Buschzaunkönig

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Buschzaunkönig

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Teilklasse: Neoaves
Parvklasse: Passerae
Überordnung: Passerimorphae
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Parvordnung: Passerida
Überfamilie: Sylvioidea
Familie: Baumläufer (Certhiidae)
Unterfamilie: Troglodytinae
Gattung: Thryomanes
Art: Buschzaunkönig
Wissenschaftlicher Name
Thryomanes bewickii
Audubon, 1827

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Buschzaunkönig (Thryomanes bewickii) zählt innerhalb der Familie der Baumläufer (Certhiidae) zur Gattung der Thryomanes. Der Buschzaunkönig wurde zu Ehren des englischen Grafikers und Holzschneiders Thomas Bewick (1753-1828) nach ihm benannt. Die englische Bezeichnung des Buschzaunkönigs lautet Bewick's Wren.

Der Buschzaunkönig sieht dem größeren Carolinazaunkönig (Thryothorus ludovicianus) sehr ähnlich. Allerdings bestehen zwischen den zwei genannten Arten einige Unterscheidungsmerkmale. Der Carolinazaunkönig (Thryothorus ludovicianus) zeigt eine gegerbte Unterseite und die kaudalen Außenfedern weisen keine weißliche Färbung an den Enden auf.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Buschzaunkönig erreicht eine Körperlänge von etwa 13 Zentimetern, eine Flügelspannweite von 18 Zentimetern sowie ein Gewicht von etwa acht bis zwölf Gramm. Der Rücken ist braun bis fahlrot gefärbt, während die Unterseite eine gräuliche bis weißliche Färbung zeigt. Die Federn weisen weniger Flecken auf als bei den anderen Zaunkönig-Arten. Sein langer fächerförmiger Schwanz ist bräunlich getönt und weist feine schwärzliche Streifen auf. Die kaudalen Außenfedern besitzen weißlich gefärbte Enden. Die Brust, der Scheitel sowie der Nacken sind brauner gefärbt als der Rücken. Man kann einen deutlichen langen weißlich getönten Überaugenstreif erkennen, der von der Schnabelbasis bis zum Nacken reicht. Die Wangen sind weißlich gefärbt und weisen braune feine Flecken auf. Das Kinn und die Kehle zeigen eine weißliche Tönung. Der dünne und spitze Schnabel ist leicht nach unten gebogen. Der Oberschnabel ist von dunkler Farbe, während der Unterschnabel etwas hellblau getönt ist. Die Augen weisen eine dunkle Tönung auf. Die Extremitäten sind deutlich bräunlich geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorne zeigen. Das Männchen und das Weibchen sehen sich ziemlich ähnlich. Die Jungvögel ähneln den Altvögeln, wobei die Brust durch die umsäumten dunklen Federn eher geschuppt wirkt. Es finden sich mehrere Unterarten, die je nach Verbreitungsgebiet eine unterschiedliche Färbung im Gefieder aufweisen.

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Der Buschzaunkönig vollführt einen schwachen und schwingenden Flug mit einem wenig tiefen Flügelklopfen. Die Flüge erfolgen für gewöhnlich auf kurzen Distanzen und ziemlich in der Nähe des Bodens. Der Gesang des Buschzaunkönigs variiert je nach Lebensraum. Der Gesang ist ein Summen oder ein hochgestelltes und gedämpftes Schwatzen, oft verglichen mit dem Gesang der Singammer (Melospiza melodia). Man kann eine Reihe gepfiffener Sätze und Triller hören. Die Rufe umfassen ein dumpfes "jip", ähnlich einer Taube und die Alarmrufe klingen rauh und disharmonisch. Der Gesang selbst umfaßt drei Teile: Zuerst eine schnelle und hohe Ouvertüre mit zwei Anmerkungen oder mehr, danach einige niedrige Anmerkungen minderer Qualität und zum Schluß ein delikates Trillern. Das Repertoire der Jungvögel entwickelt sich vor dem Ende des ersten Winters. Dieses Repertoire behalten sie führ ihr ganzes Leben bei. Die Jungvögel lernen die Gesänge von den Männchen der benachbarten Territorien und nicht von ihrem Vater.

Lebensweise

Der Buschzaunkönig sucht seine Nahrung in den Unterhölzern und auf dem Boden, wo er wirbellose Tiere erbeutet. An den niedrig hängenden Zweigen und an den Baumstämmen sondiert er die Rinde mit seinem feinen, leicht gebogenen, spitzen Schnabel nach Insekten, die er zwischen den Spalten der Rinde pickt und extrahiert. Wenn er am Boden auf Nahrungssuche ist, dann wühlt er mit seinem Schnabel im Laub, wobei er aber nicht mit seinen Füßen am Boden scharrt. Der Buschzaunkönig ist immer in Bewegung, wenn er auf Nahrungssuche ist, dabei macht er von Ast zu Ast kleine Sprünge. Er klammert sich manchmal an der Rinde fest und hüpft dann am Baumstamm hoch. Es kommt auch vor, dass der Buschzaunkönig kopfüber am Zweig hängend nach Beute Ausschau hält.
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Außer der Reproduktionszeit folgt der Buschzaunkönig dem Zug gemischter Gruppen, die auf Nahrungssuche sind. Da der Buschzaunkönig das ganze Jahr über sein Territorium verteidigt, steht er mit der vertrauten Singammer (Melospiza melodia) und mit anderen Zaunkönig-Arten ständig im territorialen Konflikt. Der sehr aktive Vogel hüpft in seinem Territorium ständig mit aufgestelltem Schwanz von Zweig zu Zweig oder flattert längsseitig von einem Ast zum anderen Ast, auf dem Boden hüpft er zwischen niedriger Vegetation hin und her und in schnellen Bewegungen flattert er dann auf den nächsten höher liegenden Zweig, um so einen besseren Überblick über sein Revier zu erhalten. Die Brutsaison beginnt für gewöhnlich im April. Wenn die Vögel sesshaft sind, bilden sie Paare und Territorien, die schon seit Ende des Winters abgesteckt wurden. Wenn die Vögel migriert sind, bilden sie erst Paare, wenn sie die Brutplätze erreicht haben. Das Männchen singt während dieser Zeit von einem ausgewählten Platz aus sehr viel und oft sehr hoch, um das Weibchen anzulocken. Das Männchen und das Weibchen ernähren sich an unterschiedlichen Plätzen. So ist das Männchen in den höher liegen Zweigen zu finden als das Weibchen, das die Gebüsche am Boden vorzieht. Die beiden Geschlechter bringen mehrere Rufarten hervor. Das Männchen singt, um das Weibchen anzulocken und sein Territorium abzustecken und auch zu verteidigen und das Weibchen singt, wenn es bereit ist, sich dem Männchen anzuschließen. Nach der Brutsaison sind die Gesänge des Männchens kaum zu hören und auch das Territorium wird nicht mehr so vehement verteidigt. Jeder der Partner besitzt dann im Winter sein eigenes Revier. Wenn der Buschzaunkönig sich bedroht fühlt, versteckt er sich in den Gebüschen oder im Unterholz. Manchmal greift er die Nester seiner Artgenossen an. Aber es kommt auch vor, dass selbst die Artgenossen seine Brut dann zerstören. Der Buschzaunkönig kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von etwa acht Jahren erreichen.

Unterarten

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Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Buschzaunkönigs reicht vom Süden Britisch-Kolumbien bis in den Süden von Mexiko. Die Art brütet entlang der Pazifischen Küste und auch im Süden von Wyoming bis zum mittleren Missouri und in Richtung Süden bis nach Arizona, im Osten von Texas sowie im Süden von Mexiko. Einige nördliche Populationen ziehen im Winter in den Süden oder halten sich in geringen Höhen auf. Der Buschzaunkönig lebt in den Unterhölzern sowie in Dickichten, in Strauchsavannen, in offenen Savannen sowie in Buschwäldern. Er besucht oft menschliche Siedlungen und man kan den Buschzaunkönig in Wohngebieten großer Städte finden. Im allgemeinen ist er in der Nähe von Flussläufen anzutreffen.

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Ernährung

Der Buschzaunkönig ernährt sich hauptsächlich von Wirbellosen wie Wanzen (Heteroptera), Käfer (Coleoptera), Bienen (Apiformes) und Wespen (Vespinae), die Raupen von verschiedenen Schmetterlingen (Lepidoptera) und Spannern (Geometridae) sowie von Spinnentieren (Arachnida). Er verbraucht auch einige Pflanzenfette während des Winters.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit und Brutsaison finden in den Monaten von Mitte April bis Mitte Mai statt. Das Nest wird an unterschiedlichen Plätzen in natürlichen oder künstlichen Hohlräumen, in Mauerspalten oder zwischen Steinmauern und sogar in Nistkästen errichtet. Aber der Buschzaunkönig kann auch an ganz anderen erstaunlichen Stellen Nester anlegen, wie zum Beispiel in Konservendosen, in Taschen oder in Ärmeln von Kleidungsstücken oder in Körben. Das Nistmaterial hängt von der Lokalisierung des Nestes ab. Die Vögel verwenden alles an Nistmaterial, was sie in der Umgebung des Nestes finden können. Das Nest befindet sich im allgemeinen in der Nähe des Bodens oder unter den Wurzeln der Bäume in den bewaldeten Zonen. Die beiden Partner bauen ein schalenförmiges Nest, das außen mit Zweigen, Blättern, Gräsern und Wurzelfasern konstruiert ist. Die Nistmulde wird mit Federn und mit Tierhaaren, aber manchmal auch mit Fetzen von Schlangehaut ausgepolstert.

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Das Weibchen legt fünf bis sieben weiße Eier, die mit braunen oder violetten Punkten bedeckt sind. Die Inkubation dauert ungefähr 14 bis 16 Tage und wird nur vom Weibchen gewährleistet. Während dieser Zeit wird das Weibchen vom Männchen mit Nahrung versorgt. Nach dem Schlupf werden die Küken dann von dem Weibchen und von dem Männchen ausreichend mit Nahrung in Form von Insekten (Insecta), Würmern und mit Raupen gefüttert. Nach etwa 14 bis 16 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest. Sie verweilen aber noch zwei Wochen in der Nähe des Nestes. Manchmal werden die Jungvögel immer noch gefüttert, während das Weibchen schon ihr zweites Gelege in das Nest ablegt. Es kann pro Jahr zu zwei Bruten, manchmal kann es im Süden auch zu drei Jahresbruten kommen. Die Jungvögel ähneln den Altvögeln, wobei die Brust durch die umsäumten dunklen Federn eher geschuppt wirkt. Die Lebenserwartung des Buschzaunkönigs kann unter günstigen Umständen in der Natur etwa acht Jahre betragen.

Gefährdung und Schutz

Der Buschzaunkönig gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd von über 3.300.000 Quadratkilometern. Die globale Population wird auf etwa 6.000.000 Buschzaunkönige (Rich et al. 2003) geschätzt. Die globalen Populationen sind nicht quantitativ bestimmt worden, aber vieles spricht für eine Abnahme der Populationen (Sibley, 2003). In der Roten Liste der IUCN wird der Buschzaunkönig als least concern (nicht gefährdet) geführt.

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Die natürlichen Fleischfresser des Buschzaunkönigs sind hauptsächlich Schlangen (Serpentes) und Greifvögel (Falconiformes). Die Populationen des Buschzaunkönigs sind abnehmend. Der intensive Wettbewerb mit anderen Zaunkönig-Arten, die Brut und Nester anderer Vögel zerstören, spielt eine wichtige Rolle bei diesem Rückgang. Die eingeführten Arten wie der Star (Sturnus vulgaris) und der Haussperling (Passer domesticus) sowie der Carolinazaunkönig (Thryothorus ludovicianus) und die Singammer (Melospiza melodia) benutzen ebenfalls denselben Nesttyp. Aber die Ursache des Rückgangs der Populationen ist noch nicht ganz geklärt. Der Verlust des Lebensraumes ist für gewöhnlich die Hauptursache der Rückgänge, aber in diesem Fall, nutzen die Veränderungen des Lebensraumes eher der Art, indem sie mögliche Hohlräume hinzufügen, um zu nisten. Lokale Viehseuchen sind auch ohne große Überzeugung erwähnt worden. Es scheint wirklich, dass der Hauptgrund des Rückganges mit dem harten Wettbewerb für Nistplätze und die Nahrung mit den anderen schon erwähnten Arten eng in Zusammenhang steht. Die Populationen sind jetzt auf einem ziemlich niedrigen Niveau und können noch mehr abnehmen. Auch wenn der Buschzaunkönig in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet deklariert wird, so ist er doch in zahlreichen Teilen seines Lebensraumes als gefährdet und bedroht anzusehen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049

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