Ephemera glaucops

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Ephemera glaucops
Männchen

Taxonomie
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Teilklasse: Altflügler (Palaeoptera)
Ordnung: Eintagsfliegen (Ephemeroptera)
Unterordnung: Furcatergalia
Teilordnung: Scapphodonta
Überfamilie: Eintagsfliegen (Ephemeroidea)
Familie: Eintagsfliegen (Ephemeridae)
Gattung: Ephemera
Art: Ephemera glaucops
Wissenschaftlicher Name
Ephemera glaucops
(Pictet, 1845)

Ephemera glaucops gehört innerhalb der Familie der Eintagsfliegen (Ephemeridae) zur Gattung Ephemera. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Auch wenn im deutschen Namen „Eintagsfliegen” „-fliegen” vorkommt, haben sie verwandtschaftlich nichts mit den Fliegen (Brachycera) aus der Ordnung der Zweiflügler (Diptera) zu tun.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Ephemera glaucops ist kleiner als ihre Vettern die Dänische Eintagsfliege (Ephemera danica) und die Gemeine Eintagsfliege (Ephemera vulgata). Das Männchen erreicht eine Körperlänge von etwa 14,0 bis 17,0 Millimeter und das Weibchen eine Körperlänge von etwa 12,0 bis 15,0 Millimeter. Die paarigen Anhänge des Abdomens (Cerci) oder auch Schwanzfäden genannt werden beim Männchen etwa 18,0 bis 24,0 Millimeter lang, beim Weibchen etwa 12,0 bis 15,0 Millimeter. Die Spannweite beim Männchen beträgt etwa 12,0 bis 15,0 Millimeter, beim Weibchen etwa 14,0 bis 17,0 Millimeter. Die Larven werden etwa 20,0 bis 25,0 Millimeter lang. Die dreieckförmigen Flügel werden in Ruhe gerade nach oben gehalten. Die Flügel sind häutig, meist glänzend, unbehaart und glasklar oder milchig getrübt. Die Vorderflügel sind erheblich größer und zumeist etwa dreieckig, die Hinterflügel dagegen sind zierlicher und eher oval. Die Flügel sind fein und dicht, längs und quer geädert. Die Flügel sind steif, nicht faltbar und nur auf und ab bewegbar, daher werden sie in Ruhe nach oben zusammengeschlagen, und der Flug wechselt zwischen Flattern und schwebendem Gleiten. Die eingeschränkte Flügelbeweglichkeit lässt die Eintagsfliegen als schlechte, unbehende Flieger dastehen. Beim Gleitflug werden die Flügel starr wie Tragflächen eines Flugzeugs gestellt. Die langen Hinterleibsanhänge dienen dabei als Steuer. Am Kopf befinden sich zwei Antennen (Antenna), die aus zwei kurzen, kräftigen Basalgliedern und einem viergliedrigen Endstück, der Geißel, bestehen. Bei der Subimago und der Imago sind die Mundwerkzeuge nur noch als verkümmerte Stummel vorhanden, womit jegliche Nahrungsaufnahme unmöglich ist. Gegenüber den Libellen (Odonata) und den Steinfliegen (Plecoptera) sind die verkümmerten Mundwerkzeuge ein sicheres Unterscheidungsmerkmal. Die Costa ist die vorderste Längsader und begrenzt somit die Vorderseite des Flügels, sie ist unverzweigt. Die Subcosta verläuft dicht dahinter, fast parallel zur Costa. Die nächste Ader, der Radius, verläuft ebenfalls bis zur Flügelspitze, ist aber nahe der Basis in einen vorderen und einen mehrfach verzweigten hinteren Ast gegabelt. Die Media durchzieht die Fügelmitte, und der Cubitus ist die folgende Längsader. Diese beiden Adern sind ebenso wie der Radius unweit der Flügelbasis zweigeteilt.
Ephemera glaucops - Weibchen
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Ephemera glaucops - Weibchen
Die restlichen drei sind die Analadern, an ihnen lassen sich die Eintagsfliegen taxonomisch am besten einordnen. Oft ist noch ein Flügelmal (Pterostigma), ein eng gegittertes, häufig dunkler gefärbtes Zellenfeld an der Flügelspitze nahe der Costa vorhanden. Jedes der drei Brustsegmente trägt ein Beinpaar. Die Beine sind schwach und schlank. Die Füße (Tarsus) sind vier- oder fünfgliedrig und stellen damit ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber der stets dreigliedrigen Tarsen der Steinfliegen dar. Nur selten sind die Tarsen der Eintagsfliegen auch zweigliedrig oder gar ungegliedert. Das distale Tarsalglied (Praetarsus) trägt zwei klauenartige, spitze Hakenkrallen oder stumpfe, Haftlappen tragende Krallen. Gegenüber denen des Weibchens sind die Vorderbeine des Männchens meist erheblich verlängert, damit es ihm möglich ist, das Weibchen bei der Paarung zu umfassen und festzuhalten.

Lebensweise

Die Lebensdauer dieser Art ist ebenfalls sehr kurz. Die Männchen leben länger als einen Tag, während die Weibchen nach der Eiablage sterben. Die Flugzeit dieser Art findet meist im Juli statt. Ephemera glaucops ist ein Teil des Luftplankton, einschließlich Schwalben (Hirundinidae) und einige Arten von Fledermäusen (Microchiroptera), die über dem Fluss jagen und auch viele Lurche (Amphibia) und Spinnentiere (Arachnida) erbeuten Ephemera glaucops. Der Lebenszyklus der Larve dauert mehrere Jahre. Vor Erreichen der Zwischenstufe als Subimago durchläuft die Larve 32 Häutungen. Ephemera glaucops ist in Kiesgrubengewässern und Seen der Alpen und Voralpen zu finden. Im Allgemeinen hält sich die Art an langsam fließen Flüssen in Europa auf. Die Larven oder Nymphen verbringen die meiste Zeit des Lebens (etwa drei Jahre) vergraben im frischen Wasser, in kleineren Seen, Bächen und auch in großen Flüssen. Die Erwachsenen nehmen keine Nahrung zu sich, während die Larven sich von totem, organischem Material (Detritus) ernähren, das sie am Boden von Bächen und Flüssen finden.

Verbreitung

Ephemera glaucops weist ein großes Verbreitungsgebiet auf. Dazu zählen unter anderem Algerien, Frankreich, Deutschland, Italien, Portugal, Russland, Schweden und die Schweiz. Bevorzugt werden von dieser Art Kiesgrubengewässer und Seen der Alpen und Voralpen. Die Art reagiert empfindlich auf versauerte oder versalzene Gewässer. Sie ist nur dort zu finden, wo nur hohe pH-neutrale Gewässer vorhanden sind.

Ernährung

Ephemera glaucops - Weibchen
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Ephemera glaucops - Weibchen

Die gefräßigen Eintagsfliegenlarven leben sowohl von pflanzlichem Material (Wasserpest (Elodea), Hornkraut (Cerastium), Torfmoose (Sphagnum)), grasen daran auch nach grünen, fädigen Kieselalgen (Bacillariophyta), als auch von Mückenlarven und kleinen Krustentieren, wie z. B. Hüpferlinge (Cyclops). Sie nehmen sowohl lebendes als auch verwesendes Material auf, zerkleinern es mit den Mundwerkzeugen und verdauen es im Darm. Wegen ihres festen Chitinskeletts werden Bachflohkrebse (Gammarus) jedoch verschmäht. Die Eintagsfliegenlarven scheinen allgemein nicht wählerisch in ihrer Futterwahl zu sein, sie fressen annähernd alles, was ihr Lebensraum zu bieten hat.

