Felsenschwalbe

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Felsenschwalbe
Portugal

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Schwalben (Hirundinidae)
Unterfamilie: Hirundininae
Gattung: Ptyonoprogne
Art: Felsenschwalbe
Wissenschaftlicher Name
Ptyonoprogne rupestris
Scopoli, 1769

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Felsenschwalbe (Ptyonoprogne rupestris) zählt innerhalb der Familie der Schwalben (Hirundinidae) zur Gattung Ptyonoprogne. Die Gattungen Hirundo und Ptyonoprogne befinden sich in einem ständigen Umbruch (Revision). Unter anderem wurde auch die Felsenschwalbe, die vorher unter der Gattung Hirundo geführt wurde, durch eine Revision der Gattung Ptyonoprogne zugeordnet.

Die Felsenschwalbe ähnelt in Größe und Aussehen stark der Uferschwalbe (Riparia riparia), dem Alpensegler (Tachymarptis melba) sowie der Mehlschwalbe (Delichon urbica) und ist mit diesen drei genannten Arten leicht zu verwechseln.

Im Englischen wird die Felsenschwalbe Eurasian Crag-martin, Crag Martin, Eurasian Crag Martin oder European Crag Martin genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Unter den europäischen Schwalben zählt die Felsenschwalbe zu den größten und ist am einheitlichsten gefärbt. Die Felsenschwalbe erreicht eine Körperlänge von etwa 14 bis 15 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 32 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 20 bis 25 Gramm. Sie weist einen ziemlich gedrungenen Körperbau so ähnlich wie bei der Uferschwalbe (Riparia riparia) auf. Die weißen Flecken auf dem gerade abgeschnittenen kurzen Schwanz der Felsenschwalbe sind artkennzeichnend, doch manchmal schwer zu erkennen. Die Flügel sind breit ausgeprägt. Der Kopf der Felsenschwalbe ist dunkelbraun bis kastanienbraun getönt. Die Iris der Augen zeigt eine schwarze Farbe. Das Kinn weist eine braungraue Färbung auf und ist fein gestrichelt. Ein Brustband ist bei der Felsenschwalbe nicht vorhanden. Des weiteren zeigt die Kehle dunkle Flecken. Unter dem dunklen Wangenstreif ist deutlich ein heller Kragen zu erkennen. Wie bei der Uferschwalbe (Riparia riparia), so ist auch bei der Felsenschwalbe ein winziger schwarz glänzender Schnabel zu sehen, der aber einen großen Schnabelspalt aufweist. Ebenfalls sind die Füße sehr klein, aber immerhin stark genug, um dem Vogel auf einem Leitungsdraht oder einem Zweig einen gut Halt zu geben. Die Extremitäten sind ziemlich weißlich bis hellgrau geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorn. Der Rücken weist eine mattbraune Färbung auf und der Bürzel zeigt einen leicht grauen Anflug, während die Unterseite sehr hell bräunlich bis gräulich erscheint. Im Flug ist auf den Unterflügeln deutlich ein schwärzlicher Keil vorhanden. Der hintere Unterkörper läßt im Flug eine düster graubraune Färbung erkennen. Ebenso erscheinen im Flug die länglichen weißen Flecken nahe der Spitze auf dem braunen Schwanz deutlich sichtbarer.

Der Flug der Felsenschwalbe ist weich elegant und akrobatisch und wird in geringer Höhe vor Felswänden hin und her oder über Wasser vollzogen.
Felsenschwalbe im Flug - Portugal
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Felsenschwalbe im Flug - Portugal
Sie vollführt ein gewandtes Gleiten mit nur wenigen Flügelschlägen und mit raschen Wendungen. Die Felsenschwalbe ist ein sehr gewandter Flieger und kreist und gleitet geschickt entlang von Felswänden. Sie fliegt wie ein Pendel von den Wänden weg und wieder hin, wobei sie sich an den Enden der Flugbahn jeweils rasch umdreht. Bei solchen Flügen wird die Felsenschwalbe oft von den kleineren und weniger geschickten Mehlschwalben (Delichon urbica) begleitet. Beobachtungen aus der Nähe sind oft möglich, wenn die Felsenschwalbe an einer Pfütze oder einem nassen Erdflecken Nestmaterial sammelt.

