Aurorafalter

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Aurorafalter
Männlicher Aurorafalter

Taxonomie
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Unterordnung: Glossata
Familie: Weißlinge (Pieridae)
Unterfamilie: Echte Weißlinge (Pierinae)
Tribus: Pierini
Gattung: Anthocharis
Art: Aurorafalter
Wissenschaftlicher Name
Anthocharis cardamines
(Linnaeus, 1758)

Der Aurorafalter (Anthocharis cardamines), auch unter dem Synonym Euchloe cardamines bekannt, zählt innerhalb der Familie der Weißlinge (Pieridae) zur Gattung Anthocharis. Im Englischen wird der Aurorafalter Orange Tip genannt. Die BUND NRW Naturschutzstiftunghat in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V.den Aurorafalter zum Schmetterling des Jahres 2004 gewählt.

Der weibliche Aurorafalter kann mit mehreren Arten verwechselt werden, unter anderem mit dem Großen Kohlweißling (Pieris brassicae) sowie mit dem Kleinen Kohlweißling (Pieris rapae), mit dem Rapsweißling (Pieris napi), mit dem Resedafalter (Pontia edusa), mit Pontia daplidice, mit dem Mattfleckigen Weißling (Euchloe simplonia), mit Anthocharis damone sowie mit Anthocharis euphenoides.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Aurorafalter erreicht eine Flügelspannweite von etwa 35 bis 45 Millimeter und die Flügellänge beträgt etwa 25 Millimeter. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen zeigt sich ein deutlicher Dimorphismus. Der Vorderflügel weist oberseits eine schwarze Spitze auf und etwa in der Mitte zeigt sich ein kurzer schwarzer Strich. Des Weiteren ist bei dem Männchen, die gesamte Spitzenhälfte des Vorderflügels ausfüllend, ein großer orangefarbener Fleck zu erkennen. Auch die Unterseite der Vorderflügelspitze ist bei dem Männchen orangefarben getönt. Bei dem Weibchen fehlt dieser markante orangefarbene Fleck. Die Unterseite der Hinterflügel weist bei beiden Geschlechtern eine grünlich marmorierte Färbung auf. In Ruhestellung zeigt die nicht verdeckte Vorderflügelspitze unterseits dieselbe grünliche Zeichnung wie die Unterseite der Hinterflügel. Der weibliche Aurorafalter hat im Gegensatz zum Mattfleckigen Weißling (Euchloe simplonia) in der Mittelzelle der Vorderflügel einen sichelförmigen schwarzen Fleck und keinen hellen Fleck im dunklen Feld der Flügelspitze. Die vorherrschende weiße Färbung beruht auf Pigmenten aus der Gruppe der Pterine, die von der Harnsäure abstammen. Sie erzeugen Weiß-(Leucopterin), Orange-(Chrysopterin), Gelb-(Xanthopterin) sowie Rottöne (Erythropterin) und treten nur bei der Familie der Weißlinge (Pieridae) und der Unterfamilie der Gelblinge (Coliadinae) auf.
Unterseite des Hinterflügels bei dem männlichen Aurorafalter
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Unterseite des Hinterflügels bei dem männlichen Aurorafalter
Die Vorderflügel weisen drei bis fünf Radialadern auf. Die Hinterflügel sind mit zwei Analadern ausgestattet. Die Vorderbeine bei beiden Geschlechtern sind gut entwickelt. Die Tarsen sind fünfgliedrig und mit zwei gespaltenen Krallen versehen. Die Valven (Begattungsorgan) der männlichen Genitalarmatur sind nicht miteinander verschmolzen. Die behaarte Raupe kann eine Länge von 30 bis 35 Millimeter erreichen. Sie weist einen blaugrünen Rücken auf und ist seitlich mit einem weißen Streifen versehen, der nach unten scharf begrenzt ist und nach oben allmählich in die grüne Grundfärbung übergeht. Auf dem Rücken befinden sich feine Haare, aus denen kleine milchige Tropfen abgesondert werden. Die Tropfen machen die Raupe für Prädatoren ungenießbar. Die Raupe kann mit der Raupe des Zitronenfalters (Gonepteryx rhamni) verwechselt werden, jedoch ist die Raupe mit schwärzlichen Warzen bedeckt. Die Puppe kann wie ein Dorn aussehen, wenn sie nur mit einem fast unsichtbaren Seidengürtel befestigt an einem dürren Pflanzenstängel hängt. Sie wird auch deswegen als Gürtelpuppe bezeichnet.

