Aucklandscharbe

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Aucklandscharbe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Ruderfüßer (Pelecaniformes)
Familie: Kormorane (Phalacrocoracidae)
Gattung: Kormorane (Phalacrocorax)
Art: Aucklandscharbe
Wissenschaftlicher Name
Phalacrocorax colensoi
Buller, 1888

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Die Aucklandscharbe (Phalacrocorax colensoi), auch unter dem Synonym Leucocarbo colensoi bekannt, zählt innerhalb der Familie der Kormorane (Phalacrocoracidae) zur Gattung der Kormorane (Phalacrocorax). Im Englischen wird die Aucklandscharbe auckland shag, auckland island shag oder auckland islands shag genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt. Dieser Taxon wird von einigen Autoren als Subspezies von Phalacrocorax carunculatus im weiteren Sinne (sensu-lato) betrachtet.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die Aucklandscharbe erreicht eine Körperlänge von etwa 63,0 Zentimeter und eine Spannweite von etwa 105 Zentimeter. Das adulte Männchen weist vor der Brutzeit eine schwarze Färbung im Bereich der Halsseiten sowie im Kopfbereich und im Hinternacken auf. Eine weißer Fleck zeigt sich im Kinn- und Halsbereich. Des Weiteren ist eine scharfe Abgrenzung zwischen der schwarz und weiß gefärbten Brut und Unterseite erkennbar. Ein auffälliger Kontrast zwischen Weiß und Schwarz zeigt sich ebenfalls an den Halsseiten, die charakteristisch für die Art ist. Ferner weist das adulte Männchen einen langen, schwarzen, zurückgebogenen Kamm an der Stirn und vereinzelt lange weiße Fadenfedern an den Seiten des Kopfes auf. Der Rücken erscheint dunkel mit einem grünem Schimmer und undeutlich schwarzen Rändern an den Federn. Des Weiteren zeigen sich vereinzelt variable weiße Flügelflecken, jedoch keine weiße Färbung auf den Schulterfedern oder auf dem Rücken. Die Flügel, einschließlich die Flügelunterseiten, der Schwanz, die Schenkel weißen eine schwärzliche Tönung auf. Der Schnabel ist von einer dunklen orange-braunen oder grau-braunen Färbung. Das gesamte Gesichtsfeld ist schwarz gezeichnet, es zeigt sich nur ein leicht geröteter Augenring. Die Iris der Augen ist von einer dunkelbraunen Färbung. Die Beine und die Füßen sind rosa- oder fleischfarben geschönt und mit ein Paar dunklen Flecken versehen.

Die Jugendlichen weisen ein dunkelbraunes Gefieder auf. Der Schnabel ist hell orange-braun, etwas gelblich an der Basis. Die Iris der Augen weist eine braun-graue Färbung auf und die Beine sowie die Füße sind von einem matten Orange. Markantes Merkmal ist ihr bis zu fünf Zentimeter langer Schnabel, der über eine hakenförmige Spitze verfügt. Der Hals ist insgesamt lang und ausgesprochen dünn. Zwischen den Zehen hat die Aucklandscharbe Schwimmhäute, die sie zu einer hervorragenden Taucherin machen. Schwimmt die Aucklandscharbe an der Wasseroberfläche, so sind in der Regel nur ihr Hals und Kopf zu sehen. Der Körper befindet sich knapp unter der Wasseroberfläche. Das Gefieder saugt sich bei Kontakt mit Wasser voll und hält den Körper unter Wasser. Die Aucklandscharbe verfügt über keine Bürzeldrüse, mit der andere Wasservögel ihr Gefieder einfetten und mehr oder weniger wasserdicht machen. Nach einem Tauchgang kann man Aucklandscharben an Land mit ausgebreiteten Flügeln beobachten. Meist wedeln sie dabei mit ihren Flügeln, um den Trocknungsprozess zu beschleunigen.

