Atylotus rusticus

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Atylotus rusticus
Männchen

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
Unterordnung: Fliegen (Brachycera)
Teilordnung: Tabanomorpha
Überfamilie: Tabanoidea
Familie: Bremsen (Tabanidae)
Unterfamilie: Tabaninae
Tribus: Tabanini
Gattung: Atylotus
Art: Atylotus rusticus
Wissenschaftlicher Name
Atylotus rusticus
(Linnaeus, 1767)

Atylotus rusticus zählt innerhalb der Familie der Bremsen (Tabanidae) zur Gattung Atylotus. Im Englischen wird die Art four-lined horsefly genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Atylotus rusticus erreicht eine Körperlänge von etwa 11,0 bis 16,0 Millimeter. Der Hinterleib weist eine gelbliche bis rostgelbe Färbung mit braune Ringsegmenten auf. Der Vorderkopf und die Freßspitzen sind lichtgrau. Die Fühlhörner sind gelb mit brauner Spitze. Markant sind die großen grün gefärbten Augen beim Männchen. Der Kopf ist deutlich breiter als der Thorax. Die Stirn ist ohne Ocellar-Tuberkel, mediane und basale Kalli fehlen oder sind stark reduziert. Des Weiteren sind die Vorderfüße des Männchens braun gefärbt, nur die Schienbeine sind vorn gelb getönt. Die Mittel- und Hinterfüße sind gelb und die vier äußeren Sohlenglieder weisen eine braune Farbe auf. Der Kopf des Weibchens erscheint halbkugelförmig. Die Stirn des Weibchens ist gelb und mit zwei schwarzen, hintereinander stehenden gelblichen Punkten versehen. Das Bruststück ist gelbbraun. Der Hinterleib ist gelb mit braungrau gemischt. Über den Rücken verlaufen zwei blassbraune Längslinien. Die Füße sind gelb. Die zwei letzten Sohlenglieder weisen eine braune Färbung auf. Die Flügel sind glasartig und sind mit einem gelblichen Vorderrand versehen. Schüppchen und Schwingkolben sind blassgelb.

Lebensweise

Atylotus rusticus
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Atylotus rusticus

Atylotus rusticus liebt offenes Gelände und ist, wenn auch nie in größerer Zahl, auf feuchten Wiesen und Weiden zu finden. Des Weiteren durchläuft Atylotus rusticus während der Entwicklung eine vollständige Metamorphose. Die Larven unterscheiden sich in ihrer Lebensweise und im Körperbau sehr stark von den Erwachsenen. Zwischen dem Larvenstadium und dem erwachsenen Stadium besteht ein Puppenstadium, die sogenannte Ruhezeit, in dem sich der innere und äußere Körperbau verändert. Die Larven leben überwiegend räuberisch und ernähren sich von kleinen Insekten (Insecta) und deren Larven. Atylotus rusticus wird in der Roten Liste Bayerns als gefährdete Art geführt.

Verbreitung

Atylotus rusticus ist in Europa, Asien und Nordafrika weit verbreitet. Die Larven halten sich im feuchten Moos, auf feuchten Wiesen und Weiden, in Sümpfen sowie in Mooren und an lichten Waldrändern auf.

Ernährung

Die Larven leben räuberisch und ernähren sich von kleinen Insekten (Insecta) und deren Larven, während die Weibchen hauptsächlich Blutmahlzeiten zu sich nehmen. Die Männchen dagegen besuchen die Blüten und ernähren sich vom Nektar und vom Pollen.

Fortpflanzung

Atylotus rusticus - Weibchen
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Atylotus rusticus - Weibchen

Nach erfolgreicher Paarung legen die Weibchen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen in den Erdboden ab. Hier schlüpfen die Larven nach rund einer Woche. Die Larven weisen eine langgestreckte Form auf und besitzen einen voll ausgebildeten Kopf. Sie sind weiß gefärbt und sind mit hellbraunen Querstreifen versehen. Die Larven erreichen eine Körperlänge von etwa 22,0 bis 36,0 Millimeter. Ihre Beißwerkzeuge sind gut entwickelt. Die Beißwerkzeuge haben sich aus den Mandibeln und Maxillen gebildet. Mit ihnen gehen sie auf die Jagd nach Insekten (Insecta) und deren Larven. Die Überwinterung erfolgt im larvalen Stadium. Mit Ende ihrer Entwicklungsphase verpuppen sich die Larven im Juni oder Juli im Boden. Die Puppen sind mit dicken Dornen dorsal am Abdominalsegment und kaudal mit einer Reihe von Stacheln versehen. Am siebten dorsalen Bauch-Segment zeigt sich posterior eine Reihe von zwei langen Stacheln und mehrere, dicht gestellt am seitlichen Ende befinden sich kürzere Dornen. Die Kopf-Kapsel ist zwischen den Basen der Antennen leicht erhöht, gerundet und wirkt ziemlich runzelig. Aus der Puppe schlüpft nach etwa zwei oder drei Wochen die voll entwickelte Bremse.

Weitere Synonyme

  • Tabanus hungaricus - Strand, 1925
  • Tabanus ochraceus - Olsufjev & Melnikova, 1962
  • Tabanus parallelifrons - Szilady, 1923
  • Tabanus ruralis - Zetterstedt, 1838
  • Tabanus rusticus - Linnaeus, 1767
  • Tabanus strobli - Strand, 1925

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
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