Felsenzaunkönig

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Felsenzaunkönig

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Parvordnung: Passerida
Überfamilie: Passeroidea
Familie: Baumläufer (Certhiidae)
Unterfamilie: Troglodytinae
Gattung: Salpinctes
Art: Felsenzaunkönig
Wissenschaftlicher Name
Salpinctes obsoletus
Say, 1823

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Felsenzaunkönig (Salpinctes obsoletus), auch als Felsschlüpfer bekannt, zählt innerhalb der Familie der Baumläufer (Certhiidae) zur Gattung Salpinctes. Die englische Bezeichnung des Felsenzaunkönigs lautet Rock Wren.

Wenn wir an unseren allbekannten Zaunkönig (Troglodytes troglodytes) denken, wundern wir uns vielleicht, dass er der einzige Angehörige seiner Familie in der Alten Welt ist. Die ungefähr zwölf bis vierzehn Gattungen mit etwa 62 Arten bewohnen sonst die Neue Welt und sind in den Tropen Amerikas besonders artenreich. Augenscheinlich erreichte unser Zaunkönig (Troglodytes troglodytes) während des Eiszeitalters über die Beringstrasse das asiatische Festland und breitete sich dann nach Europa und nach Nordwestafrika aus. Er besiedelte außerdem Inseln im Norden des Stillen und des Atlantischen Ozeans sowie im Mittelmeer, auf dem Festland ist er insbesondere in bewaldeten und gebirgigen Gegenden zu Hause.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Felsenzaunkönig ist ein kleiner Singvogel. Er erreicht eine Körperlänge von etwa 12 bis 15 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 23 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 15 bis 18 Gramm. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht kaum ein nennenswerter Dimorphismus. Der Felsenzaunkönig ist kastanienfarben bis graubraun oder schwärzlichbraun, häufig mit weißlichen, blaßgelb-bräunlichen, dunkelbraunen oder schwarzen Bändern, Streifen oder Flecken versehen, besonders an den Flügeln und am Schwanz. Die Unterseite ist blaß gefärbt. Die Flügel sind kurz und gerundet, die gut an die Dickichte angepasst sind. Der Schwanz ist kurz. Der Schnabel ist ziemlich lang, schlank und ein wenig abwärts gebogen. Die Schnabelbasis ist gelblich und der Unterschnabel wirkt etwas blass. Die braun bis schwarz getönten Extremitäten sowie die Zehen sind kräftig geformt und mit langen Krallen ausgestattet, die das Anklammern an Zweigen, Baumstämmen, Sumpfpflanzen oder Felsen erleichtern. Der Kopf ist ebenfalls graubraun gefärbt, der Scheitel und der Nacken erscheinen insgesamt matter. Im Gesicht sieht man über den Augen weine weiße Linie. Die Augen selbst weisen eine bräunliche Färbung auf. Das Kinn und die Kehle zeigen eine weißliche Färbung. Die Jungvögel ähneln in ihrem jugendlichen Federkleid den Altvögeln, erscheinen aber insgesamt matter und dunkler, ebenfalls ist die Unterseite blasser getönt als bei den Altvögeln. Der Felsenzaunkönig vollführt schwache direkte, kurze und niedrige Flüge mit einem wenig flatternden tiefen Flügelklopfen. Das Männchen besitzt ein breites Spektrum an Tonregistern. Der Gesang des Felsenzaunkönigs ist eine Reihe von variierten Tönen wie zum Beispiel Summen und Trillern. Während der Paarungszeit und Brutsaison werden die Gesänge des Männchens variierter und musikalischer. Des weiteren trägt er mehrere Male hintereinander ein Plappern und ein Pfeifen vor. Der Ruf ist dagegen ein bohrendes und trockenes Trillern. Der Felsenzaunkönig kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von etwa sechs Jahren erreichen.

Lebensweise

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Emsig sucht dieser ruhelose Vogel seine Nahrung, die hauptsächlich aus wirbellosen Tieren, besonders Kerbtieren und Spinnen, besteht, gelegentlich auch aus Weichtieren. Aufgrund seiner Größe kann er in Ritzen und Spalten hineingreifen und dort Nahrungstiere erbeuten, die anderen Vögeln nicht zugänglich sind. Des weiteren erbeutet er auch fliegende Insekten, indem er vertikal in die Luft hüpft und nach den Insekten schnappt. Auch auf dem Boden sucht er nach Insekten, indem er mit seinem Schnabel gründlich den Boden sondiert. Während der Nahrungssuche sieht man den Felsenzaunkönig geschickt zwischen den Felsen turnen und über Steine oder Schlammkrusten hüpfen. Für viele Zaunkönige sind die ungewöhnliche Sangeslust und die Neigung zum geselligen Schlafen kennzeichnend. Obwohl die meisten Angehörigen dieser Vogelfamilie in niedrigem Pflanzenwuchs leben und nisten, haben sich einige Arten an wüste und felsige Landstriche angepaßt, darunter auch der Felsenzaunkönig. Während der Paarungszeit steckt das Männchen sein Territorium ab und trägt von einer hohen felsigen Sitzwarte aus seine musikalischen Gesänge vor, um so die Weibchen anzulocken. Die Geschlechter bilden zur Paarungszeit und zur Brutzeit eine monogame Einehe, die nur eine Saison hält. Populationen, die im Norden leben, sind wandernd. Sie ziehen in Richtung Süden und steigen in niedrige Höhen ab. Populationen, die im Süden und auf den Inseln leben, scheinen sesshaft zu sein.

