Dünenskorpion

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Dünenskorpion

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Skorpione (Scorpiones)
Überfamilie: Vaejovoidea
Familie: Vaejovidae
Gattung: Smeringurus
Art: Dünenskorpion
Wissenschaftlicher Name
Smeringurus mesaensis
(Stahnke, 1957)

Der Dünenskorpion (Smeringurus mesaensis), auch unter dem Synonym Paruroctunos mesaensis sowie unter der Bezeichnung Sandskorpion bekannt, zählt innerhalb der Familie Vaejovidae zur Gattung Smeringurus. Im Englischen wird der Dünenskorpion dune scorpion oder giant sand scorpion genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Dünenskorpion erreicht eine Körperlänge von etwa 7,0 bis 9,0 Zentimeter und zählt somit zu den mittelgroßen Skorpionarten. Das Gewicht beträgt etwa 4,0 Gramm. Der Dünenskorpion weist eine blaugraue bis graue Färbung auf. Die Beine, Pedipalpen und das Metasoma (Schwanz (Cauda)) hingegen sind weiß gelb, fast von durchsichtiger Erscheinung. Das Metasoma ist etwas länger als das Mesosoma (erster, aus sieben Segmenten, gebildeter breiter Abschnitt des Hinterleibs). Das Mesosoma zählt beim Männchen 28 bis 40 pektinale Kammzähne, während beim Weibchen 20 bis 29 pektinale Kammzähne vorhanden sind. Alle weiblichen pektinale Kammzähne sind ähnlich in Form und Größe und mit sensorischen Bereichen ausgestattet. Die Segmente I bis IV des Metasoma sind mit dorsalen, distal abgerundeten Carinae sowie mit einer Granulation versehen. Des Weiteren sind die Segmente I bis IV mit ventralen submedianen Carinae gepaart und mäßig bis stark entwickelt und gekerbt.
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Die ventralen intercarinalen Bereiche sind mit Seten bedeckt. Das Segment V ist mit einer linearen ventromedianen Carina versehen, d. h. distal nicht gegabelt. Die beweglichen Finger am ventralen Rand der Cheliceren sind mit drei bis acht Zähnchen besetzt und die festen Finger sind mit ein bis vier ventralen Zähnchen versehen. Die Serrula der beweglichen Finger ist nicht vorhanden. Die Pedipalpen sind schlank und relativ lang. Eine Besonderheit beim Dünenskorpion ist seine Fluoreszenz-Eigenschaft, die ihn unter UV-Strahlung in hellsten gelb-grünen Licht erstrahlen läßt. Bei den Pedipalpen ist die Innenseite der Patella mit basalen Tuberkeln mäßig entwicklt, innere Längs-Carina ist vorhanden, in der Regel besteht sie aus mehreren Körnchen. Alle acht pedipalpalen Carinae sind gut entwickelt und deutlich gekörnt. Die terminalen Dentikel sind moderat und subconical. Die chelalen festen Finger sind mit einer Reihe von primären Zähnchen in sechs Unterreichen von Zähnchen geteilt und diese werden durch sechs innere Dentikel flankiert. Die chelalen beweglichen Finger sind ebenfalls mit einer Reihe von primären Zähnchen ausgestattet, die in sechs Unterreihen von Zähnchen geteilt sind. Diese werden durch sieben inneren Dentikel ebenfalls flankiert. Die Patella ist mit zwei ventralen Trichobothrien (Sinneshaare) entlang der ventroexternalen Carina ausgestattet. Die dritte ventrale Trichobothrium ist auf der Außenseite positioniert. Die Chela (Schere) ist mit vier Trichobothrien versehen. Die chelale Trichobothrien sind an der Basis der festen Finger positioniert oder etwas von der Basis verdrängt. Die Beine der Basitarsi und Telotarsie sind mit setalen Kämmen besetzt. Die Telotarsi sind ventral mit einer mittleren Reihe von kleinen Stacheln versehen, die distal durch geringfügig größeren Stacheln flankiert werden. Ventral wird eine Reihe seitlich durch Seten flankiert.
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Markantes Merkmal aller Skorpione, so auch beim Dünenskorpion, ist zweifelsohne der Giftstachel am schwanzartigen Hinterleibsende. Der Stachel wird in der Regel über dem Rücken getragen, seltener auch seitlich nach vorne gebogen. Dies gilt sowohl während der Aktivitätsphasen als auch für die Ruhephasen. Der Stachel ist somit immer einsatzbereit. Nach hinten abgesenkt wird das Hinterleibsende nur selten. Allenfalls auf der Flucht senkt der Dünenskorpion sein Hinterleibsende ab. Anatomisch besteht der Stachel an der Basis aus einem mehr oder weniger blasenartig aufgetriebenen Gebilde und geht zur Spitze hin in einen dornenartigen Fortsatz über. Der Fortsatz ist meist leicht nach vorne gekrümmt. Im blasenartigen Teil des Giftstachels liegen zwei Giftdrüsen, die von Muskelsträngen umgeben wird. Durch Kontraktion dieser Muskeln wird das Gift durch den dornenartigen Fortsatz nach außen gepresst. Die Mündungen, von denen 2 vorhanden sind, liegen seitlich der Stachelspitze. Der Giftstachel dient den Tieren in erster Linie als Waffe der Verteidigung, eher selten auch dem Beutefang. Beim Beutefang versucht der Dünenskorpion zunächst ein Beutetier mit den kräftigen Palpenscheren zu überwältigen. Ist die Beute zu groß oder ausgesprochen wehrhaft, so kommt der Giftstachel zum Einsatz. Er wird dorsal, über die Scheren hinweg in das Beutetier eingeführt. Handelt es sich bei einem Beutetier um ein gepanzertes Tier, so tastet der Dünenskorpion mit dem Stachel entlang der Chitinplatten und sucht nach einer weichhäutigen Verbindung zwischen den Chitinplatten. Erst jetzt wird ein Stich angesetzt. Es stellt sich die Frage, warum Dünenskorpione eher selten von ihrem Gift Gebrauch machen. Der Grund liegt auf der Hand: Zum einen verfügt der Dünenskorpion über eine relativ geringe Giftmenge, zum anderen wird abgegebenes Gift nur langsam ersetzt. Das Ersetzen des Giftvorrates kann bis zu 4 Wochen dauern.

