Dornrand-Weichschildkröte

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Dornrand-Weichschildkröte

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Weichschildkröten (Trionychidae)
Gattung: Dornrand-Weichschildkröten (Apalone)
Art: Dornrand-Weichschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Apalone spinifera
Le Sueur, 1827

Die Dornrand-Weichschildkröte (Apalone spinifera) zählt innerhalb der Familie der Weichschildkröten (Trionychidae) zur Gattung der Dornrand-Weichschildkröten (Apalone).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die Dornrand-Weichschildkröte erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Länge von 19 bis 48 Zentimeter. Der kurze Schwanz schaut nur wenig unter dem Carapax hervor. Die Dornrand-Weichschildkröte gehört wie es der Name schon sagt zu den Weichschildkröten. Ihr Carapax, also der Rückenpanzer, ist weich. Er ist relativ flach und weist eine rundlich ovale Form auf. Die Ränder des Carapax zeigen kleine Dornen, die für die Art namensgebend waren. Die Bedornung kann je nach Unterart abweichend sein. Auch der Härtegrad unterscheidet sich zum Teil grundlegend. Die Dornen im hinteren Bereich des Carapax sind bei der Unterart der Hellen Dornrand-Weichschildkröte (Apalone spinifera pallida) beispielsweise weich.

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Markantes Merkmal ist die schmale, langgezogene Schnauze der Dornrand-Weichschildkröte. Der obere Teil der Schnauze endet stumpf. Der Kopf und die sichtbare Haut ist gelblichbraun bis olivgelb gefärbt. Die Haut im Nacken ist ausgesprochen faltig. Im Kopfbereich zeigen sich einige dunkle Längslinien. Die Augen treten leicht hervor. Die Iris der Augen ist gelblich, die Pupille ist dunkel gefärbt. Eine dunkle Linie, die sich von der Schnauzespitze bis hinter die Augen verläuft, zieht sich mitten durch die Iris (siehe Foto oben rechts). Der Carapax ist überwiegend olivbraun bis olivgrün gefärbt. Es können je nach Unterart unterschiedlich gefärbte Flecken auf dem Carapax vorhanden sein.

Bei einigen Unterarten wie der Golfküsten-Dornrand-Weichschildkröte (Apalone spinifera aspera) kann der Rand des Carapax dunkle Linien aufweisen. Der Plastron weist hingegen eine eher weißliche bis gelbliche Färbung auf. Die kräftigen Extremitäten enden in Zehen, die mit Schwimmhäuten versehen sind. Insgesamt weisen die Geschlechter einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus auf. Der Carapax der Männchen ist etwas rauher als bei den Weibchen. Das Männchen bleibt deutlich kleiner als das Weibchen. Die Schwanzwurzel ist beim Männchen länger und breiter.

Verhalten

Dornrand-Weichschildkröten sind fast ausschließlich am Tage aktiv und führen ein einzelgängerisches Leben. Die Geschlechter treffen sich nur zur Paarungszeit. Tagsüber liegen sie meist in der Sonne und tanken Wärme. Dabei sitzen sie in der Regel am Gewässerrand oder auf ins Wasser hineinragende Baumstämme oder Äste. In den frühen Morgen- und Abendstunden sowie in der Dämmerung gehen sie auf Nahrungssuche. Während der Nacht oder bei Gefahr ziehen sich die Dornrand-Weichschildkröten ins Wasser zurück. Meist graben sie sich in den schlammigen Gewässergrund ein.

Auch wenn sie Luft atmen müssen, können sie unter Wasser zu einem geringen Teil Sauerstoff über die Haut aufnehmen. Während der kalten Jahreszeit halten Dornrand-Weichschildkröten eine Winterruhe. Hierzu graben sie sich im Schlamm am Gewässergrund ein. Die Winterruhe erstreckt sich je nach Verbreitungsgebiet von Oktober oder November bis in den April hinein. Die Winterruhe in den nördlichen Verbreitungsgebieten dauert ein bis zwei Monate länger.

Unterarten

Trivialname Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber Vorkommen
Östliche Dornrand-Weichschildkröte Apalone spinifera spinifera Le Sueur, 1827 südliches Kanada, Michigan,
Indiana, Ohio, Kentucky,
Tennessee, Mississippi
Golfküsten-Dornrand-Weichschildkröte Apalone spinifera aspera Agassiz, 1857 Mississippi, Alabama, Georgia,
North- und South Carolina
- Apalone spinifera ater Webb & Legler, 1960 südliche USA
Texanische Dornrand-Weichschildkröte Apalone spinifera emoryi Agassiz, 1857 Mexiko bis Texas
Guadalupe-Dornrand-Weichschildkröte Apalone spinifera guadalupensis Webb, 1962 Texas
Westliche Dornrand-Weichschildkröte Apalone spinifera hartwegi Conant & Goin, 1948 Arkansas, Missouri, Iowa,
Minnesota, WIsconsin, New Mexico,
Colorado, Wyoming, Montana
Helle Dornrand-Weichschildkröte Apalone spinifera pallidus Webb, 1962 südliches Kanada, Michigan,
Indiana, Ohio, Kentucky,
Tennessee, Mississippi