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Unterarten

Verbreitung

Der Felsenzaunkönig ist ein weit verbreiteter Brüter, der vor allem in Britisch-Kolumbien, in Saskatchewan, in Kalifornien, in Texas, in Mexiko und in Zentralamerika vorkommt. Er überwintert im Süden der Vereinigten Staaten von Amerika. Diese Art findet seinen Lebensraum in den südlichen Gebieten, während die Vögel des Nordens in ihre Winterquartiere, die sich im Süden befinden, ziehen. Der Felsenzaunkönig lebt hauptsächlich in trockenen Lebensräumen wie Steppen und in Felsregionen, in denen nur spärliche Vegetation wächst wie zum Beispiel Untergehölzer. Des weiteren hält er sich gerne auch in Geröllhalden, an Steilhängen und in lichten Wäldern auf und brütet in den trockenen Felsregionen wie zum Beispiel in Schluchten.

Ernährung

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Der Felsenzaunkönig ernährt sich hauptsächlich von Insekten (Insecta) und deren Larven, von kleinen Spinnentieren (Arachnida), aber auch von Tauwürmern (Lumbricus terrestris). Der Felsenzaunkönig nimmt kaum Wasser zu sich, da er genug Flüssigkeit mit seiner Nahrung absorbiert.

Fortpflanzung

Der Felsenzaunkönig erreicht die Geschlechtsreife etwa mit einem Jahr. Während der Fortpflanzungszeit kann es zu zwei bis drei Jahresbruten kommen. Das Nest des Felsenzaunkönigs ist in Felsspalten oder in Löchern angesiedelt. Diese Art weist eine Besonderheit beim Nestbau auf. Gemeinsam bauen das Männchen und das Weibchen einen Weg mit flachen Steinen, der bis zum Eingang des Nestes führt. Der Weg beträgt eine Länge von eta 25 Zentimetern. Einige denken, daß diese flachen Steine als Wasserdrainage bei starken Regenfällen dienen könnten. Das napfförmige Nest wird innerhalb eine Spalte oder in einem Loch gebaut. Die Partner eröffnen den Nestbau obligatorisch mit einem Kieselstein ähnlich einer "Grundsteinlegung". Danach legt das Weibchen ein loses napfförmiges Nest an, das außen mit Gräsern, Hölzern, Rinde, Haaren und Spinnweben konstruiert ist, während das Innere des Nestes mit feineren pflanzlichen und tierischen Materialien ausgepolstert ist. Das Männchen hilft dem Weibchen beim Nestbau, indem das Männchen das Nistmaterial dem Weibchen überreicht. Nach dem Nestbau legt das Weibchen fünf bis sechs glänzende weiße Eier, die mit feinen braunen bis rostroten Flecken versehen sind. Die Inkubation dauert etwa 14 bis 16 Tage lang, die nur von dem Weibchen gewährleistet wird. Das Männchen versorgt das Webichen während dieser Zeit mit Nahrung.
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Nach dem Schlupf werden die Küken dann von beiden Partnern reichlich mit Nahrung in Form von Insekten (Insecta) gefüttert. Die Jungvögel verlassen das Nest in einem Alter von etwa 14 bis 16 Tagen und sie werden noch eine Woche lang von den Altvögeln mit Nahrung versorgt. Bis die Jungvögel selbständig sind verweilen sie noch etwa eine Woche im Territorium der Altvögel. Die Jungvögel ähneln in ihrem jugendlichen Federkleid den Altvögeln, erscheinen aber insgesamt matter und dunkler, ebenfalls ist die Unterseite blasser getönt als bei den Altvögeln. Die Lebenserwartung des Felsenzaunkönigs kann unter günstigen Umständen in der Natur etwa sechs Jahre betragen.

Gefährdung und Schutz

Der Felsenzaunkönig gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd von über 5.400.000 Quadratkilometern. Die globale Population wird auf etwa 4.200.000 Felsenzaunkönige (Rich et al. 2003) geschätzt. Der Felsenzaunkönig ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird der Felsenzaunkönig als least concern (nicht gefährdet) geführt. Auch wenn der Felsenzaunkönig noch nicht zu den bedrohten Vogelarten gehört, so ist doch eine abnehmende Tendenz in bestimmten Gebieten zu beobachten. Er ist die Beute einiger Schlangen und einiger Säugetiere. Des weiteren hat der Felsenzaunkönig unter dem Braunkopf-Kuhstärling (Molothrus ater) zu leiden, der häufig das Nest des Felsenzaunkönigs aufsucht, um dort seine Eier abzulegen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049

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