Braune Breitfußbeutelmaus

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Braune Breitfußbeutelmaus

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Beutelsäuger (Metatheria)
Ordnung: Raubbeutlerartige (Dasyuromorphia)
Familie: Raubbeutler (Dasyuridae)
Unterfamilie: Dasyurinae
Tribus: Phascogalini
Gattung: Breitfuß-Beutelmäuse (Antechinus)
Art: Braune Breitfußbeutelmaus
Wissenschaftlicher Name
Antechinus stuartii
Macleay, 1841

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Braune Breitfußbeutelmaus (Antechinus stuartii) zählt innerhalb der Familie der Raubbeutler (Dasyuridae) zur Gattung der Breitfuß-Beutelmäuse (Antechinus). Im englischen wird die Braune Breitfußbeutelmaus Brown Antechinus, Stuart's Antechinus oder Macleay's Marsupial Mouse genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Braune Breitfußbeutelmaus erreicht je nach Geschlecht eine Kopf-Rumpf-Länge von 7 bis 14 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 6,5 bis 11 Zentimeter sowie ein Gewicht von 20 bis 70 Gramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Das dichte aber kurze und grob wirkende Fell weist dorsal und lateral eine graubraune Grundfärbung auf. Ventral ist das Fell cremefarben gefärbt. Markantes Merkmal ist der lange und im Wesentlichen nur spärlich behaarte Schwanz sowie der spitz zulaufende Schädel. Die sichtbare Haut im Schnauzenbereich ist leicht rosafarben gefärbt. Im Bereich der Schnauzenspitze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Die kräftig wirkenden Extremitäten sind relativ kurz und enden an den Füßen in jeweils fünf Zehen, die kleine Krallen aufweisen. Die recht großen Ohren sitzen weit hinten am Schädel und sind rundlich geformt. Die rundlichen Knopfaugen sind dunkel gefärbt und sitzen zentral seitlich am Schädel. Weibchen verfügen je nach Lebensraum über sechs bis zehn Zitzen. Über einen echten Beutel verfügen Weibchen nicht. Dieser weist nur einen rudimentären Charakter auf und zeigt sich daher nur als Bauchfalte.

Lebensweise

Braune Breitfußbeutelmäuse sind ausgesprochen nachtaktiv und territorial. Am Tage sieht man die Tiere nur selten. Rückzugspunkte sind umgestützte Bäume, morsches Holz und andere natürliche Höhlen. Die Nester werden in der Regel jedoch nicht langfristig genutzt, sondern häufig gewechselt. Sie leben einzelgängerisch, die Geschlechter treffen im Grunde nur während der Paarungszeit im August aufeinander. Während dieser Zeit treffen Braune Breitfußbeutelmäuse rudelweise aufeinander und paaren sich. Dabei kommt es vor allem unter den Männchen zu heftigen Rivalitäten. Im Winter fahren Braune Breitfußbeutelmäuse ihren Metabolismus deutlich herunter und verbringen die meiste Zeit in ihren Nestern. Im Winter ist deutlich weniger Nahrung verfügbar.

Verbreitung

Die Braune Breitfußbeutelmaus ist im Osten und Südosten Australiens, insbesondere in New South Wales, Queensland und Victoria weit verbreitet. Feuchte Lebensräume wie Buschland und lichte Wälder mit dichter Bodenvegetation werden bevorzugt besiedelt. In umgestürzten Bäumen oder Moderholz legen die Weibchen ihre Nester an. Als gute Kletterer sind sie nicht nur am Boden anzutreffen, sondern auch in niedrigen Büschen oder Bäumen. Die Geschlechter leben einzelgängerisch in getrennten Revieren.