Lebensweise

Auckland-Insel
vergrößern
Auckland-Insel

Als Küstenbewohner fischt die Aucklandscharbe ziemlich weit draußen auf hoher See. Beim Jagen von Fischen bilden die Vögel kleine oder große Gruppen von 20 bis 2.000 Vögeln. Manchmal sind sie eng beisammen und bilden so eine Formation. Die Gruppen schlagen mit den Flügeln vor dem Tauchen aufs Wasser und tauchen dann zusammen unter. Große Gruppen können sogar synchron tauchen. Gewöhnlich kommt es dabei zu sprunghaften Tauchgängen. Sie schwimmen lange Strecken unter Wasser, steigen dann plötzlich auf und bilden wieder eine enge Formation. Dieser Prozess wird einige Male wiederholt. Die fischenden Gruppen ziehen Schwärme von Sturmvögeln, Möwen und Seeschwalben an.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Aucklandscharbe nur auf Neuseeland vor. Die Fanggebiete befinden sich im südwestlichen Pazifik. Die Art nistet auf dem Boden auf Vorsprüngen der steilen Klippen. Aufgrund zu hoher Wellen im Küstenbereich werden die Nester manchmal aufgegeben. Die Art ernährt sich von kleinen Fischen und Meerestieren. Die Aucklandscharbe bewohnt subantarktisches Grünland, pelagische Flachseezonen, intertidale felsige Küsten, Gezeitenzonen, supratidale Klippen und felsige Inseln sowie supratidale an Küsten gelegene Süßwasserseen.

Ernährung

Auckland-Insel
vergrößern
Auckland-Insel

Aucklandscharben ernähren sich ausschließlich von Fisch. Die Fische weisen dabei eine Länge von rund zehn Zentimeter auf. Längere Fische könnten Aucklandscharben nicht fressen, da ein Fisch immer im Ganzen verschlungen wird. Pro Tag brauchen diese großen Vögel etwa 250 bis 300 Gramm an Nahrung. Auf Beutezug gehen sie unter Wasser. Sie sind ausgezeichnete Taucher, die durchschnittlich in Tiefen von zehn Metern jagen. Es wurden aber auch schon Tauchtiefen von deutlich unter 20 Metern registriert. Dabei können sie über eine Minute unter Wasser verbleiben. Die durchschnittliche Tauchzeit liegt bei rund 30 bis 45 Sekunden. Bei ihren Tauchgängen setzen sie ihre kräftigen Füße als Antrieb ein und nutzen ihren Schwanz zum Steuern.

Fortpflanzung

Die Aucklandscharbe brütet auf steilen Klippen, auf schmalen Felsvorsprüngen, in Nischen oder in Höhlen, etwa 12 bis 30 Meter über dem Meeresspiegel. Auch am Boden unter Grasbüscheln und felsigen Boden brütet die Art. Die Aucklandscharbe ist ein Kolonienbrüter in Assoziation mit Silbermöwen (Larus argentatus) und Antipodenseeschwalben (Sterna vittata). Häufig wird die Aucklandscharbe von Raubmöwen (Stercorariidae) bedroht, insbesondere werden dabei die Nester geplündert. Die Kolonien sind ziemlich dicht mit Nestern belegt. Manchmal brütet die Aucklandscharbe auch einzeln. Die Brutzeit erfolgt in den Monaten zwischen August und Dezember, vor allem im August und September erreicht die Brutzeit ihren Höhepunkt. Bevor es zur Paarung zwischen den Partnern kommt, vollführt das Männchen einen stillen Balztanz. Dabei bewegt das Männchen mehrmals den Kopf nach hinten und zur Seite. Der Schwanz wird nach oben oder nach vorne oder nach unten gefächert, die Flügel hängen herab, der Kamm ist abgeflacht und der Schnabel ist weit aufgesperrt. Während der Kopf-Hals-Senkung stehen sich die Partner gegenüber. Nach erfolgreicher Paarung bauen die Partner ein Nest, das ein flaches Gebilde darstellt, aus pflanzlichem Material besteht und mit Guano stabilisiert ist. Das Weibchen legt in der Regel zwei bis drei Eier. Die Eier werden über einen Zeitraum von rund 24 Tagen bebrütet. Bei Gelegeverlust sind Nachgelege durchaus die Regel. Die Küken weisen nach dem Schlupf eine schwarze Haut mit einem rosafarbenen Hals auf und sind mit einem grauen Flaum bedeckt. Als Nesthocker verbleiben die Küken für 47 bis 50 Tage im Nest und werden von den Eltern gefüttert. Die Flugfähigkeit wird zwar mit 60 Tagen erreicht, die Jungvögel verbleiben aber noch einige Wochen bei den Eltern. Die Jugendlichen weisen ein dunkelbraunes Gefieder auf. Der Schnabel ist hell orange-braun, etwas gelblich an der Basis. Die Iris der Augen weist eine braun-graue Färbung auf und die Beine sowie die Füße sind von einem matten Orange. Nach der ersten Mauser weisen die Jungvögel das gleiche Gefieder wie adulte Vögel auf.

