Fischuhu

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Fischuhu

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Teilklasse: Neoaves
Überordnung: Strigimorphae
Ordnung: Eulen (Strigiformes)
Unterordnung: Strigi
Familie: Eigentliche Eulen (Strigidae)
Gattung: Uhus (Bubo)
Art: Fischuhu
Wissenschaftlicher Name
Bubo zeylonensis
Gmelin, 1788

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Fischuhu (Bubo zeylonensis), zählt innerhalb der Familie der Eigentlichen Eulen (Strigidae) zur Gattung der Uhus (Bubo). Die englische Bezeichnung des Fischuhus lautet Brown Fish-Owl. Aufgrund von DNA-Untersuchungen wird diese Art nicht mehr zur Gattung Ketupa, sondern zur Gattung der Uhus (Bubo) gezählt.

Mitteleuropäische Vogelfreunde denken beim Fischuhu zunächst an die nahöstlichen Vorkommen der Art: Die Unterart Bubo zeylonensis semenowi kam früher auch im Norden Israels, in Jordanien und in Syrien (vielleicht auch im Libanon) vor und ist dort inzwischen verschollen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Massive Nagetier-Vergiftungaktionen der Landwirtschaft um 1950, weitestgehende Entwässerung der sumpfigen Hula-Ebene und Verschmutzung von Fließgewässern spielen dabei eine Rolle. In der Süd-Türkei ist die Unterart noch ein sehr seltener Brutvogel. <1>

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Fischuhu ist fast uhugroß und erreicht eine Körperlänge von etwa 50 bis 58 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 125 bis etwa 140 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 1.100 Gramm. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht in Größe und Aussehen kaum ein nennenswerter Dimorphismus. Der Fischuhu erinnert in Färbung und Größe an die echten Uhus, jedoch sind die Flügel des Fischuhu kürzer und runder. Des Weiteren sind die Zehen unbefiedert und die Beine befiedert. Der Gesichtsschleier ist weniger deutlich ausgebildet, dafür weist er aber kräftig entwickelte Federohren auf. Der Kopf ist im Verhältnis zum Körper ziemlich groß geraten und weist einen flachen Schädel auf, der eher einer Eule ähnelt. Die Augen wirken sehr groß und die Regenbogenhaut (Iris) der Augen weist eine hellgelbliche bis gelbliche Färbung auf. Der nach vorn gebogene Schnabel ist ziemlich kurz geraten, aber dafür kräftig. Die Schnabelbasis ist graugrün getönt und vereinzelt mit Borsten versehen, während die obere Schnabelhälfte und die Schnabelspitze schwarz erscheinen. Das Gesicht ist sehr flach und zeigt eine dunkelbraune Tönung. Die oberen Wangen, die Krone und die Stirn zeigen eine kastanienbraune Färbung und sind mit dunkelbraunen Sprenkeln sowie mit dunkelbraunen Streifen versehen. Die Kehle ist im Kontrast zu dem überwiegend dunkel getönten Gefieder weißlich gefärbt. Die Oberseite ist rotbraun und ist ebenfalls mit dunkelbraunen oder schwarzen Streifen gezeichnet. Die Armschwingen und die Handschwingen der Flügel weisen eine dunkelbraune, weißlich bis gelbbraun melierte Färbung auf.
Fischuhu ssp. leschenaultii
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Fischuhu ssp. leschenaultii
Der Bürzel sowie die Unterschwanzdecken sind ebenfalls weißlich bis gelbbraun meliert. Die Brust, die Flanken sowie der gesamte Unterbauch weisen feine wellige braune Horizontalbänder auf. Die kräftigen Extremitäten und die Zehen sind insgesamt gelblich gefärbt. Die Unterart Bubo zeylonensis leschenaultii erscheint größer als der Fischuhu. Des Weiteren ist das Gefieder der Oberseite überwiegend schwarz gefärbt. Die Unterart Bubo zeylonensis semenowi ist insgesamt heller getönt als der Fischuhu.

Lebensweise

Der Fischuhu lebt in der Nähe von Gewässern und kommt sowohl in pflanzenlosen Gebieten als auch bis in die Urwälder hinein vor. Als Jahresvogel bleibt er während des ganzen Jahres in seinem Revier. Fast alle Fischuhus sind während des Tages rege, so auch der Fischuhu. Der Fischuhu jagt bevorzugt in den Spätnachmittagsstunden und am frühen Morgen. Die Jagd wird entweder von einer Warte aus oder im Pirschflug ausgeübt. Wie sein Name schon sagt, verzehrt der Fischuhu hauptsächlich Fische (Pisces), daneben aber auch andere Wirbeltiere und größere Insekten (Insecta). Zwischendurch, wenn der Fischuhu nicht jagt, ruht der Vogel an geschützter Stelle in Bäumen oder in Büschen. Dabei wird er manchmal während er im Baum ruht von den kleinen Vögeln regelrecht schikaniert. Der Fischuhu lebt einzelgängerisch oder paarweise. Dabei bleibt ein Paar ein Leben lang zusammen und führt eine monogame Einehe. Vor allem während der Paarungszeit und Brutsaison verhält sich der Fischuhu ausgesprochen territorial und verteidigt vor allem sein Gelege vehement. Der Fischuhu ist ein sehr guter Flieger. Der Flug erscheint mit kräftigen Flügelschlägen absolut geräuschlos.

Unterarten

Die Unterarten orientalis und semenowi werden von Voous (1988) nur als Morphen von leschenaultii aufgefasst. Dagegen stellt nach van den Berg et al. (2010) semenowi möglicherweise eine eigene Art dar.

Verbreitung

Fischuhu ssp. leschenaultii
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Fischuhu ssp. leschenaultii

Im Vergleich zu den anderen Uhus ist der Fischuhu ein weit verbreiteter Brüter im tropischen und im subtropischen südlichen Asien, im Nahen Osten sowie im Süden von China. Insbesondere kommt er häufig im südlichen Yunnan, im zentralen Yunnan, sowie südwestlich von Yunnan vor. Yunnan ist eine Provinz im Südwesten der Volksrepublik China. Im Nahen Osten hält er sich meistens in Wadis sowie in Talsenken auf, die mit Bäumen und Sträuchern bewachsen sind und auch hügelige Gebiete werden von ihm besiedelt. Auch werden hin und wieder Urwälder von dem Fischuhu besucht. Auf Sri Lanka kommt er bis zu einer Höhe von 2.000 Metern vor und in Indochina hält er sich insbesondere an den bewaldeten Flussufern des Binnenlandes auf. Seine Lebensräume sind halboffene immergrüne Laubmischwälder, gut bewachsene Schluchten, steile Hänge, alte Plantagen und Wälder. Für den Fischuhu muss immer ein Gewässer in der Nähe vorhanden sein.

Ernährung

Als Ansitz- und Lauerjäger jagt der Fischuhu vorzugsweise in den Spätnachmittagsstunden und am frühen Morgen nach Fischen (Pisces), Amphibien (Amphibia) sowie nach Krebstieren (Crustacea). Des Weiteren verspeist er auch kleine Nagetiere (Rodentia), größeren Insekten (Insecta), Vögel (Aves), Schlangen (Serpentes) oder andere kleine Reptilien (Reptilia). Hat ein Fischuhu ein Beutetier entdeckt, so fliegt er los und es kommt zu einem kurzen Gleitflug. Die Beutetiere werden mit den kräftigen Klauen gegriffen und getötet. Die Beute wird im Ganzen verschlungen oder mit dem kräftigen kurzen Schnabel in mundgerechte Happen zerteilt.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht der Fischuhu mit rund zwei Jahren. Auf dem Indischen Subkontinent finden die Paarungszeit und die Brutsaison von November bis Mai statt, auf Sri Lanka im April und auf der Malaiischen Halbinsel im Dezember. Die eigentliche Brutzeit beginnt während der Trockenzeit, wenn der Wasserpegel am niedrigsten ist und die Fische laichen. Als Nistplätze dienen dem Fischuhu große Baumhöhlen und Felshöhlen, Nischen in Felswänden, Vertiefungen am Grunde von Astgabeln starker Bäume und Nester großer Vögel.
Fischuhu ssp. leschenaultii
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Fischuhu ssp. leschenaultii
In der Regel werden die Nester immer in der Nähe eines Gewässers errichtet. Für gewöhnlich legt das Weibchen nur zwei Eier in das Nest ab. Die Inkubation der Eier dauert etwa 34 bis 38 Tage lang und wird nur von dem Weibchen gewährleistet. Das Männchen versorgt sein Weibchen während dieser Zeit mit Nahrung. Nach dem Schlupf werden die Küken dann von dem Männchen und von dem Weibchen reichlich mit Nahrung versorgt. Die Nestlingszeit erstreckt sich über rund fünf bis sieben Wochen. Für gewöhnlich wird die Flugfähigkeit in der fünften oder siebten Lebenswoche erreicht. Ihre Unabhängigkeit erlangen die Jungvögel mit drei bis vier Monaten.

Gefährdung und Schutz

Der Fischuhu gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd von über 10.000.000 Quadratkilometern, einschließlich geschätzte zwei bis zwanzig Individuen in Europa (BirdLife International in prep.). Der Fischuhu ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Fischuhu selten oder nur spärlich vor (del Hoyo et al., 1999). Die globale Population wurde jedoch bisher noch nicht ermittelt. In der Roten Liste der IUCN wird der Fischuhu als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] Bonser, R. (2009): Reports: Western Palearctic: June 2009. - Birdwatch 8/2009: S. 74-75 ISSN 0967-1870
  • Arnoud B van den Berg, Soner Bekir, Peter de Knijff & The Sound Approach: Rediscovery, biology, vocalisations and taxonomy of fish owls in Turkey. Dutch Birding 32: 287-298, 2010 Download des Artikels als pdf-Datei (PDF; 564 kB)
  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X
  • Voous, K. H. (1988): Owls of the Northern Hemisphere. - Collins, London. ISBN 0002194937

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