Artibeus planirostris

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Artibeus planirostris
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Familie: Blattnasen (Phyllostomidae)
Unterfamilie: Fruchtvampire (Stenodermatinae)
Gattung: Eigentliche Fruchtvampire (Artibeus)
Art: Artibeus planirostris
Wissenschaftlicher Name
Artibeus planirostris
(Spix, 1823)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Artibeus planirostris zählt innerhalb der Familie der Fruchtvampire (Stenodermatinae) zur Gattung der Eigentlichen Fruchtvampire (Artibeus). Im Englischen wird die Art Flat-faced Fruit-eating Bat genannt. Einige Forscher sehen die Art als Unterart der Jamaica Fruchtfledermaus (Artibeus jamaicensis).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Artibeus planirostris kann aus anatomischer Sicht mit der Jamaica Fruchtfledermaus (Artibeus jamaicensis), aber auch mit Artibeus amplus, Artibeus fimbriatus, Artibeus lituratus und Artibeus obscurus verwechselt werden. Artibeus planirostris ist jedoch etwas größer als die Jamaica Fruchtfledermaus. Indiz ist hier die Unterarmlänge bei Artibeus planirostris von 62 bis 73 mm, die bei Artibeus jamaicensis lediglich 52 bis 67,4 mm beträgt. Bei Artibeus lituratus zeigen sich supraorbital, also über den Augen, helle Streifen. Artibeus planirostris ist am deutlichsten anhand des aschbraun gefärbten Rückens zu erkennen. Artibeus planirostris weist im Gegensatz zu Artibeus Amplus weißliche Flügelspitzen auf. Artibeus obscurus kann aufgrund des langen und dunklen Felles leicht erkannt werden. Im Vergleich zu Artibeus planirostris ist das Fell bei Artibeus fimbriatus sehr viel weicher und insgesamt auch dunkler (Lydia Hollis, 2005).

Beschreibung

Aussehen, Maße

Artibeus planirostris gehört zu den größeren Fledermausarten. Die Art erreicht eine Gesamtlänge von 75 bis 110 mm, eine Unterarmlänge von 62 bis 73 mm, eine Ohrlänge von 15 bis 26 mm, eine Hinterfußlänge von 12 bis 25 mm, eine Traguslänge (kleine Knorpelmasse an der Ohrmuschel) von 7,2 bis 8,5 mm, eine Länge der Tibia (Schienbein) von 22 bis 26 mm, eine Schädellänge von 29,2 bis 33 mm, eine Jochbeinbreite von 17,3 bis 20,9 mm, eine Hirnschalenbreite von 11,8 bis 13,8 mm sowie ein Gewicht von 40 bis 69 g. Der Calcar, ein knorpeliger Sporn an den Hinterbeinen, erreicht eine Länge von 6,5 und 8,2 mm. Der Calcar spannt das Uropatagium, also die Schwanzflughaut, zwischen dem Calcar, dem Hinterbein und dem Schwanz der Tiere. Die Flugmembran, die sich von den Handgelenken bis zu den Fußgelenken erstreckt, besteht aus 2 Schichten. Artibeus planirostris erreicht eine Daumenlänge von 14,2 bis 17,2 mm und eine Länge des Metacarpus III von 53,5 bis 67,6 mm. Die Ohren sind kurz und weisen eine abgerundete Spitze auf. Markantes Erkennungsmerkmal von Artibeus planirostris sind die 2 bis 3 Lappen am hinteren Rand des Tragus. Die Streifung im Gesichtsfeld ist nur schwach entwickelt. Das dorsale Fell ist dicht und weich. Es ist bräunlich-grau gefärbt und weist eine Länge von 6 bis 8 mm auf. Ventral zeigt sich eine gräuliche Färbung. Die Färbung des Felles kann mit zunehmendem Alter variieren; ältere Tiere sind insgesamt dunkler gefärbt. Das Patagium oder auch Chiropatagium, ist dunkelbraun bis schwarzbraun gefärbt. Die Spitzen der Flughäute können weißlich sein. Das Uropatagium ist gut entwickelt und fast nackt. Ein externer Schwanz ist nicht vorhanden. Das Gebiss von Artibeus planirostris besteht aus 32 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i2/2, c1/1, p2/2, m3/3 (Lydia Hollis, 2005).

Lebensweise

Artibeus planirostris ist strikt nachtaktiv. Am Tage ruhen die Tiere kopfüber hängend in Schlafbäume. Als Schlafbäume dienen für gewöhnlich Obstbäume, insbesondere Feigen (Ficus), Mimosengewächse (Mimosoideae) wie Inga marginata und Brennnesselgewächse (Urticaceae) wie Pourouma cecropiaefolia (Lydia Hollis, 2005).

Verbreitung

Artibeus planirostris ist in Südamerika vom Südosten Kolumbiens und dem südlichen Venezuela südlich bis in den Norden von Argentinien und dem östlichen Brasilien verbreitet. Besiedelt wird hauptsächlich das Tiefland, jedoch ist Artibeus planirostris lokal auch im Hochland in Höhen von 650 und 2.000 m anzutreffen. Die Ruheplätze liegen meist in den Dächern alter Häuser, in Fabriken oder in alten Baumbeständen. Beliebte Bäume sind Lorbeergewächse (Lauraceae) wie Phoebe porphyrie, Walnussgewächse (Juglandaceae) wie Juglans australid. Beliebte Lebensräume sind lichte Wald- und Strauchlandschaften (Lydia Hollis, 2005).

Biozönose

Sympatrie

Artibeus planirostris lebt sympatrisch mit Artibeus obscurus und Artibeus lituratus. Dies belegen gemeinsame Fänge in primären Regenwäldern und angrenzendem Farmland (Lydia Hollis, 2005).

Ernährung

Artibeus planirostris ernährt sich im Wesentlichen von Früchten. Hier sind insbesondere Malpighienartige (Malpighiales) wie Vertreter der Familie Clusiaceae zu nennen. Die Ernährungsweise ist dabei nicht saisonabhängig. Zu einem kleinen Teil nehmen diese Fledermäuse auch Insekten (Insecta) wie Käfer (Coleoptera), Zweiflügler (Diptera), Hautflügler (Hymenoptera) sowie Spinnentiere (Arachnida) wie Milben (Acari, Acarida) (Lydia Hollis, 2005). Die meisten Insekten werden dabei über Früchte, also indirekt, konsumiert.

Fortpflanzung

Das Fortpflanzungsverhalten von Artibeus planirostris kann als saisonale bimodale Polygamie bezeichnet werden. Die Hauptfortpflanzungszeit erstreckt sich von Juni bis in den März hinein. Die Stillzeit liegt demnach zwischen Oktober und März. Dies entspricht der Regenzeit. Zu dieser Zeit ist das Aufkommen an Nahrung am höchsten. Zu den Geburten kommt es bimodal (zweispitzig) zum einen zu Beginn der Regenzeit und zum anderen zum Ende der Regenzeit. Ein Wurf besteht für gewöhnlich aus einem Jungtier (Lydia Hollis, 2005).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Artibeus planirostris gehört heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher in der Kategorie LC, Least Concern geführt. Die größte Bedrohung geht von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere durch die Rodung und Zersiedelung der Wälder, aus (IUCN, 2009).

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge