Argyrodes flavescens

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Argyrodes flavescens
Weibchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Haubennetzspinnen (Theridiidae)
Gattung: Argyrodes
Art: Argyrodes flavescens
Wissenschaftlicher Name
Argyrodes flavescens
Cambridge, 1880

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:007044]

Die Spinnenart Argyrodes flavescens gehört innerhalb der Familie der Haubennetzspinnen (Theridiidae) zur Gattung Argyrodes. Im Englischen wird die Art Silver Dewdrop Spider oder Red Silver Spider genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Argyrodes flavescens ist eine sehr kleine Spinne und erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 3 bis 3,5 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 5,0 Millimeter. Die Körperform dieser Art weicht sehr von der normalen Spinnengestalt ab. Der Hinterleib, insbesondere bei dem Weibchen, ist deutlich konisch stark erhöht und erscheint dadurch in der Seitenansicht spitz dreieckig. Oft reicht der Hinterleib weit über die Spinnwarzen hinaus. Das Weibchen weist ein gesprenkeltes mit silbernen und schwarzen Flecken besetztes Opisthosoma auf. Die Grundfärbung beider Geschlechter ist ein glänzendes Rotbraun. Bei dem Männchen erkennt man eine groteske Ausformung des Kopfbereiches, die sich blasenförmig im Bereich der erhöhten Augenpartie abzeichnet. Die Stridulationsorgane des Männchens sind stark rückgebildet. Die Beine weisen eine schwarze Färbung auf und sind relativ dünn und wirken dadurch eher zerbrechlich. Die Hintertarsen sind beborstet und tragen unterseits eine regelmäßige Reihe kammartig gezähnter Borsten.

Lebensweise

Die kleine Spinne lebt ausschließlich als Kleptoparasit in den Netzen großer Radnetzspinnen (Araneidae) und der Seidenspinnen (Nephila) wie zum Beispiel Nephila clavata und Nephila pilipes. Argyrodes flavescens wird aufgrund ihrer geringen Größe von der Netzbewohnerin meist nicht beachtet und stiehlt sich in günstigen Augenblicken bereits eingesponnene Beutetiere aus dem Netz und trägt die Beute davon. Manchmal saugt sie auch zusammen mit der Wirtsspinne, nur von der anderen Seite aus, an deren Beute. Die Spinne kennt sich in dem fremden Radnetz sehr gut aus. Sie klettert mit ruhigen gleichmäßigen Bewegungen nur an Rahmen und Speichen und verhält sich damit ganz anders als eine am Klebfaden zappelnde Fliege (Brachycera). So kommt es nur selten vor, dass sie die Beute ihrer Wirtin wird. Mitunter zieht Argyrodes flavescens selbst auch ein paar Fäden, die sie an das fremde Radnetz anheftet. Die Spinne zeigt das am besten erforschte Beispiel von Tischgenossenschaft (Kommensalismus) unter den Spinnen.

Argyrodes flavescens - Männchen und Weibchen
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Argyrodes flavescens - Männchen und Weibchen

Verbreitung

Argyrodes flavescens kommt in folgenden Verbreitungsgebieten vor: Singapur, Indonesien, Myanmar, Japan und Sri Lanka. Die Spinne hält sich in Sträuchern und Büschen auf und ist häufig vielerorts anzutreffen. Am häufigsten bewohnt die Spinne die Bahnen der Netze von Radnetzspinnen (Araneidae) und von Seidenspinnen (Nephila).

Ernährung

Argyrodes flavescens nutzt sehr geschickt die Schwächen der Radnetzspinnen (Araneidae) und der Seidenspinnen (Nephila) aus und ernährt sich von deren Beute. Einmal ist es so, dass viele sehr kleine Beutetiere wie Blattläuse (Aphidoidea) und winzige Mücken (Nematocera) von den Wirtsspinnen zunächst ignoriert werden. Diese Insekten (Insecta) holt sich Argyrodes flavescens. Andererseits kommt es sogar vor, dass die Spinne an die fressende Wirtsspinne heranschleicht, dabei zwar mit dem eigenen Leben spielt, aber oft genug an der bereits mundgerechten Beute mitsaugen kann. Bei Gefahr durch die Wirtsspinne kann sich Argyrodes flavescens immer noch fallen lassen und an dem nachgezogenen Sicherheitsfaden zum ursprünglichen Platz zurückklettern. Dieses Verhalten ist wahrscheinlich auf eine andere Taktik der Spinne zurückzuführen. Verfangen sich kurz hintereinander mehrere Beutetiere im Netz, dann wickelt die Wirtsspinne erst ein Insekt ein, läßt es hängen und widmet sich dem nächsten Insekt. Diesen Moment paßt Argyrodes flavescens ab und stiehlt die bereits eingewickelte Beute, während die Wirtin mit dem anderen Insekt beschäftigt ist. Einen Sicherheitsfaden hinter sich herziehend, klettert Argyrodes flavescens heran, packt die eingewickelte Beute, beißt den Faden, an dem sie hängt, durch und läßt sich mit dem Beutetier aus dem Netz fallen. Nun klettert Argyrodes flavescens am Sicherheitsfaden zurück zu ihrem Schlupfwinkel, schwer bepackt mit der gestohlenen Beute.

Fortpflanzung

Nach der Paarungszeit kann man neben dem Netz die markanten, weißen Eikokons finden, die zu den schönsten und auffallendsten Spinnenkokons gehören. Sie sind an einem dünnen Faden aufgehängt und setzen sich aus einem oberen, kugeligen Abschnitt, der die Eier enthält, und einem zylindrischen Rohrstutzen zusammen, durch den später die Jungspinnen den Kokon verlassen. Die Jungspinnen werden bis zum Schlüpfen von dem Weibchen bewacht. Um eine weitere Paarung des Weibchens mit anderen Männchen zu verhindern, versiegelt das Männchen, das sich kurz zuvor mit dem Weibchen gepaart hat, die Epigyne mit einem harzartigen Propfen.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Argyrodes flavescens - im Netz der Wirtsspinne
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Argyrodes flavescens - im Netz der Wirtsspinne

Update 13. Dezember 2008 <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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