Brachpieper

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Brachpieper

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Sperlinge (Passeridae)
Unterfamilie: Motacillinae
Gattung: Pieper (Anthus)
Art: Brachpieper
Wissenschaftlicher Name
Anthus campestris
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Brachpieper (Anthus campestris) zählt innerhalb der Familie der Sperlinge (Passeridae) zur Gattung Pieper (Anthus). Die Art ist in einigen Gebieten Europas stark gefährdet und steht in Österreich kurz vor dem Aussterben. In Deutschland ist die Art im Westen teilweise verschwunden oder bis auf kleine Restbestände zurückgegangen. Etwas günstiger sieht es im Osten Deutschlands aus. Im Jahre 1986 schätzte man in ganz Deutschland nur noch 650 Paare.

Die Art ist in Deutschland nach dem BNatSchG (Bundesnaturschutzgesetz (Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege)) und nach der BArtSchV streng geschützt.

Die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) wurde zum Schutz wildlebender Tierarten und Pflanzenarten erstmals am 19. Dezember 1986 erlassen.

Der Brachpieper sieht dem Spornpieper (Anthus richardi) in Färbung und Größe sehr ähnlich und wird mit dieser Art auch leicht verwechselt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Brachpieper weist fast die gleiche Körperlänge auf wie der Haussperling (Passer domesticus). Zwischen dem Männchen und dem Weibchen beteht ein leichter Dimorphismus in der Färbung, indem das Federkleid des Männchens eine glänzende und intensivere Färbung zeigt als das Weibchen. Der Brachpieper erreicht eine Körperlänge von etwa 16 bis 18 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 25 bis 28 Zentimeter und ein Gewicht von ungefähr 20 bis 28 Gramm. Der Brachpieper wirkt mit seiner klassisch aufrechten Körperhaltung, seinen langen Beinen und seinem relativ langen Schwanz stelzenartig. Die Oberseite ist hell sandbraun, mehr oder minder einfarbig gefärbt und weist eine Reihe dunkler Flecken auf den Flügeln auf. Die mittleren Flügeldecken sind jedoch fast schwarz mit weißen Säumen und wirken wie eine Reihe dunkler Würfel. Die Unterseite ist heller und ungestreift. Der sehr lange Schwanz ist bräunlich gefärbt und weist ebenfalls dunkle bis schwärzliche Streifen auf. Die Brust ist leicht gestrichelt und ist im allgemeinen beige und einheitlicher gefärbt als die Flanken. Dagegen zeigen die juvenilen Vögel im Frühherbst eine deutlich gestreifte Brust. Der Kopf ist ebenfalls sandbraun gefärbt und zeigt eine feine etwas dunklere gestrichelte Musterung. Das Kinn und die Kehle sind gelblich oder weißlich gefärbt. Der kurze kräftige Schnabel weist auf der Oberseite eine dunkelbraune Färbung auf, während die Unterseite des Schnabels etwas heller wirkt. Die Augen sind bräunlich bis schwärzlich gefärbt. Über den Augen zeigt sich ein heller deutlicher Überaugenstreif, der sich vom Schnabelansatz bis zu den Ohren erstreckt. Die Extremitäten sind hell fleischfarben geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei nach vorn.

Der Alarmruf ist ein spitzes und verlängertes "Tzirrrp" oder ein "Tchiiiip". Die Flugrufe des Brachpiepers klingen schilpend wie "psja" oder "zip" ähnlich wie bei der Schafstelze (Motacilla flava). Der Gesang wird in wiederholten Abständen mit einem "Zrlüi" oder so ähnlich von einer niedrigen Warte oder in einem bogenförmigen, nicht sehr hohen Singflug vorgetragen. Ansonsten leitet der Brachpieper seinen Paradeflug von einem kleinen Strauch, von einem Stein oder vom Boden aus ein und kommt, wenn er nicht gestört wird, in einem wellenförmigen Flug an die selbe Stelle wieder zurück. Der Brachpieper lebt im Grunde genommen einzelgängerisch, nur während der Reproduktionsphase wird er dann gesellig. Während des Durchzuges bilden sich im Herbst kleinere Trupps von drei bis fünf Individuen, die aber getrennt pro mehrere Meter fliegen. Im Laufen wirkt der Brachpieper sehr hochbeinig. Wenn er besorgt ist oder gestört wird, dann bewegt der Brachpieper nervös seinen Schwanz auf und ab.

Unterarten

Verbreitung

Der Brachpieper kommt in Eurasien in südlichen und mittleren Breiten vor. Er ist in Europa, vor allem in Südeuropa und Mitteleuropa bis zur Ostseeküste anzutreffen, während er im Nordwesten und im Norden fehlt. In Großbritannien und Irland ist der Brachpieper überhaupt nicht zu finden, während er im Norden Dänemarks und im Süden Schwedens vorkommt. In Deutschland ist der Brachpieper seltener und nur an wenigen Stellen des Tieflandes anzutreffen. Der Brachpieper brütet vor allem im Osten, auch wenn die Brutplätze durch Kultivierung von Heiden und Ödflächen sowie durch Aufforstung selten geworden sind. Er ist ein Durchzügler, aber nur in geringer Zahl im Tiefland. In Deutschland ist der Brachpieper ein Langstreckenzieher, etwa Ende April, Anfang Mai bis Ende September, Anfang Oktober. Die Winterquartiere des Brachpiepers befinden sich in Nordafrika, im tropischen Afrika und in Asien. Der Brachpieper brütet hauptsächlich in trockenem, offenem Gelände, wie zum Beispiel Trockenrasen, Sanddünen, Ödflächen, Weingärten, Brachflächen, Heiden und im Süden auch in anderer Form trockenen Kulturlandes und in ausgesprochenen Steppen. Auf dem Durchzug sieht man den Brachpieper auch in ähnlichen Gebieten.

Brachpieper
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Brachpieper

Ernährung

Der Brachpieper ernährt sich von unterschiedlichen Insekten (Insecta) und deren Larven wie zum Beispiel von Kurzfühlerschrecken (Caelifera) sowie von kleinen Spinnentieren (Arachnida). Hin und wieder nimmt er aber auch Sämereien und Körner aller Art zu sich.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit und die Brutsaison werden von dem Männchen mit einem lauten Balzgesang eingeleitet. Gleichzeitig steckt das Männchen mit seinem Gesang das Territorium ab und vertreibt vehement Eindringlinge aus seinem Revier. Der Gesang wird in hohen Tonalitäten mit einer rauen Stimme vorgetragen. Der Balzgesang klingt eher monoton, aber auch an manchen Stellen musikalisch. Er bringt dabei ein "Chiui-chiui-chiui" hervor. Bei der Ankunft auf seinem Brutrevier ungefähr Anfang April beginnt der Brachpieper laut zu singen und seine Stimme verliert erst im Juli an Intensität. Die Hauptbrutzeit beginnt etwa im Mai. Das Nest wird auf dem Boden gut versteckt unter Pflanzen, unter einem Gebüsch oder zwischen Sträuchern errichtet. Das Weibchen konstruiert ein rundes Nest, das außen mit Trockengräsern zusammengehalten wird und innen mit feinen Gräsern, Haarbüscheln und anderen weichen Materialien ausgestattet ist.

Nach der Fertigstellung des Nestes legt das Weibchen vier bis fünf Eier, die eine gelbliche oder gräulich-weiße Färbung aufweisen und mit zahlreichen kleinen dunkelbraunen, violetten oder auch manchmal schwärzlichen Punkten und Flecken gesprenkelt sind. Die Größe der Eier ist beachtlich und beträgt etwa 22 mal 16 Millimeter. Die Inkubation der Eier dauert je nach Verbreitungsgebiet etwa 13 bis 15 Tage und werden wahrscheinlich nur vom Weibchen gewärmt. Es ist nicht sicher, ob das Männchen und das Weibchen sich beim Wärmen der Eier und bei der Versorgung der Küken die Aufgaben teilen. Die Küken zeigen sich in einem langen und dicken beigefarbenen Dunenkleid. Das Innere des Schnabels ist intensiv gelblich gefärbt und weist keine dunklen Punkte auf. Nach etwa 12 bis 14 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest, wobei sie dann noch nicht voll flugfähig sind. Sie werden aber weiterhin bis sie flügge sind mit Nahrung in Form von Insekten und Larven versorgt. Störungen am Nest können wie auch bei anderen Bodenbrütern zur Folge haben, daß die Jungvögel erschreckt werden, zu früh das Nest verlassen und damit leicht eine Beute von Fleischfressern werden oder unterkühlen.

Gefährdung und Schutz

Wie für viele Ödlandbrüter sind auch für diese Art die neuesten Bilanzen sehr ungünstig. Viele Faktoren tragen zum Rückgang der Population bei wie zum Beispiel Flächenverlust durch Siedlungsbau und Begrünung von Deponien, rasche Rekultivierung von Stellen mit Kiesabbau und Sandabbau, Erhaltung der Heide durch Schafbeweidung, Verlust von Brachflächen im frühen Stadium, Aufforstung von Heiden und Störungen durch Freizeitbetrieb sowie intensive Landwirtschaft und Stilllegung von Anbauflächen. Zu diesem Komplex menschlicher Verursacher könnten auch die Ausbringung von Pestiziden und der Einfluss des Klimas wie globale Klimaveränderung kommen. Aufgrund dessen steht der Brachpieper in weiten Teilen seiner Verbreitungsgebiete kurz vor dem Aussterben. Der Brachpieper liebt die Trockenheit. Meist wirken viele Ursachen zusammen, wenn eine Vogelart Bestand und Verbreitung ändert. Der Brachpieper wird in der Roten Liste der IUCN als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

Links

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