Fichtenspecht

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Fichtenspecht

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
Familie: Spechte (Picidae)
Unterfamilie: Echte Spechte (Picinae)
Gattung: Picoides
Art: Fichtenspecht
Wissenschaftlicher Name
Picoides dorsalis
Baird, 1858

IUCN-Status
Least Concern

Der Fichtenspecht (Picoides dorsalis), auch unter den Synonymen Picoides americanus, Picoides hirsutus, Picoides tridactylus, Picus dorsalis und Tridactylia dorsalis bekannt, zählt innerhalb der Familie der Spechte (Picidae) zur Gattung Picoides Im Englischen wird der Fichtenspecht american three-toed woodpecker, striped three-toed woodpecker, northern three-toed woodpecker oder three-toed woodpecker genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Fichtenspecht erreicht eine Körperlänge von etwa 21,0 bis 22,0 Zentimeter und eine Flügelspannweite von etwa 38,0 Zentimeter. Er ähnelt sehr dem Schwarzrückenspecht (Picoides arcticus), der ebenfalls nur drei Zehen je Fuß hat. Bis 2003 wurde er noch zur Art des Dreizehenspechts (Picoides tridactylus) gezählt, Untersuchungen stellten jedoch eine vergleichsweise große genetische Divergenz zwischen nearktischen und holarktischen Unterarten fest. Der Fichtenspecht kennzeichnet sich durch einen geraden, fast kopflangen Schnabel aus, welcher breiter als hoch und seitlich durch gerade Bänder begrenzt, auf der First kielförmig erhoben und an den Seiten gegen die Spitze hin hohlkehlig ausgebuchtet ist. Der Fuß ist dreizehig. Die beiden Vorderzehen sind fast gleich lang, die Hintere ist ein wenig länger. Alle sind kürzer, als der Lauf. Im Fittig ist die vierte Schwinge die längste. Der Schwanz ist keilförmig, die Mittelfedern sind sehr steifschaftig und schmal gespitzt. Der Fichtenspecht ist auf der Oberseite schwarz, auf der Unterseite schmuzigweiß gefärbt. Die Stirnbinde ist auf schwarzem Grund weiß gefleckt und die Mitte des Oberkopfs weist einen blass goldgelben Kronenfleck beim Männchen auf. Ein Streifen, welcher jederseits über dem Auge beginnt, am Hinterkopf sich mit dem der entgegengesetzten Seite vereinigt und über die Mitte des Rückens herabzieht, ist weiß, mehr oder weniger schwarz gefleckt. Der Zügel und ein zweiter Streifen, welcher von der Schnabelwurzel entspringt und mit dem Zügel gleichlaufend sich seitlich am Halse herabzieht, sind schwarz gefärbt. Die Seitenfedern der Unterseite sind durch Längs- und Ouerflecken gezeichnet. Die Schwingen und die äußersten Steuerfedern sind schwarz und weiß gebändert. Die mittelsten Steuerfedern sind einfarbig schwarz getönt. Das Auge ist perlfarben oder silberweiß. Der Schnabel hell bleifarbig, an der Spitze schwärzlich. Der Fuß ist dunkel bleigrau geschönt. Das Weibchen unterscheidet sich durch den Mangel des gelben Kopffleckens beim Männchen. Die Kopfplatte ist bei em Weibchen weiß gefleckt.

Lebensweise

Fichtenspecht - Weibchen
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Fichtenspecht - Weibchen

Fichtenspechte legen ein ausgesprochen territoriales Verhalten an den Tag. Neben diversen Drohgebärden wie das Aufstellen der Schopffedern, wildes Schlagen mit den Flügeln und Trommeln mit dem Schnabel auf Holz kommen auch eine Reihe von Lauten bei Bedrohung zum Tragen. Wie alle Spechte, so gilt auch der Fichtenspecht als herausragender Baumeister von Baumhöhlen. Mit dem ausgesprochen kräftigen Schnabel hämmern Fichtenspechte unermüdlich gegen Holz und lassen so nach und nach eine Baumhöhle entstehen. Am Bau einer Nisthöhle sind im Wesentlichen beide Geschlechter beteiligt, jedoch kommt dem Männchen die Hauptaufgabe zu. Beim Hämmern gegen Holz kommt es nicht zu Verletzungen des Gehirns, da zwischen dem Schnabelansatz und den Schädelknochen eine weiche Schicht sitzt, die die Schläge deutlich abdämpft. Diese Eigenschaft trifft auf alle Specht-Arten zu.

Unterarten

  • Picoides dorsalis dorsalis - Baird, 1858
  • Picoides dorsalis bacatus - Bangs, 1900
  • Picoides dorsalis fasciatus - Baird, 1870

Verbreitung

Fichtenspecht - Weibchen
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Fichtenspecht - Weibchen

Die Verbreitungsgebiete des Fichtenspechts reichen quer über den nordamerikanischen Kontinent von Neufundland bis Westkanada und Alaska. In den gebirgigen Nadelwaldgebieten erstrecken sich manche Vorkommen südwärts bis Neumexiko und Arizona.
Zumeist halten sich die Fichtenspechte dort auf, wo gerade eine Vielzahl von Insekten befallene Bäume stehen, sie folgen auch Waldbränden und Überschwemmungen. Normalerweise sind sie keine Wandervögel, es kommt aber vor, das nördliche Populationen im Winter gen Süden wandern, und im Gebirge lebende Vögel in tiefere Gebiete ziehen.

Ernährung

Fichtenspechte ernähren sich von Insekten (Insecta) und deren Larven, insbesondere von Raupen und Käferlarven, Ameisen (Formicoidea). Aber auch Spinnentiere (Arachnida) sowie von Würmern und anderen wirbellosen Tieren stehen auf der Speisekarte. Selbst kleinere Wirbeltiere (Vertebrata) und Vogeleier werden nicht verschmäht. Im Winter werden hauptsächlich Sämereien, Nüsse und Waldfrüchte gefressen. Die Samen der Gelb-Kiefer (Pinus ponderosa) werden besonders gerne gefressen. Auf Nahrungssuche ist der Fichtenspecht sowohl auf dem Erdboden als auch im Geäst der Bäume anzutreffen. Die meiste Zeit verbringt er bei der Nahrungssuche allerdings in den Bäumen, insbesondere an den Stämmen. Hartschalige Nüsse werden zwischen Astgabeln, den sogenannten Spechtschmieden, geklemmt und mit dem kräftigen Schnabel aufgehackt. Für den Winter legen Fichtenspechte vor allem in den nördlichen Verbreitungsgebieten Vorratslager an. Diese Vorratslager befinden sich in Baumhöhlen, in tiefen Ritzen der Rinde oder an ähnlich geschützten Plätzen. Bei Nahrungsmangel kommt es im Winter in der Regel zu kleineren Wanderungen.

Fortpflanzung

Fichtenspecht
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Fichtenspecht

Das Brutgebiet der Fichtenspechte liegt im Nadelwald von Westkanada, Alaska über den westlichen bis zu den zentralen Vereinigten Staaten. Geschlechtsreif sind Fichtenspechte im Alter von rund einem Jahr. Nicht selten erfolgt die erste Brut aber erst mit zwei Jahren. Die Paarungszeit der Fichtenspechte beginnt je nach Verbreitungsgebiet meist Ende März bis Mitte Juni. Streng territorial besetzt jedes Pärchen ein eigenes Revier. Die Bruthabitate befinden sich zumeist in montanen Wäldern mit altem Baumbestand. Ein Brüten in Gruppen ist bei den Fichtenspechten nicht bekannt. Wie alle Spechte, so ist auch der Fichtenspecht ein Höhlenbrüter. Die Bruthöhle wird in der Regel im Totholz oder in morschen Bäumen gezimmert. Mit dem kräftigen, meißelartigen Schnabel kann der Fichtenspecht problemlos auch Höhlen bis in Tiefen von bis zu 60 Zentimeter meißeln. Gelegentlich übernimmt er aber auch bestehende Höhlen und baut sie nur aus. Die Höhlen werden meist in mittleren Höhen angelegt. Das Zimmern der Höhle dauert rund zwei bis vier Wochen. Hauptsächlich wird die Höhle vom Männchen bearbeitet. Das Weibchen legt zwischen drei und sieben, durchschnittlich jedoch nur vier Eier, die über einen Zeitraum von 14 Tagen bebrütet werden. Die Eier werden im Abstand von einem Tag gelegt. Das Bebrüten der Eier beginnt mit Ablage des letztes Eies. Beide Elternteile bebrüten die Eier, wobei das Männchen überwiegend in der Nacht aktiv ist. Bei Gelegeverlust kann es durchaus zu Nachgelegen kommen. Die Nestlingszeit beträgt etwa 26 Tage. Während dieser Zeit werden die Jungvögel von beiden Elternteilen mit Insekten (Insecta), Larven und Spinnentiere (Arachnida) gefüttert.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört der Fichtenspecht heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Er ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Fichtenspecht selten oder nur spärlich vor.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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