Eigentliches Zweifingerfaultier

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Eigentliches Zweifingerfaultier

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Zahnarme (Pilosa)
Unterordnung: Faultiere (Folivora)
Familie: Zweifinger-Faultiere (Megalonychidae)
Gattung: Choloepus
Art: Eigentliches Zweifingerfaultier
Wissenschaftlicher Name
Choloepus didactylus
Linnaeus, 1758

Verbreitungsgebiet

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Eigentliche Zweifingerfaultier (Choloepus didactylus) gehört innerhalb der Ordnung der Zahnarme (Pilosa)) zur Familie der Zweifinger-Faultiere (Megalonychidae). Es ist eng mit den Ameisenbären und den Gürteltieren verwandt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Das Eigentliche Zweifingerfaultier erreicht eine Körpergröße von bis zu 85 cm sowie ein Gewicht von sechs bis neun Kg. Das Fell der dämmerungs- und nachtaktiven Säuger weist eine graubraune Färbung auf. Aufgrund einer Algenart, die in ihrem Fell in Symbiose lebt, schimmert das Fell je nach Lichteinfall leicht grünlich. Dieser grünliche Schimmer im Fell bildet eine bestimmte Algenart, und zwar eine blaugrüne Alge (Anabaena) aus der Familie der Nostochaceen. Diese Symbiose dient offensichtlich der Tarnung, denn im Regenwald lauern neben Raubkatzen und Schlangen auch Greifvögel wie die Harpyie (Harpia harpyja). Der Scheitel des Fells liegt übrigens nicht wie bei anderen Säugern auf dem Rücken, sondern auf dem Bauch. Diese Anpassung war nötig, damit das Regenwasser besser abfliessen kann. Sie halten sich fast das ganze Leben in den Baumkronen auf. Um so erstaunlicher ist es, daß sie auch sehr gute Schwimmer sind. Mit ihren stark gebogenen Krallen an den Extremitäten klammern sie sich an Ästen fest. Selbst während der rund 20 Stunden am Tag, die sie mit Schlafen verbringen, bleiben sie in dieser Stellung.

Verbreitung

Mittelamerika und das nördliche Südamerika gehören zu ihren Verbreitungsgebieten. Insbesondere im tropischen Regenwald des Amazonasgebietes sind sie zu Hause. Sie verlassen so gut wie nie die Baumkronen. Die Bäume werden allenfalls verlassen, um den Standort zu wechseln.

Nahrung

Faultiere ernähren sich nur pflanzlich. Neben Blättern fressen sie hier und da auch Früchte und Blüten. Aufgrund des niedrigen Nährstoffgehaltes ihrer Nahrung hat sich ihr Körper angepasst, indem der Stoffwechsel auf ein Minimum heruntergefahren wurde.

Verhalten

Zweifinger-Faultiere haben bei ihrer äußerst sparsamen Energieverwaltung fast ihr ganzes Leben auf Bäumen hängend so eingerichtet das sie sich auch in den Bäumen hängend fortpflanzen und Jungtiere, zumeist eins, gebären. Ihre Muskulatur ist fast vollständig zurück entwickelt und sie können sich fast nicht auf allen vier Gliedmaßen aufrecht am Boden fortbewegen.

Fortbewegung

Die Anpassung an ihren Lebensraum und ihre Lebensweise, die Umbildung der Extremitäten, der Verlust der für das aufrechte oder auf allen vieren Gehen notwendigen Muskelapparates und die perfekt ausgebildeten und enorm großen Krallen, zwingen das Zweifinger-Faultier zu keinen sonderlich großen Bewegungsabläufen. Sie leben dazu noch in mitten ihrer Nahrung. Hält sich ein Zweifinger-Faultier auf dem Boden auf, so sieht die Fortbewegung unbeholfen und ungeschickt aus. Die Fortbewegung ist mehr ein Fallen denn ein Laufen oder Kriechen. Geraden Zweifinger-Faultiere jedoch ins Wasser, so erlebt man Zweifinger-Faultiere welche sehr gute, ruhige und mitunter ausdauernde Schwimmer sind.

Kotverhalten

Ca. einmal pro Woche verlassen die Zweifinger-Faultiere ihren Baum um den Boden zum koten und urinieren aufzusuchen. Für die Zweifinger-Faultiere bedeutet es zum einem eine äußerst große Anstrengung und zum anderem setzen sie sich damit einer großen Gefahr aus. Zweifinger-Faultiere können am Boden nicht flüchten und die Tarnung und der Schutz der Baumwipfel geht am Boden gänzlich verloren. Warum Zweifinger-Faultiere für das koten und urinieren den Boden überhaupt aufsuchen, ist gänzlich ungeklärt. Reviermarkierungen sind nicht notwendig und eine Notwendigkeit den Boden für die Kot- und Urinabgabe aufzusuchen besteht auch nicht.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird mit etwa zwei bis drei Jahren erreicht. Die Paarungszeit ist an keine bestimmte Jahreszeit gebunden. Nach einer Tragezeit von etwa sechs Monaten bringt das Weibchen ein Jungtier zur Welt, das ein Geburtsgewicht von rund 400 Gramm hat. Die ersten neun bis zehn Lebensmonate verbringt das Jungtier auf dem Bauch der Mutter. Die typische Scheitelung des Fells am Bauch, ist bei den Jungtieren noch nicht zu erkennen. Eine sichtbare Fellscheitelung auf dem Rücken ist jedoch auch nicht vorhanden. Das Fell ist bei aufsitzenden Jungtieren noch weich. Die Jungtiere sind mit dem Rücken nach oben auf der Mutter sitzend. Die Krallen bilden sich bei den jungen Zweifinger-Faultieren erst langsam aus und sind ab ca. dem dritten bis vierten Monata funktionstüchtig. Die Entwöhnung beginnt bereits nach zwei bis drei Monaten. Das Jungtier bekommt zu Beginn noch vorgekaute Nahrung von der Mutter bevor es selbständig Blätter frisst. Nach 2,5 Jahren sind die Tiere ausgewachsen. Die Lebenserwartung liegt bei deutlich über 30 Jahren.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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