Flachland-Schaufelfuß

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Flachland-Schaufelfuß

Systematik
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Nacktlurche (Lissamphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Mittlere Froschlurche (Mesobatrachia)
Überfamilie: Krötenfrösche (Pelobatoidea)
Familie: Amerikanische Schaufelfußkröten (Scaphiopodidae)
Gattung: Spea
Art: Flachland-Schaufelfuß
Wissenschaftlicher Name
Spea bombifrons
Cope, 1863

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Flachland-Schaufelfuß (Spea bombifrons) zählt innerhalb der Familie der Amerikanischen Schaufelfußkröten (Scaphiopodidae) zur Gattung Spea.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Flachland-Schaufelfuß erreicht eine Körperlänge von 40 bis 64 Millimeter sowie ein Gewicht von 25 bis 30 Gramm. Männchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Weibchen. Der Körper wirkt etwas plump. Die Farbe variiert zwischen einem hellen Grün und einem gelblichen Braun. Die dorsale Oberfläche weist gesprenkelte dunkelgrüne bis gräuliche Markierungen auf. Bei dem Weibchen sind diese Markierungen wesentlich zahlreicher. Undeutlich lassen sich dorsal mehrere helle Längsstreifen ausmachen. Die ventrale Hautoberfläche ist dagegen weißlich bis cremefarben gefärbt. Des weiteren ist die relativ glatte und feuchte Haut mit vielen kleinen Warzen bedeckt, über die ein streng riechendes Sekret abgesondert wird. Das Sekret dient zum Schutz vor Austrocknung und vor Parasiten sowie der Abwehr von Fleischfressern. An den Beinen befinden sich vollständige Schwimmhäute und die Unterseite der Hinterglieder sind mit scharfen dunklen Hornschaufeln versehen. Die großen Augen befinden sich seitlich am Kopf und treten sichtbar aus den Augenhöhlen hervor. Die Pupillen der Augen sind im hellen Licht vertikal geschlitzt. Die Schnauze ist sehr kurz und fällt nach vorne stark ab.

Lebensweise

Der Flachland-Schaufelfuß ist hauptsächlich in der Nacht aktiv. Dies trifft vor allem während der Paarungszeit zu. In der Nacht gehen die Tiere auch auf Nahrungssuche. Am Tage gräbt er sich mit seinen harten Grabschaufeln, die auch namensgebend für den Flachland-Schaufelfuß waren, rückwärts tief in den Sand ein. Nicht selten gräbt er sich über einen Meter tief in den Boden ein. Dies ist eine bemerkenswerte Anpassung zu den extremen Regionen des heißen und trockenen Klimas, in denen der Flachland-Schaufelfuß lebt. Nach dem Winterschlaf beginnt die Paarung der Geschlechter. Im Frühjahr finden sich zuerst die Männchen in den Wasserlachen, Teichen oder Regentümpeln ein und beginnen mit den lauten, fast krächzenden wirkenden Paarungsrufen, um die Weibchen anzulocken.
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Außerhalb der Paarungszeit leben die Tiere strikt einzelgängerisch und meiden die Nähe zu Artgenossen. Ein Flachland-Schaufelfuß beansprucht je nach Habitatsqualität eine Reviergröße von 10 bis 20 Quadratmeter auf. Auf ihren Wanderungen legen Flachland-Schaufelfüße nicht selten einigen Hundert Meter zurück.

Verbreitung, Lebensraum

Der Flachland-Schaufelfuß ist in Nordamerika weit verbreitet. Er kommt insbesondere in Kanada und den USA vor. Er ist im einzelnen in den USA, in den Bundesstaaten Arkansas, Arizona, Colorado, Iowa, Kansas, Missouri, Montana, North Dakota, Nebraska, New Mexico, Oklahoma, South Dakota, Texas, Utah und Wyoming verbreitet. In Kanada werden die südlichen Teile der Provinzen Alberta, Manitoba und Saskatchewan besiedelt. Zudem kommt er im äußersten Norden Mexikos vor. Der Flachland-Schaufelfuß lebt sowohl in der Ebene als auch in Höhenlagen von über 2.500 Metern. Der Lebensraum ist sehr variabel. Die Art bewohnt Waldränder, Randbereiche von Wüsten, Baum- und Strauchsavannen, Weideland und auch landwirtschaftliche Flächen. Der Laichhabitate liegen zumeist in Sumpfgebieten, Wassergräben, an Seen und Teichen oder anderen natürlichen Wasseransammlungen wie Regenlachen oder ähnliches. Außerhalb der Paarungszeit leben die Kröten sowohl in feuchten als auch trockenen Gebieten. Das Erdreich, in dem sie leben, ist in der Regel locker, da sie sich hier während der trockenen Phase und im Winter eingraben.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern zählen insbesondere Schlangen (Serpentes), Eulen (Strigiformes), insbesondere Schleiereulen (Tytonidae), Nagetiere (Rodentia) und Greifvögel (Falconiformes) wie beispielsweise der Präriebussard (Buteo swainsoni). Unter den Schlangen stellen dem Flachland-Schaufelfuß vor allem Klapperschlangen (Crotalus) nach. Jungtiere und Larven werden von Fischen (Pisces) sowie von Krebstieren (Crustacea) gefressen. Einziger Schutz ist die ausgezeichnete Tarnfärbung und die Tatsache, dass die Kröten überwiegend eingegraben im Boden leben. Bei Gefahr sondert der Flachland-Schaufelfuß zudem ein Sekret über dorsale Drüsen ab. Ansonsten haben sie Fleischfressern nur wenig entgegenzusetzen.

Ernährung

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Adulte Flachland-Schaufelfüße ernähren sich als Fleischfresser hauptsächlich von Insekten (Insecta), deren Larven, anderen kleinen Gliederfüßern, Spinnentiere (Arachnida), kleineren Amphibien (Amphibia) und Würmern wie dem Tauwurm (Lumbricus terrestris). Hier und da werden aber auch Algen gefressen. Die Kaulquappen fressen neben totem organischem Material (Detritus) auch kleinere im Wasser lebende Gliederfüsser und Insektenlarven. Bei Nahrungsmangel fressen sich die Kaulquappen auch gegenseitig auf.

Fortpflanzung

Der Flachland-Schaufelfuß erreicht die Geschlechtsreife mit rund zwei Jahren. Die Paarungszeit beginnt je nach Verbreitungsgebiet im zeitigen bis späten Frühjahr und kann sich bis in den August erstrecken. Zu Beginn der Paarungszeit beginnen die Wanderungen in entsprechende Laichgewässer. Meist nach den ersten ergiebigen Regenfällen und Wassertemperaturen von über 10 Grad Celsius beginnt in den Laichgewässern die Balz. Die Balz ist geprägt durch lautstarke Ausrufe der Männchen, mit denen sie paarungsbereite Weibchen anlocken wollen. Die Ausrufe sind ausgesprochen laut und in der Nacht über einige Kilometer weit zu hören. Das Weibchen sucht das Wasser auf und wird von dem Männchen im Zuge der Paarung in einem sogenannten Prozeßamplexus umklammert. Da das Weibchen die Eier legt, entlädt das Männchen seinen Samen mit den darin befindlichen Samenzellen über den Eiern, um sie zu befruchten. Es findet also eine äußere Befruchtung statt.