Lebensweise

Die Flugzeit des Aurorafalters findet von April bis Juni statt. Bei viel Sonne und ausreichender Wärme kann die Flugzeit auch schon ab März beginnen und der weibliche Aurorafalter legt leicht die Eier an Kelchblättern oder Blütenstielen der Futterpflanzen ab. Es kommt nur zu einer Generation pro Jahr. Die Raupe lebt im Mai und im Juni an verschiedenen Kreuzblütlern, vor allem an dem Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) und an der Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata). Sie bevorzugt feuchte Wiesen und Lichtungen und ist aufgrund ihrer ausgezeichneten Tarnfarbe nicht leicht zu finden. Die Raupe wächst sehr rasch und kann sich manchmal gegenüber Artgenossen ziemlich aggressiv verhalten. Nach vier Häutungen verpuppt sich die Raupe als Gürtelpuppe und überwintert in ihrer eigenartig geformten Puppe.

Weiblicher Aurorafalter
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Weiblicher Aurorafalter

Unterarten

Verbreitung

Der Aurorafalter kommt in ganz Europa bis auf Schottland und Nordskandinavien vor. Des Weiteren ist der Aurorafalter auch in Mittelasien sowie in Japan anzutreffen. Auch in den Alpen bis in Höhen von 2.000 Metern ist der Aurorafalter zu finden. Zu den bevorzugten Habitaten zählen die Feuchtwiesen, daneben auch entlang die Waldränder sowie die lockeren, feuchten Wälder und die Waldwiesen. In den meisten Gegenden kommt der Aurorafalter ziemlich häufig vor.

Ernährung

Als Futterpflanzen kommen für den Aurorafalter und für die Raupe verschiedene Kreuzblütler in Frage. Auf Feuchtwiesen werden vorzugsweise das Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), in den Wäldern besonders die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), daneben unter anderem auch das Ausdauernde Silberblatt (Lunaria rediviva), das Bittere Schaumkraut (Cardamine amara) sowie der Ackersenf (Sinapis arvensis) besucht. Aber auch die Rote Lichtnelke (Silene dioica), der Kriechende Günsel (Ajuga reptans) und der Gundermann (Glechoma hederacea) werden von dem Aurorafalter nicht verschmäht.

Fortpflanzung

Im Laufe der Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Falter durchläuft der Aurorafalter eine vollständige Metamorphose. Die Entwicklung erstreckt sich über vier Entwicklungsstadien: Ei, Raupe, Puppe und fertiger Schmetterling. Mit dem Schlupf aus der Puppe oder kurze Zeit später ist der Aurorafalter auch geschlechtsreif und kann sich fortpflanzen. Ein juveniles Stadium gibt es bei dem Schmetterling nicht.
Raupe des Aurorafalters
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Raupe des Aurorafalters
Die Geschlechtsorgane liegen bei beiden Geschlechtern im Bereich des Hinterleibes. Zur Begattung berühren sich die Falter jeweils mit dem Hinterleib. Dabei schauen sie in die entgegengesetzte Richtung. Die Partner verhaken sich dabei regelrecht. Bei der eigentlichen Begattung führt das Männchen sein Begattungsorgan in das Weibchen ein. Der in das Weibchen übertragene Samen wird in einer Begattungstasche, der sogenannten Bursa copulatrix, gespeichert. Unmittelbar vor der Eiablage wird dann jedes einzelne Ei befruchtet. Die zunächst weißen, später roten Eier werden von dem Weibchen einzeln an den Blütenstielen oder Kelchblättern der Futterpflanze geklebt. Gelegentlich werden aber auch mehrere Eier an den Blütenstielen der Futterpflanzen abgelegt. Die ausgezeichnet getarnte Raupe verhält sich sehr unverträglich gegenüber Artgenossen. Wenn mehrere Raupen auf einer Pflanze sitzen, so kann es auch unter den Raupen auch zum Kannibalismus kommen. Die Raupe bevorzugt als Nahrung Blüten und unreife Fruchtstände. Erst wenn diese verzehrt sind, frisst sie auch an den Blättern. Nach etwa vier Häutungen verpuppt sich die Raupe. Die graubraune, sehr schlanke Gürtelpuppe ist am Kopfende in einen langen, zur Rückseite gebogenen Dorn ausgezogen. Sie erinnert an einen Pflanzendorn und ist an einem dünnen Pflanzenstängel kaum zu entdecken. Sie befindet sich meist dicht über dem Erdboden im Einflussbereich der bodennahen Luftfeuchte und stellt das Überwinterungsstadium dar. Erst im nächsten Frühjahr schlüpft dann der voll ausgebildete Aurorafalter. Gelegentlich kommt es vor, dass die Puppe zwei Jahre überwintert. Diese Überwinterung wird auch als Diapause bezeichnet. Die Art bildet stets nur eine Generation im Jahr aus. Die Lebenserwartung des Aurorafalters beträgt durchschnittlich etwa vierzehn Tage.

Gefährdung und Schutz

In den vergangenen drei Jahrzehnten hat der Mensch seine Umwelt verändert wie nie zuvor. Diese Veränderungen bedeuten immer Verarmung und damit Rückgang der ökologischen Nischen. Die Gründe dafür sind äußerst vielfältig und stehen untereinander und mit anderen Faktoren in einer Wechselbeziehung.
Puppe des Aurorafalter
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Puppe des Aurorafalter
Am wichtigsten sind die Verarmung der Landschaft und Flurbereinigung, Trockenlegung, Urbanisierung und Straßenbau, die allgegenwärtige Verschmutzung sowie der Einsatz von Düngern, Pflanzenschutzmitteln und weiteren Giftstoffen. Besonders empfindlich scheinen die Raupen auf Staub zu reagieren. Blattflächen, die mit einer feinen Staubschicht versehen sind, werden von den Raupen nicht gefessen, die Tiere verhungern eher. Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass sie vor allem der gegenwärtige Abrieb der Autoreifen vom Fressen abhält. Die meisten Schmetterlinge (Lepidoptera) sind wohl deswegen am Aussterben, weil ihre Nährpflanzen keinen Platz zum Überleben mehr haben. Wenn ein Landwirt Wiesen zu düngen beginnt, verschwinden innerhalb kürzester Zeit 80 bis 90 Prozent aller Pflanzenarten. Mit ihnen sterben die phytophagen Insekten, an erster Stelle die Schmetterlinge (Lepidoptera) und die Langfühlerschrecken (Ensifera) sowie die Kurzfühlerschrecken (Caelifera). In diesem Zusammenhang darf man nicht vergessen, dass sich auch viele erwachsene Schmetterlinge (Lepidoptera) ernähren müssen. Wenn sie nicht die richtigen Blüten finden, sterben sie aus, selbst wenn die Raupennahrung noch wächst. Man kann in dieser Beziehung einen praktischen Naturschutz betreiben, indem man entsprechende Insektenblumen in den Gärten pflanzt, wie zum Beispiel das Ausdauernde Silberblatt (Lunaria rediviva) und die Gewöhnliche Nachtviole (Hesperis matronalis). Auch das Mähen von Flächen, wo das Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) und die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) wachsen, ist für die Raupen und für die Puppen tödlich und sollte besonders an den Waldwegen und an den Waldrändern vermieden werden.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann: Der neue Kosmos-Schmetterlingsführer. Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen. Kosmos, 2003 ISBN 3440093301
  • Leon Rogez: Schmetterlinge und Raupen. Ensslin im Arena Verlag, 2006 ISBN 3401452541
  • Thomas Ruckstuhl: Schmetterlinge und Raupen. Gondrom Verlag, 2001 ISBN 3401452541
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
  • Valerio Sbordoni, Saverio Forestiero: Weltenzyklopädie der Schmetterlinge Arten, Verhalten, Lebensräume. München Südwest Verlag, 1985 ISBN 3-517-00876-1
  • Dr. Frieder Sauer: Sauers Naturführer Raupe und Schmetterling. Karlsfeld Fauna-Verlag, 1988, 4. Auflage ISBN 3-923010-00-1

Links

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