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Lebensweie

Der Dünenskorpion ist ein nachtaktives Tier, das seine Höhle nur selten verlässt. Ruhende Dünenskorpione sitzen mit angewinkelten Beinen in ihrem Versteck. Das schwanzartige Hinterleibsende ist dabei entweder eng an den Rücken gelegt oder schneckenförmig eingerollt. In der Lauerstellung gleicht der Dünenskorpion einem ruhenden Tier. Im Unterschied zu einem ruhenden Tier ist die Lauerstellung durch gespreizte Laufbeine und ein frei über den Rücken gehaltener Stachel geprägt.

Verbreitung

Der Dünenskorpion lebt im Südwesten der USA (kalifornische Mojave-Wüste), dort hält er sich in ariden Steppen, Halbwüsten und in Wüstengebieten auf. Dort gräbt das Weibchen Gänge in den Boden oder hält sich versteckt unter flachen Steinen auf. Die Öffnung bildet einen Halbkreis, von da an geht die Röhre ein Stück gerade hinein, dann biegt sie nach rechts und wieder nach links ab, bis dann der eigentliche Ruhebereich kommt. Die Männchen findet man eher unter flachen Steinen als die Weibchen. Dort kommt es auch vor, dass diese einen Gang unter den Stein graben. Dieser ist aber nicht so lang wie bei den Weibchen und biegt auch nur einmal rechts ab. Dünenskorpione sind sehr lichtscheu und kommen daher nur in der Nacht aus ihren Behausungen um zu jagen oder um sich zu paaren.

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Ernährung

Der in der Mojave-Wüste lebende Dünenskorpion ist ein nachtaktiver Jäger, der auf Wüstenschaben (Arenivaga investigata), Motten und andere Kleininsekten als Beute spezialisiert ist. Der Dünenskorpion sucht seine Beute nicht aktiv, sondern lauert im Hinterhalt bis ein Opfer in Reichweite kommt. Die Orientierung beim Beutefang erfolgt hauptsächlich über die Trichobothrien. Bei diesen Sinneshaaren handelt es sich um sehr lange Härchen, im Bereich der Scheren und der Taster. Ebenfalls der Orientierung dienen Chemorezeptoren an den Kämmen und den Laufbeinen. Ist ein Beutetier in Reichweite der Scheren, so packen diese blitzschnell zu. Ist ein Beutetier mit den Scheren gegriffen, so wird es zwischen den Palpen regelrecht zerquetscht. Größere Beutetiere oder sich vehement wehrende Beutetiere werden durch einen Stich mit dem Stachel außer Gefecht gesetzt. Ein Beutetier wird, nachdem es getötet wurde, von den Pedipalpen an die Cheliceren übergeben. Beim Fressvorgang arbeiten die Cheliceren auffallend alternierend. Einem Beutetier wird zunächst die Körperwand geöffnet. Aus dieser Körperöffnung holen die Cheliceren abwechselnd kleine Stücke Körpergewebe und führen diese dem Mundraum zu. Im Mundraum vorhandener Verdauungssaft sorgt für die Vorverdauung der Nahrung. In den zahlreichen Lappen der sechs Paare Mitteldarmblindschläuche kann reichlich Nahrung gespeichert werden. Daher können Dünenskorpione mit einer Mahlzeit große Mengen Nahrung aufnehmen. Die sonst quergefalteten, häutigen Seitenwände der normal breiten Hinterleibssegmente sind dann prall gespannt.

