Erdkröte

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Erdkröte

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Nacktlurche (Lissamphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Familie: Kröten (Bufonidae)
Gattung: Echte Kröten (Bufo)
Art: Erdkröte
Wissenschaftlicher Name
Bufo bufo
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Erdkröte (Bufo bufo) zählt innerhalb der Familie der Kröten (Bufonidae) zur Gattung der Echten Kröten (Bufo). Im Englischen wird die Erdkröte common toad oder european toad genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) wählte am 22. November 2011 die Erdkröte zum Lurch des Jahres 2012. Fachlich unterstützt wurde die Aktion von den österreichischen und schweizerischen Fachverbänden ÖGH und KARCH sowie vom NABU.


Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Erdkröte erreicht eine Körperlänge von neun bis fünfzehn cm. Weibchen werden deutlich größer und kräftiger als Männchen. Die Weibchen der südlichen Populationen werden im allgemeinen größer als die nördlichen Exemplare. Oberseits ist die Erdkröte grau bis graubraun gefärbt. Hier und da kann auch ein rötlicher Schimmer erkennbar sein, der beim Weibchen meist stärker ausgeprägt ist. Die Bauchseite ist hellgrau bis cremefarben und ist mit dunklen Sprenkeln übersät. Der Rücken, insbesondere der Nacken ist mit warzigen Hautdrüsen versehen. Der Körper wirkt recht plump. Dieser Eindruck wird durch die sehr kurzen Hinterbeine noch verstärkt. Der Kopf ist breit und massig, er endet in einer stumpfen Schnauze. Die Augen treten weit aus dem Kopf hervor, die Pupillen sind waagerecht geschlitzt. Die Iris ist grünlich bis rotbraun.

Durch die kurzen Hinterbeine erscheint der Gang der Erdkröte wie ein Schreiten. Und in der Tat bewegen sie sich auf allen Vieren fort. Zu ansatzweisen kleineren Sprüngen kommt es eher selten. Die Vorderbeine der Männchen sind deutlich länger als die der Weibchen. Das hat den Grund, da sich Männchen in der Fortpflanzungspaarung an das Weibchen klammern müssen. Eine Schallblase wie bei anderen Krötenarten haben die Männchen der Erdkröte nicht.

Lebensweise

Nach der Winterruhe beginnt ihre Aktivitätsphase, die meist von März bis Oktober andauern. Sie überwintern an frostfreien Plätzen wie Erdbauten, unter Steinen oder unter Baumstämmen und ähnlichen Rückzugspunkten. Erdkröten sind dämmerungs- und nachtaktiv. Sie halten sich tagsüber meist in Gebüschen, Erdbauten oder unter Laub auf. In gewissen Zeiträumen, die sich anscheinend an dem Wachstum orientieren, müssen sich Erdkröten häuten. Dabei versuchen sie sich ihrer alten Haut durch Winden und Aufreissen des Maules zu entledigen. Die alte Haut scheint ihnen zu schmecken und wird von ihnen gefressen.

Erdkröten gehören zu den giftproduzierenden Kröten. Insbesondere über ihre warzigen Drüsen im Nackenbereich sondern sie ein Sekret ab, das unter anderem Substanzen wie Bufadienolide, Catecholamine, Dopamin, Epinin, Adrenalin und Noradrenalin enthalten. Das Bufotenin ist ein halluzinogenes Alkaloid. Das Sekret dient zum einen der Abwehr von Fressfeinden und verhindert zum anderen den Befall von Parasiten und anderen Mikroorganismen.

Zu den natürlichen Hauptfeinden zählen zwei Gruppen. Zum einen die sichtbaren Räuber wie Schlangen, Greifvögel und Raubtiere wie Marder, Katzen und Waschbären. Auf der anderen Seite hat die Erdkröte auch sehr kleine, kaum sichtbare Feinde. Zu ihnen gehören insbesondere die Krötengoldfliege und der Plattegel. Die Krötengoldfliege ist eine Schmeißfliege, die ihre Eier im Kopfbereich der Kröte ablegt. Nach dem Schlupf der Larve kriecht diese selbständig in den Schnauzenbereich und dringt über die Nasenlöcher in den Kopf ein. Die Larve ernährt sich von weichem Gewebe, insbesondere von Gehirnmasse.
Rückenansicht
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Rückenansicht
Die Erdkröte stirbt dabei äußerst qualvoll. Der Plattegel ist ein Parasit, der von außen an der Kröte nach Blut saugt. Auch dieser andauernde Saugvorgang sorgt langfristig für den Tod der Kröte. Die Erdkröte ist heute, insbesondere in Deutschland, noch nicht bedroht. Aber die Zerstörung der natürlichen Lebensräume sowie die Zersiedelung dieser durch Verkehrwege wie Straßen, sorgt langsam aber sicher für einen Rückgang der Populationen.

Interne Systematik

Die bisherige Klassifizierung der Erdkröte ist nach neueren Erkenntnissen nicht ganz klar. Es ist vermutlich ein Komplex mehrerer ähnlicher Taxa. Nach dem derzeitigen Stand der Forschung ist noch unklar, ob es sich um mehrere Unterarten handelt, oder ob einigen oder allen ein eigener Artstatus zuerkannt werden müsste. Nach Glandt, 2010, werden drei Taxone unterschieden:

  • bufo: Erdkröte im engeren Sinne mit Verbreitung in ganz Europa mit Außnahme des mediterranen Raumes.
  • spinosus: "Riesenerdkröte", verbreitet im mediterranen Raum und auf dem Balkan, außerdem Kleinasien und Nordwestafrika. Die frühere Unterart Bufo bufo gredosicola aus Sierra de Gredos und Zentralspanien stellt Sinsch zufolge eine Hochgebirgsvariante des Taxons spinosus dar.
  • verrucosissimus: "Kolchische Erdkröte", verbreitet im Kaukasus und der nordöstlichen Türkei.

