Australischer Seelöwe

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Australischer Seelöwe

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Ohrenrobben (Otariidae)
Gattung: Neophoca
Art: Australischer Seelöwe
Wissenschaftlicher Name
Neophoca cinerea
Péron, 1816

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Australische Seelöwe (Neophoca cinerea) zählt innerhalb der Familie der Ohrenrobben (Otariidae) zur Gattung Neophoca. Im englischer wird das Tier Australian Sea Lion genannt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution, fossile Funde

Molekular biologische Studien haben ergeben, dass sich die Australischen Seelöwen vor rund 22 Millionen Jahren aus der Familie Enaliarctidae entwickelt haben. Nach einhelliger Meinung begann die Entwicklung im nördlichen Pazifik. Enaliarctidae gilt als fossiles Schwestertaxon der Ohrenrobben (Otariidae). Die ersten Ohrenrobben entwickelten sich vor rund 10 bis 12 Millionen Jahren. Vor etwa 5 Millionen Jahren tauchten die ersten Vertreter der Ohrenrobben in der südlichen Hemisphäre, vor der Küste Australiens und Neuseelands vor etwa 3 Millionen Jahren. Die ältesten Fossilien vor der Küste Neuseelands stammen aus dem Oberen Pleistozän und wurden auf ein Alter von 90.000 bis 100.000 Jahren datiert.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Australische Seelöwe erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 180 bis 250 Zentimeter sowie ein Gewicht von 63 bis 410 Kilogramm. In der Größe weisen die Geschlechter einen markanten Dimorphismus auf. Männchen wiegen rund 300 bis 410 Kilogramm, Weibchen weisen bei einer Länge von bis zu 180 Zentimeter ein durchschnittliches Gewicht von 63 bis 81 Kilogramm auf. Nur während der Trächtigkeit erreichen sie ein Gewicht von bis zu 104 Kilogramm auf. Der Kopf ist ausgesprochen groß und langgestreckt, zur Schnauze hin endet er in einem hundeartigen Maul. Im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die vor allem bei der Nahrungssuche der Orientierung dienen. Es sind zwischen 44 und 48 Vibrissen vorhanden, die eine gräuliche oder cremefarbene Färbung aufweisen. Die längsten Vibrissen weisen eine Länge von gut 18 Zentimeter auf, an der Wurzel wird ein Durchmesser von etwa 1,5 Millimeter erreicht. Die sehr kleinen und kaum sichtbaren Ohren liegen seitlich weit hinten am Kopf. Das Gebiss besteht aus 34 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet 3/2, 1/1, 5/5. Die Fellfärbung variiert je nach Alter und Geschlecht. Geschlechtsreife Männchen sind zumeist dunkelbraun gefärbt, Schulter, Brust und Bauch sowie der Kopf sind weitestgehend cremefarben gefärbt. Weibchen und subadulte Männchen weisen eine aschgraue bis silbergraue, bauchseits eine leicht cremefarbene bis gelbliche Färbung auf. Juvenile Seelöwen sind in der Regel dunkelbraun gefärbt. Welpen sind dunkelgrau bis schokoladenbraun gefärbt. Bei den Welpen stellt sich ab der zehnten Lebenswoche die subadulte Fellfärbung ein.

