickelt. Das Schultergelenk ist einfach aufgebaut. Alle Arten weisen einen fuchs- oder hundeartigen Kopf auf. Diese Eigenschaft war sowohl im Deutschen als auch im Englischen namensgebend. Das Gebiss besteht aus 34 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i2/2, c1/2, p3/3, m2/3. Einige Arten weisen jedoch nur 28 Zähne auf. Die Eckzähne sind gut entwickelt, die Backenzähne sind kräftig und somit an die fruchtfressende Lebensweise angepasst. Im Gaumen sind zu diesem Zweck Querleisten präsent, um weiches Fruchtfleisch zu zerquetschen. Der Magen ist einfach aufgebaut (Novak, 1999).

Äußere Merkmale

Größe und Gewicht variieren stark je nach Art. Männchen sind meist größer und schwerer als Weibchen. Fast alle Arten haben hundeartige Gesichter. Bei den Arten der Gattung Nyctimene sind die Nasenlöcher röhrenförmig und die Wangen sind relativ breit. Eine weitere Eigenart der Gattung sind die fehlenden unteren Schneidezähne. Die Ohren, Flügel und Schwanz-Membranen sind meist schwärzlich. Die Arten der Gattung Pteropus haben ein kontrastreich gefärbtes Fell im Bereich der Schultern und des oberen Rückens. Talgdrüsen sondern ein Sekret ab, mit dem das eigene Revier markiert wird. Der Daumen verfügt über eine Kralle, der beim Klettern behilflich ist (Novak, 1999).

Nahrungsaufnahme und Verdauung

Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgen meist in der Nacht, bei einigen Arten auch am Tage. Mit beginnender Dunkelheit fliegen die Tiere von ihren Quartieren zu den Futterplätzen. In der Regel findet man mehrere Tiere in einem Baum beim Fressen. Jedes Individuum verteidigt jedoch ein kleines Revier innerhalb eines Baumes. Gefressen werden sowohl weiche als auch fasrige Früchte, die dann zunächst gekaut werden müssen. Weiche Nahrungsbestandteile und Säfte werden sofort abgeschluckt. Unverdauliche Bestandteile werden ausgespuckt. Arten, die sich von Blüten und deren Nektar ernähren, verfügen über eine lange Zunge. Früchte werden schnell verdaut. Der Umsatz der Nahrung erfolgt meist in weniger als 30 Minuten. Bei einigen Arten fehlt der Blinddarm. Der Dünndarm weist nach Tedman & Hall (1985) eine hohe Absorptionsfähigkeit auf. Meist decken Flughunde ihren Wasserbedarf über die Nahrung. Einige Arten, insbesondere Vertreter der Gattung Pteropus fliegen dicht über Wasserläufe und schöpfen so nach Wasser (Novak, 1999).

Atmung

Bei niedrigen Temperaturen wickeln Flughunde ihre Flügel um den Körper. Zudem wird bei niedrigen Temperaturen der Stoffwechsel reduziert. Bei zu hohen Temperaturen hecheln oder keuchen Flughunde. Das Belecken der Unterarme, Daumen, Flügel oder Brust mit Speichel senkt zusätzlich die Körpertemperatur. Es setzt ein erhöhter Wärmeverlust ein. Flughunde sind sowohl homöotherm und als auch heterotherm. Heterotherm, weil ihre Körpertemperatur zeitlich variieren kann. Homöotherm, da sie ihre Körpertemperatur selbst regulieren können. Messungen haben ergeben, dass Flughunde im Flug einen bis 24-fach höheren Sauerstoffverbrauch als die Basalrate haben. Dies zieht auch eine Erhöhung der Wärmeproduktion nach sich (Novak, 1999).

Sinnesorgane

Der Geruchssinn bei den Flughunden ist gut entwickelt und dient in erster Linie der Nahrungssuche. Die olfaktorische Kommunikation spielt zudem zwischen Müttern und ihrem Nachwuchs eine Rolle. Soziale Interaktionen erfolgen über eine große Vielfalt an Lautäußerungen. Anders als bei den Fledermäusen ist die Ortung mittels Ultraschallimpulsen nicht etwickelt. Die Augen und der Sehsinn sind gut entwickelt. Die Anzahl der Ganglienzellen liegt bei den meisten Arten bei mehr als 7.000 je mm² (Novak, 1999).

Lebensweise

Flughunde ernähren sich artabhängig von Früchten oder Blüten und Nektar. Lokal sind zudem saisonale Muster bei der Nahrungswahl erkennbar. Zum Ruhen versammeln sich Flughunde meist in großer Zahl an den Schlafplätzen. Die Gruppengröße variiert dabei je nach Jahreszeit. Die Schlafplätze werden für gewöhnlich über Jahre immer wieder benutzt (Novak, 1999).

Biozönose

Prädatoren

In Asien zählen beispielsweise der Sunda-Koboldmaki (Tarsius bancanus), die Schleiereule (Tyto alba), der Wanderfalke (Falco peregrinus) und die Braune Nachtbaumnatter (Boiga irregularis) zu den natürlichen Feinden. In Afrika stellen unter anderem Fleckenuhus (Bubo africanus), Raben und Krähen (Corvus), der Schwarzmilan (Milvus migrans), Lannerfalken (Falco biarmicus), Uhus (Bubo bubo), der Fleckenadler (Hieraaetus ayresii), der Afrikanische Habichtsadler (Hieraaetus spilogaster), Pottos (Perodicticus potto), Afrikanische Zibetkatzen (Civettictis civetta), Kleinfleck-Ginsterkatzen (Genetta genetta) und die Großfleck-Ginsterkatze (Genetta tigrina) den Tieren nach. In Australien sind Eulen (Strigiformes) und Schlangen (Serpentes) wie die Braune Nachtbaumnatter (Boiga irregularis) dokumentiert (Novak, 1999).

Parasiten

Bei fast allen Arten konnte in Feldversuchen Fadenwürmer (Nematoda) wie beispielsweise Toxocara ascaridoid sowie verschiedene Bandwürmer (Cestoda) nachgewiesen werden. Im Blut wurden Protozoen wie Hepatocystis pteropi und Trypanosoma pteropi nachgewiesen. Lokal kommt es zum Befall durch Zecken (Ixodida) wie Boophilus microplus sowie Fledermausfliegen (Nycteribiidae) und andere Extoparasiten (Durden & Wilson, 1985).

Fortpflanzung

Die Fortpflanzungsplätze liegen in Mangroven, Regenwäldern oder feuchten Hartlaubwäldern. Die Paarungszeit variiert je nach Verbreitungsgebiet, Lebensraum und Art, liegt jedoch meist in der Regenzeit. Die Geschlechtsreife erreichen Flughunde etwa im Alter von 1,5 Jahren. Innerhalb einer Kolonie verteidigen sowohl Männchen als auch Weibchen ein kleines Revier gegen Rivalen. Flughunde leben in einer polygamen Beziehung, ein Männchen paart sich mit mehreren Weibchen. Bei der Kopulation, die mit lautem Geschrei der Weibchen einhergeht, versucht sich das Männchen dem Weibchen von hinten zu nähern. Dabei kommt es zu einem typischen Nackenbiss und einer Umklammerung mit den Vorderbeinen. Die Tragezeit erstreckt sich artabhängig über 4 bis 5 Monate. In einer Saison kommt es nut zu einem Wurf, der aus 1 bis 2 Jungtieren besteht. Die Jungtiere sind bei der Geburt nackt und werden in den ersten Wochen von der Mutter getragen. Dies gilt auch während der Nahrungssuche. Zum Säugen verfügen Weibchen über zwei Zitzen, die sich seitlich im Brustbereich befinden Novak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die meisten Arten sind heute noch nicht gefährdet. Einige Arten sind stark gefährdet, kritisch gefährdet oder gar ausgestorben. 4 Arten sind bereits ausgestorben. Dies sind der Percy-Island-Flughund (Pteropus brunneus), der Palau-Flughund (Pteropus pilosus), der Rauchgraue Flughund (Pteropus subniger) und der Guam-Flughund (Pteropus tokudae). Die Ursachen für das Aussterben liegen in der starken Bejagung durch den Menschen und dem Aussetzen von Neozoa wie die Braune Nachtbaumnatter (Boiga irregularis). Kritisch gefährdet sind Aproteles bulmerae, Dobsonia chapmani, Mirimiri acrodonta, Pteralopex flanneryi, Pteralopex pulchra, Pteropus aruensis, Pteropus insularis, Pteropus pselaphon und Pteropus rodricensis. Abgesehen von der Bejagung sind Flughunde in der Nähe des Menschen keine gern gesehenen Gäste, da sie bei massenhaftem Auftreten mitunter erhebliche Schäden in Pflanzungen anrichten können. Auf der anderen Seite sind Flughunde exzellente Bestäuber von blütentragenden Pflanzen (Novak, 1999; IUCN, 2012).

Systematik der Flughunde

Familie: Flughunde (Pteropodidae)

Tribus: Kurznasenflughunde (Cynopterini)
Tribus: Röhrennasenflughunde (Nyctimenini)
Tribus: Rosettenflughunde (Rousettini)
Tribus: Epaulettenflughunde (Epomophorini)
Tribus: Langzungenflughunde (Macroglossini)
Tribus: Spitzzahnflughunde (Harpyionycterini)
Tribus: Nacktrückenflughunde (Dobsoniini)
Tribus: Eigentliche Flughunde (Pteropodini)

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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