Bilchbeutler

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Bilchbeutler
Dickschwanz-Schlafbeutler (Cercartetus nanus)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Beutelsäuger (Metatheria)
Überordnung Australidelphia
Ordnung: Diprotodontia
Familie: Bilchbeutler
Wissenschaftlicher Name
Burramyidae
Broom, 1898

Bilchbeutler (Burramyidae) zählen innerhalb der Unterklasse der Beutelsäuger (Metatheria) zur Ordnung der Diprotodontia. In der Familie werden in 2 Gattungen 6 Arten geführt. Cercartetus pygmy wurde erst im Jahre 2007 entdeckt und beschrieben.

Die Familie der Bilchbeutler besteht aus 2 Gattungen. Dies sind die monotypische Gattung Burramys und die aus 5 Arten bestehende Gattung Cercartetus. Ursprünglich rechnete man auch die Gattungen Zwerggleitbeutler (Acrobates) und Federschwanzbeutler (Distoechurus) zur Familie der Bilchbeutler. Diese werden heute jedoch getrennt in der Familie der Zwerggleitbeutler (Acrobatidae) geführt.

Inhaltsverzeichnis

Verwandtschaft mit anderen Gruppen

Bilchbeutler, insbesondere die Gattung der Schlafbeutler (Cercartetus), sind nahe mit den Kletterbeutlern (Phalangeridae) verwandt. Eine weitere Verwandtschaft ergibt sich zwischen den Bergbilchbeutlern (Burramys) und den Gleitbeutlern (Petauridae).

Verwandtschaft innerhalb der Bilchbeutler

Bergbilchbeutler (Burramys) und Schlafbeutler (Cercartetus) bilden eine monophyletische Gruppe. Ausreichend gemeinsame Charaktere weisen die beiden Gruppen bezüglich ihrer Herkunft jedoch nicht auf. Unterschiede zeigen sich vor allem in der Gebissform und in der Größe.

Fossile Funde

Fossile Funde von Bilchbeutlern liegen nur wenige vor. Die ältesten Funde stammen aus dem späten Miozän und reichen bis ins Pleistozän hinein. Die gefundenen Muster sind jedoch nur fragmentisch und meist undefiniert.

Beschreibung

Externe Merkmale, Habitus

Bergbilchbeutler (Burramys) sind kleine, baumbewohnende Tiere mit einer Körperlänge von bis zu 120 mm und einem Gewicht von 10 bis 60 g. Die Augen der Bilchbeutler sind groß und nach vorne gerichtet. Die Ohren sind leicht behaart, groß und stehend. Im Vergleich zum Körper ist der Kopf ausgesprochen groß. Bei den Bergbilchbeutler und auch bei den Schlafbeutlern ist der lange Greifschwanz leicht pelzig behaart. Die Hinterfüße sind syndaktyl (Fehlbildung der Körperglieder durch Verwachsung) und mit Klauen versehen. Der Beutel der Weibchen öffnet sich nach vorne und enthält 4 oder 6 Zitzen. Das Gebiss ist diprotodont, die Größe der Zähne ist deutlich reduziert. Es sind 3 obere Schneidezähne vorhanden, von denen 1 Schneidezahn größer ist als die beiden anderen. Der Eckzähne sind in der Größe wie der große obere Schneidezahn gleich. Die Kronen der Molaren zeigen ein vereinfachtes Kronenmuster. Das Fell weist artabhängig eine gräuliche bis rehbraune oder rotbraune Färbung auf. Rund un die Augen zeigen sich dunkle Augenringe.

Atmungssystem

Das Stoffwechseltempo bei den Bilchbeutlern ist niedriger als bei anderen Beuteltieren und Säugetieren ähnlicher Größe. Dies ist ein Indiz für die Trägheit (physiologischer Ruhezustand) an kalten Tagen mit einhergehender Senkung der Energieabgabe. Dies ist ein Vorteil für Arten, die im Hochland leben, wo es notwendig ist, seine Lebensweise an die Nahrungserfordernisse und Nahrungsressourcen anzupassen. Die Körpertemperatur der Bilchbeutler liegt zwischen 35 und 36 °C. Arten wie der Bergbilchbeutler sind gegenüber Temperatuen von mehr als 28 °C ausgesprochen intolerant. Bei hohen Temperaturen lecken Bilchheutler ihr Fell, um Verdunstungskälte zu produzieren. Bei hohen Temperaturen kommt es zur Vasodilatation (Erweiterung der Blutgefäße) im Bereich der Nase, Ohren, Füßen und Schwanz. Bei zu hohen oder zu niedrigen Temperaturen verfallen Bilchbeutler in den Zustand der Trägheit. Reduziert werden hierbei das Herztempo, die Körpertemperatur, der Sauerstoffverbrauch und das Stoffwechseltempo. Es sind auch Zustände der Apnoe bekannt. Hierbei handelt es sich um Zeiträume der Nichtatmung. Die Trägheit wird im Allgemeinen durch Reduzierung der Umgebungstemperatur, Regen oder durch Nahrungsentzug eingeleitet. Gegen niedrige Temperaturen sind Bergbilchbeutler am besten gerüstet. Sie können Temperaturen von bis zu 2 °C ertragen. Das Trägheitsstadium kann sich über mehrere Tage (7-12) erstrecken.

Fortbewegung

Bilchbeutler sind ausgesprochen agile Tiere. Sie bewegen sich gewandt selbst über dünne Äste und Zweige von Bäumen und Büschen. Der Schwanz dient den Bilchbeutlern als Greiforgan. Grund für die guten Klettereigenschaften sind die apikalen Bereich der Zehen. Die Tiere sind sogar in der Lage glatte, senkrechte Flächen hinaufzuklettern.

Lebensweise und Verhalten

Bilchbeutler verspeisen ihre Nahrung hockend und nehmen die Nahrung zwischen ihren Vorderpfoten. Harte Nahrungsteile werden mit den Schneidezähnen zerteilt. Die Backenzähne dienen zum Zermahlen der Nahrung. Nahrung wird im Allgemeinen mit dem Geruchssinn geprüft. Nektar und Pollen werden mit der bürstenartigen Zunge aufgenommen. Bilchbeutler verfügen über eine einfache Darmstruktur und einen gut entwickelten Blinddarm. Letzteres spielt eine entscheidende Rolle bei der Verdauung von Pflanzenmaterial. Im Blinddarm erfolgt die mikrobielle Gärung durch Mikroben von Pflanzenmaterial.

Die Siedlungsdichte der meisten Bilchbeutler liegt zwischen 14 und 20 Individuen pro ha. Dies belegen neuere Fangstudien. Weibchen sind insgesamt deutlich weniger beweglich in ihrem Lebensraum als Männchen. Dies ist insbesondere während der Paarungszeit der Fall. Bilchbeutler leben einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen von 2 bis 5 Individuen. Die Gruppen bestehen in der Regel aus einer Mutter und ihrem Nachwuchs. Die Geschlechter treffen im Wesentlichen nur zur Paarung aufeinander. Die Nester der Bilchbeutler weisen artabhängig einen Durchmesser von bis zu 150 mm auf und bestehen hauptsächlich aus Blättern. Sie befinden sich meist in Baumhöhlen oder an ähnlich geschützten Stellen. Mitunter werden auch größere Vogelnester angenommen.

Fühlt sich ein Bilchbeutler bedroht, so werden die Zähne gefletscht und zischende Laute von sich gegeben. Bilchbeutler sind für gewöhnlich nur wenig aggressiv. Dies ändert sich jedoch zur Paarungszeit. Artgenossen werden mit Zischen und Beißen vertrieben. Über die Kloake wird zudem ein übelriechendes Sekret abgegeben. Die Sekretion von Gerüchen spielt auch bei der Paarung und Partnerfindung sowie bei der Kohäsion eine Rolle. Als Kohäsion wird der genetische Zusammenhalt von Individuen einer Art bezeichnet. Während der Partnerfindung erfolgt durch die Männchen ein Beschnüffeln vom Kloakenbereich der Weibchen., wobei die Paarungsbereitschaft der Weibchen ermittelt werden soll. Bilchbeutler sind für eine weitreichende und anhaltende Fellpflege bekannt. Hierbei werden vor allem die Klauen und Speichel eingesetzt. Gegenseitige Fellpflege ist nicht bekannt.

Verbreitung

Der Bergbilchbeutler (Burramys parvus) tritt in einem kleinen Gebiet in Victoria auf. Weitere Populationen sind mittlerweile ausgestorben. Schlafbeutler (Cercartetus) ist in weiten Teilen Australiens und in Teilen von Papua-Neuguinea verbreitet. Das Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich über das südliche Australien, hier kommen 3 Arten vor. Bilchbeutler treten in höchst unterschiedlichen Lebensräumen in Erscheinung. Besiedelt werden das Hochland, tropische Regenwälder, subalpine Regionen, lichte Trockenwäldern und ähnliche Lebensräume.

Biozönose

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Bilchbeutler zählen neben den Schlangen (Serpentes) und Eulen Strigiformes) wahrscheinlich auch kleinere Räuber wie Beutelmarder (Dasyurus). Eingeschleppte Raubtiere wie Hauskatzen (Felis catus), verwilderte Haushunde und Rotfüchse (Vulpes vulpes) stellen den Bilchbeutlern ebenfalls nach.

Parasiten

Über Ekto- und Endoparasiten gibt es nur wenige Aufzeichnungen. Nachgewiesen sind Flöhe (Siphonaptera) der Gattungen Acanthopsylla und Choristopsylla sowie verschiedene Milbenarten (Acari, Acarida).

Ernährung

Bilchbeutler gelten im Allgemeinen in freier Natur als Allesfresser. Auf der Speisekarte stehen Früchte, Sämereien, Nektar, Pollen und Wirbellose Tiere. Bergbilchbeutler (Burramys parvus) ernähren sich überwiegend von Früchten und Samen. Beliebte Futterpflanzen sind unter anderem Banksien (Banksia) und Eukalyptus (Eucalyptus). Zur tierischen Nahrung gehören Insekten (Insecta) wie beispielsweise Käfer (Coleoptera) sowie Spinnentiere (Arachnida). Bei Geflügelten Insekten wird jedoch nur der Körper gefressen, die Flügel und andere chitinhaltige Teile wie Flügeldecken werden verschmäht. Beobachtungen in Gefangenschaft lassen den Schluß zu, dass Bilchbeutler in freier Natur Nahrung sammeln und später verzehren. Im Herbst legen sich Bilchbeutler eine Fettschicht zu, um die kalten Monate mit wenig Nahrung zu überstehen. Fett wird insbesondere im Bereich der Schwanzbasis eingelagert. Dies ist jedoch nur bei den Schlafbeutlern (Cercartetus) der Fall, nicht jedoch bei den Bergbilchbeutlern. Der Grund hierfür ist unklar.

Fortpflanzung

Bilchbeutler zeichnen sich durch eine hohe Fruchtbarkeit und ein langes Leben aus. In einigen Regionen erstreckt sich die Paarungszeit über das ganze Jahr. Ansonsten richtet sich die Fortpflanzung nach klimatischen Bedingungen und den vorhandenen Nahrungsressourcen. Im Winter kommt es für gewöhnlich zu den wenigsten Geburten.

Die Zytogenetik (Teilgebiet der Genetik bzgl. der Chromosomen) ist ausführlich erforscht worden. Alle Arten weisen einen diploiden Karyotyp mit 14 Chromosomen auf. Die Morphologie des weiblichen Fortpflanzungssystems ist nur für die Cercartetus-Arten beschrieben worden. Dies entspricht dem normalen Beuteltier-Schema. Weibchen verfügen artabhängig über 4 bis 6 Zitzen. Bei einigen Arten wie den Bergbilchbeutlern scheint es bei ungüstigen Bedingungen zu einer embryonalen Diapause zu kommen. Dies belegen Funde von Blastozysten (Entwicklungsstadium der Embryogenese) in der Gebärmutter während ein Jungtier gesäugt wurde. Der Östrus-Zyklus ist bei keiner Art bekannt. Ein Grund hierfür ist, dass kaum Individuen in Gefangenschaft gehalten werden und im Freiland nur unzureichende Beobachtungen vorliegen. Die Trächtigkeit liegt artabhängig bei 14 bis 51 Tagen. Der Aufenthalt im Beutel erstreckt sich über 3 bis 4 Wochen, die Entwöhung ist nach 8 bis 10 Wochen abgeschlossen. Die Morphologie des männchlichen Fortpflanzungssystems ähnelt dem der meisten Beuteltiere. Es besteht aus paarigen Testikeln und Nebenhoden, die mit dem Skrotum über vasa deferentia verbunden sind. Das Skrotum liegt in einer Hautfalte verborgen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Bilchbeutler spielen im Lebensraum eine herausragende Rolle bei der Bestäubung von Blüten. Pflanzen, die von der Bestäubung profitieren sind insbesondere Eukalypten (Eucalyptus), Zylinderputzer (Callistemon), Myrtengewächse (Myrtaceae) wie Syzygium und verschiene Silberbaumgewächse (Proteaceae). Der Bergbilchbeutler (Burramys parvus) gilt als kritisch gefährdet und wird in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie CR, Critically Endangered, geführt. Die Cercartetus-Arten sind in ihrem Bestand nicht gefährdet. Die Hauptgefahr geht für alle Arten von der Zerstörung der natürlichen Lebensräume aus. Die Lebensräume sind heute zum Teil stark fragmentiert. Bilchbeutler sind auf alten Baumbestand angewiesen, da die Tiere in Baumhöhlen Schutz und Zuflucht finden. Eingeführte Raubtiere schädigen die Populationen zusätzlich.

Systematik der Bilchbeutler

Familie: Bilchbeutler (Burramyidae)

Gattung: Bergbilchbeutler (Burramys)
Art: Bergbilchbeutler (Burramys parvus)
Gattung: Schlafbeutler (Cercartetus)
Art: Neuguinea-Schlafbeutler (Cercartetus caudatus)
Art: Dünnschwanz-Schlafbeutler (Cercartetus concinnus)
Art: Tasmanischer Schlafbeutler (Cercartetus lepidus)
Art: Dickschwanz-Schlafbeutler (Cercartetus nanus)
Art: Cercartetus pygmy (neu entdeckt im Jahre 2007)

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • VIVIENNE TURNER & G.M. MCKAY: Fauna of Australia: Mammals, Vol Ib: 001, Australian Govt Pub Service, 1989 (engl.) ISBN 978-0644077095
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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