Lebensweise

Australische Seelöwen sind gesellige Meeressäuger, die in zum Teil großen Kolonien an den Stränden ihres Lebensraumes anzutreffen sind. Einen Großteil ihres Lebens verbringen sie an Land. Auf Nahrungssuche gehen Australische Seelöwen überwiegend in der Nacht, eher selten auch am Tage. Sie orientieren sich dabei mit ihrem hoch entwickelten Sehsinn. Die durchschnittlichen Tauchtiefen liegen bei bis zu 30 Metern, die durchschnittlichen Tauchzeiten betragen dabei nur wenige Minuten. Innerhalb einer Kolonie haben die dominanten Bullen das Sagen. Während der Paarungszeit beanspruchen sie einen großen Harem für sich. Die stärksten Bullen befinden sich im Zentrum einer Kolonie, jüngere Männchen halten sich meist an den Rändern einer Kolonie auf. Weibchen kümmern sich um ihren Nachwuchs alleine, Männchen haben mit der Aufzucht nichts zu tun. Es kann durchaus vorkommen, dass ein dominanter Bulle ein Jungtiere beißt und durch die Gegend schleudert. Nicht selten sterben die Jungtiere durch derartige Attacken. Verwaiste Jungtiere werden oftmals von anderen Weibchen aufgenommen und gesäugt. Dies ist jedoch nicht die Regel. Während der Paarungszeit kommt es unter den dominanten Bullen zu heftigen Kämpfen um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Die Kämpfe enden oft mit tiefen Bisswunden. Es wurde beobachtet, dass Australische Seelöwen kleine Steine schlucken. Man vermutet, dass diese Eigenart etwas mit dem Tauchverhalten der Tiere zu tun hat. Auf der anderen Seite könnten diese kleine Steine auch bei der Verdauung behilflich sein.

Verbreitung

Australische Seelöwen finden ihre Verbreitung an der südlichen und südwestlichen Küste Australiens sowie auf den der Küste vorgelagerten Inseln. Die größten Populationen leben dabei auf der Känguru-Insel. Die Känguru-Insel liegt südwestlich von Adelaide im Golf von St. Vincent. In Richtung Westaustralien nimmt die Stärke der Populationen deutlich ab. Eine kleine Population lebt an der nordwestlichen Küste von Tasmanien. Australische Seelöwen leben in großen Kolonien ausschließlich an sandigen Stränden. Sie gelten als sesshaft und unternehmen daher keine jahreszeitlich bedingten Wanderungen. Es kommt lediglich zu kleinen nahrungsbedingten Wanderungen. Australische Seelöwen bewegen sich an Land ausgesprochen sicher und können auch einige Kilometer landeinwärts beobachtet werden. Strandnahe Klippen und Felsen dienen vor allem den Bullen als Aussichtspunkt. Ansonsten halten sich die Tiere hauptsächlich im Dünenbereich ihres Lebensraumes auf.

Prädatoren

Fleischfresser: Weißer Hai (Carcharodon carcharias)
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Fleischfresser: Weißer Hai (Carcharodon carcharias)

Australische Seelöwen haben in ihren natürlichen Lebensräumen neben dem Menschen nur einen Feind, den Weißen Hai (Carcharodon carcharias). Obwohl sich Australische Seelöwen fast ausschließlich in küstennahen Riffen aufhalten, fallen viele Tiere hier diesem gefräßigen Räuber zum Opfer. Leichte Beute sind vor allem Jungtiere und Weibchen. Ausgewachsene Bullen sind durchaus wehrhafte Tiere, die nicht selten die Attacken eines Weißen Haies überleben. Davon zeugen bei dominanten Bullen tiefe Fleischwunden, die nicht unbedingt von Artgenossen, sondern auch von Haien stammen können.