Ernährung

Braune Breitfußbeutelmäuse gelten als Allesfresser, die sich sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Kost ernähren. An pflanzlicher Nahrung werden grüne Pflanzenteile, Blüten und Pollen gefressen. An tierischer Kost stehen Spinnentiere (Arachnida), Käfer (Coleoptera) und Schaben (Blattodea) sowie andere kleine wirbellose Tiere auf der Speisekarte. Unter den Weibchen ist Kannibalismus weit verbreitet. Sie fressen nicht selten ihre eigenen Jungen. Braune Breitfußbeutelmäuse weisen einen hohen Metabolismus auf und fressen während ihrer aktiven Zeit unentwegt. Sie können pro Tag rund 60 Prozent ihres Körpergewichtes an Nahrung zu sich nehmen. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgt fast ausschließlich in der Nacht, nur selten auch am Tage. Am Tage sind sie jedoch nur bei Nahrungsmangel unterwegs.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit der Braunen Breitfußbeutelmaus erstreckt sich über den Winter und konzentriert sich auf Mitte August. Die Paarungsaktivitäten verlaufen demnach in der gesamten Population synchron ab. Während einer Saison kommt es lediglich zu einem Wurf. Braune Breitfußbeutelmäuse erreichen die Geschlechtsreife mit etwa 9 bis 10 Monaten. Die Tiere leben polygam, eine feste Partnerbindung ist den Braunen Breitfußbeutelmäusen demnach nicht bekannt. Ein Weibchen paart sich mit mehreren Männchen. Bei den Männchen verhält es sich ähnlich. Die Weibchen der Braunen Breitfußbeutelmäuse verfügen anders als andere Beutelsäuger (Metatheria) über keinen echten Beutel. Er ist lediglich rudimentär in Form einer Bauchfalte vorhanden. Hier liegen auch die Zitzen zum Säugen des Nachwuchses. Nach einer Tragezeit von 28 bis 32 Tagen bringt das Weibchen bis zu fünf Jungtiere zur Welt. Das Geburtsgewicht der Jungtiere liegt bei lediglich 0,016 Gramm, die Geburtslänge beträgt 4 bis 5 Millimeter. Aufgrund des fehlenden Beutels bringt ein Weibchen ihren Nachwuchs in einem Nest zur Welt. Die Jungen saugen sich an einer der sechs bis zehn Zitzen fest und werden bei der Bewegung des Weibchens mehr über weniger über den Boden geschleift. Die Jungen werden für etwa 35 Tage gesäugt und bleiben meist bis zu 90 Tagen bei der Mutter, ehe sie selbständig sind.

Bei den Männchen steigen aufgrund gestiegener Stresswerte während der Paarungszeit die Spiegel verschiedene Steroidhormone wie Corticosteroide und Sexualhormone wie Androgene dramatisch an. Stress wird insbesondere durch die Konkurrenz unter den Männchen und die eigentlichen Paarungsaktivitäten ausgelöst. Corticosteroide sind ein Produkt der Nebennierenrinde. Durch die Überproduktion dieses Steroidhormons sind globuläre Proteine nicht mehr in der Lage den Spiegel zu regulieren. Der starke Anstieg des Androgenspiegels hat eine immunosuppressive Wirkung zur Folge, an deren Ende ein Zusammenbruch des Immunsystems steht. Gegen Ende der Paarungszeit sterben die Männchen an den Auswirkungen. Dies bedeutet, dass die Gesamtpopulation nach der Paarungszeit ausschließlich aus Weibchen besteht. Die Lebenserwartung der Männchen liegt bei einem Jahr, bei den Weibchen bei drei Jahren. In Gefangenschaft kann ein Weibchen ein Alter von gut fünf Jahren erreichen. In Gefangenschaft gehaltene Männchen können nach einer Kastration ein ebenso hohes Alter erreichen. Dieses stellt jedoch einen Eingriff in den biologischen Zyklus dar und ist grundsätzlich abzulehnen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Braune Breitfußbeutelmäuse gelten als ausgezeichnete Bestäuber von blütentragenden Pflanzen. Daher sind sie vom Menschen durchaus gerne gesehen. Auf der anderen Seite gelten die Tiere auch als Verbreiter des pathogenen Pilzes mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Phytophthora cinnamomi. Dieser Pilz löst vor allem Wurzelfäule bei Nadelbäumen und blütentragenden Pflanzen wie Rhododendren (Rhododendron). Braune Breitfußbeutelmäuse gelten als nicht gefährdet und werden daher in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt. Eine große Gefahr geht jedoch von verwilderten Hauskatzen (Felis catus) aus, die den Tieren nachstellen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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