Feldgrille

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Feldgrille

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Ordnung: Geradflügler (Orthoptera)
Unterordnung: Langfühlerschrecken (Ensifera)
Familie: Echte Grillen (Gryllidae)
Unterfamilie: Gryllinae
Gattung: Grillen (Gryllus)
Art: Feldgrille
Wissenschaftlicher Name
Gryllus campestris
Linnaeus, 1758

Die Feldgrille (Gryllus campestris) gehört innerhalb der Familie der Echten Grillen (Gryllidae) zur Gattung der Grillen (Gryllus). Die Feldgrille wurde im Jahr 2003 zum Insekt des Jahres ernannt.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Die heimische Feldgrille erreicht eine Körperlänge von etwa 20 bis 26 mm, wobei das Weibchen etwas kleiner ist als das Männchen. Allerdings erreicht die nach hinten ausladende Legeröhre (Ovipositor) beim Weibchen eine zusätzliche Länge von acht bis zwölf Millimeter. Es besteht ein minimaler Geschlechtsdimorphismus zwischen Männchen und Weibchen. Der Körper des Männchens ist kräftiger gefärbt als beim Weibchen. Der Körper weist eine schwarz glänzende Färbung auf, seltener ist er braunschwarz gefärbt. Das Gesamterscheinungsbild der heimischen Feldgrille wirkt etwas gedrungen und zylindrisch. Die Beine sind kräftig ausgebildet. Der Kopf ist auffallend schwarz gefärbt und wirkt im Gegensatz zum schmalen Körper sehr groß. Der Kopf ist breiter als der Halsschild und ist kugelförmig gewölbt. Die Beißwerkzeuge der Feldgrille erscheinen sehr kräftig. Des Weiteren befinden sich an der Stirn zwei lange, dünne, schwarz bis bräunlich gefärbte Antennen, die eine beträchtliche Länge von etwa 20 mm erreichen können. Zusätzlich finden sich drei helle Punktaugen (Ocelli) auf der Stirn.

Der vorderste Abschnitt (Prothorax) des Brustbereiches (Thorax) ist quadratisch geformt. Die Vorderflügel sind bräunlich bis tiefschwarz und sind zu einer Tegmina verhärtet. Sind diese Flügel härter als bei anderen Gruppen werden sie Tegmina genannt. Sind die Flügel vollständig verhärtet, dann werden sie Elytra genannt. Die Vorderflügel sind durchscheinend mit schwarzen Äderchen durchzogen, gut ausgebildet und an der Flügelbasis gelblich gefärbt. Die Männchen benutzen die Vorderflügel zur Lautäußerung (Stridulation). Im Volksmund wird die Lautäußerung auch Zirpen genannt. Der rechte Vorderflügel wird über den linken Vorderflügel gelegt, sie bedecken das Abdomen vollständig. Die Hinterflügel sind stummelförmig ausgebildet und besitzen somit ein larvales Aussehen. Sie sind bräunlich gefärbt und erreichen nur zwei Drittel der Abdomenlänge. Wie bei allen Tracheentieren befinden sich auch bei der Feldgrille kaudal am Abdomen ein Paar Hinterleibsanhänge (Cerci). Die Hinterschenkel des Männchens sind rötlich gefärbt. Dagegen weisen die Hinterschienen beim Weibchen eine rötliche Färbung auf. In den Vorderschienen ist jeweils ein großes und ein kleines Trommelfell vorhanden, womit die Feldgrille hören kann. Die Feldgrille springt nur selten und dann nur kurze Hüpfer. Dafür ist sie ein flinker Läufer. Feldgrillen können nicht fliegen.

Verbreitung

Die Feldgrille ist in weiten Teilen Mittel- und Südeuropas, aber auch in Kleinasien und Nordafrika verbreitet. Sie besiedelt trockene, sonnige Flächen mit niedriger bis halbhoher Vegetation wie schütter bewachsene Böschungen und Hänge. Auch in Feldrainen, Heiden und sogar Äckern hält sich die Feldgrille auf. Im Süden Deutschlands ist sie noch häufiger zu finden als im Norden Deutschlands. Aufgrund des Düngers, der auf Sandmagerrasen und auf Heideflächen eingesetzt wird, ist die Population der Feldgrille stark zurückgegangen, in manchen Gebieten ist sie sogar schon ausgestorben. Die Feldgrille wird als lästiger Schädling auf landwirtschaftlichen Flächen abgestempelt. Dabei trägt eine starke Population der Feldgrille maßgeblich zur Belüftung des Bodens bei, da die Larven und Imagines in selbstgegrabenen Wohnröhren leben. Die Wohnröhren liegen zum Teil bis 25 cm tief im Boden.

Ernährung

Die Feldgrille ist ein Allesfresser und ist somit in der Nahrungssuche nicht wählerisch. Die Larven und die Imagines der heimischen Feldgrille ernähren sich sowohl von tierischen Stoffen wie kleinere Bodentiere und Aas, als auch von pflanzlichen Stoffen wie Fettgräser und Kräuter.

Fortpflanzung

Die Hauptaktivitätszeit der Feldgrille ist von Mai bis Juli. In dieser Zeit versuchen die Männchen am Eingang ihrer selbstgegrabenen Erdhöhle vom späten Vormittag an bis in die warmen Nachtstunden hinein die Weibchen mit ihrem Zirpen (Stridulation) anzulocken. Dazu werden die Vorderflügel schräg aneinander gestellt und rasch gegeneinander bewegt, wobei jeweils eine glatte Schrillkante des rechten Flügels über eine gezahnte Schrillader des linken schnell vibrierend streift. Dazwischen bleiben sehr kleine Resonanzräume, die den sonoren Klang, der schon seit Urzeiten Dichter und Komponisten inspiriert, verstärken. Dieses Zirpen kann man bis zu 50 m weit hören.

Haben sich die Paare gefunden, begrüssen sie sich mit einem Antennenspiel. Das Männchen beginnt dann mit einem leisen für den Menschen kaum hörbaren Balzgesang. Zeigt das Weibchen Paarungsbereitschaft, schiebt sich das Männchen rückwärts unter das Weibchen und es kommt zur Kopulation. Das Männchen befestigt während der Kopulation einen birnenförmigen Spermiensack im Genitalbereich des Weibchens. Nach der Kopulation vollführt das Männchen mit Antennenzittern eine Nachbalz, die bis zu zwei Stunden dauern kann. Das Weibchen legt nach der Paarung mit ihrer Legeröhre Eipakete von etwa 20 bis 40 Eier in ihre selbstgegrabene Wohnröhre. Im Laufe ihres Lebens kann sie einige hundert Eier legen. Brutpflege wird nicht betrieben. Nach zwei bis drei Wochen schlüpfen die Larven und leben zunächst gemeinsam in der selbstgegrabenen Erdröhre oder oberirdisch unter Steinen. Zum Überwintern kommt es im Herbst zur Trennung und jede Larve gräbt sich eine eigene Wohnröhre für die Überwinterung. Larvenfunde sind auch im Sommer und im Herbst möglich. Im April häuten sich die Larven ein elftes Mal zur Imago und erreichen somit die Geschlechtsreife. Sie wachsen sehr schnell. Die Imagines der Feldgrille können von Ende April bis in den August gefunden werden.

Literatur

  • Gunnar Höpstein: Die Feldgrille - ein heimliches Insekt. 2003.
  • Werner Kriechbaum: Zeitstruktur des Lockgesangs bei Gryllus campestris L. 1983.
  • Thomas J. Langner: Gryllus campestris Linnaeus, 1758, Feldgrille. 2004.
  • H. Reichholf-Riehm, G. Steinbach & R. Kühbandner: Insekten. in Steinbachs Naturführer. vol. 7, Bertelsmann & Mosaik, Gütersloh, München, 1984. ISBN 3-570-01187-9
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