Ernährung

Als Raubtiere (Carnivora) gehören Australische Seelöwen zu den reinen Fleischfressern. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören neben kleineren und größeren Fischen auch kleine Haie. Aber auch Kalmare (Teuthida), Sepien (Sepiida), Kraken (Octopodida) und andere Kopffüßer (Cephalopoda) werden gerne gefressen. Bei Gelegenheit werden aber auch Zwergpinguine (Eudyptula minor) und andere Pinguinarten nicht verschmäht. Fische bilden jedoch den Hauptanteil am Nahrungsaufkommen. Australische Seelöwen jagen hauptsächlich im Oberflächenwasser. Selten tauchen sie dabei tiefer als 30 Meter hinab.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen Australische Seelöwen im Alter von 3,5 bis 6 Jahren. Männchen benötigen meist 1 bis 2 Jahre länger. Zu ihrer ersten Paarung kommen Männchen meist erst sehr viel später, das sie vorher nicht in den Rivalenkämpfen bestehen könnten. Dieses Zeitpunkt nennt man auch soziale Geschlechtsreife. In den natürlichen Lebensräumen erstreckt sich die Paarungszeit über das ganze Jahr. Eine saisonal begrenzte Paarungsaktivität ist nicht zu beobachten. Augrund der sehr langen Tragezeit kommt es bei einem Weibchen jedoch nicht jedes Jahr zu einem Wurf. Australische Seelöwen leben ausgesprochen polygam. Männchen beanspruchen ein Harem, der in der Regel vier bis fünf Weibchen umfasst. Unterlegene und schwächere Bullen an den Rändern einer Kolonie versuchen in einem unbemerkten Augenblick sich mit dem einen oder anderen Weibchen eines fremden Harems zu paaren. Bei der Revierverteidigung nehmen Bullen keine Rücksicht auf Weibchen und Jungtiere. Nicht selten überrennen sie mit ihrem hohen Gewicht einzelne Welpen oder töten diese gleich.

Zur Paarung kommt es innerhalb der ersten sechs Tage nach einem Wurf. Nur während dieser Zeit sind die Weibchen empfängnisbereit. Nach einer Tragezeit von 530 bis 570 Tagen bringt ein Weibchen einen Welpen zur Welt. In dieser sehr langen Tragezeit ist eine mehrmonatige Keimruhe enthalten. Die eigentliche Tragezeit beträgt lediglich neun Monate. Ein Welpe weist eine stattliche Länge von 62 bis 68 Zentimeter sowie ein Gewicht von 6.400 bis 7.900 Gramm auf. Das erste Fell weist eine dunkelbraune Färbung auf. Mitte des dritten Lebensmonats stellt sich bereits das subadulte Fell ein. Wenn ein Weibchen auf Nahrungssuche geht, lässt sie ihren Nachwuchs am Srtand zurück. Die Nahrungssuche kann sich über mehrere Stunden oder auch Tage erstrecken. In dieser Zeit leben die Welpen in kleinen Gruppen. Ihre ersten Schwimmversuche machen sie in unmittelbarer Nähe zum Strand im Flachwasser von geschützten Buchten. Die Säugezeit endet spätestens, wenn der neue Nachwuchs zu Welt kommt. Ab diesem Zeitpunkt sind die Jungtiere auch selbständig. In der Regel erfolgt die Absetzung von der Muttermilch jedoch im dritten Lebensmonat.

Ökologie

Australische Seelöwen regulieren durch ihren gesunden Appetit in ihrem Lebensraum die Populationen sowohl von Fischen als auch beispielsweise von Zwergpinguinen. In Bezug auf Fische geschieht dies nicht selten zum Ärgernis des Menschen, der die Australische Seelöwen als Nahrungskonkurrenten sieht. In der Vergangenheit kam es immer wieder durch Massenabschlachtungen durch den Menschen. Heute spielt diese Praxis zum Glück kaum noch eine Rolle. Heute spielen die Tiere im Tourismus eine durchaus tragende Rolle. Australische Seelöwen locken während der Paarungszeit viele tausend Touristen beispielsweise auf die Känguru-Insel.

Gefährdung und Schutz

Australische Seelöwen gelten aktuell als nicht gefährdet. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt. Die Gesamtpopulation wird heute auf 10.000 bis 12.000 Tiere geschätzt. In allen Verbreitungsgebieten stehen die Tiere unter Schutz und dürfen nicht gejagt werden. Durch den Schutz hat sich die Population deutlich stabilisiert, denn noch im Jahre 1994 galt die Art als gefährdet. Tiere dürfen nur noch für Forschungszwecke und für zoologische Einrichtungen gefangen werden.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Links

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