Fleckenwaran

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Fleckenwaran

Systematik
Klasse: Kriechtiere (Reptilia)
Ordnung: Eigentliche Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Autarchoglossa
Familie: Warane (Varanidae)
Gattung: Varanus
Art: Trauerwaran (Varanus tristis)
Unterart: Fleckenwaran
Wissenschaftlicher Name
Varanus tristis orientalis
Fry, 1913

Der Fleckenwaran (Varanus tristis orientalis) ist eine Unterart der Art Trauerwaran (Varanus tristis) und zählt innerhalb der Familie der Warane (Varanidae) zur Gattung der Warane (Varanus). Im Englischen wird der Fleckenwaran freckled monitor genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Fleckenwaran erreicht eine Körperlänge von etwa 60,0 bis 65,0 Zentimeter und ist somit deutlich kleiner als die Nominatform Varanus tristis tristis. Sein langer Hals endent in einem schlanken, länglichen Kopf, der sich kaum vom Hals absetzt. Die Haut wirkt besonders am Hals recht faltig. Die Augen liegen etwa in der Mitte des Kopfes und sind seitlich plaziert. Die Beine sind relativ kurz und besitzen ausgesprochen kräftige Krallen. Die feingeschuppte Haut variiert zwischen graubraun bis hellbraun und ist mit einer Vielzahl heller Flecken übersät. Die Sinne der meisten Warane sind gut oder sogar hoch entwickelt. Die Nahrungssuche erfolgt mit Hilfe der tief gegabelten Zunge und des Jacobson'schen Organs. Aber auch der Geruchssinn ist durchaus gut entwickelt. Der Schädel ist üblicherweise deutlich getreckt und dorsal leicht abgeflacht. Das Gebiss ist überaus kräftig ausgeprägt. Die Zähne sind lateral abgeflacht, leicht spitz zulaufend und leicht nach hinten gekrümmt.
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Die sehr kräftig entwickelten Beine enden jeweils in 5 Zehen, die ihrerseits in scharfe Krallen enden. Die Beschuppung ist üblicherweise durch mittelgroße, meist glatte Schuppen geprägt. Warane gehören zu den poikilothermen (wechselwarmen) Tieren. Wechselwarme Tiere können ihre Körpertemperatur nicht selbständig halten. Im Gegensatz zu den homoiothermen (gleichwarmen) Tieren weisen Reptilien demnach keine konstante Körpertemperatur auf. In den frühen Morgenstunden wärmen sich Warane in der Sonne auf. Beim Sonnenbaden spreizen sie ihre Rippen leicht ab, um so die Körperoberfläche zu vergrößern. Die Rippen werden auch bei Gefahr oder Bedrohung gespreizt, da die Tiere so größer wirken als sie sind. Drohgebärden drücken sich insbesondere durch Zischen und Fauchen aus.

Lebensweise

Wie alle Reptilien, zählt auch der Fleckenwaran zu den poikilothermen (wechselwarmen) Tieren. Wechselwarme Tiere können ihre Körpertemperatur nicht selbständig halten. Mit Beginn des Tages begibt der Fleckenwaran sich träge an sonnenexponierte Stellen und sonnt sich bis er auf "Betriebstemperatur" gekommen ist. Sie sind also ektothermische Tiere. In ihrem Lebensraum orientieren sie sich auf verschiedene Weise. Zum einen verfügen sie über einen sehr gut entwickelten Sehsinn und zum anderen ist der Geruchssinn ausgesprochen hoch entwickelt. Sie riechen dabei jedoch nicht mit der Nase, sondern die Tiere nehmen Geruchspartikel über ihre sehr lange und gespaltene Zunge auf. Mit dem Geruchssinn spürt der Fleckenwaran zum einen Beutetiere auf und zum anderen bemerkt er Fressfeinde bereits bevor er sie sehen kann. Oftmals werden Beutetiere in ihren Bauten aufgespürt und gefressen. Sind die Bauten nicht groß genug um einzudringen, so werden sie erweitert. Dazu verfügt der Fleckenwaran über mächtige Krallen.
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Jungtiere sind vor allem in den ersten Lebensmonaten gefährdet, da sie auf der Speisekarte einer Reihe von Prädatoren stehen. Dabei müssen sie sich auch vor ihren Artgenossen in Acht nehmen. Zum Schutz vor Fressfeinden halten sich Jungtiere zumeist in den Bäumen oder in Erdbauten auf. In den Ruhephasen halten sie sich auch in Felsspalten oder in Baumhöhlen auf. Eine Winterruhe halten Fleckenwarane nicht. Jedoch fahren sie ihre Aktivität in der kalten Jahreszeit deutlich zurück. Sie gelten auch als exzellente Schwimmer und gehen im Wasser wie auch an Land auf Nahrungssuche. Fleckenwarane gelten als territorial, vor allem während der Paarungszeit kommt es zwischen erwachsenen Männchen zu ritualisierten Kämpfen, bei denen die Vorderbeine und der Schwanz eingesetzt werden. Gewonnen hat am Ende der Waran, der den anderen niedergerungen hat.

Verbreitung

Der Fleckenwaran ist im Nordosten Australiens verbreitet. Er bewohnt alle Lebensräume, in denen sich Bäume mit Höhlen finden, etwa trockenes und halbfeuchtes tropisches Waldland, daneben finden sie sich jedoch auch in Felsgebieten.

Ernährung

Warane sind in Bezug auf ihr Nahrungsspektrum opportunistische Generalisten. Sie fressen im Grunde alle Beutetiere, die überwältigt werden können. Als sehr gute Schwimmer, Läufer, Taucher, Gräber und Kletterer bleibt den Waranen kaum ein Beutetier vorenthalten. Zur bevorzugten Beute gehören Insekten (Insecta) wie Langfühlerschrecken (Ensifera), Kurzfühlerschrecken (Caelifera) und Käfer (Coleoptera) sowie Spinnentiere (Arachnida), kleine Vögel (Aves) und
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kleinere Säugetiere (Mammalia) wie beispielsweise Mäuse (Mus). Zusätzlich ernähren sie sich von Lurchen (Amphibia), Fischen (Actinopterygii), Krebstieren (Crustacea), Schnecken (Gastropoda) und von Skorpionen (Scorpiones). Aber auch kleinere Echsen (Lacertilia) und Schlangen (Serpentes) werden häufig gefressen. Jungvögel, Vogeleier und die Eier von Schildkröten (Testudinata) und anderen Reptilien stehen ebenfalls auf der Speisekarte. Aas wird bei Gelegenheit ebenfalls nicht verschmäht.

Prädatoren

Über mögliche natürliche Feinde ist nur wenig bekannt. Ausgewachsene Tiere haben wahrscheinlich kaum Prädatoren zu fürchten. Die Jungtiere fallen gelegentlich Greifvögeln (Falconiformes) oder anderen Waranen (Varanus) zum Opfer. Im gesamten Verbreitungsgebiet treten auch große Schlangen (Serpentes) als Prädator in Erscheinung. Warane sind durchaus nicht zu unterschätzen. Sie gelten mit ihren kräftigen Krallen als wehrhafte Gegner. Über Ekto- und Endoparasiten ist ebenfalls nur wenig bekannt.

Fortpflanzung

Warane erreichen die Geschlechtsreife im Alter von drei Jahren. Während der Balz konkurrieren meist mehrere Männchen um die Gunst eines Weibchens. Dabei kommt es regelmäßig zu heftigen Kommentkämpfen, aus denen der Sieger für gewöhnlich das Recht auf Paarung mit einem Weibchen beansprucht. Eine Umwerbung und die anschließende Kopulation kann sich über mehrere Stunden hinziehen.
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Je nach Verbreitungsgebiet kann es zu mehreren Gelegen im Jahr kommen. Ein Gelege umfasst zwischen fünf und neun Eier, aus denen nach einer Inkubationszeit von 110 bis 130 Tagen die Jungtiere schlüpfen. Als Eiablageort werden Termitenbauten, einfache Gruben oder ähnliche Stellen ausgewählt. Gelegentlich werden die Eier auch in Baum- oder Erdhöhlen abgelegt. Die Jungtiere leben in der ersten Zeit ausschließlich in den Bäumen oder suchen sichere Verstecke am Boden auf. Dies dient als Schutz vor möglichen natürlichen Feinden. Fleckenwarane erreichen in Freiheit ein Alter von acht bis zehn Jahren. In Gefangenschaft ist ein Alter von bis zu 15 Jahren möglich.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In den meisten Regionen sind Warane heute selten geworden. In fast allen Regionen des großen Verbreitungsgebietes werden die Tiere vom Menschen wegen des Fleisches und der Häute gejagt. Auch die Eier der Warane stehen auf der Speisekarte des Menschen. Alle Arten, darunter vor allem der Komodowaran, stehen nach dem Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen unter strengem, bzw. unter strengstem Artenschutz. In der Roten Liste der IUCN, Stand Oktober 2008, sind nur 3 Arten verzeichnet. 2 von diesen 3 Arten werden als gefährdet (VU, Vulnerable) geführt. Dies sind der Komodowaran (Varanus komodoensis) und der Grays-Waran (Varanus olivaceus). Die geringe Anzahl der in der Roten Liste geführten Waranarten täuscht jedoch über die Gefährdungssituation zahlreicher Arten hinweg. So ist beispielsweise der Wüstenwaran (Varanus griseus) in weiten Teilen seines Verbreitungsgebietes ausgestorben, weil Wildfänge für den Haustierhandel ganze Populationen ausgerottet haben.

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Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Warane (Varanidae)

Literatur und Quellen

  • Kurt Deckert, Gisela Deckert, Günther E. Freytag: Urania Tierreich, 7 Bde., Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania, Freiburg (1991) ISBN 3332003763
  • Manfred Rogner: Echsen, Bd.2, Warane, Skinke und andere Echsen sowie Brückenechsen und Krokodile. Ulmer (Eugen) (1994). ISBN 3800172534
  • Daniel Bennett: Warane der Welt. Chimaira (1996) ISBN 3930612054
  • Bernd Eidenmüller: Warane. Lebensweise - Pflege - Zucht. Herpeton, Auflage 2 (2003) ISBN 3936180032
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