Clubiona germanica

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Clubiona germanica

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Clubionoidea
Familie: Sackspinnen (Clubionidae)
Unterfamilie: Clubioninae
Gattung: Eigentliche Sackspinnen (Clubiona)
Art: Clubiona germanica
Wissenschaftlicher Name
Clubiona germanica
Thorell, 1870

Die Spinnenart Clubiona germanica gehört innerhalb der Familie der Sackspinnen (Clubionidae) zur Gattung der Eigentlichen Sackspinnen (Clubiona).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die kleine Spinnenart weist einen auffallend schlank geformten Körper auf, der insgesamt unscheinbar gefärbt und wenig gezeichnet ist. Sie erreicht eine Körperlänge von etwa fünf bis acht Millimeter. In der Körperform ähnelt diese Spinnenart vor allem den Drassodes-Arten. Sie hat aber konisch verjüngte Spinnwarzen, die sich in der Ruhelage zur Kegelform aneinanderlegen und so eine dichte Gruppe bilden, wobei die hinteren Spinnwarzen dünner als die vorderen Spinnwarzen sind. Die Spinnwarzen sind ziemlich lang und auffallend. Der Vorderkörper weist eine hell rotbraune Färbung mit dunklen Cheliceren auf. Der ovale bis spitz zulaufende Hinterkörper erscheint rotbraun und ist mit einer hellen kurzen Behaarung bedeckt. Vorn auf dem Hinterkörper ist ein dunkler Spießfleck zu erkennen. Das Rückenschild ist oval bis birnenförmig und der Kopfteil springt etwas hervor. Auf der Bauchseite liegt etwa in der Mitte zwischen den Lungenstigmen und den Spinnwarzen eine kleine Einsenkung (Tracheenstigma). Die Beine sind mäßig lang, eher schlank als gedrungen und weisen eine einfarbige Tönung auf. Die Beine besitzen zwei Klauen und an den äußeren Gliedern befinden sich Hafthaare. Alle Augen der Spinne erscheinen kreisrund. Die acht Augen sind klein, perlmuttfarben und in zwei Reihen angeordnet. Die Epigyne des Weibchens ist ähnlich wie bei der Spinnenart Clubiona lutescens, die bogenförmigen Gänge sind aber mehr gestreckt. Einer Unterscheidung ist fast immer nur nach Präparation der Genitalorgane möglich. Bei dem Weibchen ist außer der Epigyne auch der Verlauf der inneren Geschlechtsgänge ein wichtiges Merkmal. Die adulten Tiere findet man von Mai bis September.

Lebensweise

Clubiona germanica
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Clubiona germanica

Die Spinnenart weist eine wenig seßhafte Lebensweise auf. Tagsüber verbirgt sie sich in ihrem weißen Gespinstsack und geht bei Nacht auf Jagd. Die Beute wird dabei mit dem sehr empfindlich entwickelten Tastsinn aufgespürt. Dabei klettert und läuft die Spinne sehr vorsichtig umher und fängt alles, was freßbar erscheint. Aufgrund der Hafthaare, die sich an den äußeren Gliedern befinden, kann sie auch an glatten Flächen klettern. Da die Spinne kein Fangnetz baut, schleicht sie behutsam ihre Beute an und fängt sie dann. Das Weibchen legt ihre Eier auf ein Blatt, das sie mit Seide auskleidet. Sie knickt aber das Blatt nicht um, sondern rollt es leicht zigarrenförmig zur Unterseite ein und verspinnt es zu einer beiderseits offenen Gespinströhre. Das Weibchen bewacht die Eier so lange, bis die Jungspinnen ausschlüpfen. Die Lebensdauer dieser Spinnenart beträgt etwa ein Jahr.

Verbreitung

Die Art hält sich an weniger feuchten Orten auf. Sie ist vor allem an Waldrändern und im Gebüsch zu finden. In Mitteleuropa ist sie weit verbreitet, doch ist die Spinne nicht besonders häufig anzutreffen. Nach der Roten Liste in Deutschland ist sie gefährdet.

Ernährung

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Clubiona germanica

Tagsüber verbirgt sich die Spinne in ihrem weißen Gespinstsack und geht bei Nacht auf Jagd. Dabei klettert und läuft die Spinne sehr vorsichtig umher und fängt alles, was freßbar erscheint. Da die Spinne kein Fangnetz baut, wird die Beute mit dem sehr empfindlich entwickelten Tastsinn aufgespürt.

Fortpflanzung

Die Spinnenart wird im Frühjahr und im Frühsommer geschlechtsreif. Bei dieser Art wurde das Paarungsverhalten genauer untersucht. Das Männchen, das wie bei allen Clubiona-Arten deutlich längere Cheliceren als das Weibchen besitzt, sucht das Weibchen in seinem, in einem zusammengerollten Blatt angelegten Schlupfwinkel auf. Außer klopfenden Bewegungen findet keine Werbung statt. Das Männchen besteigt das Weibchen von vorn und umgreift mit seinen langen zugespitzten Cheliceren dessen Hinterleibsstiel. Dann läßt das Männchen sich seitlich am Körper der Partnerin herab und führt einen Taster ein. Die gesamte Paarung dauert etwa 90 Minuten. Dabei findet mehrfach, jeweils unter Wechsel auf die andere Körperseite des Weibchens, ein Tasterwechsel statt. Nicht alle Clubiona-Arten paaren sich übrigens in dieser Position. Bei der Art Clubiona trivialis zum Beispiel kriecht das Männchen nicht auf den Rücken, sondern bauchoben unter den Bauch seiner Partnerin und führt abwechselnd beide Taster ein. Nach der Paarung stellt das Weibchen in ihrem Schlupfwinkel kugelige Eikokons her. Nach dem Ausschlüpfen verbleiben die Jungspinnen noch längere Zeit - wohl bis zur nächsten Häutung - im Gespinst des Weibchens. Die Jungspinnen bauen schließlich dann ihre eigenen Wohnungen, überwintern dann halberwachsen und häuten sich im Mai des folgenden Jahres zum letzten Mal.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
  • Stefan Heimer, Wunderbare Welt der Spinnen, Landbuch-Verlag, 1988, Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1988 ISBN 3-7842-0382-0
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