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Fortpflanzung

Dünenskorpione erreichen die Geschlechtsreife durchschnittlich mit der siebten Häutung. Diese letzte Häutung vor dem Erlangen der Geschlechtsreife nennt man Reifehäutung. Das Alter beträgt dann etwa 2 bis 3 Jahre. Das Aufeinandertreffen der Geschlechter während der Paarungszeit erfolgt mehr oder weniger zufällig. Der eigentlichen Kopulation geht ein artspezifisches Vorspiel, dem sogenannten Paarungstanz, voraus. Im Zuge des Paarungstanzes stellt sich das Männchen vor dem Weibchen und richtet sein schwanzartiges Hinterteil auf. Diese Stellung geht mit ruckenden Bewegungen des schwanzartigen Hinterteils einher. Geht ein Weibchen auf das Paarungsritual ein, so stellt es den Hinterleib ebenfalls hoch erhoben auf. Auch hierbei kommt es zu den charakteristischen ruckenden und zuckenden Bewegungen des Hinterleibes. Im weiteren Verlauf der Balz greift das Männchen mit seinen Palpenscheren nach den Scheren des Weibchens und beide Partner bewegen sich an den Scheren haltend hin und her. Ein solcher Paarungstanz kann sich über bis zu einer Stunde oder mehr erstrecken. Unmittelbar vor der Paarung beugt das Männchen sein Hinterleibsende weit nach vorn und sticht das Weibchen mit dem Stachel zwischen die Gelenkhaut der Pedipalpen. Das Weibchen reagiert darauf mit einem symbolisiertem Abwehrverhalten. Das Weibchen wird immer näher an das Männchen herangezogen. Ist das Weibchen nah genug, so greifen die vorderen Beine des Männchens seitlich um den Körper des Weibchens und betrillert an deren Bauchseite die Kämme und die Geschlechtsöffnung. Nun setzt das Männchen eine Spermatophore ab, über die nun das Weibchen gezogen wird. Eine Spermatophore weist eine Länge von einem halben Zentimeter auf. Die bauchseitigen Kämme des Weibchens tasten am Boden nach der Spermatophore und führen diese zielsicher in die Geschlechtsöffnung.

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Während der Einführungsphase in die Geschlechtsöffnung wird der Kopf der Spermatophore abgerissen und die Spermien werden freigesetzt. Zu diesem Zeitpunkt trennen sich die Geschlechter. Sie lassen sich also an den Palpenscheren los und der Paarungsakt gilt als beendet. Nach einer geglückten Übertragung der Spermien, beginnt die Trächtigkeit, die sich zumeist über einen Zeitraum von fünf bis acht Monaten erstreckt. Die Entwicklung der Eier erfolgt im Uterus des Weibchens. Das Weibchen bringt je nach Alter und Ernährungszustand zwischen 20 und 40 Jungtiere zur Welt. Die frisch geschlüpften Jungtiere weisen eine helle, meist weißliche bis cremefarbene Färbung auf. Im Grunde ähneln die Jungtiere zwar den adulten Tieren, jedoch weist der Körper andere Proportionen auf, die erst im Zuge der ersten Häutungen denen der adulten Tiere angeglichen werden. Insbesondere der Mittelleib ist aufgrund der Nahrungsvorräte deutlich größer. Ein weiterer Unterschied zu den adulten Tieren ist das Fehlen der Krallen an den Tarsen der Laufbeinpaare sowie das Fehlen der Behaarung. Bei den Dünenskorpionen zeigt sich eine ausgesprochen ausgefeilte Brutfürsorge. In der ersten Zeit werden die Jungtiere von der Mutter auf dem Rücken getragen. Den Rücken verlassen die Jungtiere erstmals nach ihrer ersten Häutung. Nach der ersten Häutung sind sie zudem voll entwickelt und weisen alle Merkmale der erwachsenen Dünenskorpione auf. Schutz suchen sie jedoch auch nach der ersten Häutung weiter auf dem Rücken der Mutter. Erst ab der zweiten Häutung lösen sich die Jungtiere nach und nach von der Mutter und werden selbständig. Ab der dritten Häutung ernähren sie sich selbständig und gehen auf die Jagd nach Beutetieren.

Anhang

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Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Spinnentiere (Arachnida)
  • Hauptartikel: die Ordnung der Skorpione (Scorpiones)

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge