Braunkehlchen

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Braunkehlchen
Männchen im Frühjahr

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)
Unterfamilie: Eigentliche Fliegenschnäpper (Muscicapinae)
Tribus: Saxicolini
Gattung: Wiesenschmätzer (Saxicola)
Art: Braunkehlchen
Wissenschaftlicher Name
Saxicola rubetra
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Braunkehlchen (Saxicola rubetra) zählt innerhalb der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae) zur Gattung Wiesenschmätzer (Saxicola). Das Braunkehlchen wurde 1987 zum Vogel des Jahres erklärt.

Das Braunkehlchen ähnelt in Größe und Färbung dem Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe), dem Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) und dem Europäischen Schwarzkehlchen (Saxicola rubicola) und wird mit den genannten drei Arten leicht verwechselt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Das Braunkehlchen ist kleiner als der Haussperling (Passer domesticus) und der Schwanz ist im Verhältnis zum Körper ziemlich kurz geraten. Das Braunkehlchen erreicht eine Körperlänge von etwa 12 bis 13 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 21 bis 24 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 16 bis 24 Gramm. Im Frühjahr ist das Männchen ein hübsch gemusterter und farbenprächtiger Vogel. So weist das Männchen im Frühjahr eine braune, stark gestreifte Oberseite auf. Des weiteren zeigen sich eine weiße Flügelbinde sowie ein weißes Feld auf den Handdecken. An den Seiten der Schwanzwurzel befindet sich je ein weißes Feld. Im Gesicht zeigen sich ein auffälliger Überaugenstreif sowie dunkelbraune Ohrdecken, die nach unten durch einen weißen Streifen von der hell rostbraunen Kehle abgesetzt sind. Die Wangen sind fast schwarz und weiß gesäumt. Der Schnabel ist kurz, spitz und kräftig und weist auf der Oberseite und Unterseite eine dunkelgraue bis schwarze Färbung auf. Die Brust und die Flanken sind ebenfalls hell lebhaft rotbraun bis rahmfarben getönt. Der Bauch weist eine helle weißliche bis gelbliche Färbung auf. Das Weibchen ist insgesamt matter gefärbt. Die Ohrdecken sind nicht so deutlich dunkelbraun abgesetzt. Der Überaugenstreif ist beim Weibchen gelblich statt weißlich. Die Unterseiten sind weniger lebhaft gefärbt. Das Weiß ist am Schwanz nicht so deutlich abgesetzt wie bei dem Männchen. Der Oberkopf und die Wangen sind bei dem Weibchen im Frühjahr gestreift. Ebenfalls ist auf jeder Schwanzseite ein weißes Dreieck zu sehen. Im Herbst sind auch beim Männchen die Überaugenstreifen gelblich gefärbt, dann ist die Unterscheidung der Geschlechter nicht immer möglich. Der Oberkopf ist bei dem Männchen im Herbst dunkel gefärbt.
Braunkehlchen - Männchen im Frühjahr
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Braunkehlchen - Männchen im Frühjahr
Des weiteren ist die Kehle heller und auf dem hellbraunen Rücken zeigen sich schwarze Streifen. Die Extremitäten sind im allgemeinen dunkelgrau bis schwarz geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei nach vorn. Die Jungvögel weisen im ersten Winter keine weißen Flügelflecken und die Unterseite ist gelblich beige getönt. Im Gesicht ist ein heller Überaugenstreif zu erkennen. Der Flug ist kurz, niedrig, flatternd und recht schnell. Gewöhnlich sitzt das Braunkehlchen gerne auf einem höheren isolierten aufrechten Stängel oder auf höheren Halmen sowie auf Weidezäunen. Der Ruf klingt bei Störung weich "jü" oder "djü" sowie hart rotschwanzähnlich "tik tik". Der Gesang besteht aus kurzen Strophen und wird im schnellen Tempo vorgetragen mit abwechselnd harten, knirschenden, schwatzenden und rauhen Tönen sowie Pfeiftönen, die aber auch manchmal melodisch klingen. Mitunter imitiert das Braunkehlchen gerne andere Vogelstimmen wie zum Beispiel die Grauammer (Emberiza calandra; Miliaria calandra), den Kanarienvogel (Serinus canaria), die Finken (Fringillidae) oder die Meisen (Paridae). Das Braunkehlchen kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von etwa fünf Jahren erreichen.




Unterarten

Verbreitung

Braunkehlchen - Weibchen
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Braunkehlchen - Weibchen

Das Braunkehlchen ist in Europa ein Sommervogel, mit Ausnahme Griechenlands und einigen Teilen Spaniens, Italiens, und Islands sowie dem nördlichen Fennoskandien. In Irland fehlt das Braunkehlchen gänzlich. Nach Osten bis Westsibirien und Mittelsibirien ist das Braunkehlchen häufig anzutreffen. In Deutschland ist es weit verbreitet, aber dafür vielfach gefährdeter. Das Braunkehlchen ist ein Brüter des Tieflandes. Des weiteren ist es ein Langstreckenzieher, ausnahmsweise März, meist April bis Oktober und ein Durchzügler, der sich an der Küste, auf Äckern und Brachflächen sowie in offenem Grasland und in Feuchtgebieten aufhält. Die Winterquartiere liegen im tropischen Afrika.

Das Braunkehlchen brütet in offenen Wiesenlandschaften mit viel Gras und Heide, die nicht sehr intensiv genutzt werden, zum Beispiel auf Streuwiesen, Ödland, Brachflächen, Weiden, Bahndämmen, aber auch in Jungfichtenkulturen. Das Braunkehlchen ist ein Graslandvogel, daher ist es wichtig, dass grössere feste Halme oder kleine Büsche als offene etwas erhöhte Sitzwarten nahe dem Boden vorhanden sind. Ungepflegtes Gründland wird in der modernen Landwirtschaft und um Wohnbereiche nicht toleriert, und so wird das Braunkehlchen hinauskultiviert.

Ernährung

Das Braunkehlchen fliegt von einer Warte aus, um Insekten (Insecta) und deren Larven, Ringelwürmer (Annelida), Schnecken (Gastropoda), Spinnentiere (Arachnida) aufzunehmen. Hin und wieder ernährt er sich auch von Beeren.

Braunkehlchen - Männchen bei der Fütterung
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Braunkehlchen - Männchen bei der Fütterung

Fortpflanzung

Die Paarungszeit und Brutsaison beginnt in den Monaten von Mai bis Juli und September und es bilden sich sogenannte Familiengruppen. Während dieser Zeit kann es zu ein oder zwei Jahresbruten kommen. Das Männchen sitzt meist auf einer Ansitzwarte und kommt nur herunter, wenn er ein Insekt auf dem Boden erspäht. Es ist ein unermüdlicher Sänger. Im Laufe der Balz steht das Männchen mit hängenden Flügeln, ausgebreitetem und leicht aufgerichtetem Schwanz sowie erhobenem Kopf und vorgewölbter Brust vor dem Weibchen und trägt seinen melodischen Gesang vor. Auch während das Weibchen die Eier wärmt, bewacht das Männchen das Weibchen und das Gelege, indem es laut singt. Das Grasnapf wird in einer Grasbülte am oder dicht über dem Boden gut versteckt in dichter Vegetation errichtet. Das Weibchen legt vier bis sieben bläulich-grüne Eier in das Nest. Die Eier werden von dem Weibchen 13 bis 15 Tage lang gewärmt. Die Jungvögel werden von dem Weibchen und Männchen zwei Wochen lang im Nest mit Nahrung in Form von Insekten gefüttert. Die Jungvögel sind etwa drei bis vier Tage später flügge. Im ersten Winter weisen die Jungvögel keine weißen Flügelflecken auf. Des weiteren ist die Unterseite gelblich beige getönt und im Gesicht ist ein heller Überaugenstreif zu erkennen. Die Lebenserwartung des Braunkehlchens liegt unter günstigen Umständen in der Natur etwa bei fünf Jahren.

Braunkehlchen - Männchen mit Insekt
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Braunkehlchen - Männchen mit Insekt

Gefährdung und Schutz

Auch wenn das Braunkehlchen in der Roten Liste der IUCN als least concern (nicht gefährdet) geführt wird, so nimmt der Bestand der Populationen beängstigend ab. Die Modernisierung der Landwirtschaft ist die Hauptursache ihres Rückgangs: an vielen Stellen sind seine lebenswichtigen Habitate in intensiven Kulturen umgewandelt worden. In der Vergangenheit wurden die Wiesen nicht vor Mitte Juni nach dem Abfliegen der jungen Braunkehlchen gemäht. Heute findet das Heumachen oft schon im Mai statt, und viele am Boden gebaute Nester, werden dann zerstört. So wird das Braunkehlchen zu einem Symbol einer grundsätzlichen Umwälzung in unserer Agrarlandschaft. Sein Überleben hängt wie das manch anderer Wiesenbrüter davon ab, ob es gelingt, einen bestimmten Prozentsatz der landwirtschaftlichen genutzten Flächen weiterhin einer traditionellen und daher schonenden Nutzungsform zu unterstellen. Das Braunkehlchen ist wiederum ein Argument dafür, weitere Entwässerungen von Feuchtgebieten aller Art endlich einzustellen.

Galerie

Anhang

Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

Links

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