Baldachinspinnen

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Baldachinspinnen
Gemeine Baldachinspinne (Linyphia triangularis)

Systematik
Stammgruppe: Urmünder (Protostomia)
Überstamm: Häutungstiere (Ecdysozoa)
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Teilordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Radnetzspinnen (Araneoidea)
Familie: Baldachinspinnen
Wissenschaftlicher Name
Linyphiidae
Blackwall, 1859

Baldachinspinnen (Linyphiidae), die auch Zwergspinnen genannt werden, zählen innerhalb der Ordnung der Webspinnen (Araneae) zur Teilordnung der Echten Webspinnen (Araneomorphae). Nach Platnik werden in der Familie in 576 Gattungen 4.345 Arten geführt (Stand 08/2008).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Baldachinspinnen sind eher kleine Spinnenarten und erreichen kaum mehr als eine Körperlänge von bis zu 10 Millimeter. Die mitteleuropäischen Arten erreichen eine Länge von bis zu 8 Millimeter. Die kleinsten Arten erreichen kaum eine Körperlänge von 0,9 Millimeter. Dies trifft beispielsweise auf Glyphesis cottonae zu. Die Männchen der meisten Arten bleiben ein wenig kleiner als Weibchen. Markante Erkennungsmerkmale sind jedoch weniger morphologische Merkmale, sondern eher die typischen Baldachinnetze. Es handelt sich meist um kuppelförmig gewölbte Netzdecken. Baldachinspinnen sind meist langbeinig und hängen kopfüber in ihren Gespinsten. Es handelt sich um sesshafte Spinnen, die sich ausschließlich in ihren Gespinsten aufhalten. Markantes Merkmal der Gespinste sind die zahlreichen Stolperfäden, die Beutetiere in die darunter liegende Netzdecken befördern sollen.

Lebensweise

Baldachinspinnen-Netz
vergrößern
Baldachinspinnen-Netz

Außerhalb der Paarungszeit leben Baldachinspinnen in ihrem Gespinst einzelgängerisch. Während der Paarungszeit leben die Tiere üblicherweise paarweise über mehrere Stunden bis hin zu mehreren Tagen in einem Gespinst. Je nach Gattung oder Art entstehen die Gespinste in Bodennähe oder in höheren Vegetationsschichten. Die Vertreter der Lepthyphantes, der Bathyphantes oder auch der Centromerus bauen ihre Netzdecken in unmittelbarer Nähe zum Erdboden.

Verbreitung

Baldachinspinnen kommen weltweit in allen Klimazonen vor. Von 4.345 Arten treten alleine mehr als 400 Arten auch in gemäßigten Regionen Mitteleuropas in Erscheinung. Die meisten Arten leben jedoch in tropischen und subtropischen Regionen der Erde. Habitate mit einem ausreichenden Pflanzenbewuchs gehören zu den bevorzugten Lebensräumen. So verwundert es nicht, dass Baldachinspinnen vor allem auf Wiesen, Heidelandschaften, Karstlandschaften und an Wald- und Wegrändern anzutreffen sind. Einige Arten zieht es auch in feuchte Keller oder in Häuser allgemein. Hier sind beispielsweise die Arten der Gattung Porrhomma zu nennen. Es gibt in dieser Gattung sogar reine Höhlenformen. Hier fällt auch die Reduktion der Augen auf. Weitere Lebensraumspezialisten sind in der Gattung Drapetisca. Die Art Drapetisca socialis lebt beispielsweise ausschließlich an strukturreichen Baumstämmen.

Ernährung

Baldachinspinnen leben räuberisch als Lauerjäger. Sie ernähren sich hauptsächlich von Geflügelten Insekten (Pterygota) wie zum Beispiel Fliegen (Brachycera) und Mücken (Nematocera). Die Netze werden horizontal gebaut und bestehen aus mehreren Etagen. Beutetiere verfangen sich meist in den oberhalb der Netzdecke befindlichen Stolperfäden. Gerät nun ein Insekt in diese Stolperfäden, so rüttelt eine Baldachinspinne am Gespinst, bis das Insekt in die Netzdecke fällt oder sich befreien kann. Liegt ein Insekt auf der Netzdecke, so eilt die Spinne herbei und zieht das Beutetier durch die Netzdecke. Im Anschluss daran setzt sofort der Fressvorgang ein.

Fortpflanzung

Bei den mitteleuropäischen Arten erstreckt sich die Paarungszeit über den Spätsommer oder den Herbst. Bei der Kommunikation untereinander, vor allem bei der Partnerfindung, spielen chemische Signale eine große Rolle. Unter anderem werden auch bei den Baldachinspinnen während der Balz chemische Signale in Form von Pheromonen gesendet. So wird ebenfalls das Netz eines unbegatteten Weibchens mit solch einem Lockstoff gebaut, das die Männchen anlockt, die selbst kein Netz produzieren. Sobald sich ein Männchen im Netz eines Weibchens befindet, beginnt es mit einem ungewöhnlichen Verhalten, indem das Männchen die Fäden des Netzes durchschneidet und große Teile des Netzes einrollt. Durch die partielle Zerstörung des Netzes wird verhindert, dass das Pheromon von der Fadenoberfläche weiter abgegeben wird. Dies bietet einen enormen Vorteil für ein balzendes Männchen, da so die Anlockung weiterer Männchen, die mit ihm um ein Weibchen konkurrieren könnten, verhindert wird. Das Männchen kann nun das Weibchen besteigen. Es bringt mit seinen Pedipalpen abwechselnd die Samenpakete an das Begattungsorgan (Epigyne) des Weibchens. Dabei werden die Taster fortwährend gewechselt und der jeweils nicht benutzte Taster wird mit den Mundwerkzeugen behandelt. Der Vorgang der Kopulation kann ebenfalls einige Stunden andauern. Nach Beendigung der Kopulation mit dem Weibchen, baut das Weibchen ein neues Netz, dem jetzt das Pheromon fehlt und somit werden keine weiteren Männchen mehr angelockt. Die Weibchen legen die Eier in einen Kokon ab, den sie mit ihrer Seide weben und an Pflanzenteilen befestigen. Bis zum Schlupf der Spiderlinge wird der Kokon gegen Fleischfresser und Artgenossen verteidigt. Je nach Umgebungstemperatur können die Spiderlinge nach einigen Tagen oder nach einigen Wochen schlüpfen.

Systematik der Familie Baldachinspinnen

Familie: Baldachinspinnen (Linyphiidae)

Gattung: Bathyphantes
Gattung: Centromerus
Gattung: Dicymbium
Gattung: Drapetisca
Gattung: Erigone
Gattung: Floronia
Gattung: Frontinellina
Gattung: Gongilidiellum
Gattung: Helophora
Gattung: Labulla
Gattung: Lepthyphantes
Gattung: Microlinyphia
Gattung: Mitrager
Gattung: Neriene
Gattung: Pityohyphantes
Gattung: Poeciloneta
Gattung: Porrhomma
Gattung: Stemonyphantes
Gattung: Tapinopa
Gattung: Taranucnus
Gattung: Tenuiphantes
Gattung: Trematocephalus
Gattung: Walckenaeria
Unterfamilie: Linyphiinae
Gattung: Eigentliche Baldachinspinnen (Linyphia)
Unterfamilie: Micryphantinae

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Koehler, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Bernhard Rensch, Prof. Dr. Peter Rietschel und Prof. Dr. Erich Thenius: Grzimeks Tierleben. Niedere Tiere. Erster Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge