Baumammer

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Baumammer

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Ammern (Emberizidae)
Gattung: Spizella
Art: Baumammer
Wissenschaftlicher Name
Spizella arborea
Wilson, 1810

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Baumammer (Spizella arborea) zählt innerhalb der Familie der Ammern (Emberizidae) zur Gattung Spizella.

Die Baumammer ist leicht mit einigen anderen Ammer-Arten zu verwechseln. Die Baumammer ähnelt der Rainammer (Chondestes grammacus), das Gesicht der Rainammer ist allerdings deutlich lebhafter gestreift. Auch innerhalb den Gattungen Spizella und Melospiza gibt es einige Arten, die der Baumammer zum Verwecheln ähnlich sind. Dazu gehören vor allem die Singammer (Melospiza melodia), die Klapperammer (Spizella pusilla) und die Schwirrammer (Spizella passerina) Chipping Sparrow.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Baumammer ist ein kleiner Vertreter der Ammern und erreicht eine Körperlänge von 14 bis 16 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 23 bis 25 Zentimeter sowie ein Gewicht von 20 bis 25 Gramm. Die Geschlechter weisen keinen nennenswerten Dimorphismus auf. Das Obergefieder, die Flügel und der Schwanz weisen eine überwiegend braune Grundfärbung auf. Die Flügel weisen eine helle und dunkle Strichelung auf, einige Federchen im Bereich der Flügel zeigen eine weißliche Säumung. Der Oberkopf ist durch eine rostrote Kappe gekennzeichnet, die am Hinterkopf ausläuft. Von den Augen bis in den Nacken verläuft ein rostroter schmaler Streifen. Ansonsten sind der Nacken und die Kopfseiten gräulich gefärbt. Die Brust- und die Bauchseite weisen eine hellgraue bis cremefarbene Färbung auf. Im Bereich der unteren Brust ist deutlich ein dunkler Fleck zu sehen. Der lange Schwanz ist leicht eingekerbt.
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Der Oberschnabel weist eine gräuliche Färbung auf, der untere Teil des Schnabels ist gelblich gefärbt. Die Extremitäten und die Zehen sind dunkelgrau bis schwarz. Drei Zehen zeigen nach vorne, eine Zehe zeigt nach hinten. Die beiden Unterarten unterscheiden sich im Grunde nur in der Größe, nur wenig in der Gefiederfärbung. Spizella arborea ochracea weist mehr Grauanteile in der Gefiederfärbung auf und wird etwas größer als die Nominalform Spizella arborea arborea.

Lebensweise

Baumammern, insbesondere die Männchen, sind im wesentlichen territorial und tagaktiv. Zur Revierabgrenzung dient der Gesang, der von einer Ansitzwarte aus vorgetragen wird. Die Weibchen tragen keinen Gesang vor, beteiligen sich aber an der Revierverteidigung. Der Gesang wird vom Männchen auch während der Paarungszeit vorgetragen. Die Vögel leben einzelgängerisch oder während der Brutzeit auch paarweise. Nur auf den Zügen in die Winterquartiere kann es zur Bildung kleinerer Trupps kommen. Der Zug in den Süden erfolgt in der Regel nachts, tagsüber rasten sie und tanken Kraft für den Weiterflug. Baumammern halten sich sowohl am Boden als auch im Geäst von Bäumen und Sträuchern auf. In Regenlachen oder Pfützen nehmen sie regelmäßig ein Bad, tiefes Wasser wird jedoch strikt gemieden.

Unterarten

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Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Baumammern erstreckt sich über weite Teile Kanadas und der USA. Die Brutgebiete liegen dabei nahe der Baumgrenze in den nördlichen Regionen von Alaska und dem nördlichen Kanada, insbesondere in Manitoba, dem Yokon Territory und Ontario. Hier lebende Populationen ziehen im Herbst in den Süden, meist in die südlichen bis zentralen US-Bundesstaaten. In den nördlichen US-Bundesstaaten gehören die Populationen zu den Standvögel und bleiben ganzjährig in den Brutgebieten. Die offene Tundra mit gelegentlichen Baum- und Strauchbewuchs gehört in den Brutgebieten zu den natürlichen Lebensräumen. Oftmals liegen die Brutplätze in der Nähe von Teichen, Seen oder Sumpfgebieten. In den Winterquartieren sind Baumammern sowohl in Sumpfgebieten als auch in Gärten und Parks sowie lichten Wäldern anzutreffen. In der Nähe des Menschen sind Baumammern gelegentlich auch auf landwirtschaftlichen Flächen anzutreffen.

Prädatoren

Die Baumammer, deren Brut und Eier sind Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl an räuberisch lebenden Säugetieren, Reptilien und Vögel. Zu den bekanntesten Räubern gehören unter anderem Wiesel (Mustela) wie der Mauswiesel (Mustela nivalis), Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus), Rotfuchs (Vulpes vulpes), Kitfuchs (Vulpes velox) Hauskatzen (Felis silvestris forma catus), Streifenskunks (Mephitis mephitis), Nordamerikanische Waschbären (Procyon lotor), Rundschwanzsperber (Accipiter cooperii) Habicht (Accipiter gentilis), Eckschwanzsperber (Accipiter striatus), Buntfalke (Falco sparverius) und andere Greifvögel (Falconiformes). Einziger Schutz vor Fressfeinden ist das gestreife und somit gut getarnte Gefieder, ansonsten suchen Baumammern ihr Heil in der Flucht.

Ernährung

Baumammern ernähren sich als Allesfresser sowohl von Insekten (Insecta), deren Larven, Spinnentieren (Arachnida) und anderen kleineren Gliederfüßern als auch von pflanzlicher Kost wie Sämereien und Körnern aller Art sowie von Waldfrüchten und Beeren. Der Anteil an tierischer Nahrung ist im Frühjahr und im Sommer deutlich höher. Außerhalb der Paarungszeit ernähren sich Baumammern hauptsächlich von pflanzlicher Nahrung. Der Nachwuchs wird ausschließlich mit Insekten, Raupen und Insektenlarven versorgt. Baumammern sind täglich auf Trinkwasser angewiesen, daher halten sie sich zumeist in der Nähe eines Gewässers auf. Im Winter fressen sie Schnee, um nicht zu dehydrieren. Insekten werden sowohl am Boden als auch im Geäst von Bäumen und Sträuchern aufgelesen.

Fortpflanzung

Die Baumammer erreicht die Geschlechtsreife mit gut einem Jahr. Die Paarungszeit erstreckt sich in ihren natürlichen Verbreitungsgebieten über die Monate Mai bis August oder Anfang September. In allen Verbreitungsgebieten kommt es dabei nur zu einem Gelege. Geht ein Gelege verloren, so kann es durchaus zu einem Nachgelege kommen. Männchen treffen vor den Weibchen in den Brutgebieten ein und stecken zugleich ihr Revier ab. Die Reviermarkierung erfolgt hauptsächlich über den Gesang. Kurz nach den Männchen treffen die Weibchen aus den Winterquartieren ein und suchen sich ein Männchen aus. Dabei scheinen sie sowohl den Gesang des Männchens als auch die Qualität des Brutreviers zu berücksichtigen.
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Der Gesang wird auch vom Weibchen vorgetragen, nicht selten singen sie im Duett. Während der Balz beeindruckt das Männchen zudem mit kunstvollen und akrobatischen Flügen, die immer im Sturzflug auf das Weibchen enden. Die Ehe kann als monogame Saisonehe bezeichnet werden. Während der Ehe dient vor allem der Gesang der Festigung der Paarbindung.

Hat sich ein Paar gefunden, so beginnt das Weibchen mit dem Bau des napfartigen Nestes. Es wird aus Wurzeln, Rinde, Gräsern, Halmen und anderen weichen Materialien gebaut. Der Nestbau obliegt ausschließlich dem Weibchen. Ein Nest entsteht in der Regel unterhalb eines Strauches oder einem Gebüsch auf dem Boden. Ausgepolstert wird das Nest mit weichen Materialien wie Federn und Tierhaaren. Zur Eiablage kommt es meist nicht vor Mitte Juni. Ein Gelege besteht aus vier bis sechs Eiern, die im Abstand von je einem tag gelegt werden. Die Brutzeit erstreckt sich für gewöhnlich über 12 bis 14 Tage. Das Weibchen wärmt die Eier während dieser Zeit alleine. Das Männchen versorgt sein Weibchen während dieser Zeit mit Nahrung. Die Küken gelten als Nesthocker und erreichen die Flugfähigkeit und die Selbständigkeit Ende der zweiten oder in der dritten Lebenswoche. Während der Nestlingszeit kümmern sich beide Elternteile um die Versorgung des Nachwuchses mit Nahrung. Die große Masse der Jungvögel erreicht aufgrund der vielen Fressfeinde nicht die Geschlechtsreife. Die durchschnittliche Lebenserwartung einer Baumammer liegt bei drei bis vier Jahren. Unter günstigen Umständen können die Vögel ein Alter von bis zu zehn Jahren erreichen. Dies ist allerdings sehr selten.

Ökologie

Die Baumammer vertilgt in ihrem Lebensraum eine große Menge an Insekten und trägt somit ihren Teil dazu bei, die Populationen von Schadinsekten zu regulieren. Auf der anderen Seite bilden Baumammern die Nahrungsgrundlage für eine Reihe von Vögeln und Säugetieren. Somit ist die Baumammer ein wichtiger Teil im Ablauf ihres komplizierten Ökosystems. Aber bei der Verbreitung von Baumsamen spielt die Baumammer eine durchaus wichtige Rolle. In den Winterquartieren fressen sie die zur Freude von Landwirten und Obstbauern die Sämereien von Unkräutern. Die Baumammer ist ein kleiner und sehr nützlicher Vogel. Die Bestände sind in den meisten Verbreitungsgebieten noch nicht bedroht. Dies trifft vor allem auf die unzugänglichen Brutgebiete zu. In der Roten Liste wird die Art daher als nicht gefährdet geführt.

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