Bisamratte

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Bisamratte

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Wühlmäuse (Arvicolinae)
Tribus: Bisamratten (Ondatrini)
Gattung: Bisamratten (Ondatra)
Art: Bisamratte
Wissenschaftlicher Name
Ondatra zibethicus
(Linnaeus, 1766)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Bisamratte (Ondatra zibethicus), auch unter den Synonymen Castor zibethicus und Ondatra americana bekannt, zählt innerhalb der Familie der Wühler (Cricetidae) zur Gattung der Bisamratten (Ondatra). Im Englischen wird die Bisamratte muskrat genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Bisamratte erreicht eine Körperlänge von 35 bis 50 cm, eine Schwanzlänge von 20 bis 25 cm sowie ein Gewicht von 700 bis 1.600 g. Nördliche Populationen werden meist ein wenig größer. Der lange Schwanz ist unbehaart und weist eine schuppige Haut auf. Der Körper ist ausgesprochen robust und kräftig gebaut. Die Geschlechter weisen keinen nennenswerten Dimorphismus auf. Das Fell ist sehr dicht und weich, es weist eine überwiegend bräunliche Färbung auf. Beim Menschen ist der Pelz sehr begehrt. Das Fell ist wasserdicht, Feuchtigkeit dringt dabei nicht bis zur Haut durch. Da die einzelnen Härchen hohl sind, gibt es den Tieren eine gewisse Tragfähigkeit im Wasser. Der Kopf ist groß und setzt sich nur kaum wahrnehmbar vom Körper ab. Die Ohren sind nur sehr klein und liegen vollständig im Fell verborgen. Die Tasthaare im Bereich der Schnauze sind mittellang und dienen der Orientierung. Die Extremitäten sind kurz aber stämmig und tragen den massigen Körper mühelos. Die Zehen enden in kräftige Krallen, dazwischen zeichnen sich kleine Schwimmhäute ab. Im Wasser sind sie daher ausgezeichnete Schwimmer. Das Fell ist im Sommer insgesamt etwas heller gefärbt als im Winter.

Lebensweise

Bisamratten leben in kleinen Familiengruppen. Sie sind sowohl tag- als auch nachtaktiv. Die Hauptaktivität entfalten sie allerdings in der Dämmerung. Das hängt vom Verbreitungsgebiet und vom Lebensraum ab. Die beanspruchten Reviere erstrecken sich von einigen hundert bis hin zu einigen tausend Quadratmetern. Bisamratten führen eine halbaquatische Lebensweise. Sie sind stark an das Vorhandensein einer Wasserfläche angewiesen, denn die meiste Zeit ihres Lebens verbringen sie im Wasser. Die Reviergrenzen markieren Bisamratten durch ein Sekret, das aus paarig angeordneten Drüsen abgegeben wird. Dieses Sekret wird auch Moschus genannt.
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Eher selten geben Bisamratten Laute von sich. Es ist allenfalls eine Art Quietschen oder Pfeifen. Der Geruchs- und Hörsinn sind sehr fein entwickelt. Der Sehsinn ist dagegen nur sehr mäßig ausgeprägt. Bisamratten legen ihre Bauten im Erdreich nahe des Wassers an. In ihnen suchen sie Schutz und verbringen ihre Ruhephasen.

Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Bisamratte erstreckt sich über weite Teile Nordamerikas. Sie sind vom nördlichen Kanada bis hinunter nach Mexiko zu finden. Im nördlichen Europa, dem nördlichen China und in der Mongolei wurden die Tiere vor etwa 100 Jahren ausgesetzt und gedeihen seither prächtig. Bisamratten bevorzugen feuchte Lebensräume wie Sumpfgebiete, Auenwälder, Seen und Teiche sowie langsam fließende Flüsse. Am häufigsten sind die Tiere in ausgedehnten Sumpfgebieten zu Hause, da hier der Wasserstand einen konstanten Pegel aufweist. Auch Nahrung ist in den Sümpfen reichlich vorhanden. In der Nähe des Wassers legen sie ihre Erdbauten an. Die Ein- und Ausgänge liegen meist gut versteckt und werden mit Pflanzenteilen getarnt.

