Brillensichler

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Brillensichler

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Schreitvögel (Ciconiiformes)
Familie: Ibisse (Threskiornithidae)
Gattung: Plegadis
Art: Brillensichler
Wissenschaftlicher Name
Plegadis chihi
Vieillot, 1817

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Brillensichler (Plegadis chihi) zählt innerhalb der Familie der Ibisse (Threskiornithidae) zur Gattung Plegadis.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Brillensichler erreicht eine Länge von 46 bis 60 Zentimeter, eine Schnabellänge von gut 16 bis 18 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 95 bis 100 Zentimeter sowie ein Gewicht von 450 bis 520 Gramm. Weibchen bleiben insgesamt kleiner und leichter als Männchen, ansonsten weisen die Geschlechter keinen Dimorphismus auf. Die südamerikanischen Population sind kleiner als die nordamerikanischen. Das Gefieder weist eine bräunliche bis kastanienbraune Grundfärbung auf. Je nach Lichteinfall schimmert das Gefieder an den Flanken metallisch grün. Während der Paarungszeit geht die Gefiederfärbung deutlich ins Kastanienbraune über. Der Kopf und der Hals ist mit kleinen weißen Federchen durchsetzt.
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Das Gesicht ist an den unbefiederten Stellen rötlich bis purpurrot gefärbt. Eine ähnliche Färbung weisen die langen Extremitäten auf, die langen Zehen enden in kräftigen Krallen. Der lange und schwach nach unten gebogene Schnabel ist überwiegend gräulich gefärbt, nur der Schnabelansatz kann eine dunkelgraue Färbung aufweisen. Die Iris der Augen ist kräftig rot gefärbt, die Pupille weist eine dunkelbraune Färbung auf.

Lebensweise

Brillensichler leben gesellig in größeren Gruppen. Dies gilt sowohl für die Paarungszeit als auch für die Zeit in den Winterquartieren. Brillensichler leben immer in unmittelbarer Nähe zu einem Gewässer oder in einem Sumpfgebiet. Bietet ein Habitat nicht mehr genügend Nahrung, so ziehen ganze Gruppen geschlossen weiter. Man kann sie also durchaus als nomadisch wandernd bezeichnen. Sie gelten als sehr gute und ausdauernde Flieger, Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h können leicht erreicht werden. Auf den Flügen in die Winterquartiere fliegen sie in V-Formation. Pro Tag werden beachtliche Entfernungen zurückgelegt. Pausen legen Brillensichler auf ihren Zügen nur kurze und wenige ein. Auch wenn Brillensichler n Kolonien brüten, so sind sie dennoch territorial. Sie verteidigen ein kleines Revier rund um ihr Nest. Das Revier umfasst meist einen Radius von zwei bis drei Meter. Dieser kleine Bereich wird von Männchen und Weibchen gegenüber Artgenossen und Fleischfressern verteidigt.

Verbreitung

Brillensichler sind in weiten Teilen Nord- und Mittelamerikas sowie in Südamerika verbreitet. Dabei handelt es sich um zwei von einander getrennten Populationen, die jedoch keine separaten Unterarten darstellen. In der nördlichen Hemisphäre liegen die Brutgebiete im südlichen Kanada, in den USA und in Mexiko. Brillensichler sind überwiegend an Küstenlinien beheimatet, jedoch sind sie auch im Binnenland an diversen Gewässern anzutreffen. Die nördlichen Populationen gelten als Zugvögel, die im Herbst in den Süden ziehen. Die Winterquartiere liegen im südlichen Mexiko sowie in weiten Teilen Mittelamerikas. In Mittelamerika sind Brillensichler vor allem in Guatemala und Honduras häufig anzutreffen. In Südamerika sind Brillensicher von Kolumbien und Venezuela bis ins südliche Brasilien und Bolivien verbreitet. Hier gelten die Populationen in der Regel als Standvögel. Als Lebensraum kommen nur wasserreiche Habitate in Frage. Brillensichler sind sowohl an den Küsten der Meere als auch im Binnenland an Flüssen, Überschwemmungsregionen, landwirtschaftlichen Flächen, an Seen und Teichen mit ausreichend Flachwasser sowie in Sumpfgebieten anzutreffen. Die Brutplätze liegen in dichter Ufervegetation. Brillensichler meiden keineswegs die Nähe zum Menschen. Dies wird den Vögeln in weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete zum Verhängnis, da sie von Menschen bejagt werden. Die meisten Brillensicher sind auf Meereshöhe anzutreffen, lokale Populationen leben jedoch auch in Mittelgebirgslagen in Höhen von 2.000 bis 2.500 Meter über NN.

Prädatoren

Als Bodenbrüter sind vor allem die Eier und die Küken der Brillensichler meist schutzlos Raubtieren ausgesetzt. Auf die Küken, Jungvögel oder Eier haben es vor allem Möwen (Laridae), Nordamerikanische Waschbären (Procyon lotor), Östlicher Fleckenskunk (Spilogale putorius), Kolkraben (Corvus corax), Elstern (Pica Pica), Nachtreiher (Nycticorax nycticorax), Kojoten (Canis latrans), Streifenskunks (Mephitis mephitis), Langschwanzwiesel (Mustela frenata). Größere Greifvögel (Falconiformes) wie Wanderfalken (Falco peregrinus) oder Rotschwanzbussarde (Buteo jamaicensis) haben es auch auf erwachsene Vögel abgesehen. Der Hauptfeid ist und bleibt allerdings der Homo Sapiens, der den Vögel insbesondere wegen ihres Fleisches nachstellt. Das Brüten in Kolonien bietet den Brillensichlern einen gewissen Schutz. Vor allem in größeren Kolonien warnen sich die Vögel bei Gefahr gegenseitig. Beide Geschlechter setzen sich zudem vehement für die Verteidigung des Nestes und der Brut ein. Dennoch fallen in jeder Saison eine große Zahl von Jungvögeln zum Opfer.

