Australien-Zwergdommel

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Australien-Zwergdommel

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Stelz- und Schreitvögel (Ciconiiformes)
Familie: Reiher (Ardeidae)
Unterfamilie: Dommeln (Botaurinae)
Gattung: Zwergdommeln (Ixobrychus)
Art: Australien-Zwergdommel
Wissenschaftlicher Name
Ixobrychus dubius
Mathews, 1912

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Australien-Zwergdommel (Ixobrychus dubius) zählt innerhalb der Familie der Reiher (Ardeidae) zur Gattung der Zwergdommeln (Ixobrychus). Im Englischen wird die Australien-Zwergdommel little bittern genannt. Dieses Taxon wird von einigen Autoren als Subspezies von Ixobrychus minutus im weiteren Sinne (sensu-lato) betrachtet. Es gibt keine bekannten Unterarten, demnach ist die Art monotypisch.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Australien-Zwergdommel ist eine ziemlich kleine Zwergdommel und erreicht eine Körperlänge von etwa 25,0 bis 36,0 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 60,0 bis 120,0 Gramm. Das Obergefieder des Männchens weist eine schwarze Färbung auf. Ferner ist die Kappe ebenfalls schwarz getönt. Die Unterseite, die Halsseiten, die Brustseiten und die Kopfseiten sind intensiv kastanienbraun gefärbt. Ferner zeigen sich auf den Schultern große gelbbraune Flecken, die besonders im Flug auffällig sind. Im Gegensatz zum Männchen ist das Weibchen viel matter gefärbt. Das Obergefieder ist matt braun und der Rücken und die Krone sind gestreift. Die Jugendlichen sind ähnlich gefärbt wie das Weibchen. Die Iris der Augen weist eine gelbe Färbung auf und der Schnabel ist ebenfalls gelb getönt. Der Bereich des Oberschnabels von der Schnabelspitze bis zum Federansatz (Culmen) ist von einer schwarzen Färbung. Die Beine und die Füße sind grünlich-gelb geschönt.

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN migriert die Australien-Zwergdommel auf breiter Front nach der Brutzeit zwischen August und Oktober südwärts. Die Rückkehr in den Norden findet von März bis April statt. Bei anderen Populationsgruppen, die in den Tropen ansässig sind, können teilweise die Migrationsbewegungen mit Schwankungen in den Feuchtgebieten verbunden sein. In der westlichen Paläarktis und in Indien brütet die Art meist zwischen Mai und Juli, in Australien erfolgt die Brutzeit von Oktober bis Januar, in Südafrika von Juni bis Februar und im tropischen Afrika erfolgt die Brutzeit während der Regenzeit. Die Australien-Zwergdommel brütet einzeln oder gelegentlich in kleinen lockeren Gruppen in günstigen Lagen, zum Beispiel zwei bis drei Nester, 50 Meter voneinander entfernt am gleichen See.
Schilfrohrgürtel an einem See
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Schilfrohrgürtel an einem See
Außerhalb der Brutzeit leben die Vögel einzeln oder paarweise in Afrika oder in kleinen Gruppen von 5 bis 15 Individuen, zum Beispiel während der Migration, oder rasten in Gruppen von 30 Individuen in Afrika. In den meisten Bereichen ist die Australien-Zwergdommel dämmerungskativ, obwohl sie in einigen Regionen, zum Beispiel in Südafrika, auch tagaktiv ist. Die Australien-Zwergdommel hält sich am häufigsten in Süßwassersümpfen auf, die mit Rohrkolben (Typha) oder mit Schilfrohr (Phragmites australis) oder mit anderen dichten Wasserpflanzen, vorzugsweise auch mit Laubsträuchern und mit Bäumen wie Weiden (Salix) oder Erlen (Alnus) umsäumt sind. Die Australien-Zwergdommel besiedelt auch die Ränder der Seen, Teiche und Stauseen sowie bewaldete und sumpfige Ufern der Bäche und Flüsse, Wüsten-Oasen, Moore, sumpfige Waldgebiete, Feuchtwiesen, Reisfelder, üppige Vegetation rund um Abwasser-Teiche, Mangroven-Wälder, Salzlagunen und Salzwiesen. Die Ernährung hängt jeweils von Region und Saison ab. Im Wesentlichen ernährt sich die Australien-Zwergdommel von Wasserinsekten und deren Larven sowie andere Insekten wie Grillen, Heuschrecken, Raupen und Käfer. Des Weiteren zählen zum Nahrungsspektrum Spinnen, Weichtiere, Krebstiere wie Garnelen und Krebse, Fische, Frösche, Kaulquappen, kleine Reptilien und kleine Vögel. Das Nest besteht in der Regel aus Schilf und Zweigen und wird normalerweise an offenen Pools nahe der Wasseroberfläche oder bis zu 60 Zentimeter oberhalb in dichter Vegetation wie Rohrkolben (Typha) oder Schilfrohr (Phragmites australis) angelegt. Alternativ kann das Nest auch in niedrigen Büschen oder auf Bäumen angebracht werden wie zum Beispiel Weiden (Salix) oder Erlen (Alnus). In der Regel befinden sich die Nester einzeln oder auch in lockeren Kolonien in günstigen Lebensräumen. Die Nester werden oft in aufeinander folgenden Jahren wieder verwendet.

Verbreitung

Lord Howe Island from North
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Lord Howe Island from North

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Australien-Zwergdommel in folgenden Ländern vor: Afghanistan, Albanien, Algerien, Angola, Armenien, Australien, Österreich, Aserbaidschan, Bahrain, Bangladesch, Belorussland, Belgien, Benin, Bosnien und Herzegowina, Botsuana, Bulgarien, Burkina Faso, Burundi, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Tschad, China, Kongo, Demokratische Republik Kongo, Côte d'Ivoire, Kroatien, Zypern, Tschechische Republik, Ägypten, Äquatorialguinea, Eritrea, Estland, Äthiopien, Frankreich, Gabun, Gambia, Georgien, Deutschland, Ghana, Griechenland, Guinea, Guinea- Bissau, Ungarn, Indien, Indonesien, Islamische Republik Iran, Irak, Israel, Italien, Jordanien, Kasachstan, Kenia, Kuwait, Kirgisistan, Lettland, Lesotho, Liberia, Litauen, Luxemburg, ehemalige jugoslawischen Republik Mazedonien, Madagaskar, Malawi, Mali, Malta, Mauretanien, Moldawien, Montenegro, Marokko, Mosambik, Namibia, Niederlande, Niger, Nigeria, Oman, Pakistan, Papua-Neuguinea, Polen, Portugal, Katar, Rumänien, Russische Föderation, Ruanda, Saudi-Arabien, Senegal, Serbien, Sierra Leone, Slowakei, Slowenien; Somalia, Südafrika, Spanien, Sudan, Swasiland, Schweiz, Arabische Republik Syrien, Tadschikistan, Vereinigte Republik Tansania, Togo, Tunesien, Türkei, Turkmenistan, Uganda, Ukraine, Vereinigte Arabische Emirate, Usbekistan, Jemen, Sambia und Simbabwe. Als Durchzügler trifft man die Australien-Zwergdommel in folgenden Ländern an: Barbados, Kap Verde, Dänemark, Färöer Inseln, Gibraltar, Island, Irland, Libyen, Liechtenstein, Mongolei, Neuseeland, Norwegen, Sao Tomé und Principe und Schweden. Laut der Roten Liste der IUCN besiedelt die Australien-Zwergdommel folgende Habitate: Subtropische und tropische Wälder mit Mangroven-Vegetation und Hochwasser, subtropisches und tropisches saisonbedingtes überschwemmtes Grünland, Feuchtgebiete (Inland) wie Moore, Sümpfe, Torf-Moor-Landschaften, Süßwasserseen über 8 Hektar, Süßwassersümpfe und Pools unter 8 Hektar, Inland-Deltas, Stauseen über 8 Hektar sowie saisonbedingtes überschwemmtes Ackerland.

Ernährung

Kimberley Region in West-Australien
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Kimberley Region in West-Australien

Neben Insekten und Amphibien werden von der Australien-Zwergdommel auch Krebstiere, kleinere Säuger und Reptilien sowie kleinere Fische gefressen. Die Australien-Zwergdommel ist eine Pirschjägerin, seltener auch eine Ansitzjägerin. Sie watet meist durch Flachwasser und stößt bei potentieller Beute schnell mit ihrem kräftigen Schnabel zu. In dichter Ufervegetation ist sie aufgrund ihrer Färbung sehr gut getarnt und wird von Beutetieren meist erst erkannt, wenn es zu spät ist. Beutetiere werden durch Zerdrücken mit dem Schnabel und Schütteln getötet. Beute wird grundsätzlich im Ganzen verschlungen.

Fortpflanzung

Geschlechtsreif ist die Australien-Zwergdommel mit rund einem Jahr. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten im Mai und kann sich bis in den Juni hinein erstrecken. Während der Paarungszeit sind insbesondere die Männchen sehr territorial und verteidigen ihr Revier gegenüber Artgenossen vehement. Australien-Zwergdommeln leben wahrscheinlich in saisonaler Einehe. Einen geeigneten Nistplatz wählt das Weibchen selbst aus. Meist befinden sich die Nester in dichter Ufer- oder Schilfvegetation am Boden, gelegentlich auch freischwimmend auf dem Wasser in unmittelbarer Nähe zum Ufer. Auch am Nestbau ist nur das Weibchen beteiligt. Das Nest besteht hauptsächlich aus Pflanzenteilen wie Schilfblätter und ähnlichem. Nach erfolgreicher Kopulation legt das Weibchen etwa vier bis sechs Eier in das fertig gestellte Nest. Die Eier weisen eine matte weiße Färbung auf. Die Brutzeit erstreckt sich über 26 bis 27 Tage. Das Männchen ist weder am Brutgeschäft noch an der Aufzucht der Jungen beteiligt. Die Küken haben anfangs ein braunes bis rostrotes Dunenkleid. Nach bereits zwei Wochen verlassen die Jungvögel ihr Nest und halten sich im folgenden in der Nähe des Nestes verborgen. Nach Verlassen des Nestes bleiben die Jungvögel noch rund vier bis sechs Wochen bei der Mutter. Danach sind sie flügge.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört die Australien-Zwergdommel heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Sie ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt die Australien-Zwergdommel selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird die Australien-Zwergdommel als least concern (nicht gefährdet) geführt. Auch wenn die Art noch als nicht gefährdet geführt wird, so ist sie doch durch direkte Zerstörung von Lebensraum, Verschmutzung und durch hydrologische Veränderungen, zum Beispiel Flüsse, bedroht. Des Weiteren leidet die Art unter hoher Sterblichkeit infolge von Dürre und Wüstenbildung in ihren Überwinterungsgebieten in Afrika. Es sind degradierte Feuchtgebiete für die Spezies erforderlich.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X
  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X

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