Prädatoren

Die Bisamratten stehen auf der Speisekarte einer Reihe von Raubtieren. Zu den bekanntesten gehören zweifelsohne Waschbären (Procyon), Amerikanische Nerze (Mustela vison), Kojoten (Canis latrans), Rotfüchse (Vulpes vulpes), Wassermokassinottern (Agkistrodon piscivorus), Greifvögel und Eulen wie Schleiereulen (Tyto alba), Streifenkauze (Strix varia) und Kornweihen (Circus cyaneus). Den meisten Raubtieren entkommen Bisamratten über das Wasser. Sie sind ausgezeichnete Schwimmer und Taucher. Tauchzeiten von zehn bis fünfzehn Minuten sind dabei keine Seltenheit.

Ernährung

Bisamratten sind reine Pflanzenfresser. Sie ernähren sich von Wasserpflanzen, Wurzeln, Sämereien, Getreide sowie Gräsern und Kräutern. Aufgrund ihres hohen Stoffwechsels benötigen die Tiere etwa ein Drittel ihres Körpergewichtes, das sind immerhin 200 bis 450 Gramm, an Nahrung. Da Bisamratten in der Landwirtschaft Schäden durch Getreidefraß anrichten können, gelten sie als Schädlinge.

Fortpflanzung

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Die Bisamratte erreicht die Geschlechtsreife mit acht bis zehn Monaten. Die Paarungszeit hängt sehr stark vom Verbreitungsgebiet ab. In südlichen Verbreitungsgebieten erstreckt sich die Paarungszeit teilweise über das ganze Jahr. Im Norden verpaaren sich die Tiere meist im Frühjahr und Sommer. Während der Paarungszeit ist die Bisamratte ausgesprochen territorial. Das eigene Revier wird gegenüber Artgenossen erbittert verteidigt. Das Weibchen bringt in ihrem Bau nach einer kurzen Tragezeit von rund 30 Tagen fünf bis acht, selten auch mehr Jungtiere zur Welt. Das Geburtsgewicht beträgt zwischen 20 und 24 Gramm, das Fell fehlt bei der Geburt noch und die Augen sind geschlossen. Die erste Zeit ist der Nachwuchs völlig auf die Mutter angewiesen. Die Jungen leben im Bau in einem weichen Nest, das mit weichen Pflanzenteilen wie Heu und Stroh ausgepolstert ist. Mit acht Tagen öffnen sie erstmals ihre Augen, ab dem 10. Tag unternehmen sie erste Ausflüge ins Wasser, sie können instinktiv schwimmen. Die Säugezeit erstreckt sich über drei Wochen. Ab diesem Zeitpunkt ernähren sie sich von pflanzlicher Nahrung und sind kurze Zeit selbstständig. Während einer Saison kommt es zu zwei bis drei Würfen, in nördlichen Verbreitungsgebieten allerdings nur zu maximal zwei Würfen. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit bei drei bis fünf Jahren, in Gefangenschaft haben sie eine Lebenserwartung von bis zu zehn Jahren.

Gefährdung und Schutz

Bisamratten sind nicht in ihrer Art gefährdet und werden daher in der Roten Liste der IUCN nicht als gefährdet geführt. Sie sind in allen Verbreitungsgebieten und Lebensräumen oft anzutreffen. Die starke Bejagung wegen ihres Felles durch den Menschen oder Fressfeinde konnte die Art bis heute nicht in Gefahr bringen. Es ist wohl ihre Widerstandsfähigkeit und die große Fortpflanzungsrate, die den Bisamratten zugute kommt. Bei Landwirten und Farmern sind Bisamratten allerdings keine gern gesehenen Gäste. Sie fressen Getreide und verstopfen nicht selten Abflüsse durch ihre Grabtätigkeit.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Unterfamilie der Wühlmäuse (Arvicolinae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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