Backenfurchenpaviane

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Backenfurchenpaviane
Mandrill (Mandrillus sphinx)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithicinae)
Gattung: Backenfurchenpaviane
Wissenschaftlicher Name
Mandrillus
Ritgen, 1824

Backenfurchenpaviane (Mandrillus) gehören innerhalb der Unterfamilie der Backentaschenaffen (Cercopithicinae) zur Familie der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae). Der Gattung werden nach Grooves 2 Arten zugerechnet.

Inhaltsverzeichnis

Habitus

Die groß gewachsenen und stämmigen Backenfurchenpaviane erreichen je nach Art und Geschlecht eine Körperlänge von 56,0 bis 76,0 cm, eine Schwanzlänge von 5,0 bis 7,0 cm sowie ein durchschnittliches Gewicht von 12,0 bis 33,0 kg. Männchen können in Extremfällen ein Gewicht von rund 50 kg erreichen. Die beiden Arten unterscheiden sich in der Größe kaum, Weibchen bleiben insgesamt deutlich kleiner und leichter als Männchen. Das Fell ist je nach Art dunkelgrau (Mandrillus sphinx) oder graugrün bis bräunlich (Mandrillus leucophaeus) gefärbt. Der Bauch ist meist weißlich gefärbt. Leicht unterscheiden lassen sich der Drill und der Mandrill durch große Unterschiede in der Form und Färbung der haarlosen Gesichter. Bei den Männchen der Mandrills ist die Schnauze länglich, seitlich der Schnauze zeigen sich bläulichen Leisten. Die Nasenspitze, der Nasenrücken sowie die Lippen weisen eine rötlich Färbung auf. Das restliche Gesicht ist schwärzlich bis hellrosa gefärbt. Beim Drill ist das Gesicht überwiegend schwarz glänzend gefärbt. Die leicht geschwollenen Leisten seitlich der Schnauze sind matt schwarz. Die Unterlippe beim Drill ist rötlich gefärbt. Beim Drill zeigt sich im Bereich des Halses und rund um das Gesicht eine weißliche Krause. Die Analregion ist bei den männlichen Drills rot und blau gefärbt, bei den männlichen Mandrills hingegen mehrfarbig von rot über blau bis hin zu einem Lila. Die Gesäßschwielen sind bei beiden Geschlechtern und Arten rosafarben. Beim Mandrill sind die Eckzähne im Gegensatz zum anderen Geschlecht und auch im Gegensatz zum Drill mit 45 mm sehr lang. Aufgrund des relativ hohen Gewichtes handelt es sich bei den Backenfurchenpavianen um Primaten, die fast ausschließlich am Boden leben. In Bäumen und Büschen sind sie daher eher selten zu beobachten. Die Tiere bewegen sich am Boden hauptsächlich quadrupedal (von Quadrupedie, lat. quadrus = vier und pes = Fuß) auf allen vier Extremitäten fort.

Lebensweise

Backenfurchenpaviane sind gesellig und leben in gemischten Gruppen. Bei den Gruppen kann es sich um Gruppen mit einem oder auch mehreren Männchen handeln. Für gewöhnlich ist die Gruppenstärke der Mandrills stabil und beträgt durchschnittlich mehr als 600 Individuen. Kleinere Gruppen mit 50 Tieren und nur einem Männchen sind hingegen eher selten. Die Gruppenstärken der Drills liegt mit 50 bis 400 Individuen etwas niedriger als bei den Mandrills. Bei beiden Arten kommt es durchaus häufig vor, dass erwachsene Männchen einzelgängerisch leben und nur zur Paarungszeit zu den Herden stoßen. Männchen erreichen die Geschlechtsreife im Alter von frühestens 6 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt erlassen Männchen ihre Geburtsgruppe. Zum typischen sozialen Verhalten innerhalb einer Gruppe gehört das wechselseitige Reinigen des Felles, das sogenannte Allogrooming. Innerhalb der erwachsenen Männchen herrscht bei den Backenfurchenpavianen eine lineare Dominanzhierarchie, wobei ein dominantes Männchen, also ein so genanntes Alpha-Männchen an der Spitze einer Gruppenhierarchie steht. Sowohl die Männchen als auch die Weibchen beider Arten weisen sternale Drüsen auf, deren Sekret der chemischen Kommunikation diesen. Sternale Drüsen liegen im Brustbereich (gr. sternon = Brust, zum Brustbein gehörend). Backenfurchenpaviane sind tagaktiv. Zur Nachtruhe ziehen sich die Tiere in Bäume zurück. Die Aktivität beginnt in den frühen Morgenstunden und endet mit Einbruch der Dunkelheit. Rund 2 Drittel der aktiven Zeit wird mit der Nahrungssuche und -aufnahme verbracht. Die restliche Zeit entfällt auf Wanderungen, Ruhephasen und sozialen Aktivitäten. Die Wanderungen pro Tag erstrecken sich je nach Lebensraum über 2,5 und 15 km, die Reviergröße variiert zwischen 5 und 50 km².

Vorkommen und Lebensraum

Verbreitung

Der Drill kommt in einer kleinen Region vor, die sich über Kamerun, Äquatorialguinea und Nigeria erstreckt. In Nigeria wird der Südosten besiedelt, in Kamerun im Westen und Südwesten. Südlich ist das Verbreitungsgebiet durch eine ausgedehnte Savanne begrenzt. An das Verbreitungsgebiet des Drills schließen sich südlich die Vorkommen der Mandrills an. Die Art kommt in Kamerun, Kongo, Äquatorialguinea und Gabun vor.

