Fadenmolch

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Fadenmolch

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Lissamphibia
Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Unterordnung: Salamanderverwandte (Salamandroidea)
Familie: Echte Salamander (Salamandridae)
Gattung: Europäische Wassermolche (Triturus)
Art: Fadenmolch
Wissenschaftlicher Name
Triturus helveticus
Razumovsky, 1789

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Fadenmolch (Triturus helveticus), auch als Leistenmolch bekannt, zählt innerhalb der Familie der Echten Salamander (Salamandridae) zur Gattung der Europäischen Wassermolche (Triturus). Im Englischen wird der Fadenmolch Palmate Newt genannt. Nach García-París et al. (2004) wird der Fadenmolch auch unter dem Synonym Lissotriton helveticus geführt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Fadenmolch ist die kleinste mitteleuropäische Molchart. Das Weibchen erreicht eine Länge bis 9 Zentimeter, während das Männchen 7,5 Zentimeter lang wird. Das Männchen ist im Hochzeitskleid an dem 6 bis 10 Millimeter langen Faden am abgestutzten Schwanzende, dem niedrigen, ungewellten Flossensaum auf dem Rücken und auf dem Schwanz sowie den gut ausgebildeten dunklen Schwimmhäuten an den Hinterfüßen zu erkennen. Auch der Fadenmolch ist ein unscheinbares Tier, das keineswegs durch seine Färbung auffällt. Durch diesen Schutzmechanismus wird er auf dem Grund schlammiger Gewässer häufig übersehen. Seine Grundfärbung ist ein helles oder mittleres Braun oder Oliv mit kleinen dunklen Flecken. Die Seiten des Kopfes sind in Höhe der Augen mit einer dunklen Längsbinde gekennzeichnet. Beide Geschlechter sind kaum unterschiedlich gefärbt, jedoch hat das Männchen kräftigere Farben und eine stärkere Fleckung als das Weibchen. Die Unterseite des nur schwach ausgeprägten Schwanzhautsaumes ist silbrig oder bläulich, ähnlich wie beim Männchen des Teichmolches (Triturus vulgaris). Die Bauchseite ist bei beiden Geschlechtern weitaus weniger gefleckt als vergleichsweise beim Teichmolch (Triturus vulgaris), und in manchen Fällen stellt die Betrachtung der Unterseite die einzige Möglichkeit dar, die beiden Arten auseinanderzuhalten. Sicher können die Weibchen an den gegenüberliegenden Ballen der beiden äußeren Zehen der hinteren Gliedmaßen unterschieden werden. Sie sind beim Fadenmolch stets auffällig hell markiert, während sie beim Teichmolch (Triturus vulgaris) nicht auffallen. Der Bauch des Fadenmolches hat ein breites gelbes oder hell orangefarbenes Band, das am Hals nicht mehr ausgeprägt ist. Zur Mitte hin ist das Band oft leuchtend orange und ist meist nur mit leichter schwärzlicher Punktierung versehen. Während beim Teichmolch (Triturus vulgaris) auch die Kehle dunkle Flecken aufweist, ist die des Fadenmolches fleischfarben oder weißlich und in der Regel ungefleckt. Da diese Merkmale aber nicht immer eindeutig ausgeprägt sind, ist die Unterscheidung des Weibchens nicht immer einfach. Kennzeichnend für das Männchen des Fadenmolches in Hochzeitstracht sind die dunklen, deutlich ausgeprägten "Handschuhe" an den Hinterextremitäten, die Hautsäume an den Zehen. Allerdings können bei manchen Populationen (vor allem im Norden der Iberischen Halbinsel) die Schwimmsäume nur minimal entwickelt sein.
Juveniler Fadenmolch
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Juveniler Fadenmolch
An den Innenseiten der Unterarme und -beine mit je einer kleinen gelblichen Pustel gekennzeichnet. Der Kopf weist meist 3 deutliche Längsfurchen und einen dunklen Schläfenstreifen vom Auge weg auf. Der Spanische Wassermolch (Triturus boscai) hat im Unterschied zum Fadenmolch nur eine Kopffurche. Der Laich ist vom Teichmolchlaich praktisch nicht unterscheidbar. Ferner ähneln die Larven der Teichmolchlarven, allerdings sind sie etwas kleiner als diese.

Lebensweise

Der Fadenmolch ist ein gattungstypischer lebender Molch, der allerdings oft eine ausgedehnte terrestrische Lebensphase durchmacht, wenn seine Wohngewässer sehr klein sind und rasch austrocknen. Die Larvenentwicklung vollzieht sich dann sehr rasch (in etwa sechs Wochen). Die Jungmolche hausen als Winzlinge von 14 Millimetern in Schlupfwinkeln an Land. Der Fadenmolch bevorzugt kühle, klare Gewässer, die dadurch auch beschattet sein können, zum Beispiel schwach fließende Gräben, Bachkolke oder Quelltümpel. Da auch der Bergmolch (Triturus alpestris) diese kühleren Gewässer besiedelt, kommen hier beide Arten gemeinsam vor, wobei der Fadenmolch manchmal sogar in größeren Zahlen auftritt als der Bergmolch (Triturus alpestris). Im Gegensatz zum Teichmolch (Triturus vulgaris) fehlt er an warmen, sonnendurchfluteten Tümpeln. Gegen Ende Februar sind die Tiere in ihren nicht selten noch stellenweise vereisten Gewässern aktiv. Sie haben dann wohl im Gewässergrund überwintert. Haben sie an Land überwintert, sind sie erst ab März anzutreffen und verbleiben dann bis Juni/Juli in den Laichgewässern. Die Larven können in manchen Fällen ebenfalls überwintern. Die Eier werden wie bei den anderen Molcharten in die Blätter von Wasserpflanzen eingeknickt. Häufig ist es der Sumpf-Wasserstern (Callitriche palustris), der in den kühlen, flachen Gewässern als einzige Pflanze vorkommt.

Unterarten

Verbreitung

Der Fadenmolch ist eine westeuropäische Art. Er kommt von Nordspanien bis hin zum Norden Deutschlands, in Großbritannien bis Schottland sowie in Belgien und Holland vor. In Irland fehlt diese Art. Im Osten wird das Verbreitungsgebiet östlich bis zur Westschweiz und einigen Teilen Deutschlands begrenzt. In der Schweiz ist die Art relativ selten, obwohl der wissenschaftliche Name auf dieses Land verweist. Einziges atlantisches Faunenelement unter den europäischen Wirbeltieren. Im Süden ist der Fadenmolch in ganz Frankreich bis zum Mittelmeer hin heimisch. Genauere Bestandsaufnahmen in Westfalen haben gezeigt, dass der Fadenmolch sich an die Mittelgebirge und das Hügelland hält. In der Ebene fehlt er vollkommen. In den Alpen kann man ihn bis auf 1.000 Meter, in den Pyrenäen sogar bis auf 2.000 Meter Höhe antreffen. Des Weiteren kommt der Fadenmolch im Harz, im Thüringer Wald, im Erzgebirge und im Vogtland bis über die Grenze auf tschechischem Gebiet vor. Diese zierliche Molchart besiedelt vorzugsweise das bewaldete Hügelland der Mittelgebirge. In ihren ökologischen Ansprüchen gleicht sie dort weitgehend dem Bergmolch (Triturus alpestris) und tritt deshalb häufig gemeinsam mit diesem in denselben Lebensraum auf. Als Laichgewässer werden Tümpel, Teiche und Weiher, kleine Pfützen und wassergefüllte Wagenspuren auf Wald- und Forstwegen genutzt. Die Befestigung der Waldwege und der damit verbundene Fortfall der Kleinstgewässer kann so in unserer insgesamt an Gewässervorkommen verarmten Landschaft zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Berg- und Fadenmolch-Populationen führen.

Ernährung

In der Wasserform ernährt sich der Fadenmolch von Kleinkrebsen, aber auch von Froschlaich und Kaulquappen. Selbst Artgenossen werden dabei nicht verschont. In der Landform ernährt sich der Fadenmolch nachtaktiv von Würmern wie dem Tauwurm (Lumbricus terrestris), kleinen Insekten (Insecta), Spinnentieren (Arachnida) und Schnecken (Gastropoda).

Fortpflanzung

Der Fadenmolch erreicht die Geschlechtsreife mit gut zwei Jahren. Gegen Ende Februar sind die Tiere in ihren nicht selten noch stellenweise vereisten Gewässern aktiv. Sie haben dann wohl im Gewässergrund überwintert. Haben sie an Land überwintert, sind sie erst ab März anzutreffen und verbleiben dann bis Juni/Juli in den Laichgewässern. Die Larven können in manchen Fällen ebenfalls überwintern. Während der Paarungszeit erkennt man das Männchen an seiner farbenprächtigen Zeichnung und an dem 6 bis 10 Millimeter langen Faden, der sich am abgestutzten Schwanzende befindet. In Höhenlagen erstreckt sich die Paarungszeit bis in den Mai oder Juni. Bei der eigentlichen Paarung übergibt das Männchen ein Samenpaket (Spermatophore) an das Weibchen. Die eigentliche Laichzeit reicht von März bis Mai.
Juveniler Fadenmolch
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Juveniler Fadenmolch
Das Weibchen legt maximal 450 Eier ab. Die Eier werden wie bei den anderen Molcharten in die Blätter von Wasserpflanzen eingeknickt. Häufig ist es der Sumpf-Wasserstern (Callitriche palustris), der in den kühlen, flachen Gewässern als einzige Pflanze vorkommt. Je nach Wassertemperatur schlüpfen die Larven nach 15 bis 30 Tagen. Mit dem Schlupf verfügen die Larven bereits über die vorderen Extremitäten und Kiemen. Im Laufe ihrer Entwicklung wachsen den Larven dann die hinteren Extremitäten. Nach insgesamt rund 150 Tagen ist die Metamorphose abgeschlossen. Zu diesen Zeitpunkt begeben sich die Jungtiere an Land und hausen dann als Winzlinge von 14 Millimetern in Schlupfwinkeln, die sie in ihrem Bereich befinden.

Laichplatzanalysen bei den einheimischen Molcharten zeigen, dass mit steigender Höhenlage die Anteile von Berg- und Fadenmolche zunehmen. Demgegenüber kommen Teich- und Kammmolche, die ebenfalls recht ähnliche Anforderungen an ihren Lebensraum stellen, schwerpunktmäßig in der Ebene vor. Bei Teichmolch (Triturus vulgaris) und Fadenmolch handelt es sich um zwei besonders nah verwandte Arten, die Weibchen unterscheiden sich morphologisch nur in wenigen Merkmalen. Teich- und Fadenmolch werden deshalb auch als "Geschwisterarten" bezeichnet. Sie haben sich wahrscheinlich im Laufe der Evolution aus einer gemeinsamen Stammform entwickelt. Man stellt sich diesen Prozeß der Artdifferenzierung so vor, dass die neu entstehenden Arten unterschiedliche "ökologische Nischen" besetzen, was sich in der Folge zum Beispiel in der Besiedlung voneinander abweichender Biotoptypen bzw. anderer geografischer Gebiete ausdrücken kann. Bei Teich- und Fadenmolch ist dieses Prinzip des gegenseitigen Ausschlusses aber nicht völlig verwirklicht. Beide Arten kommen durchaus gemeinsam (sympatrisch) vor. In geografischen Räumen, in denen beide Arten leben, sind sie sogar oft in ein- und demselben Gewässer (syntop) zu finden. Welche der beiden Arten dann die häufigere ist kann von Gewässer zu Gewässer unterschiedlich sein. Als Indiz für die enge Verwandtschaft von Teich- und Fadenmolch können auch die, zwar selten, im Freiland aber immer wieder auftretenden, Bastarde gedeutet werden. Das Ergebnis einer solchen erfolgreichen Kreuzung zwischen Teich- und Fadenmolch ist die intermediäre Ausprägung der äußeren Merkmale beider Elternarten. Die Bastarde der beiden Molcharten selbst sind jedoch steril.

Gefährdung und Schutz

Der Fadenmolch ist bei uns, wie in den meisten europäischen Ländern, vollständig geschützt und besitzt also einen höheren Schutzstatus. Er darf und sollte deshalb nicht in Gefangenschaft gehalten werden. Trotz des relativ hohen Aufkommens dieser Art, sind immer häufiger rückläufige Populationen zu beobachten. Dies rührt daher, dass immer mehr Feuchtflächen trockengelegt werden, um beispielsweise eine intensivere Landwirtschaft zu betreiben oder Feuchtbiotope in Anglerteiche umzuwandeln. Des Weiteren werden Hecken und Knicks (Wallhecken) gerodet. Hinzu kommt noch, dass gebietsfremde Fische in Teichen oder Flüssen ausgesetzt werden und nicht zuletzt tragen die intensive Bebauung von Wohnsiedlungen und Strassen zur Zersiedelung von natürlichen Lebensräumen bei. Ebenso fallen viele Fadenmolche auf der Laichwanderung dem Strassenverkehr zum Opfer. Langfristig wird diese Art nur in den Naturschutzgebieten eine Überlebenschance haben. Der Fadenmolch wird in der Roten Liste der IUCN als noch nicht gefährt (least concern) geführt.

Literatur und Quellen

  • Dr. Wolf-Eberhard Engelmann, Jürgen Fritzsche, Dr. sc. Rainer Günther, Dipl.-Biol. Fritz Jürgen Obst: Lurche und Kriechtiere Europas (Beobachten und Bestimmen). Neumann Verlag GmbH, Radebeul, 1993 ISBN 3-7402-0094-4
  • Dr. Josef Blab, Hannelore Vogel: Amphibien und Reptilien erkennen und schützen. Alle mitteleuropäischen Arten. Biologie, Bestand, Schutzmaßnahmen. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich, 1996 ISBN 3-405-14936-3
  • Ralf Blauscheck: Amphibien und Reptilien Deutschlands. Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1985 ISBN 3784203175
  • Das Tierreich nach Brehm. Buch und Bildverlag
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2

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