Fensterspinne

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Fensterspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Familie: Finsterspinnen (Amaurobiidae)
Gattung: Amaurobius
Art: Fensterspinne
Wissenschaftlicher Name
Amaurobius fenestralis
Strøm, 1768

Die Fensterspinne (Amaurobius fenestralis) zählt innerhalb der Familie der Finsterspinnen (Amaurobiidae) zur Gattung Amaurobius. Im Englischen wird die Fensterspinne Window spider genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Fensterspinne ist eine mittelgroße cribellate Spinne. Sie erinnert im Aussehen an eine Trichterspinne (Agelenidae), vor allem an die Gattung Coelotes, ist aber kurzbeiniger und hat viel kürzere Spinnwarzen. Auch mit ihrem mehr oder weniger trichterförmigen Fangnetz erinnert sie an diese Familie, wenn man einmal davon absieht, dass sie cribellate Fangfäden spinnt. Das Cribellum (Spinnplatte) ist stets durch eine Längsbrücke zweiteilig, das Calamistrum (ähnelt einem Kamm) - im Unterschied zur nahe verwandten Familie der Kalksteinspinnen (Titanoecidae) - zweireihig. Das Weibchen erreicht eine Körperlänge von etwa sieben bis neun Millimeter und das Männchen eine Körperlänge von etwa fünf bis sieben Millimeter. Der Vorderkörper ist dunkel rotbraun, im vorderen Teil schwarz gefärbt und stark glänzend. Der Hinterkörper zeigt eine grünlich-gelbe, nach hinten zunehmend rötliche Grundfärbung. Vorn befindet sich ein schwarzer, nach hinten keilförmig erweiterter Längsfleck, der mitten in Längsrichtung etwas aufgehellt ist. Zu den Seiten und nach hinten wird die Grundfärbung durch zahlreiche, feine, dunkle Längsstriche zunehmend dunkler. Die braunen Beine sind mehr oder weniger deutlich dunkel geringelt. Der Hinterleib und die Beine sind mit kurzen Haaren bedeckt. Zur sicheren Unterscheidung von einigen sehr ähnlich gezeichneten Arten sollte die Epigyne (äußerlich sichtbares Geschlechtsmerkmal des Weibchens) herangezogen werden. Diese besteht aus einer wulstigen, annähernd halbmondförmigen Platte, hinter der beiderseits kurze, spitze Fortsätze liegen. Adulte Tiere findet man vom Herbst bis ins Frühjahr, die Weibchen bis Juli/August.

Lebensweise

Die Fensterspinne spinnt ein sehr weitmaschiges Trichternetz, das durch die cribellaten Fangfäden im frischen Zustand einen leichten bläulichen Schimmer zeigt. Man findet das Netz vor allem an Felsen und auf der rissigen Borke abgestorbener Bäume. In der Mitte verdichtet sich der Trichter zu einer mehr oder weniger deutlichen Röhre, die zum verborgenen Schlupfwinkel der Spinne führt, der sich zum Beispiel in einer Gesteinsspalte oder hinter der losen Rinde befindet. Die Fensterspinne überwintert im adulten Zustand und paart sich im Frühjahr. Das Weibchen baut danach seine Wohnröhre zu einem allseits geschlossenen Schlupfwinkel aus.

Verbreitung

Die Fensterspinne ist sehr häufig in Mitteleuropa zu finden und fast überall die häufigste Art der Familie in Deutschland wie zum Beispiel in der Schwäbischen Alb und im Rheinland, Österreich und in der Schweiz. Sie ist vor allem unter der losen Rinde abgestorbener Bäume, besonders von Kiefern (Pinus), daneben auch am Erdboden unter Moosen und Steinen, in Felsritzen sowie in manchen Gegenden im Innern von Gebäuden. Zuweilen befestigt die Fensterpinne ihr Gespinst an Kellerfenstern und Wohnungsfenstern, daher der deutsche Trivialname Fensterspinne.

Fensterspinne
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Fensterspinne

Ernährung

Die Fensterspinne ist eine nachtaktive Spinne und verläßt ihr Trichternetz nur, wenn sie Jagd auf Beute macht. Als cribellate Spinne webt sie aber Kräuselfäden zum Beutefang. Sie ernährt sich vorwiegend von Insekten (Insecta) wie zum Beispiel von Fliegen (Brachycera). Beim Zugriff eines Insektes (Insecta) spreizt die Fensterspinne die Kiefer und attackiert das Insekt (Insecta), dabei werden die deutlich sichtbaren Klauenenden ausgefahren.

Fortpflanzung

Die Fensterspinne wird im Herbst geschlechtsreif. Die Paarung findet im Frühjahr statt und das Männchen geht dann auf Partnersuche, wobei sich das Männchen durch Trommeln mit den Tastern am Netz des Weibchens bemerkbar macht. Beim Paarungsakt führt das Männchen seine Taster nur ganz kurz, meist für weniger als zwei Sekunden, in die Geschlechtsöffnungen des Weibchens ein. Im Juni beginnt das Weibchen, seinen Schlupfwinkel nach außen völlig abzuschließen. Unter der Baumrinde spinnt das Weibchen hierzu einen eiförmigen Ringwall von meist etwa drei Zentimeter Höhe und zwei Zentimeter Breite. In dieser allseits geschlossenen Kammer findet Ende Juni oder Anfang Juli die Eiablage statt. Insgesamt befinden sich etwa 100 Eier in dieser Kammer. Unter der Rinde abgestorbener Kiefern (Pinus) können sich mehrere Weibchen mit ihren Eikokons aufhalten, zum Teil in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander. Meist sind die Kokons an der Rindenseite befestigt, so dass sich die Eikammern mit dem Weibchen leicht ablösen lassen. Etwa Mitte Juli beginnen die Jungspinnen zu schlüpfen und verteilen sich kurz darauf über das Brutnest. Ende Juli scharren sich die Jungspinnen dicht zusammen um das Weibchen herum, die reglos auf den Kokonresten kauert. Kurz danach stirbt das Weibchen und der Körper löst sich von innen her durch reichlich produzierte Verdauungssäfte selbst auf. Die Jungspinnen, die sich während dieser Zeit häuten, besteigen dann den Leichnam und beginnen, das Weibchen auszusaugen. Sie dient als erste Nahrung für die Jungspinnen. Die Entwicklung der Jungspinnen erstreckt sich etwa über zwei Jahre. Im Winter findet man neben ausgewachsenen Exemplaren stets auch zahlreiche kleine Jungspinnen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
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