Ernährung

Brillensichler mit Beutetier
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Brillensichler mit Beutetier

Der Brillensichler ernährt sich fast ausschließlich von tierischer Nahrung. Er schreitet bei der Nahrungssuche durch seinen Lebensraum und pickt und stochert nach Nahrung. Auch im Wasser sucht er nicht selten nach langsam schwimmender und lohnender Beute. Hier begibt er sich allerdings nur ins Flachwasser, das eine Tiefe von bis zu 20 Zentimeter aufweist. Der Brillensichler bevorzugt unter anderem Schnecken (Gastropoda), Insekten (Insecta) aller Art und deren Larven, Würmer, Spinnentiere (Arachnida) , kleine Reptilien (Reptilia) und Amphibien (Amphibia) sowie kleine Fischchen (Pisces), Krebstiere (Crustacea) und Egel (Hirudinea). Die Art der Nahrung kann saisonal stark schwanken. Auf Nahrungssuche geht der Brillensichler in großen Gruppen von meist einigen Hundert Vögel in den frühen Morgen- und Abendstunden.

Fortpflanzung

Der Brillensichler erreicht die Geschlechtsreife mit gut zwei Jahren. Je nach Verbreitungsgebiet erstreckt sich die Paarungszeit über verschiedene Zeiten. In der nördlichen Hemisphäre beginnt die Paarungszeit im April und kann sich bis in den Juni hinein erstrecken. In den südlichen Regionen beginnt die Paarungszeit im November. Während der Brutzeit kommt es in allen Verbreitungsgebieten nur zu einem Gelege. In den nördlichen Regionen geginnt die Balz unmittelbar nach dem Eintreffen in die Brutgebiete. Wie alle Ibisse, so brüten auch Brillensichler in zum Teil riesigen Kolonien. Die einzelnen Nester befinden sich dabei in unmittelbarer Nähe zueinander.
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Die Paarbindung erfolgt in der Regel in den Brutgebieten, in einigen Fällen kann es auch in den Winterquartieren zur Paarbindung kommen. In diesen Fällen fällt die Balz in den Brutgebieten kurz und schmerzlos aus und das Paar macht sich gleich an den Nestbau.

Der Nistplatz wird ausschließlich vom Weibchen gewählt, das Nest wird hauptsächlich vom Weibchen errichtet, das Männchen kümmert sich um die Verteidigung des Brutplatzes. Das Nest entsteht in dichter Vegetation in unmittelbarer Nähe zu einem Gewässer und besteht überwiegend aus Pflanzenteilen. In das fertige Nest legt das Weibchen zwischen drei und sieben, durchschnittlich jedoch nur zwischen drei und vier blaugrüne Eier. Die Ablage der einzelnen Eier erfolgt im Abstand von knapp zwei Tagen. Ein Ei weist eine Größe von 51 mal 36 Millimeter sowie ein Gewicht von rund 30 Gramm auf. Das Wärmen der Eier wird von beiden Elternteilen übernommen. Männchen wärmen die Eier überwiegend am Tage, Weibchen während der Nacht. Die Brutdauer erstreckt sich über rund 20 bis 22 Tage.

Die geschlüpften Küken gelten aus Nesthocker und werden von beiden Eltern mit Nahrung versorgt. Bei der Nahrung handelt es sich um einen vorverdauten Nahrungsbrei, der von den Eltern hochgewürgt wird. Die zuletzt geschlüpften Küken unterliegen einer hohen Mortalität. Nicht selten sterben von den zuletzt geschlüpften Küken 50 Prozent und mehr. Die größten Überlebenschancen haben in der Regel die beiden erstgeschlüpften Küken. Der Nachwuchs erreicht in der fünften oder Anfang der sechsten Lebenswoche die Flugfähigkeit. Sie werden jedoch noch weitere drei bis vier Wochen von den Eltern umsorgt, ehe sie die Selbständigkeit erlangt haben. Dies ist zumeist im Alter von zwei Monaten der Fall. Die Lebenserwartung eines Brillensichlers liegt unter günstigen Umständen bei acht bis neun Jahren. In Gefangenschaft kann durchaus ein Alter von bis zu 14 Jahren erreicht werden.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Brillensichler sind in der Nähe des Menschen nicht gerne gesehen. Sie stehen zum einen in Nahrungskonkurrenz zum Menschen und können auf der anderen Seite auf Feldern erheblichen Schaden anrichten, da sie mit ihren Füßen bei massenhaftem Auftreten Getreide in großen Umfang niedertreten können. Da sie aber auch große Mengen an Schädlingen vertilgen, insbesondere Insekten und Schnecken, sind sie durchaus auch nützliche Vögel. Landwirte sehen freilich nur die negativen Seiten des Brillensichlers. Die Vögel sind in fast allen Verbreitungsgebieten noch häufig anzutreffen. Daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)

Literatur und Quellen

Links

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