Feuerlibelle

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Feuerlibelle
Männchen

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Dicondylia
Teilklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Überordnung: Odonatoptera
Ordnung: Libellen (Odonata)
Unterordnung: Epiprocta
Teilordnung: Großlibellen (Anisoptera)
Überfamilie: Libelluloidea
Familie: Segellibellen (Libellulidae)
Gattung: Crocothemis
Art: Feuerlibelle
Wissenschaftlicher Name
Crocothemis erythraea
Brullé, 1832

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) zählt innerhalb der Familie der Segellibellen (Libellulidae) zur Gattung Crocothemis. Im Englischen wird die Feuerlibelle Scarlet Dragonfly oder Common Scarlet-Darter genannt.

Die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen sowie Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wählten in Kooperation mit dem Naturschutzbund (NABU) die Feuerlibelle zur Libelle des Jahres 2011.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Feuerlibelle erreicht eine Körperlänge von etwa 40 bis 45 Millimeter und eine Flügelspannweite von etwa 65 bis 70 Millimeter. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht ein deutlicher farblicher Dimorphismus. Der Körper des Männchens ist insgesamt leuchtend rot gefärbt, während das Weibchen eine ockergelbe Tönung aufweist. Ferner sind die Beine des Männchens ebenfalls rötlich getönt. Die Feuerlibelle kann leicht mit der Großen Heidelibelle (Sympetrum striolatum) verwechselt werden, wobei sich das Männchen der Feuerlibelle von dieser durch die leuchtend rote Färbung des Körpers, der Augen und der Beine sowie durch den breiteren und platteren Hinterleib unterscheidet. Auch das Weibchen der Feuerlibelle weist eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Weibchen der Großen Heidelibelle auf, wobei das Flügelmal (Pterostigma) der weiblichen Großen Heidelibelle gräulich oder bläulich erscheint. Die Jungtiere und das Weibchen werden leicht mit dem Weibchen des Großen Blaupfeils (Orthetrum cancellatum) verwechselt, jedoch sind die Flügelbasen bei beiden Geschlechtern der Feuerlibelle gelb-orange gefleckt. Das Flügelmal (Pterostigma) weist bei dem Weibchen und bei dem Männchen eine gelbe bis braune Färbung auf. Die Flügel sind durchzogen von kleinen Äderchen, die ihnen die nötige Stabilität verleiht. Die Flügelpaare sitzen wie die Beinpaare am Brustsegment. Die Feuerlibelle ist aufgrund der Tatsache, dass sie die Flügelpaare unabhängig voneinander bewegen kann, zu abrupten Richtungswechseln in der Lage. Sie bewegt die Flügel bis zu 30 mal pro Sekunde. Im Fluge wirkt die Libelle meist hecktisch.

Der große Kopf setzt sich deutlich vom Brustsegment ab. Die riesigen Facettenaugen bestehen aus annähernd 30.000 Einzelaugen, den sogenannten Ommatidien. Die Beisswerkzeuge, insbesondere die Mandibeln sind kräftig ausgebildet und verfügen über eine Vielzahl kleiner zahnartiger Auswüchse. Im vorderen Mundbereich liegt das Labrum, also die Oberlippe sowie an den Maxillen die Unterlippe, das sogenannte Labium.
Feuerlibelle - Weibchen
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Feuerlibelle - Weibchen
Der Thorax, wie der Brustbereich wissenschaftlich genannt wird, besteht aus drei Segmenten. Das sehr lange Abdomen, das eine gewisse Stabilität im Fluge erzeugt, ist für Libellen typischerweise in acht beweglichen Elementen unterteilt und endet in eine Greifzange, mit der sich das Männchen während der Paarung am Weibchen festhalten kann. Die Beine, die der Libelle als Fangapparat dienen, sind kräftig ausgebildet.

Lebensweise

Die Feuerlibelle ist äußerst revierverbunden und vertreibt energisch Artgenossen und andere Großlibellen. Das Männchen verweilt gerne am Boden oder in bodennaher Vegetation. Ferner bevorzugt die Feuerlibelle warme stehende Gewässer mit dichtem Randbewuchs. Wie alle Libellen so lebt auch die Feuerlibelle räuberisch und jagt insbesondere kleine Insekten (Insecta). Die Flugzeit erstreckt sich in Mitteleuropa von Mai bis Ende August und im Mittelmeergebiet von April bis Oktober.

Unterarten

Verbreitung

Feuerlibelle - Weibchen
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Feuerlibelle - Weibchen

Die wandernde Feuerlibelle ist in den warmen Regionen Südeuropas, Afrikas und Westasiens verbreitet. Seit 1990 hat sich die Feuerlibelle auch nach Süddeutschland und Mitteldeutschland ausgebreitet, wo sie oft in den warmen Jahreszeiten anzutreffen ist. In den meisten Gebieten Deutschlands ist es aber für die Feuerlibelle zu kühl. Auch in Mitteleuropa ist sie mittlerweile häufig zu finden, aber nur in den warmen Jahreszeiten. Die Feuerlibelle lebt vorwiegend an warmen stehenden Gewässern wie zum Beispiel an Teichen und Tümpeln. Auch Baggerlöcher mit sandigem Ufer werden gerne besucht. Gelegentlich werden auch langsam fliessende Gewässer besiedelt.

Ernährung

Die Feuerlibelle ernährt sich räuberisch von Insekten (Insecta) wie Mücken (Nematocera), Fliegen (Brachycera) und anderen Geflügelten Insekten. Gelegentlich werden auch Spinnentiere (Arachnida) verspeist. Dabei sucht die Feuerlibelle die Beute von einer Ansitzwarte aus und erbeutet sie mit ihren Fängen im Fluge. Die Larven ernähren sich im Wasser von Kleinstlebewesen. Das Männchen geht meist am Tage auf die Jagd, Weibchen eher in der späteren Abenddämmerung. Hin und wieder jagt die Feuerlibelle auch am Boden an einem Gewässerrand. Wenn das Gewässer stark von anderen Großlibellen frequentiert wird, so sucht sich die Feuerlibelle auch eine Ansitzwarte im umgebenden Grüngürtel.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit der Feuerlibelle erstreckt sich in Mitteleuropa von Mai bis Ende August und im Mittelmeergebiet von April bis Oktober. Die eigentliche Paarung dieser Libellenart beginnt im Fluge und wird meist am Boden fortgesetzt.
Feuerlibelle - Männchen
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Feuerlibelle - Männchen
Der Flug wirkt dabei rüttelartig. Die Paarung kann zwischen einigen Minuten und bis zu zehn Minuten dauern. Die Eiablage erfolgt durch das Weibchen alleine. Sie legt ihre 20 bis 30 Eier im Flug auf der Wasseroberfläche ab, wobei die Eier an flutenden Wasserpflanzen oder Algenwatten abgestreift werden. Dies geschieht oft fern vom Ufer. Das Männchen wacht während der Eiablage nicht über das Weibchen. Die Eier sind leicht oval und weisen eine Länge von gut 0,5 Millimeter auf.

Die Entwicklungszeit der Larven dauert in Mitteleuropa etwa ein Jahr. Gelegentlich wird die Entwicklung in warmen Sommern schneller abgeschlossen und es kann dann eine zweite Generation bilden. Die Larven ernähren sich räuberisch von Kleinstlebewesen im Wasser. Mit ihrer Fangmaske erbeuten sie ihre Nahrung und zerteilen sie mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen. Die Atmung erfolgt unter Wasser über ein spezielles Gewebe im Enddarm. Im zweiten oder dritten Frühjahr nach dem Schlupf der Larven steigen sie aus dem Wasser, üblicherweise klammern sie sich an aus dem Wasser ragenden Halmen fest. Hier schlüpfen sie aus ihrer Exuvie und fliegen nach der Trocknung der Flügel auf.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Dreyer & Gerstenberg, Die Libellen, Gerstenberg Gebrueder Verlag, 1986 ISBN 3806720223
  • Heiko Bellmann, Libellen beobachten, bestimmen, Naturbuch Verlag, Augsburg, 1986 ISBN 3894401079
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
  • Dr. Franz Bachmaier, Dr. Wolfgang Dierl, Dr. Eberhard Ernst, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Hubert Markl, Dr. Werner Rathmayer, Prof. Dr. Peter Rietschel, Prof. Dr. Friedrich Schaller, Dr. Richard Zur Strassen, Dr. Heinz Wundt, Dr. Dr. Fritz Zumpt: Grzimeks Tierleben. Enzyklopädie des Tierreichs. Insekten. Zweiter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München, Oktober 1993 ISBN 3-423-05970-2

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