Eisbär

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Eisbär

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Familie: Bären (Ursidae)
Gattung: Ursus
Art: Eisbär
Wissenschaftlicher Name
Ursus maritimus
Phipps, 1774

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Eisbär (Ursus maritimus) gehört innerhalb der Familie der Bären (Ursidae) zur Gattung der Ursus. Im Englischen wird die Art Polar Bear genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Eisbären sind eng mit den Braunbären verwandt. Die Tiere errreichen eine Länge von drei Metern und eine Schulterhöhe von 1,5 Metern. Männchen kommen auf ein Gewicht von bis zu 650 Kilogramm. Das sehr dichte Fell ist immer gelblich-weiss und ermöglicht dem Tier eine vorzügliche Tarnung. Die Haare sind innen hohl, was eine besonders gute Wärmeisolierung zur Folge hat. Die Haut ist schwarz. Der Eisbär ist ein sehr guter Schwimmer. Im Laufe der Evolution haben sich an den Tatzen Schwimmhäute gebildet. Durch das dichte Fell und seine besonders dicke Haut kann er sich auch über längere Zeit im polaren Eiswasser aufhalten. In freier Wildbahn erreichen Eisbären ein Alter von etwa 30 Jahren.

Verbreitung

Die Bären leben nur im Polargebiet (Arktis) auf dem Packeis sowie gelegentlich an den umliegenden Küsten. Im Winter wandern sie über die weiten Packeisfelder gen Süden, da sich dort viele Beutetiere aufhalten. Wenn dann im Sommer das Eis bricht, wandern die Tiere wieder in den Norden zurück. Durch die Klimaveränderung der letzten Jahre können die Bären wegen mangelnder Eisschicht ihre Wanderungen nicht durchführen und viele, gerade junge Tiere, verhungern.

Ernährung

Eisbären ernähren sich vorwiegend von Robben, die sie im Meer oder an Land erjagen. In Mangelzeiten werden sie aber auch zu Aasfressern. In den meisten Fällen warten Eisbären an Eislöchern auf ihre Beute. Bei der Jagd an Eislöchern verbergen sie geschickt ihre schwarze Schnauze mit ihren Tatzen. Stundenlang wartet der Bär dann, dass eine Robbe an diesem Eisloch zum Luftholen auftaucht.
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In diesem Moment katapultiert sich der Bär mit seinen Hinterläufen nach vorne und packt die Beute mit seinen krallenbewährten Pranken. Gut 50 Prozent dieser Angriffe schlagen fehl. Gut genährte Bären fressen von der erlegten Beute nur die Haut und den Speck. Der Rest bleibt in der Regel für Polarfüchse und schwächere Bären zurück. Dieses Verhalten ist auch von den Braunbären in Alaska bekannt, die von den gefangenen Lachsen nur die fettreiche Haut fressen und den Rest verschmähen.

Eine weitere Beute, die sich fast ausschließlich für die mächtigen Männchen erschließt, sind Walrößer und kleinere Walarten. Gerade Belugawale werden zur leichten Beute, wenn sie vom Packeis eingschlossen werden. Der Bär springt den großen Tieren dann auf den Rücken und verwundet die Tiere so stark, dass sie verbluten. Meist versucht er die erbeuteten Tiere an Land zu zerren, da der Blutgeruch Orcas anlocken kann, die dann für den Bären zur Gefahr werden können. Bei der Jagd auf Walroße schwimmt der Eisbär oft dicht an Eisschollen, auf denen sich diese großen Robben sonnen. Der Angriff erfolgt aus dem Wasser heraus, wobei der Bär das Beutetier stark verwunden muss, da es ihm sonst leicht entkommen kann. Im Arktischen Sommer fressen Eisbären auch Moose und Flechten, sowie Wurzelwerk. Selbst Seevögel und deren Gelege werden vom Eisbären nicht verschmäht.

Fortpflanzung

Die Paarung erfolgt im Frühjahr, jedoch ruht die Entwicklung des befruchteten Eies bis in den Herbst. Hat die Bärin bis dahin ausreichend Fettreserven angelegt, gräbt sie eine Höhle in den tiefen Schnee, in der sie nicht nur überwintert, sondern auch die Jungtiere zur Welt bringt. Konnte das Weibchen im Sommer nicht genügend Nahrung finden, werden die Embryonen vom Körper resorbiert. Im Januar des Folgejahres werden dann nach acht Monaten Tragzeit ein bis drei Junge geboren, die bei der Geburt ca. 600 Gramm wiegen. Nach zwei Monaten verlassen die Jungen das erste Mal ihre Geburtshöhle mit einem Gewicht von etwa 15 Kilogramm. Das Muttertier geht mit ihren Jungen anderen Eisbären grundsätzlich aus dem Weg, da erwachsene Tiere gelegentlich junge Eisbären reissen und fressen.