Das Weibchen legt je nach Alter in mehreren Schüben 50 bis 200 Eier. Insgesamt legt sie zwischen 1.000 und 2.000 Eier. Sie sind mit einer geleeartigen Schicht umgeben, die sich nach der Ablage und der Befruchtung mit Wasser voll saugen und deutlich sichtbar anschwellen. Die Eier, die in großen Mengen gelegt werden, haften in Ballen an Pflanzenteilen oder an verrottenden Baumstämmen, die ins Wasser ragen. Je nach Umgebungstemperatur dauert die Inkubationszeit der Eier etwa 24 bis 36 Stunden. Nach dem Schlupf entwickeln sich die Kaulquappen sehr schnell. Sie zehren noch einige Tage von ihrem Dottervorrat bis sich die Mundwerkzeuge ausgebildet haben. Dann beginnen sie alles zu fressen, was sich ihnen in den nährstoffarmen Regentümpeln oder Wasserlachen anbietet.
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So kommt es auch vor, dass die Kaulquappen zu Kannibalen werden. Nachdem die Metamorphose der Kaulquappen beendet ist, die je nach Temperatur rund 50 bis 60 Tage beträgt, geht der voll entwickelte Flachland-Schaufelfuß an Land. Die Lebenserwartung des Flachland-Schaufelfußes kann über zehn Jahre betragen.

Ökologie

Der Flachland-Schaufelfuß ist in seinem Lebensraum ein nützliches Tier. Er ist Teil einer geschlossenen Nahrungskette und hält vor allem die Populationen von Insekten, Larven und kleinen wirbellosen Tieren in Schach. Gleichzeitig dient er fleischfressenden Tieren als Nahrungsgrundlage. Dies gilt sowohl für das Leben an Land als auch im Wasser. Die Laichgewässer werden üblicherweise von mehreren Amphibienarten bewohnt, die ein einer Art Koexistenz miteinander leben und die vorhandenen, limitierten Ressourcen gemeinsam nutzen. Dazugehören beispielsweise die Präriekröte (Bufo cognatus), der New Mexico-Schaufelfuß (Spea intermontana) und in Höhenlagen auch der Gebirgs-Schaufelfuß (Spea multiplicata). Während des Winterschlafes wird der Flachland-Schaufelfuß von dem Parasiten Pseudodiplorchis americanus befallen. Der infizierte Flachland-Schaufelfuß weist nach dem Winterschlaf einen kleineren dickeren Körper auf als der nicht-infizierte Flachland-Schaufelfuß. Aufgrund der parasitischen Infektion ist der Flachland-Schaufelfuß nicht mehr in der Lage sich zu vermehren und überlebt diese gefährliche Infektion nur selten.

Gefährdung und Schutz

Der Flachland-Schaufelfuß gilt als Art an sich noch nicht zu den gefährdeten Arten. Jedoch sind lokal seit Jahren sinkende Populationen zu beobachten. Die Gründe liegen auf der Hand - neben der Vernichtung und Trockenlegung (insbesondere durch Absenkung des Grundwasserspiegels) der natürlichen Lebensräume zählt vor allem die Umweltverschmutzung, insbesondere die Wasserverschmutzung durch Pestizid-Einsatz in der Landwirtschaft zu den Gefährdungsfaktoren. Ein weiterer Gefährdungsfaktor ist der Besatz von Laichgewässern mit Raubfischen. In diesen Fällen wird vor allem der Laich oder die Kaulquappen gefressen. Wegen der Lebenszyklen des Flachland-Schaufelfußes (Wasser- und terrestrische Stadien) sind die dünne und durchlässige Haut sowie die unterirdischen Wohnhöhlen für Klimastörungen besonders empfindlich. Solche Umweltprobleme können saurer Regen, zunehmende ultraviolette Sonnenstrahlen, Straßennetzerweiterung und Veränderung des Wassers sowie andere Faktoren mit einschließen. Auch die Zersiedelung respektive die Habitatfragmentierung durch exzessive Bebauung und intensivierte Landwirtschaft mit einhergehenden chemischen Düngern tragen zum Rückgang der Populationen bei.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Tierleben. Bd. 4 bis 6. Fische, Lurche, Kriechtiere.. DTV Deutscher Taschenbuch (Januar 1986) ISBN 3423032049

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