Verbreitung

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Die Dornrand-Weichschildkröte ist in weiten Teilen der nordöstlichen USA, den zentralen Bundesstaaten der USA und in den südlichen Bundesstaaten beheimatet. Auch im südöstlichen Kanada sind zwei Unterarten anzutreffen. Insgesamt reicht das Verbreitungsgebiet vom südlichen Ontario über Wisconsin und Mississippi bis ins nördliche Mexiko. Die genaue geografische Verteilung kann aus der oben aufgeführten Tabelle entnommen werden. Es sind insgesamt sieben Unterarten bekannt, die sich leicht in Größe, Bedornung und Färbung unterscheiden. Die Dornrand-Weichschildkröte bewohnt bevorzugt seichte Seen und Teiche sowie langsam fließende Bäche und Flüsse. Auch Sumpfgebiete werden gerne besiedelt. Entsprechende Unterwasservegetation und schlammiger Untergrund ist für die Dornrand-Weichschildkröte zum Überleben notwendig. Sie kommt nur zur Eiablage und zum Sonnenbaden an Land. In Brack- und Salzwasser ist sie nicht anzutreffen.

Gefährdung, Schutz

Die Dornrand-Weichschildkröte führt ein ausgeprägtes aquatisches Leben. Daher ist sie ausgesprochen anfällig für vergiftetes Wasser. In weiten Teilen der USA steht es um die Reinheit der Gewässer mehr schlecht als Recht. Die meisten Gifte gelangen über die Landwirtschaft ins Wasser. Pestizide gelangen über das Grundwasser in Seen, Teiche und Flüsse. Aber auch die direkte Einleitung von Abwässern durch die Industrie trägt zur schlechten Wasserqualität bei.

Ein weiterer Gefährdungsfaktor ist die Trockenlegung von Sümpfen und Feuchtgebieten. Auch die Begradigung von Flüssen und Bächen hat negative Auswirkungen auf die Dornrand-Weichschildkröte. Und nicht zuletzt hindert die Zerteilung der Lebensräume die Schildkröte an der Fortpflanzung. Ein Austausch zwischen den Populationen ist so nicht mehr möglich. Aber auch der Mensch stellt diesen Geschöpfen massiv nach. Die Dornrand-Weichschildkröte ist sowohl im Washingtoner Artenschutzabkommen als auch in der Roten Liste der IUCN nicht verzeichnet.

Prädatoren

Ausgewachsene Dornrand-Weichschildkröten haben außer dem Menschen keine natürlichen Feinde. Junge Schildkröten fallen insbesondere Raubfischen, Reihern und auch Waschbären zum Opfer. Auch Füchse und Stinktiere erbeuten hier und da eine junge Dornrand-Weichschildkröte. Zuflucht suchen Dornrand-Weichschildkröten grundsätzlich im Wasser. Hier versuchen sie sich im Bodenschlamm zu verbergen. In die Enge getrieben kann sie aber auch schmerzhaft zubeißen.

Ernährung

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Dornrand-Weichschildkröten ernähren sich als reine Fleischfresser hauptsächlich von Wasserinsekten und deren Larven, Krebstieren, kleinen Fischen, Schnecken, Würmern und Amphibien. Ihre Nahrung finden Dornrand-Weichschildkröten am Gewässergrund. Mit ihrer langen Schnauze stöbern sie im Schlamm nach Nahrung oder drehen auch schon mal Steine um. Sie sind keine Lauerjäger, sie gehen überwiegend aktiv auf Beutefang.

Fortpflanzung

Die Dornrand-Weichschildkröte erreicht die Geschlechtsreife je nach Ernährungszustand und Geschlecht erst im Alter von sieben bis neun Jahren. Sie leben außerhalb der Paarungszeit einzelgängerisch. Die Geschlechter treffen sich nur während der Paarungszeit, die im Frühjahr beginnt. Hat sich ein Paar gefunden, so erfolgt die Kopulation schwimmend unter Wasser. Der Plastron des Männchens ist konkav geformt. So kann er bequem auf dem Weibchen platz nehmen und sein Geschlechtsteil in die Kloake des Weibchens einführen.

Die Eiablage erfolgt wie bei allen Schildkröten an Land. Dazu sucht das Weibchen eine Sandbank auf, die nicht überflutet werden kann. Sonnige Sandbänke werden dabei eindeutig bevorzugt. Das Weibchen gräbt mit ihren kräftigen Beinen flache Gruben und legt zwischen 10 und 30, selten auch mehr rundliche Eier. Nach erfolgter Eiablage schließt das Weibchen die Grube sorgsam und kehrt ins Wasser zurück. Mit dem Schlupf und der Aufzucht hat das Weibchen nichts zu tun. Eine Brutpflege wird also nicht betrieben. Je nach Umgebungstemperatur schlüpfen die Jungtiere nach 90 bis 150 Tagen. In seltenen Fällen schlüpfen sie auch erst im kommenden Frühjahr. Dies kommt insbesondere in nördlichen Verbreitungsgebieten gelegentlich vor. Die Dornrand-Weichschildkröte kann ein Alter von 40 bis 50 Jahren erreichen.
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