Der Ruf der Felsenschwalbe ist ein kurzer hoher, metallisch klingender Laut wie ein "tschirr". Die Felsenschwalbe manifestiert sich sehr wenig in ihren Rufen, außer während der Reproduktionsperiode hört man ebenfalls einen schwachen kraftlosen Ruf wie "tschirr" oder "tschrri". Ansonsten klingt ihr Gesang wie ein ruhiges und rauhes Gezwitscher oder man hört manchmal dann auch ein schnelles Zwitschern. Die Felsenschwalbe kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von bis zu fünf Jahre erreichen.

Unterarten

Verbreitung

Felsenschwalben an einer Felswand - Portugal
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Felsenschwalben an einer Felswand - Portugal

Die Felsenschwalbe kommt in Südeuropa das ganze Jahr vor. Sie brütet in Spanien, Portugal, Griechenland, in den Alpen, in Italien und auf der Balkanhalbinsel. In Deutschland brütet die Felsenschwalbe in kleiner Zahl am Alpennordrand in Bayern. Typisch für die Habitate der Felsenschwalbe sind Gebirgsregionen, die sich etwa in 2.000 Metern Höhe befinden können oder auch Tiefländer mit Schluchten und mit breiten steinigen Flussbetten. Des weiteren ist die Felsenschwalbe auch in älteren Teilen von Städten um das Mittelmeer zu finden, in denen Gebäude sowie Felsen genutzt werden. Auch um hohe Berggipfel ist die Felsenschwalbe anzutreffen. Die Felsenschwalbe bewohnt vorzugsweise Küstenfelsen, die der Sonne und nach Süden ausgerichtet und vor Wind und Regen geschützt sind. Sie nistet in kleinen Kolonien und manchmal sogar mit den Mehlschwalben (Delichon urbica) zusammen.

Ernährung

Felsenschwalbe und Mehlschwalbe - Portugal
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Felsenschwalbe und Mehlschwalbe - Portugal

Die Felsenschwalbe ernährt sich wie die Uferschwalbe (Riparia riparia) von fliegenden Kleininsekten und fängt die Insekten (Insecta) und driftende Spinnentiere (Arachnida) im Flug, oft über dem Wasser, mitunter sucht die Felsenschwalbe auf nacktem Boden nach Nahrung. Die Jungvögel werden mit Mücken (Nematocera) und Stechmücken (Culicidae) sowie anderen Kleininsekten, manchmal auch schon mit Libellen (Odonata) gefüttert.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit und Brutsaison finden in den Monaten von April bis Juli statt. Während dieser Zeit kann es zu ein oder zwei Jahresbruten kommen. Die Felsenschwalbe errichtet ihr Nest unter einem Felsüberhang, an einem Gebäude, in einem Hohlraum in der Felswand oder in einer Höhle. Das schalenförmige Nest, das mit gesammelten Nestmaterial wie zum Beispiel Schlamm aus Pfützen oder nassen Erdflecken gemauert wird, ist mit feinen Wurzeln, Moosen, Federn und Haaren ausgelegt. Das Weibchen legt vier bis fünf Eier ins Nest. Die Eier weisen eine weißliche Färbung auf und sind mit braunen und grauen Flecken besetzt. Das Weibchen wärmt die Eier vierzehn Tage lang. Nach dem Schlupf werden die Küken reichlich mit Nahrung in Form von Mücken (Nematocera) und Stechmücken (Culicidae) sowie anderen Kleininsekten, manchmal auch schon mit Libellen (Odonata) oder mit Spinnentieren (Arachnida) gefüttert. Die Lebenserwartung der Felsenschwalbe beträgt unter günstigen Umständen in der Natur von bis zu fünf Jahre. Der Bestand ist heute noch gesichert und die Felsenschwalbe wird in der Roten Liste der IUCN als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

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