Fortpflanzung

Ephemera glaucops zählt zu den Insekten mit unvollständiger Metamorphose, bei der es kein Puppenstadium, sondern nur ein Zwischenstadium genannt Subimago gibt, dies ist im Tierreich einzigartig und ist bei keiner anderen Gruppe der Insekten bekannt. Der Paarungsflug der Dänischen Eintagsfliege erfolgt im Mai und im Juni. Das Weibchen taucht im Fluge über dem Wasserspiegel das hintere Abdomenende bei erhobenen Hinterleibsanhängen ins Wasser, und die Eier werden vom Wasser abgespült und sinken zu Boden. Die Nymphen leben vergraben im sandigen Boden der Bäche und Flüsse. Sie ernähren sich von kleinen Partikeln aus organischem Material, Algen, Pflanzenresten oder verwesenden Pflanzen. Aber auch andere kleine Tiere werden gelegentlich erbeutet. Die Larven dieser Art zählen zu den grabenden Larven (fossant). Sie wühlen sich in ruhigen oder schwach fließenden Gewässern in den Sandboden ein. Dort fertigen sie U-förmige Röhrengänge und leben darin. Das Erscheinungsbild dieser Larven erinnert an das einer Maulwurfsgrille (Gryllotalpidae). Damit sie graben können, sind die Vorderbeine zu Grabschaufeln umgestaltet. Der Oberkiefer ragt weit über den Vorderrand des Kopfes hinaus und ist geweihähnlich (Gattung Palingenia) oder dolchähnlichen (Gattung Ephemera) geformt, um ihn als Bohrer oder Brechstange nutzen zu können. Die drei Hinterleibsanhänge sind bei den Larven zu einem kurzen Schwanzfächer ausgebildet, den sie in ihren Rohrbauten in weichen und wasserdurchtränkten Tonböden sogar spiralig zusammenrollen können. Die Kopfkapsel ist kräftig und oval geformt. Um bei ihren grabenden Erdarbeiten in den Uferwänden Verletzungen vorzubeugen, sind die Kiemen dorsal verlagert. Das mit den Grabwerkzeugen gelockerte Material passiert bei der Theiß-Eintagsfliege, wie beim Regenwurm auch, den Darmkanal, und sein Gehalt an organischen Substanzen wird dabei als Nährstoffe genutzt. Da das Futter spärlich ist, braucht diese Larve die längste Zeit zur Entwicklung: drei Jahre lang.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Bauernfeind, Ernst et al.: Die Eintagsfliegen Zentraleuropas (Insecta: Ephemeroptera). Wien 2001. ISBN 3900275866
  • Brusca, Richard C. et al.: Invertebrates. Sinauer, Sunderland 1990–2003. ISBN 0878930973
  • Elliott, John M. & U. H. Humpesch: A key to the adults of the British Ephemeroptera. Wilsons, Kendal, Ambleside 1983. ISBN 0900386452
  • Elliott, John M. et al.: Larvae of the British Ephemeroptera. Ambleside 1988. ISBN 0900386479
  • Gleiß, Horst: Die Eintagsfliegen. vol. 136 Die neue Brehm-Bücherei. Ziemsen, Wittenberg 1954.
  • Hubbard, Michael D.: Mayflies of the world. vol. 8 Flora & Fauna handbook. Sandhill Crane, Gainesville 1990. ISBN 1877743062
  • Kimmins, Douglas E.: A revised key to the adults of the British species of Ephemeroptera. Ambleside 1954–72. ISBN 0900386177
  • Kimmins, Douglas E.: Ephemeroptera. vol. 1:9 Handbooks for the identification of British insects. London 1950.
  • Knopp, Malcolm & R. Cormier: Mayflies. Greycliff, Helena 1997. ISBN 0962666386
  • Studemann, Denise: Ephemeroptera. vol. 9 Insecta Helvetica : A, Fauna. La Concorde, Mauron + Tinguely & Lachat, Lausanne, Freiburg, Genf, Zürich 1992.
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