Bärenmakak

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Bärenmakak

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Gattung: Makaken (Macaca)
Art: Bärenmakak
Wissenschaftlicher Name
Macaca arctoides
Geoffroy, 1831

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Bärenmakak (Macaca arctoides) zählt innerhalb der Familie der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae) zur Gattung der Makaken (Macaca).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Bärenmakak erreicht eine Körperlänge von 48 bis 65 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 5 bis 8 Zentimeter sowie ein Gewicht von 7 bis 11 Kilogramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Das überaus dichte Fell weist eine bräunliche bis graubraune Färbung auf. Im Alter wird das Fell zumeist lichter. Dies ist vor allem bei älteren Männchen der Fall. Ähnlich wie beim Menschen verlieren sie insbesondere ihre Kopfhaare. Die sichtbaren Hautstellen weist je nach Alter der Tiere eine variable Färbung auf. Jüngere Tiere sind im Gesicht meist fleischfarben, ältere Tiere gräulich gefärbt. Ein rötlicher Schimmer im Bereich der Augenwülste und der Wangen kann bei allen Altersklassen auftreten. Die Augen liegen tief in den Augenhöhlen, die Schnauze ist leicht in die Länge gezogen. Die Nase ist ausgesprochen flach gehalten. Die Ohren sind zumeist unter dem Fell verborgen. Sie sind zumeist nur bei Jungtieren zu sehen. Wie alle Makaken, so verfügen auch Bärenmakaken über Backenbeutel, in denen sie Nahrung zwischenspeichern können. Ein weiterer Dimorphismus zwischen den Geschlechtern ist das Gebiss. Die Eckzähne der Männchen sind deutlich verlängert und bilden eine gefährliche Waffe.

Lebensweise

Bärenmakaken sind gesellig lebende Primaten. Sie leben in gemischt geschlechtlichen Gruppen von teilweise über 50 Tieren. Eine Gruppe besteht aus mehreren Männchen, Weibchen sowie deren Nachwuchs. Sowohl unter den Weibchen als auch unter den Männchen herrscht eine strikte Rangfolge. Paarungsberechtigt ist nur das dominante Männchen. Es paart sich mit allen geschlechtsreifen Weibchen einer Gruppe. Neben der Paarung sind Männchen vor allem für den Schutz der Gruppe zuständig. Auf Nahrungssuche gehen Bärenmakaken in der Regel gemeinsam. Größere Gruppen können sich aber durchaus auch in kleinere Untergruppen aufspalten. Der Kommunikation untereinander oder gegenüber Fressfeinden dienen neben der Mimik vor allem Lautäußerungen, die Abhängig vom Erregungszustand sind. Das Darbieten des Hinterteils in Verbindung mit einer Demutshaltung sind Teil der Bekundung der Untergebenheit von rangniedrigeren Mitgliedern einer Gruppe.

Verbreitung

Bärenmakaken sind in Südostasiens weit verbreitet. Sie kommen vor allem in Bangladesh, China, Indien, Malaysia, Myanmar, Vietnam und Thailand vor. In Indien kommen die Tiere vor allem im Nordosten des Landes vor, andere Landesteile werden nicht besiedelt. Sie sind in den subtropischen bis tropischen Verbreitungsgebieten, vor allem in Regenwäldern und in Bergwäldern anzutreffen. In Höhenlagen kommen die Tiere bis in Höhen von 2.500 Metern vor. Dies ist vor allem in den südöstlichen Ausläufern des Himalaya der Fall. An Waldrändern sind Bärenmakaken auch regelmäßig auf landwirtschaftlichen Flächen und auf Plantagen anzutreffen.

Prädatoren

Fressfeind: Rothund (Cuon alpinus)
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Fressfeind: Rothund (Cuon alpinus)

Zu den natürlichen Fressfeinden gehören Nebelparder (Neofelis nebulosa), Leoparden (Panthera pardus) und Rothunde (Cuon alpinus). Bärenmakaken sind wachsame Tiere. Vor allem die Männchen sorgen für den Schutz der Gruppe. Bei Gefahr flüchten die Tiere zumeist auf Felsen oder in die Bäume. Drohgebärden wie lautstarkes Geschrei, Entblößen der Zähne und Rütteln an Ästen und Zweigen gehören dabei zum Verteidigungsritual.

Ernährung

Bärenmakaken gehen als Allesfresser zumeist in den frühen Morgen- und Abendstunden auf Nahrungssuche. Während einer mehrstündigen Mittagszeit ruhen die Tiere an geschützter Stelle im Schatten. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören neben Früchten auch Sämereien, Körner aller Art, Blüten, Wurzeln, junge Triebe und Blätter. An tierischer Nahrung nehmen sie die Brut und Eier von Vögeln, Krebstiere, Amphibien und größere Insekten zu sich. In der Nähe menschlicher Siedlungen gehen sie auch auf Agrarflächen auf Nahrungssuche. Dabei richten sie zum Teil erheblichen Schaden an und sind bei den Menschen daher nicht sonderlich beliebt. Bärenmakaken sind selten einzelgängerisch auf Nahrungssuche. Die Regel ist die Nahrungssuche in Gruppen. Auf den täglichen Fresswanderungen werden in der Regel ein bis drei Kilometer zurückgelegt. Die Wanderungen sind während der Trockenzeit deutlich länger, während der Regenzeit entsprechend kürzer. Die Nahrungsreviere einer Gruppe umfassen zumeist einige Quadratkilometer.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Bärenmakaken erreichen die Geschlechtsreife mit rund vier bis fünf Jahren. Männchen sind hingegen erst im Alter von sechs bis sieben Jahren geschlechtsreif. Zu Geburten kommt es in der Regel alle zwei Jahre. Damit haben Bärenmakaken eine der niedrigsten Reproduktionsraten innerhalb der Gattung der Makaken. Weibchen können bis zum 15. bis 17. Lebensjahr Nachwuchs zur Welt bringen. Die Paarungszeit erstreckt sich für gewöhnlich über die Monate Oktober bis Dezember, jedoch kann es in den tropischen Verbreitungsgebieten auch ganzjährig zu Paarungen kommen. Die Weibchen weisen einen Zyklus (Östrus) von 30 Tagen auf. Paarungsberechtigt sind nur die dominanten Männchen innerhalb einer Gruppe. Ein dominantes Männchen begattet in der Regel mehrere Weibchen. Bärenmakaken leben somit polygam. Ist jedoch das dominante Männchen einer Gruppe nicht in der Nähe, so kann es durchaus vorkommen, dass sich rangniedrigere Männchen an den Weibchen zu schaffen machen und sie begatten.

Nach einer Tragezeit von 170 bis 185 Tagen bringt ein Weibchen ein Jungtier zur Welt. Es weist in etwa ein Gewicht von 400 bis 550 Gramm auf. Um das Neugeborene kümmert sich in der ersten Zeit ausschließlich die Mutter. Sie trägt das Jungtier in den ersten Wochen am Bauch. Später beteiligen sich auch andere Weibchen an der Aufzucht. Männchen sorgen nur für den Schutz des Nachwuchses, kümmern sich aber nicht direkt um ihn. Ab einem Alter von zwei bis drei Monaten erkunden die Jungtiere spielerisch die nähere Umgebung. Die Mütter haben allerdings immer ein wachsames Auge auf die Kleinen. Die Säugezeit erstreckt sich in der Regel über acht bis zwölf Monate. Ab diesem Zeitpunkt erlangen sie auch ihre Unabhängigkeit, spätestens jedoch im Alter von gut 18 Monaten. Mit Erreichen der Geschlechtsreife verlassen Männchen die Geburtsgruppe, Weibchen verbleiben hingegen in der Gruppe, in der sie geboren wurden. Die Lebenserwartung der Bärenmakaken liegt bei rund 30 Jahren.

Gefährdung und Schutz

Die Bärenmakaken gelten heute als bedrohte Art. In der Roten Liste der IUCN werden sie als bedroht (VU, vulnerable) geführt. In den letzten zehn Jahren hat die Population und 15 bis 20 Prozent abgenommen. Hauptgründe die den starken Rückgang der Populationen sind insbesondere die Vernichtung der natürlichen Lebensräume und die starke Bejagung durch den Menschen. Vor allem der Schwund des Lebensraumes geht in Südostasien in einem rasanten Tempo voran. Tropische Regenwälder werden zugunsten von Monokulturen, der Industrie, dem Handel mit Edelhölzern und Siedlungsraum vernichtet. Dies ist insbesondere in Bangladesh und Indien der Fall - jene Länder, in denen sich die Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten explosionsartig vermehrt hat. In Malaysia, Thailand, Myanmar und China sieht es allerdings nur unwesentlich besser aus. Auch hier gehen weite Teile des Lebensraumes der Bärenmakaken verloren. Es ist unerlässlich gesicherten Lebensraum zu schaffen, denn sonst ist die Art in den meisten Verbreitungsgebieten binnen weniger Jahre verschwunden. Aber auch die Bejagung stellt ein großen Problem dar. Die zum Teil sehr arme Bevölkerung jagt die Bärenmakaken wegen des Fleisches. Die Bärenmakaken werden mit traditionellen Metallschlingen gejagt oder gleich mit automatischen Waffen erschossen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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