Chinesischer Raupenpilz

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Chinesischer Raupenpilz

Systematik
Klasse: Sordariomycetes
Unterklasse: Hypocreomycetidae
Ordnung: Hypocreales
Familie: Ophiocordycipitaceae
Gattung: Ophiocordyceps
Art: Chinesischer Raupenpilz
Wissenschaftlicher Name
Ophiocordyceps sinensis
Gi-Ho Sung et al., 2007

Der Chinesische Raupenpilz (Ophiocordyceps sinensis), auch unter den Synonymen Sphaeria sinensis und Cordyceps sinensis sowie unter den Bezeichnungen Tibetischer Raupenpilz und Tibetischer Raupenkeulenpilz bekannt, zählt innerhalb der Familie Ophiocordycipitaceae zur Gattung Ophiocordyceps. Im Englischen wird der Chinesische Raupenpilz caterpillar fungus genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Chinesische Raupenpilz ist einer der am meisten geschätzten Arzneimittel-Pilze in China, der für seine belebende Wirkung bei der Stärkung des Körpers und für die Wiederherstellung von Energie verwendet wird. Der Pilz parasitiert Larven von Motten und mumifiziert das Insekt, aus dem dann der Pilz-Fruchtkörper wächst. Seit den späten 1950er Jahren wurden beträchtliche Anstrengungen zur Erforschung der Host-Insekten im Zusammenhang mit dem Pilz unternommen. Der Chinesische Raupenpilz ist ein Schlauchpilz und ist in China auch unter der Bezeichnung Dong Chong Xia Cao oder Hia Tsao Tong Tchong und in Tibet als yartsa gunbu oder yatsa gunbu bekannt. Der Pilz parasitiert die Larven der Motten, die zur Ordnung der Schmetterlinge (Lepidoptera) zählen, insbesondere die Arten aus den Gattungen Hepialus und Thitarodes. Das intakte Exoskelett der infizierten Larven wird in ein Sklerotium umgewandelt. Das Sklerotium ist eine dicht verflochtene und feste Mycelmasse, so dass die Larve Kälte und Trockenheit widerstehen kann und wird deshalb auch als Winter-Wurm bezeichnet. Im späten Frühjahr oder Sommer des nächsten Jahres wächst aus dem Sklerotium ein schlauchförmiger Fruchtkörper des Pilzes, so dass dieser im Boden wie ein Kraut erscheint und als Sommer-Gras bezeichnet wird. Als geschätztes chinesisches Kraut und Stärkungsmittel kann der Chinesische Raupenpilz eine lange Geschichte der Nutzung und eine hohe Reputation (Wert) sowohl in China als auch in anderen Ländern aufweisen. In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird angenommen, dass der Pilz die Lungen- und Nierenfunktion unterstützt. Neuere Studien zeigen, dass der Pilz vielfältige pharmakologische Wirkungen aufweist, einschließlich immunmodulierende, hypocholesterinämische, hypoglykämische Aktivitäten sowie als Anti-Tumor, Anti-Oxidation und Anti-Aging.

Verbreitung

Chinesische Raupenpilze
vergrößern
Chinesische Raupenpilze

Das Naturprodukt aus dem Chinesischen Raupenpilz für die medizinische Verwendung ist eigentlich eine Kombination des Pilzes und einer Insektenlarve. Der Pilz parasitiert unterirdisch im Bau von Mottenlarven und wandelt sie in Sklerotien um, aus denen die Fruchtkörper des Pilzes wachsen. Der Chinesische Raupenpilz ist auf dem tibetischen Plateau endemisch mit einer Verteilung über fünf Provinzen in China, das heißt, in Gansu, Qinghai, Sichuan, Tibet und in Yunnan. Der Chinesische Raupenpilz kann im alpinen Lebensraum auf Wiesen und zwischen Sträucherns in einer Höhe von 3.000 Meter bis zur Schneegrenze gefunden werden. Die natürliche Produktion des Pilzes ist aufgrund seiner strengen Wirtsspezifität und aufgrund seiner beschränkten geografischen Verbreitung sowie aufgrund der Übernutzung durch den Menschen in den letzten Jahrzehnten stark rückläufig. Der Chinesische Raupenpilz wird daher derzeit als bedrohte Art in der zweiten staatlichen Schutz-Klasse (Staatliche Forstverwaltung und Landwirtschaftsministerium 1999) geführt. Derzeit sind 57 Taxa als potentielle Wirte des Chinesischen Raupenpilz, einschließlich 1 Art aus der Gattung Bipectilus, 1 Art aus der Gattung Endoclita, 1 Art aus der Gattung Gazoryctra, 12 Arten aus der Gattung Hepialus, 2 Arten aus der Gattung Magnificus, 3 Arten aus der Gattung Pharmacis und 37 Arten aus der Gattung Thitarodes anerkannt. Der Höhenbereich dieser Insekten wurde eindeutig über 3.000 Meter gemeldet, dazu gehören zum Beispiel Hepialus gangcaensis, Thitarodes baimaensis, Thitarodes meiliensis, Thitarodes nebulosus, Thitarodes namnai, etc. Alle genannten Gattungen zählen zur Familie der Wurzelbohrer (Hepialidae). Es gibt 48 beschriebene Arten und leben vorwiegend in Ostasien. Die meisten Arten sind in der tibetischen Plateau-Region begrenzt. Die Larven dieser Gattung sind Wirte des Chinesischen Pilz und werden in der traditionellen chinesischen Medizin als Arzneimittel hoch geschätzt und sind bei der Behandlung einiger Krankheiten sehr wertvoll.