Verbreitung

Erdkröten sind insbesondere in Europa einer der am häufigsten anzutreffenden Amphibienarten. Neben den palärarktischen Regionen Europas und Kleinasiens wird auch das Nordwestliche Afrika besiedelt. In Höhenlagen kommen sie auch bis in Höhen von über 2.000 Metern vor. Dies gilt insbesondere für Österreich und die Schweiz. Sie besiedeltn eine Vielzahl von Habitaten. Neben Wäldern sind sie auch in offenen und halboffenen Heide- und Moorlandschaften anzutreffen. Unterholz- und krautreiche Wälder scheinen ihnen besonders zu liegen. Als Kulturfolger sind sie auch in Parks, Gärten, Streuobstwiesen und ähnlichen Habitaten oft anzutreffen. Mit Beginn der Fortpflanzungszeit unternehmen sie zum Teil ausgedehnte Wanderungen zu ihren Laichgewässern. Das sind meist größere Teiche, Seen oder langsam fliessende Gewässer. Flache Gewässer werden hingegen gemieden.

Ernährung

Als dämmerungs- und nachtaktiver Jäger ernähren sich die Erdkröten räuberisch. Sie fressen dabei alles was in ihr Maul passt. Zu ihrer Hauptnährung gehören neben Schnecken, Würmern, Spinnentieren auch sonstige Insekten in passender Größe. Sie machen ihre Beute über die
Junge Erdkröte
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Junge Erdkröte
Bewegung der potentiellen Mahlzeit aus. Tiere, die sich regungslos verhalten können nicht ausgemacht werden. Da Erdkröten nicht zu den schnellsten Jägern gehören, müssen sie die Beute relativ nah heran kommen lassen, bevor sie sie mit ihrer hervorschnellenden Zunge ergreifen können. Beutetiere werden grundsätzlich im Ganzen verschlungen.

Fortpflanzung

Die Erdkröte erreicht die Geschlechtsreife mit rund drei Jahren, gelegentlich kann es auch vier oder fünf Jahre dauern, bis die Gechlechtsreife erreicht wird. Im zeitigen März beginnen die großen Wanderungen von den Überinterungsplätzen in den Wäldern zu den Laichgewässern. Diese Laichgewässer können durchaus in einer Entferung von bis zu fünf Kilometern liegen. Es ist oft zu beobachten, daß sich Männchen bereits während der Laichwanderungen an den Weibchen zu schaffen machen. Sie versuchen hierbei auf den Rücken der Weibchen zu gelangen. Dieses recht opportunistische Verhalten ist insbesondere bei einem deutlichen Überschuß an Männchen zu beobachten.

In den Laichgewässern angekommen, versuchen die wesentlich kleineren Männchen ein Weibchen abzubekommen. Im erfolgreichen Fall klettert das Männchen auf den Rücken des Weibchens und klammert sich mit seinen sehr langen Vorderbeinen am Körper des Weibchens fest. Nach einigen Tagen kommt es im Wasser zur Eiablage. Das Weibchen stößt Stränge von Eiern durch Muskelkontraktion aus. Das Männchen bemerkt diese Muskelkontraktion und gibt gleichzeitig sein Sperma ab, um die Eier zu befruchten. Die Laichstränge weisen eine Dicke von einem halben bis fast einem cm Dicke auf und können einige Meter lang sein. Die schwärzlichen Eier, die einen Durchmesser von bis zu zwei Millimeter aufweisen, liegen dicht an dicht in dem Strang und sind in einer gallertartigen Masse eingebunden. Damit die Laichstränge nicht abtreiben, werden die von beiden Geschlechtern in einer gemeinsamen Arbeit an Ästen oder ähnlichem befestigt. Die Anzahl der Eier varriiert stark mit dem Alter des Weibchens. Meist werden einige Tausend Eier (2500 bis 5000) in mehreren Schüben abgelegt.

Nach zwei bis drei Wochen der Embryonalentwicklung schlüpfen die Kaulquappen, die eine durchschnittliche Länge von etwa dreieinhalb bis vier cm sowie eine schwärzlichen Färbung aufweisen. Die Kaulquappen leben gesellig und schwimmen meist in größeren Schwärmen umher.
Erdkröte
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Erdkröte
Dabei halten sie sich wegen der Wärme meist in den oberen Wasserschichten auf. Sie ernähren sich hauptsächlich von Algen und toten organischem Material. Sie verschmähen dabei selbst Aas nicht. Auch gestorbene Artgenossen bleiben nicht verschont. Als Feinde der Kaulquappen kommen insbesondere Raubfische wie Hechte und Barsche in Betracht. Die Metamorphose zum Jungfrosch ist nach rund 90 Tagen abgeschlossen. Zu diesen Zeitpunkt begeben sich die Jungfrösche dann an Land und geben ihr amphibisches Leben auf. Die Erdkröte kann in Freiheit ein Alter von bis zu zwölf Jahren erreichen, in Gefangenschaft können sie durchaus auch über 30 Jahre alt werden.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Kurt Brauer, Annette Bromma: Kröten. Urania, Freiburg (1991). ISBN 3332003798
  • Dieter Glandt: Taschenlexikon der Amphibien und Reptilien Europas. Alle Arten von den Kanarischen Inseln bis zum Ural, Quelle und Meyer, Wiebelsheim 2010. ISBN 3494014701.

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