Habitat, Lebensraum

Der Mandrill besiedelt hauptsächlich tropische Regenwälder im Tiefland, Auwälder, Küstenwälder sowie lichte Waldsavannen und Galeriewälder. In der Nähe des Menschen werden zum Teil auch landwirtschaftliche Flächen besiedelt. In Höhenlagen ist der Mandrill bis in Höhen von gut 2.000 m anzutreffen. In den meisten Regionen weist das Klima typische Trockenzeiten auf. Der jährliche Niederschlag liegt bei rund 150 mm, die Durchschnittstemperatur liegt je nach Jahreszeit zwischen 20 und 33 °C. Der Drill besiedelt ähnliche Lebensräume.

Biozönose

Sympatrie

Beide Arten leben sympatrisch mit anderen Primaten (Primates). Hier sind je nach Verbreitungsgebiet und Lebensraum Südliche Zwergmeerkatzen (Miopithecus talapoin), Schwarze Stummelaffen (Colobus satanas), Gorillas (Gorilla), Gemeine Schimpanse (Pan troglodytes), Weißlid-Mangaben (Cercocebus) und verschiedene Arten der Meerkatzen (Cercopithecus) zu nennen.

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Backenfurchenpaviane zählen räuberisch lebende Tiere wie der Leopard (Panthera pardus), größere Schlangen (Serpentes) sowie Greifvögel (Falconiformes) wie der Kronenadler (Stephanoaetus coronatus).

Ernährung

Beide Arten der Backenfurchenpaviane gelten als Allesfresser. Weit oben auf der Speisekarte der Drills stehen Sämereien, Früchte, wirbellose Tiere, Schnecken und grüne Blätter sowie andere grüne Pflanzenteile. Unter den wirbellosen Tiere werden überwiegend Ameisen (Formicoidea), Käfer (Coleoptera), Termiten (Isoptera), Grillen (Gryllus) , Spinnentiere (Arachnida) und Skorpione (Scorpiones) gefressen. Hier und da nehmen die Tiere auch das Fleisch von Schlangen (Serpentes), Lurchen (Amphibia), Vögeln (Aves), deren Brut, Eigentliche Ratten (Rattus) und Spitzmäuse (Soricidae) zu sich. Selbst größere Säugetiere werden nicht verschmäht. Der Mandrill ernährt sich hauptsächlich von pflanzlicher Kost, insbesondere von Früchten. Eher selten nimmt der Mandrill auch tierische Nahrung zu sich. Insgesamt schwankt die aufgenommene Nahrung bei beiden Arten jahreszeitlich.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird von den Weibchen im Alter von 4 bis 5 Jahren erreicht, bei den Männchen frühestens im Alter von 6 Jahren. Aufgrund der Dominanzhierarchien kommen Männchen meist erst im Alter von 11 Jahren zu ihrer ersten Paarung. Nur die dominanten Männchen beanspruchen das Recht auf Paarung für sich. Backenfurchenpaviane leben in polygynen Paarungssystemen. Während der Paarungszeit zeigt sich bei den Weibchen eine deutliche Schwellung im Analogenitalbereich. In den meisten Regionen erstreckt sich die Paarungszeit von Juni bis in den November. Zu den Geburten kommt es demnach zwischen Januar und April. Außerhalb der Paarungszeit halten sich die adulten Männchen für gewöhnlich nicht in den Gruppen auf und leben eher einzelgängerisch. Die Paarung erfolgt zwischen den Geschlechtern in dorsoventraler Position, wobei das Männchen von hinten aufreitet. Nach einer Tragezeit von gut 175 Tagen bringt ein Weibchen ein Jungtier zur Welt. Die Geburt erfolgt meist in der Nacht. Der Intervall zwischen 2 Geburten liegt je nach Art bei 15 bis 19 Monaten. Der Zyklus der Weibchen der Drills liegt bei 33 Tagen, bei den Weibchen der Mandrills bei 35 Tagen. Der Nachwuchs weist je nach Art und Geschlecht ein Geburtsgewicht von 722 und 906 Gramm auf. Weibchen sind ein wenig leichter als Männchen. Auch wenn die Entwöhnung von der Muttermilch erst im Alter von 8 bis 15 Monaten erfolgt, wird die erste feste Nahrung bereits ab dem 2. Lebensmonat zu sich genommen. Die Lebenserwartung in Freiheit ist unbekannt, in Gefangenschaft kann ein Alter von mehr als 40 Jahren erreicht werden.

Gefährdung und Schutz

Die Gefährdung im Einzelnen:

Backenfurchenpaviane gehören heute zu den gefährdeten Arten. Der Drill gilt bereits als stark gefährdet (EN, Endangered), der Mandrill als gefährdet (VU, Vulnerable). In den einzelnen Ländern innerhalb des Verbreitungsgebietes stehen die beiden Arten unter staatlichen Schutz. Die Bejagung und das Töten wird mit hohen Geldstrafen oder Gefängnis bestraft. In der Praxis wird jedoch das geltende Gesetzt nur selten durchgesetzt. Die Hauptgründe für die aktuelle Gefährdung geht vom Menschen aus. So sind beide Arten durch den Verlust der natürlichen Lebensräume, insbesondere der Entwaldung, durch die Bejagung und durch die Isolation von Populationen aufgrund der Fragmentierung der Lebensräume. Die größte Bedrohung geht wahrscheinlich von der Bejagung aus. In weiten Teilen des zentralen Afrikas steht Buschfleisch weit oben auf der Speisekarte der lokalen Bevölkerung. Die Jagd auf Backenfurchenpaviane erfolgt meist mit Hunden. Abgeschlachtet werden nicht selten große Teile einer Herde.

Systematik der Backenfurchenpaviane

  • Gattung Backenfurchenpaviane (Mandrillus)
    • Art Mandrill (Mandrillus sphinx)
    • Art Drill (Mandrillus leucophaeus)

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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