Europäischer Dachs

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Europäischer Dachs

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Marderartige (Mustelidae)
Unterfamilie: Wieselartige (Mustelinae)
Gattung: Europäische Dachse (Meles)
Art: Europäischer Dachs
Wissenschaftlicher Name
Meles meles
Linnæus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Europäische Dachs (Meles meles), der auch einfach nur Dachs genannt wird, ist ein Raubtier (Carnivora) aus der Familie der Marderartigen (Mustelidae). Im Englischen nennt man ihn European badger, Badger oder Eurasian badger.

Der Europäische Dachs wurde von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild (SDWi) in Kooperation mit dem NABU zum Wildtier des Jahres 2010 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Europäische Dachs erreicht eine Körperlänge von 65 bis 75 cm, eine Schwanzlänge von 15 bis 20 cm sowie ein Gewicht von 12 bis 18 kg. Männchen werden dabei etwas größer und schwerer als Weibchen. Das Fell auf dem Rücken ist überwiegend silbergrau bis graubraun, die Bauchseite ist schwarz gefärbt. Das Gesicht ist weiß und durch zwei breite schwarze Streifen gekennzeichnet, die von der Nasenspitze über die Augen bis knapp hinter die Ohren verlaufen. Dabei verbreitern sie sich zu den Ohren hin deutlich. Die Ohren sind von rundlicher Form und stehen leicht vom Kopf ab. Der Körperbau ist robust und kompakt. Unterstrichen wird dieses durch die kurzen stämmigen Beine, die in kräftigen Krallen enden. Die Krallen dienen hauptsächlich zum Graben.

Lebensweise

Dachse leben gesellig in kleinen Familienverbänden von sechs bis zwölf, selten auch bis zwanzig Tieren. Angeführt wird eine Familie von einem dominanten Pärchen, das sich für ein Leben lang verpaart hat. Geschlechtsreife Männchen ohne eigene Familie leben einzelgängerisch. Weiblicher Nachwuchs bleibt meist in der Familie. Männchen hingegen verlassen den Bau nach etwa zehn Monaten.

Der Bau der Dachse ist ein komplexer Bau, der aus mehreren Ebenen, mehreren Kammern mit unterschiedlicher Funktion sowie aus vielen Ein- und Ausgängen, Fluchttunneln und Belüftungsgängen besteht. Die Hauptkammer, der Wohnkessel ist einige Quadratmeter groß und bis zu 60 cm hoch. Er kann sich durchaus in einigen Meter Tiefe befinden. Separate Kammern dienen als Kotraum. Insgesamt wird der Bau von den Dachsen sehr sauber gehalten. Unrat wird stets hinaus befördert. Der Wohnkessel, der auch als Geburtsstätte dient, wird mit Moosen, Gräsern und anderen weichen Pflanzenteilen ausgepolstert. So ein komplexer Dachsbau wird in der Regel über viele Generationen genutzt und ständig erweitert.

Dachse sind nachtaktiv und lassen sich tagsüber nur selten an der Erdoberfläche sehen. In nördlichen Verbreitungsgebieten halten die Tiere eine zum Teil mehrmonatige Winterruhe. Sie sind ausgesprochen territoriale Tiere, die allerdings kein festes Revier, sondern nur ein Streifgebiet von bis zu 150 Hektar beanspruchen. Auf festen Wegen patrouillieren sie nachts in diesem Gebiet. Die Grenzen werden meist durch Urin markiert.

Unterarten

Verbreitung

Der Europäische Dachs ist in weiten Teilen des paläarktischen Europas und Asiens verbreitet. Im Osten kommen sie bis nach Sibirien, im Südosten bis nach China, Vietnam und Japan vor. In Europa sind sie bis an den Rand des Polarkreises verbreitet. In Südeuropa fehlen sie nur auf einigen Inseln wie Sardinien und Korsika. Sie sind in Südeuropa bis nach Vorderasien verbreitet. Ihr natürlicher Lebensraum beschränkt sich auf Laub- oder Mischwälder. Gelegentlich kommen sie auch an deren Rändern oder in weitläufigen Parkanlagen vor. In Höhenlagen sind sie bis in Höhen von 2.000 Metern anzutreffen. Ihre Bauten errichten sie meist in sonniger Hanglage.

Ernährung

Dachse gehören zu den sogenannten Allesfressern, die sich sowohl von pflanzlicher als auch tierischer Nahrung ernähren. Auf Nahrungssuche gehen die Tiere immer in der Nacht. Dazu ist sowohl ihr Seh- als auch der Geruchssinn äußerst gut entwickelt. Der Anteil der pflanzlichen Kost beträgt rund 75%. Dazu gehören insbesondere Pilze, Wurzelwerk, Obst und Sämereien. Darüber hinaus verspeisen sie auch Weichtiere wie Würmer und Schnecken sowie Insekten, Vögel, deren Brut und Eier. Auch kleinere Säugetiere wie Mäuse und kleinere Reptilien werden gelegentlich gefressen.

Fortpflanzung

Dachse erreichen die Geschlechtsreife mit etwa achtzehn Monaten. Die Paarungszeit beginnt meist im Spätherbst oder im Winter. Die Tragzeit von acht Monaten beinhaltet eine sogenannte Ei- bzw. Keimruhe. Dadurch wird gewährleistet, dass die Jungtiere nicht im Winter geboren werden. Die eigentliche Embryonalentwicklung beginnt im Dezember.

Im Februar oder März bringt das Weibchen zwischen zwei und vier, selten bis sechs Jungtiere im Wohnkessel ihres Baues zur Welt. Sie sind nackt und noch blind. Erst nach einem Monat öffnen sie ihre Augen. Sie werden etwa für zwei bis drei Monate gesäugt. Der männliche Nachwuchs wird vom dominanten Männchen im Bau nicht geduldet, sie verlassen im Alter von etwa acht bis zehn Monaten den Familienverband. Weiblicher Nachwuchs verbleibt meist im Bau.

Die Lebenserwartung liegt bei rund zwanzig Jahren.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Macdonald, David: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Könemann, Königswinter 2004. ISBN 3833110066
  • Petzsch, Hans et al.: Säugetiere. vol. 7 Urania Tierreich. Urania, Jena, Leipzig 1992. ISBN 3332004999

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