Fischernetzspinnen

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Fischernetzspinnen
Segestria florentina

Systematik
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Haplogynae
Überfamilie: Dysderoidea
Familie: Fischernetzspinnen
Wissenschaftlicher Name
Segestriidae
Simon, 1893

Fischernetzspinnen (Segestriidae) zählen innerhalb der Ordnung der Webspinnen (Araneae) zur Teilordnung der Echten Webspinnen (Araneomorphae). Nach Platnik werden in der Familie in 3 Gattungen 106 Arten geführt (Stand 08/2008). Fischernetzspinnen sind nah mit den Sechsaugenspinnen (Dysderidae) verwandt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Fischernetzspinnen erreichen eine durchschnittliche Körperlänge von rund 10 bis 23 Millimeter. Männchen bleiben nur unwesentlich kleiner als Weibchen. Wie die Sechsaugenspinnen (Dysderidae) besitzen Fischernetzspinnen statt der üblichen 8 Augen nur 6 Augen, doch sind diese in zwei Dreiecken angeordnet, die mit den Spitzen zueinander weisen. Der Hinterleib ist mit feinen, dünnen Sinneshärchen überzogen. Charakteristisches Merkmal aller Vertreter der Familie ist das rundum weichhäutig begrenzte Sternum. Vorder- und Hinterleib (Prosoma und Opisthosoma) sind grundsätzlich ähnlich in der Breite. Beide Körperteile weisen eine leicht zylindrische Form auf. Dorsal zeigt sich auf dem Opisthosoma meist eine variable und dunkle Fleckenzeichnung oder ähnliche Muster. Bei den juvenilen Männchen ist meist schon vor der Reifehäutung die Anlage der Tasterbulben zu erkennen. Bei den Vertretern der Gattung der Segestria jedoch erst im Zuge der Reifehäutung.

Lebensweise

Fischernetzspinnen sind ausgesprochen sesshafte Webspinnen, die in der Nacht am Rande ihrer Wohnröhre auf Beute lauern. Sie bewegen sich allenfalls wenige Schritte vom Unterschlupf weg. Mitunter leben diese Spinnen zeitlebens an einem Fleck. Beliebte Unterschlupfe sind beispielsweise lose Rinde, Astlöcher, aber auch Mauerritzen oder schmale Felsspalten. Am Boden sind sie gelegentlich auch unter Steinen und an ähnlichen Plätzen anzutreffen. Am Tage ziehen sich Fischernetzspinnen tief in ihre Wohnröhre zurück, im Gewebe sind sie dann nicht anzutreffen. Die Mündung der Wohnröhre weisen strahlenförmig bis zu 12 Fäden in alle Richtungen. Es handelt sich um Signalfäden, die der Spinne in der Wohnröhre auf Beutetiere aufmerksam macht. Sesshaft sind jedoch nicht nur die Weibchen, sondern auch die Männchen. Nach der Brautschau kehren die Männchen für gewöhnlich immer wieder in ihre eigene Wohnröhre zurück.

Verbreitung

Fischernetzspinnen treten weltweit in zahlreichen Klimazonen in Erscheinung. Die meisten Arten kommen allerdings in tropischen und subtropischen Regionen vor. In Mitteleuropa sind im Wesentlichen nur zwei Arten bekannt, zu denen insbesondere die Fischernetzspinne (Segestria senoculata) gehört. Die Vertreter der Gattung Ariadna leben ausschließlich in tropischen Regionen.

Ernährung

Fischernetzspinnen gehören zu den Lauerjägern. Während sie auf Beute lauern, liegen sie mit nach vorne ausgestreckten Vorderbeinen in der Mündung ihrer Wohnröhre. Zu den Beutetieren der Fischernetzspinnen zählen insbesondere verschiedene Insekten (Insecta) und andere Gliederfüßer (Arthropoda) wie Asseln (Isopoda).

Fortpflanzung

Das Paarungsverhalten ist vor allem bei den europäischen Arten gut erforscht und lässt sich auf alle Arten der Familie übertragen. Die Paarungszeit erstreckt sich in Mitteleuropa über die warmen Monate des Sommers, in mediterranen Regionen auch ganzjährig. Während der Balz wirbt ein Männchen längere Zeit mit Trommelsignalen vor der in der Röhrenmündung wartenden Partnerin. Zunächst klopft das Männchen zaghaft und vorsichtig, später dann immer schneller. Im Zuge des Klopfens kommt das Männchen immer mehr in Erregung und es ist ein Zucken am Körper zu beobachten. Das Zucken des Körpers geht in den Rhythmus des Klopfens mit den Tastern über. Dieses Ritual wird mit kurzen Pausen so lange wiederholt, bis das Weibchen aus der Tiefe der Wohnröhre hervorkommt. In diesem Moment vollführt das Männchen regelrecht einen Tanz und springt dem Weibchen entgegen. Schließlich kriecht das Männchen von vorn unter den Körper des Weibchens und führt von unten her gleichzeitig beide Taster in die weibliche Geschlechtsöffnung (Epigyne) ein. Der Paarungsakt dauert allenfalls wenige Minuten und kurze Zeit später trennen sich die Geschlechter wieder. Die Bulben der Männchen füllen sich nach kurzer Zeit erneut und es geht auf die Suche nach der nächsten Partnerin. Je nach Art kann es zu bis zu 15 Paarungen kommen. Die Eiablage erfolgt später an der Seite des Gespinstschlauches in einer kleinen Nische. Die Weibchen bewachen die Eier und schützen diese vehement. Die Entwicklungszeit der Eier erstreckt sich über mindestens 1 Jahr. Die Jungen bleiben nach dem Schlüpfen noch eine Zeitlang bei dem Weibchen und werden von ihr aber offenbar nicht weiter betreut.

Systematik der Fischernetzspinnen

Familie: Fischernetzspinnen (Segestriidae)

Gattung: Ariadna
Gattung: Gippsicola
Gattung: Segestria

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Koehler, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Bernhard Rensch, Prof. Dr. Peter Rietschel und Prof. Dr. Erich Thenius: Grzimeks Tierleben. Niedere Tiere. Erster Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1

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