Naturgeschichte

Die Insektenwirts-Arten des Chinesischen Raupenpilz zählen zur Familie der Wurzelbohrer (Hepialidae). Seit den späten 1950er Jahren wurde sehr viel Aufwand in China betrieben, um die Insektenarten im Zusammenhang mit dem Pilz zu studieren. Im Jahr 1958 begannen Forscher im Institut für Zoologie, Chinesische Akademie der Wissenschaften, einige Bereiche der Provinzen Qinghai und Sichuan zu untersuchen. Der erste Bericht über Host-Insekten war von Hepialus armoricanus Oberthür (=Thitarodes armoricanus Oberthür, Chu 1965), gefolgt dann durch Untersuchungen von biologischen Merkmalen der Motte (Chen et al. 1973). Die Forschung der Wurzelbohrer-Vielfalt und Taxonomie wuchs in den 1980er Jahren in China rasant, was zu einer Reihe von Veröffentlichungen neuer Taxa ergab.
Chinesische Raupenpilze
vergrößern
Chinesische Raupenpilze
Darunter vier neue Gattungen, 71 neue Arten und eine Unterart (Chu und Wang 1985a, b, Liang et al. 1988, Wang 1990, Wu 1992, Li et al. 1993, Fu et al. 1991, 2002, Yang 1993, 1994, Yang et al. 1991a, 1992a, 1995, Liang 1995, Yang und Jiang 1995, Shen Zhou und 1997, Yan 2000, Wang et al. 2001, Chu et al. 2004, Zhang et al. 2007 und Tu et al. 2009). Es wurde eine Anzahl von Versuchen durchgeführt, um eine verschiedene Anzahl von Wirtsspezies dem Chinesischen Raupenpilz zuordnen zu können.

Zum Beispiel 5 von Yin (1987), 11 von Yin et al. (1991) ohne eine Namensliste, 22 und 23 von Jiang (1989, 1991, 2001), 22 von Chen und Jin (1992), 20 von Long (1992), 37 von Liu et al. (1995), 19 von Li (1996), 38 von Dong und Luo (1996), 31 von Wang et al. (1996) und 37 von Yang (1998). Vor Kurzem veröffentlichten Chu et al. (2004) einen Bericht über die Familien Hepialidae und Epiplemidae, in denen 7 Gattungen und 82 Arten oder Unterarten von Hepialidae in China aufgeführt waren und bei 14 Arten aus 6 Gattungen wurde angenommen, dass sie Wirte des Chinesischen Raupenpilz sind. Die Namen waren aber in dieser Liste nicht aufgeführt. Aber in zwei anderen neueren Publikationen (Liu et al. 2005, 2006) wurden 66 und 69 Insekten-Namen jeweils als Wirte des Pilzes aufgeführt. Aber ob diese nun Wirte des Pilzes sind oder nicht, darüber gibt es keine relevanten Informationen. Daher bleibt die Anzahl der Insektenwirte des Chinesischen Raupenpilz und das Verhältnis zwischen den Insekten und dem Pilz unklar. Um diese Situation zu klären, ist ein umfangreicher Überblick des Chinesischen Raupenpilz erforderlich, um all die Insekten-Namen im Zusammenhang mit dem Pilz in der Literatur zu sammeln und die Beziehung zwischen den Insektenarten und dem Pilz zu analysieren. Vor Kurzem wurde eine globale Bestandsaufnahme der Unterordnung Exoporia, bestehend aus den Überfamilien Mnesarchaeoidea und Hepialoidea, von Nielsen et al. (2000) vorgenommen, in denen die systematische Stellung von vielen Taxa überprüft und angepasst wurde.

Traditionelle Asiatische Medizin

Die medizinische Verwendung des Chinesischen Raupenpilz hat offenbar ihren Ursprung in Tibet. Bisher existiert nur ein altes bekanntes Exemplar, das im späten 14. Jahrhundert von einem tibetischen Arzt namens Zurkhar Nyamnyi Dorje geschrieben wurde. Doch einige tibetische Ärzte vermuten, dass seine Verwendung, aber unter verschiedenen Namen, noch weiter zurückliegen könnte. Eine schlüssige Forschung beruhend auf dieser Hypothese wurde noch nicht veröffentlicht. Die erste Erwähnung des Chinesischen Raupenpilz in der traditionellen chinesischen Medizin war in Wang Ang im Jahr 1694.

Chinesische Raupenpilze
vergrößern
Chinesische Raupenpilze

Der Pilz ist ein Arzneimittel-Pilz, der von den Praktikern in der tibetischen Medizin und in der chinesischen Medizin als Aphrodisiakum und in der Behandlung für eine Vielzahl von Beschwerden eingesetzt wird. Des Weiteren ist der Pilz eine ausgezeichnete Balance von Yin und Yang sowohl tierisch und als auch pflanzlich, obwohl er in Wirklichkeit kein Gemüse, sondern ein Pilz ist. Tests haben ergeben, dass viele Ophiocordyceps-Arten pharmakologisch wirksame Stoffe produzieren. Der Pilz wird nun im industriellen Maßstab für medizinischen Zwecke angebaut. Allerdings ist es noch nicht gelungen, in das Wachstum des Pilzes einzugreifen, künstlich Larven zu integrieren. Derzeit werden alle Produkte aus künstlichen Myzelien hergestellt. Einige Arbeiten wurden veröffentlicht, indem der Chinesische Raupenpilz verwendet wurde, um das Knochemark und den Verdauungstrakt von Mäusen vor Ganz-Körper-Bestrahlung zu schützen. Bei einem Experiment mit dem Chinesischen Raupenpilz konnte die Leber vor Schäden geschützt werden. Bei einem weiteren Experiment, das mit Mäusen durchgeführt wurde, stellte man fest, dass der Pilz sogar eine antidepressive Wirkung hat. Ferner stellten Forscher fest, dass der Chinesische Raupenpilz eine blutzuckersenkende Wirkung aufweist und vorteilhaft für Menschen mit Insulin-Resistenz ist. In der westlichen Welt war der Chinesische Raupenpilz noch bis vor 1993 völlig unbekannt.

Im ländlichen Tibet ist der Chinesische Raupenpilz zur wichtigsten Einkommensquelle geworden, was auch zum Nachteil der Ackerflächen führte, da diese nun brachliegen. Der Pilz trug 40 Prozent des jährlichen Einkommens in lokalen Haushalten und 8,5 Prozent zum BIP im Jahr 2004 bei. Die Preise haben kontinuierlich, vor allem seit den späten 1990er Jahren, zugenommen. Im Jahr 2008 wurde 1 Kilogramm für 3.000 US-Dollar (niedrigste Qualität) auf über 18.000 US-Dollar (beste Qualität, große und goldfarbene Larven) gehandelt. Im Jahr 2004 lag der Wert von 1 Kilogramm Raupenpilze zwischen 30.000 bis 60.000 Nepalesische Rupien und in Indien etwa über 100.000 Indische Rupien. Im Jahr 2011 lag der Wert bei 1 Kilogramm Raupenpilze bei etwa 350.00 bis 450.000 Nepalesiche Rupien. Der Preis für den Chinesischen Raupenpilz ist auf dem tibetischem Hochplateau dramatisch gestiegen. Wegen seines unglaublichen Wertes haben die Konflikte innerhalb der Dörfer zugenommen und spielte auch eine große Rolle im nepalesischen Bürgerkrieg, als die nepalesischen Maoisten und Regierungstruppen sich um die Kontrolle des lukrativen Exportgeschäfts während der Juni-Juli-Erntezeit stritten. Das Sammeln des Chinesischen Raupenpilz wurde erst im Jahr 2001 legalisiert und jetzt ist die Nachfrage in den Ländern wie China, Thailand, Vietnam, Korea und in Japan am höchsten. Bis 2002 wurde der Chinesische Raupenpilz pro Kilogramm mit 105.000 Rupien ($ 1.435) ausgewiesen, so dass die Regierung eine Lizenzgebühr von 20.000 Rupien ($ 280) pro Kilogramm berechnete.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Pilze (Fungi)

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge