Beringstrandläufer

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Beringstrandläufer

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
Gattung: Strandläufer (Calidris)
Art: Beringstrandläufer
Wissenschaftlicher Name
Calidris ptilocnemis
Coues, 1873

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Beringstrandläufer (Calidris ptilocnemis) zählt innerhalb der Familie der Schnepfenvögel (Scolopacidae) zur Gattung der Strandläufer (Calidris). Im Englischen wird dieser Strandläufer Rock Sandpiper genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der mittelgroße Beringstrandläufer erreicht eine Körperlänge von 20 bis 23 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 43 bis 45 Zentimeter sowie ein Gewicht von rund 70 Gramm. Die Geschlechter sind insgesamt ähnlich gefärbt und weisen demnach keinen nennenswerten Dimorphismus auf. Das Obergefieder weist im Sommer eine graubraune Grundfärbung auf und ist mit rotbraunen und dunkelgrauen Mustern im Bereich der Schultern und des Rückens versehen. Eine ähnliche Musterung zeigt sich auch auf dem Oberkopf (Regio coronalis). Im Bereich der unteren Brust (Regio thoracalis) ist eine großer dunkelbrauner Fleck erkennbar. Der untere Bereich des Bauches (Regio abdominalis) sowie die unteren Flügeldecken sind weiß gefärbt. Das Wintergefieder ist deutlich unscheinbarer graubraun gefärbt. Der lange und nur leicht nach unten gebogene Schnabel ist dunkelbraun und geht zur Spitze hin in ein Schwarzbraun über. Die durchaus kräftigen Beine weisen eine bräunliche Färbung auf. Drei Zehen zeige nach vorne, eine Zehe nach hinten. Die Zehen enden jeweils in kleine schwärzliche Krallen.

Lebensweise

Beringstrandläufer gehören zu den Zugvögeln. Im Herbst ziehen sie aus den polaren Brutgebieten in südliche Gefilde. Im Winter sind Beringstrandläufer an Küsten an felsigen Ufern anzutreffen. Die Brutgebiete liegen in der arktischen Tundra von Alaska und Russland. Außerhalb der Paarungszeit sind Beringstrandläufer durchaus gesellig und sind in kleineren bis größeren Trupps an den Küsten anzutreffen. Während der Paarungszeit ziehen sie sich paarweise zurück und legen ein territoriales Verhalten an den Tag.

Unterarten

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Verbreitung

Beringstrandläufer brüten in den arktischen Regionen (Tundra) von Alaska, USA, und Russland. Höhenlagen werden kaum besiedelt, sie sind meist nur in der offenen Ebene anzutreffen. Die Vegetation ist in den arktischen Regionen mit kurzen Gräsern und Kräutern, Krähenbeeren (Empetrum), Seggen (Carex), Moosen und Flechten gekennzeichnet. Die Nester entstehen inmitten dieser Vegetation, meist an geschützter Stelle in einer flachen Erdmulde. Die Winterquartiere liegen deutlich weiter südlich im Bereich der Küsten oder an Flussmündungen. Der Zug in die Winterquartiere erfolgt im September oder Oktober in großen Schwärmen nicht selten in Vergesellschaftung anderer Vögel wie dem Alpenstrandläufer (Calidris alpina) oder dem Schwarzkopf-Steinwälzer (Arenaria melanocephala). Flache Strände und sandige Uferbänke dienen im Winterquartier als Lebensraum. Im März erfolgt der Rückflug in die Brutgebiete.

Ernährung

Der Beringstrandläufer ernährt sich im Winterquartier im Flachwasser des Gezeitenbereiches oder an schlammigen Ufern hauptsächlich von kleinen Krebstieren (Crustacea), Weichtieren (Mollusca), Algen und Fischeiern. In den Brutgebieten stehen überwiegend Schnecken (Gastropoda), Insekten (Insecta) und deren Larven, Spinnentiere (Arachnida) und ähnliches auf dem Speiseplan. Aber auch Sämereien, Moose und Beeren werden häufig verzehrt. Je nach Lebensraum waten Beringstrandläufer langsam und prüfend durch das Flachwasser, schlammige Ufer oder durch die kurzgrasige Tundra. Beutetiere werden über den gut entwickelten Sehsinn aufgespürt. Dabei drehen sie durchaus auch prüfend kleinere Steinchen um.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird mit etwa einem Jahr erreicht. Die Paarungszeit der Beringstrandläufer erstreckt sich in den arktischen Brutgebieten von Anfang Mai bis Juni. Während dieser Zeit kommt es zu einer Jahresbrut. Beringstrandläufer führen eine monogame Einehe, die nicht selten über mehrere Jahre hält. Die Balz ist durch kunstvolle Balzflüge der Männchen geprägt. Am Boden begegnen sich die Geschlechter während der Balz in geduckter Haltung und erhobenen Flügeln. Die Nester entstehen zumeist in der kurzen aber dichten Vegetation, meist in der Nähe eines Gewässers. Das Nest entsteht in einer einfachen Bodenmulde oder auch zwischen Steinen und wird von beiden Elternvögeln errichtet. Ausgepolstert wird das Nest mit weichen Materialien wie Moosen und Flechten. Das Weibchen legt durchschnittlich vier helle, leicht grünliche Eier, die mit braunen Flecken versehen sind. Die Färbung der Eier ist Teil einer vorzüglichen Tarnung. Die Brutzeit erstreckt sich über 20 bis 22 Tage, beide Elternteile wärmen die Eier gleichermaßen. Nach dem Schlupf werden die Küken in den ersten Tagen gehudert, da das flaumartige Erstgefieder sie noch nicht genügend wärmt. Aber bereits nach wenigen Tagen erkunden die Küken als Nestflüchter die nähere Ungebung und nehmen hier und da auch schon selbständig Nahrung auf. Gefüttert werden die Jungvögel ansonsten mit nahrhaften Insekten (Insecta) und Larven. Bereits nach knapp vier Wochen sind sie flügge und lösen sich von den Eltern. Kurze Zeit später erfolgt der Zug in die Winterquartiere.

Gefährdung und Schutz

Der Beringstrandläufer gehört heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Die Art wird daher in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt. Die aktuellen Bestände werden auf 160.000 bis 170.000 Tiere geschätzt (BirdLife International, 2004). Die russischen Populationen sind weitestgehend stabil. In Alaska sind jedoch seit Jahren abnehmende Bestände zu verzeichnen. Die Hauptbedrohung ist heute die zum Teil dramatische Wasserverschmutzung, die nicht selten durch Ölverklappung ausgelöst wird. Dies trifft vor allem auf die Westküste Alaskas und die Aleuten zu.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049

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