Gefährdung

Mutter mit Jungtiere
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Mutter mit Jungtiere

Im Jahr 1973 wurde ein Abkommen zur Begrenzung der Jagd und zum Schutz der Lebensräume der Eisbären von Dänemark, Kanada, den USA, Norwegen und Russland (ehemals UdSSR) unterzeichnet. Seither hat sich der Eisbärenbestand auf geschätzte 20.000 bis 25.000 Tiere, in 19 Subpopulationen eingependelt. Durch die Klimaveränderung können viele Eisbären ihren Wanderungen nicht nachgehen und verhungern. Eisbärenweibchen wiegen durchschnittlich 50 Kilogramm weniger, wenn sie in die Winterruhe gehen. Schwächere Eisbärenjungtiere können sich nicht genügend Fettreserven für die Winterruhe anfressen. Andere Jungtiere verenden bei den zu langen Wanderungen. Hinzu kommt noch die Umweltverschmutzung. Diese könnte eine mögliche Ursache dafür sein, dass manchen weiblichen Eisbären männliche Geschlechtsorgane wachsen.

Gefährdung, Hybridisierung, Aussterben, Diskussion

Mit der globalen Erwärmung und der Verringerung des eigentlichen und angestammten Lebensraumes sind Eisbären nicht mehr in der Lage in ihrem Verbreitungsgebiet ausreichende Lebens- und Nahrungsgrundlagen zu finden. Schmilzt das Eis vorzeitig, müssen sich die Eisbären entscheiden ob sie mehr zum Polarkreis wandern oder an land gehen. Eisbären sind keine besonders gewandten aber dennoch gute Schwimmer. Sie können 100 Kilometer problemlos im Wasser zurücklegen. Kritisch wird es für die Jungtiere. Vor der Eisschmelze konnte man davon ausgehen, dass sich Eisbären und Grizzlys wahrscheinlich nie begegnet sind. Die Lebensräume waren zu weit von einander getrennt. Die geschichtliche Entwicklung der beiden Bären war vorgezeichnet. Beide Arten haben sich ihren Lebensbedingungen angepasst. Aus wissenschaftlicher Sicht ist man davon ausgegangen, dass sich beide Bärenarten in freier Natur nicht miteinander kreuzen. In der Vergangenheit wurden immer wieder braune Bären mit hellerem Fell beobachtet. Diese Fellfärbungen wurden als eine Art Mutation angesehen. Eine Hybridisierung schloss man kategorisch aus. Jim Martell, ein amerikanischer Jäger, erlegte im kanadischen Teil der Antarktis 2006 einen weißen Bär mit braunen Flecken. Eine DNA Untersuchung ergab das es sich um eine Hybridisierung zwischen Grizzly und Eisbär war. Die bereits früher beobachteten Braunbären mit hellerem Fell, könnten ebenfalls Hybriden gewesen sein. Bewusst wurde kein weiterer Hybridenbär, wie der erlegte Bär, gesichtet. Allerdings wurde bislang auch noch nicht wieder zielgerichtet danach gesucht. Die Hybridisierung ist vor allem deshalb bemerkenswert, da sich Grizzly- und Eisbär in freier Natur, aufgrund verschiedener Lebensweise, eigentlich nicht begegnen, und sich gegebenenfalls eher feindlich verhalten. Da sich der Eisbär vor ca. 150000 Jahren aus dem Braunbär entwickelt hat, ist eine Kreuzung beider Arten biologisch kein Problem.
Eisbär Knut im Berliner Zoo(geboren 5. Dezember 2006 im Zoologischen Garten Berlin - gestorben am 19. März 2011 im Alter von 4 Jahren im Zoologischen Garten Berlin)
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Eisbär Knut im Berliner Zoo
(geboren 5. Dezember 2006 im Zoologischen Garten Berlin - gestorben am 19. März 2011 im Alter von 4 Jahren im Zoologischen Garten Berlin)

Es kann gemutmaßt werden, dass Eisbären in freier Natur aussterben werden, wenn die globale Erderwärmung nicht gestoppt werden kann. Durch die Hybridisierung der beiden Bärenarten kann man aber die Möglichkeit sehen dass sich eine wiederstandsfähigere und evtl. neue Bärenart heraus entwickeln kann. Wie sich die Hybriden in der freien Natur mit den Grizzlys verhalten, muss abgewartet werden. Eisbären und Grizzlys sind, nach neuesten Erkenntnissen, fast immer Feinde.

Besonderheiten

Eisbären können ohne Rast fast 700 Kilometer am Stück schwimmen. Forscher des Geologischen Dienstes der USA (USGS) berichten, dass ein Eisbär 232 Stunden ohne Pause geschwommen ist, bei Wassertemperaturen von 2 bis 6 Grad. Das Fell sowie die Fettschicht halten die Bären dabei im polaren Wasser warm. Zwischen den Zehen befinden sich Schwimmhäute. Eisbären gehören zu den wenigen Großbärenarten, die mit dem Körper auf Nahrungssuche vollständig untertauchen können. Wegen dieser Begebenheiten wurde der Eisbär in der Vergangenheit oft als "Meerbär" bezeichnet.

Weitere Synonyme

  • Ursus marinus - Pallas, 1176
  • Ursus maritimus marinus - Pallas]], 1776
  • Ursus maritimus maritimus - Phipps, 1774
  • Thalarctos maximus - (Phipps, 1774)
  • Ursus polaris - Shaw, 1792
  • Thallassarctos eogroenlandinus - Knotterus-Meyer, 1908
  • Thalassarctos labradorensis - Knotterus-Meyer, 1908
  • ?Thalassarctos jenaensis - Knotterus-Meyer, 1908
  • ?Thallassarctos spitzbergensis - Knotterus-Meyer, 1908

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Bären (Ursidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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