Flamarions Kammratte

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Flamarions Kammratte

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricognatha)
Teilordnung: Hystricognathi
Überfamilie: Trugrattenartige (Octodontoidea)
Familie: Trugratten (Octodontidae)
Unterfamilie: Octodontinae
Tribus: Ctenomyini
Gattung: Tukotukos (Ctenomys)
Art: Flamarions Kammratte
Wissenschaftlicher Name
Ctenomys flamarioni
Travi, 1981

IUCN-Status
Endangered (EN)

Die Flamarions Kammratte (Ctenomys flamarioni), auch als Rio Grande-Kammratte bekannt, zählt innerhalb der Familie der Trugratten (Octodontidae) zur Gattung der Tukotukos (Ctenomys). Im Englischen wird die Art tuco-tuco of the dunes or flamarion's tuco-tuco genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Flamarions Kammratte zählt zu den mittelgroßen Vertretern, jedoch sind für diese Art die Maße nicht dokumentiert. Man geht aber davon aus, dass die Körperlänge etwa 15,0 bis 25,0 Zentimeter beträgt. Die Geschlechter divergieren in den Maßen und im Gewicht leicht. Männchen sind demnach etwas größer und schwerer als Weibchen. Der Körper ist insgesamt robust gebaut, der Kopf setzt sich nur wenig vom Hals ab. Die Gliedmaßen sind kurz und kräftig. Die Füße sind breit, zwischen den Zehen zeigen sich vor allem an den Hinterfüßen steife Haare. Die Sohlen der Füße sind jedoch nackt, die Fußballen sind recht groß. Die Zehen der Vorder- und Hinterfüße weisen lange, gebogene Krallen auf. Dieses Merkmal stellt ein Indiz für Grabaktivitäten dar. Die Ohren sind klein und liegen meist im Fell verborgen oder sind nur wenig sichtbar. Die Augen sind ebenfalls klein und liegen dorsolateral mittig am Schädel. Das Fell ist überwiegend sandfarben. In einer Saison kommt es 2 mal zum Fellwechsel. Dies ist im Sommer und im Herbst der Fall. Bei den Weibchen beginnt der Fellwechsel für gewöhnlich früher als bei Männchen. Der Schwanz ist recht kurz und dicht mit einem sandfarbenem Fell besetzt.

Lebensweise

Die Flamarions Kammratte ist eine grabende Nagetierart. Die Art zeichnet sich zudem durch ein stark territoriales Verhalten aus. Die Flamarions Kammratte ist ganzjährig aktiv. Die Tunnel der Gangsysteme werden mit den Vorderpfoten gegraben, lose Erde wird unter den Bauch nach hinten geschoben und mit den Hinterbeinen weiter nach hinten befördert. Beim Graben sind die Augen geschlossen. Beide Geschlechter geben knurrende und winselnde Laute von sich. Männchen markieren ihr Gangsystem an den seitlichen Wänden mit Urin. Weibchen verhalten sich ähnlich, wobei Männchen den reproduktiven Zustand eines Weibchens anhand des Urins erkennen können. Das Paarungsverhalten ist durch lautstarke Geräusche und einer Balz, die durch lange und heftige Kämpfe auszeichnet, geprägt. Während dieser Kämpfe kommt es mehrmals zu aggressiven Kopulationshandlungen. Die Flamarions Kammratte ist ein opportunistischer Fresser mit selektiven Konsumgewohnheiten. Die Tiere ernähren sich von einer Vielzahl an Gräsern, die fürgewöhnlich oberirdisch konsumiert werden. Verschiedene Gräser stehen dabei weit oben auf der Speisekarte. Wurzeln und Sträucher werden hingegen weitestgehend gemieden. Die Bauten der Flamarions Kammratte bestehen im Wesentlichen aus einem oder mehreren Haupttunnel und zahlreichen seitlich verzweigenden Tunneln. Die lateral abgehenden Tunnel sind gerade und verzweigen in sich nicht weiter, führen jedoch häufig an die Erdoberfläche. Die restlichen lateralen Tunnel enden in einer Sackgasse. Zum Bau gehören des Weiteren eine zentrale Kammer sowie ein oder mehrere Kammern, in denen Nahrung gelagert wird. Die durchschnittliche Anzahl an Hügeln bzw. an Ein- und Ausgängen zur Oberfläche liegt bei 5 bis 8. Ein Bau erstreckt sich meist über eine Fläche von 12 bis 43 m². Die Bauten von Männchen sind dabei deutlich größer als die Bauten der Weibchen. Je nach Jahreszeit und Verbreitungsgebiet beträgt die Anzahl an Löchern zwischen 52 und 221 pro Hektar. Mit Ende des Winters liegt die Anzahl der Löcher am niedrigsten.

Verbreitung und Lebensraum

Die Flamarions Kammratte ist in Brasilien endemisch, wo sie entlang der südöstlichen Küste auftritt. Sie bewohnt die küstennahen Dünen, wo sie auch in den Wanderdünen ihre Bauten gräbt. Das Gebiet weist einen hohen Salzgehalt und eine karge Vegetation auf.

Ernährung

Die Flamarions Kammratte ernährt sich als Pflanzenfresser hauptsächlich von Sämereien und feinen Gräsern. Zu den bevorzugten Futterpflanzen zählen vor allem Süßgräser (Poaceae) wie Aristida, Rispenhirsen (Panicum), Rispengräser (Poa), Borstenhirsen (Setaria) und Federgräser (Stipa).

Fortpflanzung

Die Flamarions Kammratte erreicht die Geschlechtsreife im Alter von 6 bis 8 Monaten. Die Geschlechter unterscheiden sich hierbei nicht. Die Paarungszeit erstreckt sich im Wesentlichen von August bis in den Februar hinein. Zu den meisten Geburten kommt es im zwischen Dezember und Februar. In einer Saison kommt es für gewöhnlich nur zu einem Wurf, wobei 2 Würfe pro Saison möglich sind. Nach einer Tragezeit von gut 90 bis 95 Tagen bringt ein Weibchen durchschnittlich 2,9 Jungtiere zur Welt.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN wird die Art als stark gefährdet eingestuft, weil sie auf einer Fläche verbreitet ist, die weniger als 5.000 Quadratkilometer beträgt. Ferner halten sich alle Individuen in weniger als fünf Standorten auf. Und es ist anzunehmen, dass die Qualität und der Umfang des Lebensraums sich noch mehr verschlechtern werden. Aufgrund ihrer Lebensraum-Spezifität gilt diese Art als die am meisten gefährdete innerhalb der Gattung der Tukotukos (Ctenomys) in Südbrasilien (Fernandez, 2007). Im Norden ihres Verbreitungsgebietes tritt die Art in einem Gebiet auf, wo hauptsächlich Dünen vorhanden sind. Jedoch kann es innerhalb der geografischen Bereiche zum Habitat-Abbau aufgrund der Entfernung von Dünen kommen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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