Amerikanischer Hummer

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Amerikanischer Hummer

Systematik
Klasse: Höhere Krebse (Malacostraca)
Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
Unterordnung: Langustenartige (Palinuridea)
Familie: Hummerartige (Nephropidae)
Gattung: Hummer (Homarus)
Art: Amerikanischer Hummer
Wissenschaftlicher Name
Homarus americanus
H. Milne Edwards, 1837

Der Amerikanische Hummer (Homarus americanus), auch als Nordhummer, Maine Hummer oder Atlantischer Hummer bekannt, zählt innerhalb der Familie der Hummerartigen (Nephropidae) zur Gattung der Hummer (Homarus). Im Englischen wird der Amerikanische Hummer American lobster genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Amerikanische Hummer, der etwas breitscheriger aussieht und einen Dorn an der Unterseite des Stirnhorns trägt, unterscheidet sich kaum vom Europäischen Hummer (Homarus gammarus). Der Amerikanische Hummer erreicht eine Körperlänge von bis zu 230 Millimeter und das Gewicht eines Amerikanischen Hummers kann 700 bis 900 Gramm betragen. Der Rückenpanzer kann abhängig von verschiedenen Faktoren wie Vererbung, Nahrung und Lichtverhältnisse unterschiedliche Farbnuancen aufweisen. Das kann ein Olivgrün, ein Grün, ein grünliches Braun, ein düsteres Orange oder sogar ein helles Blau sein. Die Seitenpartien und die Bauchseite sind bräunlich bis gelblich und mit dunklen Sprenkeln überzogen. Der Rückenpanzer ist glatt. Die Scheren sind sehr groß und leicht abgeflacht. Die rechte Schere ist deutlich größer als die linke Schere. Sie dient dem Amerikanischen Hummer hauptsächlich als Verteidigungswerkzeug. Die linke, kleinere Schere dient dem Amerikanischen Hummer zur Nahrungsgewinnung. Mit ihr zerteilt er seine Beute und führt die Beutestücke zum Maul. An der Unterseite hat der Amerikanische Hummer drei Paar Kieferfüße und ein Brustbeinpaar. Die Augen sind gestielt und die Antennen sind körperlang. Des weiteren befinden sich an den Antennen und Beinen Hunderttausende von Riechhaaren, die auf die unterschiedlichsten chemischen Substanzen reagieren.

Zwischen Männchen und Weibchen besteht kaum ein Geschlechtsdimorphismus. Bei dem Weibchen sind die Schwanzsegmente etwas breiter ausgebildet als beim Männchen. Beim Männchen ist das erste Beinpaar des Hinterleibes zu kleinen, spitzen Ruten umgebildet, die als Begattungsorgane dienen. Der Amerikanische Hummer ist ein typischer Einzelgänger. In regelmäßigen Abständen häutet sich der Amerikanische Hummer, da der starre Panzer nicht mitwächst. In den ersten Lebensjahren kommt es bis zu zehnmal im Jahr zu einer Häutung. Im fortgeschrittenen Alter nur einmal im Jahr.
Amerikanischer Hummer
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Amerikanischer Hummer
Ist der Amerikanische Hummer ausgewachsen, so häutet er sich lediglich einmal in zwei Jahren. Nach einer Häutung ist er ungeschützt. Der neue Panzer härtet binnen drei Wochen aus. Um sich während dieser Zeit vor den natürlichen Fleischfressern zu schützen, hält sich der Amerikanische Hummer vorzugsweise in Felsspalten oder in Höhlen auf. Verlorengegangene Gliedmaßen wachsen dem Amerikanischen Hummer über einen Zeitraum von mehreren Häutungen nach.

Verbreitung

Der Amerikanische Hummer kommt im Nordwest-Atlantik von Labrador, in den Kanadischen Maritimes, im Kap Hatteras sowie im Süden von Nord Carolina vor. Des weiteren findet man den Amerikanischen Hummer in Neufundland, Massachusetts und an der nordamerikanischen Küste von Maine. Er bevorzugt im Sommer kaltes flaches Wasser und lebt auf felsigem Grund mit ausreichenden Versteckmöglichkeiten. In der kalten Jahreszeit zieht er sich in Tiefen von etwa 50 Metern zurück.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern des Amerikanischen Hummers gehören unter anderem der Atlantische Kabeljau (Gadus morhua), der Schellfisch (Melanogrammus aeglefinus) sowie die Flunder (Platichthys flesus).

Amerikanischer Hummer
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Amerikanischer Hummer

Ernährung

Der Amerikanische Hummer ernährt sich vorwiegend von Weichtieren (Mollusca), Krabben (Brachyura), Muscheln (Bivalvia) wie zum Beispiel Miesmuscheln (Mytilus), Seesternen (Asteroidea), Seegurken (Holothuroidea) und von Würmern. Gelegentlich verspeist er Seeigel (Echinoidea) und auch Aas wird von ihm nicht verschmäht. Da der Amerikanische Hummer sich nur langsam fortbewegt, erbeutet er selten schnell schwimmende Meerestiere. Auf Nahrungssuche geht der Amerikanische Hummer in der Nacht.

Fortpflanzung

Der Amerikanische Hummer erreicht die Geschlechtsreife mit rund sechs Jahren. Das entspricht einer Körperlänge von etwa 180 bis 200 Millimeter. Je nach Verbreitungsgebiet erstreckt sich die Laichzeit über die Monate Juli bis August. Ein Weibchen legt nur alle zwei Jahre ihre Eier ab. Je nach Größe des Weibchens legt es durchschnittlich zwischen 10.000 und 40.000 Eier unterhalb ihres Schwanzes ab.
Hummerfallen vor Neufundland
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Hummerfallen vor Neufundland
Bei voll ausgewachsenen Weibchen kann das Gelege auch bis zu 100.000 Eiern betragen. Das ist allerdings sehr selten. Zum Schutz ihres Geleges krümmt das Weibchen den Hinterleib unter den Vorderkörper. Die Eier zeigen eine grünliche Färbung und sind sehr klein. Der Durchmesser der Eier beträgt etwa einen Millimeter. Je nach Wassertemperatur schlüpfen die Jungtiere nach etwa zehn bis elf Monaten. Je kälter das Wasser, desto später schlüpfen die Larven.

Nach dem Schlupf ähneln die Larven eher Garnelen und besitzen einen durchsichtigen Panzer. Für einige Wochen schwimmen die Larven mit ihren kleinen Flossen nahe der Wasseroberfläche und ernähren sich von Kleinstlebewesen aller Art oder von Mikroorganismen. In dieser Zeit sind die Larven extrem verletzbar und etwa ein Zehntel von einem Prozent der Larven überlebt die kritische Zeit bis zum Erwachsensein. Im ersten Jahr häutet sich der Amerikanische Hummer ungefähr zehnmal und erreicht dann eine Länge von 30 bis 40 Millimeter. Es dauert ungefähr sechs Jahre bis der Amerikanische Hummer die Hälfte eines Kilogramms erreicht hat. Wissenschaftler schätzen, dass ein Amerikanischer Hummer ein Alter von 100 Jahren erreichen kann. Genaue Angaben über das wirkliche Alter konnten aber bis jetzt noch nicht gemacht werden.

Gefährdung und Schutz

Der Amerikanische Hummer ist noch nicht gefährdet. Dies könnte sich aber bald ändern, da Kanada riesige Verarbeitungsfabriken subventioniert, um frisches Hummerfleisch zu verarbeiten. Die Fischer ziehen neunzig Prozent des zum Fang freigegebenen Bestandes an Bord, denn über 60 Prozent nehmen die Verarbeitungsfabriken ab. Auch die Limitierung auf 800 Fallen schützt nicht vor Überfischung. Denn die Gefährdung der Populationen gehen in erster Linie auf die Überfischung und auf die Wasserverschmutzung zurück.
Amerikanischer Hummer vor der nordamerikanischen Küste im Bundesstaat Maine gefischt, um als Exquisit auf den Teller zu landen
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Amerikanischer Hummer vor der nordamerikanischen Küste im Bundesstaat Maine gefischt, um als Exquisit auf den Teller zu landen
In Kanada und in den USA werden jährlich etwa 60.000 Tonnen Hummer gefangen und weltweit verkauft. Vor zwanzig Jahren waren es noch 20.000 Tonnen. Der Bundesstaat Maine trägt mehr als die Hälfte der Produktion bei. Drei Viertel der Amerikanischen Hummer gelangen nach Europa, vor allem nach Frankreich und Italien sowie nach Deutschland und in die Schweiz. In den USA werden fünfzehn Prozent selbst verwertet sowie zehn Prozent in Japan und Korea. Während der Amerikanische Hummer vor New York nicht mehr gesichtet wurde und die Kanadier die Fangperiode auf zwölf Wochen jährlich beschränkt haben, so wird vor der nordamerikanischen Küste im Bundesstaat Maine der Amerikanische Hummer pausenlos gefischt. Allerdings warnen die Wissenschaftler und die Biologen vor dem Raubbau am Meer, der zu einem Kollaps führen könnte. Denn wo immer eine einzelne Art gezielt gejagt wird, droht deren Aussterben.

Besonders perfide ist die Zubereitung des Hummers, indem man das Tier lebendig ins kochende Wasser wirft, damit der Hummer die schöne rote Farbe bekommt. Es wird behauptet, dass der Hummer gleich tot ist, nachdem man den Hummer in kochendes Wasser taucht. Zitat Anfang: "Die haben ein rudimentäres Nervensystem, das keine Schmerzempfindung kennt." Zitat Ende. Fakt ist, dass der Hummer fünf Minuten leiden muss, bis das Nervensystem vom Kochen zerstört ist. Dies haben auch neurologische und verhaltenswissenschaftliche Untersuchungen bestätigt. Dass der Hummer bei lebendigem Leib in kochendes Wasser getaucht wird, entspricht den Zubereitungsrichtlinien unserer EU. Eine korrekte tierschonende Technik wäre hier wohl dringend erforderlich!

Anhang

Literatur und Quellen

  • Horst Füller...: "Wirbellose Tiere, Band 2". Urania-Verlag Leipzig Jena Berlin. Auflage: 1 (1994) ISBN 3-332-00502-2
  • Prof. Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Koehler, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Bernhard Rensch, Prof. Dr. Peter Rietschel und Prof. Dr. Erich Thenius: Grzimeks Tierleben. Niedere Tiere. Erster Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2

Weblinks

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