Gefährdung und Schutz

Gentianella concinna - endemisch auf Auckland
vergrößern
Gentianella concinna - endemisch auf Auckland

Laut der Roten Liste der IUCN ist die Art als gefährdet einzustufen, da es eine geringe Reichweite der Brutplätze gibt und sich die Art lokal auf unzugänglichen Küstengebieten aufhält und ist daher anfällig für stochastische Effekte und für menschliche Einflüsse. Die Populations-Entwicklung ist nicht bekannt, aber es wird davon ausgegangen, dass sie einigermaßen stabil ist. Die Aucklandscharbe bewohnt - wie der Name schon andeutet - die Auckland-Inseln und die angrenzenden Gewässer von Neuseeland. Die Brutkolonien befinden sich auf Auckland, Enderby, Rose, Ewing und auf den Adams Inseln. Die gesamte Brutpopulation wird auf weniger als 1.000 Paare geschätzt. Erhebungen wurden in den Jahren 1988 und 1989 mit 475 Nestern in 11 Kolonien auf Enderby, eine Kolonie von 62 Nestern auf Rose und mit 306 Nestern auf Ewing. Man vermutet das die Brutplätze entlang der Küstengebiete sich auf 24 Kilometer erstrecken. Die größte Bedrohung auf den Auckland-Inseln geht von den Wildschweinen aus, da sie jede Kolonie erreichen können und als Folge werden die meisten Nester, wenn nicht alle, an unzugänglichen Stellen der Kolonie zerstört. Auf Rose und Enderby kann es eine ähnliche Auswirkung durch die verwilderten Rinder und Kaninchen gehabt haben. Vor allem eliminierten die verwilderten Rindern auf Enderby eine Grasbüschel-Art, die bevorzugtes Nistmaterial für die Art ist. Eine weitere Bedrohung für die Art sind verwilderte Katzen auf den Auckland-Inseln, die die Nester plündern. Im Jahre 1995 wurden die verwilderten Ziegen auf den Auckland-Inseln ausgerottet und im Jahre 1993 die verwilderten Rinder und Kaninchen auf Enderby und auf Rose entfernt. Im Jahre 1998 wurde ein Teil der Auckland-Insel-Gruppe (bereits ein Naturschutzgebiet) als Weltkulturerbe erklärt. Des Weiteren wurde das Gebiet im Jahre 2003 als Meeresschutzgebiet ausgewiesen. Die Populationszählung der gesamten adulten Population könnte als geeignete Methodik entwickelt werden. Auf den Auckland-Inseln sollten Küsten-Umfragen aller Nistplätze und auf Enderby alle 10 Jahre ein Monitoring der Brutbestände durchgeführt werden. Ferner ist auf den Auckland-Inseln eine Tilgung der verwilderten Katzen und Schweine dringend erforderlich.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge